Hauptmenü öffnen
BUWOG Group

Logo
Rechtsform AG
ISIN AT00BUWOG001
Gründung 1950
Auflösung 2018
Auflösungsgrund Übernahme
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung
  • Daniel Riedl (CEO)
  • Herwig Teufelsdorfer (COO)
Mitarbeiterzahl 753, davon 369 in Österreich (Stand 2016)[1]
Umsatz 491,3 Mio. Euro, exkl. Betriebskostenvorauszahlungen (Stand 2015/2016)[1]
Branche Wohnungswirtschaft
Website www.buwog.com

Die BUWOG Group (BUWOG) war ein börsennotiertes österreichisches Wohnungsunternehmen mit einem Portfolio von rund 51.000 Wohnungen in Österreich und Deutschland.[2]

Als Bauträger war die BUWOG für die Errichtung von mehr als 35.000 Wohnungen in Österreich verantwortlich; in Deutschland war sie seit 2012 im Wohnungsneubau aktiv.

2018 wurde die BUWOG von der Vonovia SE übernommen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die BUWOG wurde 1950/1951 von der Republik Österreich als Wohnungsgesellschaft für Bundesbedienstete geschaffen.

Im Jahr 2000 fasste das Bundesministerium für Finanzen den Entschluss zur Privatisierung der bundeseigenen Wohnungsgesellschaften. Nachdem zuerst versucht werden sollte, die Wohnungen den Mietern zum Kauf anzubieten, standen 2002 die Unternehmen BUWOG, ESG Villach, WAG Wohnungsanlagen GmbH, Wohnen und Bauen GmbH (WBG) und die EBS Wohnungsgesellschaft mbH Linz zum Verkauf.[3][4] Mit der Abwicklung des Verkaufs wurde Lehman Brothers beauftragt, unter anderen vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden und Immobilienmakler Ernst Karl Plech.[5][6] Das Paket aus BUWOG, ESG Villach, WAG Wohnungsanlagen GmbH und EBS wurde schließlich um 961 Mio. € (WBG: 55 Mio. €) an ein sogenanntes österreichisches Bieterkonsortium, bestehend aus RLB OÖ, Wiener Städtische und Immofinanz verkauft. Das Konsortium teilte sich die Gesellschaften auf: Seit 2004 befanden sich die BUWOG sowie die ESG Villach im Besitz der Immofinanz. RLB OÖ und Wiener Städtische wurden Besitzer der WAG und der EBS, die WBG ging an die Eisenbahner-Genossenschaft BWS.[6]

Als Komplettanbieter deckte die BUWOG Group die Geschäftsfelder Asset-Management, Property Development und Sales ab. Im Geschäftsjahr 2009/2010 wurden aus dem Portfolio der Muttergesellschaft Immofinanz 2.253 Wohnungen und 42 Geschäftslokale in Berlin-Spandau und Berlin-Tempelhof angekauft.[7]

Die 2009 gegründete Hausverwaltung BUWOG Facility Management wurde im April 2014 an EHL Immobilien verkauft.[8]

2014 beschäftigte die BUWOG 753 Personen in Deutschland und Österreich.[9] Im Juni 2014 übernahm die BUWOG für 892 Mio. Euro ein Portfolio von rund 18.000 Wohnungen in Nordwestdeutschland mit Schwerpunkten in Lübeck, Kiel, im Hamburger Umland sowie Braunschweig und wurde damit zu einem der führenden Wohnungsanbieter auf dem deutschen Markt.[10]

Ende April 2014 wurde die BUWOG von der Immofinanz-Gruppe im Zuge eines Spin-offs abgespalten und notierte an den Börsen in Frankfurt, Wien und Warschau.[11] Zwei Jahre später folgte der Aufstieg in den ATX five der Wiener Börse[12], zwei Jahre später folgte bereits der Aufstieg in den ATX five. Die BUWOG zählt damit zu den fünf größten Börseunternehmen Österreichs.[13]

2018 zahlte der deutsche Wohnkonzern Vonovia 5,2 Milliarden Euro für die Buwog; die Übernahme war damit die zweitgrößte, die es in Österreich je gab.[14]

Mit 26. Juni 2018 wurde das Unternehmen im ATX durch das Bauunternehmen Porr ersetzt.[15]

BUWOG-AffäreBearbeiten

Die Vorgänge rund um den Verkauf der BUWOG und die daraus erwarteten Erlöse für den Staatshaushalt waren 2007 Teil einer Überprüfung des Rechnungshofes.[16] Darin wird die „mangelnde Vorbereitung der Veräußerung“ kritisiert. Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger und der Lobbyist Peter Hochegger stehen in der Kritik, weil sie von Insiderinformationen ihres Freundes Karl-Heinz Grasser profitiert hätten und damit die bis dahin bestbietende CA Immo zugunsten der Immofinanz aus dem Bieterrennen drängen konnten.[17] Franz Fiedler, Beiratsvorsitzender von Transparency International Österreich, beschrieb die Rolle des ehemaligen Finanzministers Grasser im Verkauf der BUWOG als „an der Grenze des Legalen“.[18] Die Staatsanwaltschaft Wien hat mittlerweile mehrere Strafverfahren wegen Verdachts auf Untreue und Amtsmissbrauch eingeleitet.

