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Baborów [baˈbɔruf] (deutsch Bauerwitz; tschechisch Bavorov) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Opole. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwa 6100 Einwohnern.

Baborów
POL Baborów COA.svg
Baborów (Polen)
Baborów
Baborów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Powiat: Głubczycki
Gmina: Baborów
Fläche: 11,73 km²
Geographische Lage: 50° 9′ N, 18° 0′ OKoordinaten: 50° 9′ 5″ N, 17° 59′ 42″ O
Höhe: 230 m n.p.m.
Einwohner: 2956 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 48-120
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OGL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: GłubczyceRacibórz
Nächster int. Flughafen: Katowice



Geographische LageBearbeiten

 
Bauerwitz östlich von Leobschütz und nordwestlich von Ratibor auf einer Landkarte von 1910

Die Stadt liegt in Schlesien an der Zinna, etwa 60 Kilometer südlich von Oppeln (Opole) und etwa 40 Kilometer nordwestlich von Ostrau (Ostrava). Rund acht Kilometer südlich der Stadt verläuft die Grenze zu Tschechien.

GeschichteBearbeiten

 
St. Josef in Baborów

Die Ortschaft wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vermutlich von Bavor II. (1220–1279) gegründet, der dem böhmischen Adelsgeschlecht der Bavor von Strakonitz entstammte und der mit Agnes/Anežka, einer außerehelichen Tochter des böhmischen Königs Ottokar II. Přemysl verheiratet gewesen sein soll. Es gehörte zum Troppauer Land in Mähren und wurde erstmals 1296 urkundlich mit einem Vogt Jaroslav (Jeroslaum advocatum de Baurwitz) erwähnt. 1318 wurde es dem neu gegründeten Herzogtum Troppau eingegliedert, von dem es an Wok/Vok (II.) von Krawarn oder schon vorher an dessen gleichnamigen Vater Wok (I.) gelangte, der für das Jahr 1316 als Unterkämmerer von Böhmen belegt ist und 1324–1325 das Amt des Oberstkämmerers von Olmütz bekleidete. Am 19. August 1340 verkauften Heinrich/Jindřich von Krawarn auf Plumlov und dessen Bruder Johann/Ješek von Krawarn, der ein Ritter des Deutschen Ordens war, Bauerwitz (Bavorov) zusammen mit Zülkowitz (Sulkov/Sułków), Tschirmkau (Červenkov/Czerwonków) und Eiglau (Děhylov/Dziełów) dem Dominikanerinnenkloster in Ratibor, dessen Äbtissin Euphemia († 1359) eine Schwester des Ratiborer Herzogs Lestko war. Bereits am 22. August d. J. bestätigte der Troppauer Herzog Nikolaus II. den Verkauf. In dieser Urkunde werden als ehemalige Besitzer die Bavor von Strakonitz aufgeführt, denen Wok/Vok von Krawarn folgte. Seit 1340 war Bauerwitz ein Ackerbürgerstädtchen (oppidum), das nach der Teilung des Herzogtums Troppau 1377 zum Herzogtum Jägerndorf gehörte.

Am 16. März 1403 bestätigt Markgraf Jodokus von Brandenburg als Gebieter Mährens in Jägerndorf, dass die Prinzessinnen und Nonnen Agnes und Anna sowie der Priester Wenceslaus den Erasmusaltar in der Pfarrkirche zu Bauerwitz für einen jährlichen Zins von sechs Mark gestiftet hatten.[1]

Später verlor Bauerwitz das Marktrecht, erhielt es jedoch 1575 wieder zurück. Kaiser Karl VI. erhob Bauerwitz 1718 zur Mediatstadt.

Zusammen mit fast ganz Schlesien fiel Bauerwitz 1742 nach dem Ersten Schlesischen Krieg an Preußen. Kirchlich gehörte es weiterhin zum Bistum Olmütz, wobei der an Preußen gefallene Teil des Bistums vom 1742 gegründeten Kommissariat Katscher verwaltet wurde. Bis zur Säkularisation 1810 gehörte es dem Ratiborer Dominikanerinnen-Kloster. Mit der Neugliederung Preußens gehörte es ab 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1818 dem Landkreis Leobschütz eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb.

Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinien Ratibor–Leobschütz (1855), Bauerwitz–Cosel (1908) und Bauerwitz–Troppau (1909) erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Einwohnerzahl wuchs stetig. Sie betrug 1787: 1447, 1905: 2771 und 1939 rund 4.500 Einwohner. Die letztgenannte Einwohnerzahl kam durch die zum 23. Dezember 1927 erfolgten Eingemeindungen von Jernau (Jaroniów) und dem Gutsbezirk Bauerwitz zustande. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war Bauerwitz Sitz eines Amtsgerichts und hatte zwei katholische Kirchen.[2]

Im Jahr 1945 gehörte Bauerwitz zum Landkreis Leobschütz im Regierungsbezirk Oppeln der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bauerwitz im März 1945 nach harten Kämpfen von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde Bauerwitz zusammen mit dem Kreisgebiet von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. In Bauerwitz begann danach der Zuzug polnischer Zivilisten, die zum Teil aus den im Rahmen der „Westverschiebung Polens“ an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Für Bauerwitz wurde die polnische Ortsbezeichnung Baborów eingeführt. In der Folgezeit wurden die allermeisten Deutschen aus Bauerwitz vertrieben.

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1803 1.598 [3]
1810 1.800 [3]
1816 1.621 davon acht Evangelische, 1.598 Katholiken und 18 Juden[3]
1821 1.816 [3]
1825 1.904 darunter 24 Evangelische und drei Juden[4]
1840 2.292 davon 2.236 Katholiken, 28 Evangelische und 28 Juden[5]
1852 2.319 [6]
1871 2.403 fast ausschließlich Katholiken, darunter über 2.000 Tschechen[7]
1890 2.707 darunter 50 Evangelische und 17 Juden (2.220 Tschechen)[8]
1900 2.720 meist Katholiken[2]
1933 4.332 [8]
1939 4.535 [8]

1957 lebten 3.500 Menschen in der Stadt.

KirchspielBearbeiten

Kirchlich unterstand Bauerwitz bis 1972 dem Erzbistum Olmütz.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche
  • Die Friedhofskirche St. Josef ist eine oberschlesische Schrotholzkirche aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie besitzt eine wertvolle zeitgenössische Innenausstattung.
  • Die 1340 erstmals erwähnte Pfarrkirche wurde im 19. Jahrhundert neu errichtet.

GemeindeBearbeiten

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Baborów gehören neben der namensgebenden Stadt zehn Dörfer.

Partnerstädte und -gemeindenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 897.
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 785.
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 17.
  • A. Tschauder: Kurze Geschichte der Stadt Bauerwitz, Leobschütz, 1881.
  • Tomáš Baletka: Páni z Kravař – Z Moravy až na konec světa, 2004, ISBN 80-7106-682-6, S. 42, 68, 75, 132f.
  • Joachim Spallek: Chronik eines Bauerndorfes in Schlesien: Hohndorf/Kreis Leobschütz 1183–1946. Ein Beitrag zur Siedlungs- und Kulturgeschichte Schlesiens. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2010, 543 Seiten, Selbstverlag Dr. Joachim Spallek, Niersplank 11, 47877 Willich (Nur Direktbezug möglich), T+F: 02156 6237, weltvox@t-online.de

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Augustin Weltzel: Geschichte der Stadt Ratibor. Ratibor 1861, S. 496.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig und Wien 1905, S. 467.
  3. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 250–251, Ziffer 36.
  4. Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 897.
  5. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 785.
  6. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 29.
  7. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 181–182, Ziffer 13.
  8. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. leobschuetz.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).