Nebenschauplätze der Affäre waren bzw. sind ein Disput um den Gemeinnützigkeitsstatus der WBG mit dem Wiener Magistrat bzw. der Landesregierung, eine Klage der Arbeiterkammer gegen Vertragsklauseln in Verkaufsangeboten der BUWOG an die Mieter.[19] Gerichtsanhängige Vorgänge rund um den Umzug der Finanzlandesdirektion Oberösterreich in den Linzer Terminal Tower[20], die wegen einer gemeinsamen Aktenzahl oft ebenfalls dem Komplex „BUWOG-Affäre“ zugerechnet werden, stehen tatsächlich aber in keinem sachlichen Zusammenhang mit der BUWOG bzw. der BUWOG-Affäre.

Am 21. Juli 2016 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt gegen Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger, Ernst Plech, Peter Hochegger und zwölf weitere Personen in den Causae BUWOG und Terminal Tower Anklage zu erheben. Der verursachte Gesamtschaden beläuft sich laut Anklage auf zehn Millionen Euro woraus sich ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft ergibt.[21]

EngagementBearbeiten

Für Kunstprojekte an ihren Gebäuden engagierte die BUWOG zahlreiche Künstler, darunter Barbara Holub, Paul Rajakovics, Matt Mullican, Gerwald Rockenschaub, Karl-Heinz Ströhle, Martin Strauß, Brigitte Kowanz, Sabine Bitter und Helmut Weber.[22]

Die BUWOG engagierte sich intensiv im Bereich des nachhaltigen Wohnbaus und war Partner des vom Lebensministerium initiierten klima:aktiv Paktes 2020.[23]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kennzahlen laut BUWOG Geschäftsbericht 2015/2016, PDF (9,5 MB)
  2. BUWOG Geschäftsbericht 2015/16, Seite 3 [1]
  3. „Wohnbaugesellschaften: Verkaufsberater gesucht“ in: Der Standard vom 17. Jänner 2002, abgerufen am 3. Februar 2010.
  4. „Bund startet Verkauf von Buwog & Co“ in: Der Standard vom 7. Juni 2002, abgerufen am 3. Februar 2010.
  5. „War nicht in Buwog-Vergabekommission“ in: Der Standard vom 29. Jänner 2010, abgerufen am 4. Februar 2010.
  6. a b „So lief der BUWOG-Deal“ (Memento vom 19. April 2012 im Internet Archive) in: WirtschaftsBlatt vom 6. Oktober 2009, abgerufen am 3. Februar 2010.
  7. BUWOG Geschäftsbericht 2013/2014, Seite 49
  8. Buwog verkauft Hausverwaltungstochter. In: derStandard.at. 29. April 2014, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  9. BUWOG Geschäftsbericht 2015/2016, Seite 193
  10. Buwog schließt Erwerb des DGAG Portfolios ab. 30. Juni 2014, abgerufen am 13. Juni 2019.
  11. Buwog-Aktie bei Börsendebüt im Plus. In: derStandard.at. 28. April 2014, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  12. Buwog kommt neu in den ATX. In: derStandard.at. 2. September 2014, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  13. DO&CO neu im ATX, ersetzt AT&S - BUWOG statt Wienerberger in ATX five | 07.09.16. Abgerufen am 13. Juni 2019.
  14. Von Roman Vilgut | 05 43 Uhr, 31 März 2018: Übernahme durch Vonovia: Was der Buwog-Deal für Mieter bedeutet. 31. März 2018, abgerufen am 13. Juni 2019.
  15. derStandard.at: Buwog verschwindet von Wiener Börse. Artikel vom 22. Juni 2018, abgerufen am 22. Juni 2018.
  16. Kurzbericht des Rechnungshofes vom 19. April 2007, PDF (101 KB)
  17. „BUWOG-Deal: Der Immobilienverkauf war eine Goldgrube für die Freunde von Grasser“ in: Format vom 18. September 2009, abgerufen am 4. Februar 2010.
  18. „Fiedler: Grasser ging an Grenze des Legalen“ in: Der Standard vom 29. Jänner 2010, abgerufen am 4. Februar 2010.
  19. Presseaussendung der AK Wien vom 8. Mai 2002: „AK: Erfolg auch in 2. Instanz im Rechtsstreit gegen Buwog“, abgerufen am 4. Februar 2010.
  20. „Zeitung: Neue Razzien in Causa Terminal Tower Linz“ orf.at vom 5. Oktober 2011, abgerufen am 8. Oktober 2011.
  21. Korruptionsvorwürfe: Anklage gegen Grasser, Meischberger und 14 weitere Personen in Causa Buwog und Linzer Terminal Tower. derStandard.at, 21. Juli 2016, abgerufen am 21. Juli 2016.
  22. BUWOG Geschäftsbericht 2015/2016, Seite 197
  23. BUWOG Group, klimaaktiv. Abgerufen am 13. Juni 2019.

WeblinksBearbeiten

  Commons: BUWOG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien