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Büro 121 ist der Name einer Behörde in Nordkorea, die unter dem auch in Nordkorea bekannten Begriff „Geheimer Krieg“ den Cyberkrieg betreibt.[1] Die 1998 gegründete Behörde ist Teil des „Amtes für Allgemeine Aufklärung“, einer Spionageabteilung des Militärs,[2][3] deren Schwerpunkt versteckte Aktionen im In- und Ausland sind.[4]

Inhaltsverzeichnis

ZielsetzungBearbeiten

Nach Analysen des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums führt Nordkorea offensive Operationen im Cyberspace durch. Sie werden als wirksame und kostengünstige Methode angesehen, um eine mögliche Unterlegenheit in klassischen militärischen Bereichen auszugleichen. Die Aktionen richten sich vor allem gegen Südkorea, sie sollen dort öffentliche Störungen verursachen. Außerdem will man Zugang zu geheimen Informationen erhalten. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten beobachtet seit 2009 mehrere Cyberattacken, bei denen Nordkorea als Verursacher vermutet wird.[5]

PersonalBearbeiten

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters arbeiten in dem Büro die begabtesten Computerexperten des Landes.[2] Ein übergelaufener Spion hat berichtet, dass in dem Büro rund 1.800 Fachleute beschäftigt seien. Viele der Hacker sind Absolventen der Universität für Automation in Pyongyang. Neue Mitarbeiter unterliegen einer strengen Auslese und werden teilweise bereits im Alter von 17 Jahren rekrutiert. Die Mitarbeiter des Büros gehören zu den bestbezahlten Personen im Staat.[6] Getarnt als Angestellte von nordkoreanischen Handelshäusern sind sie teilweise auch im Ausland stationiert, während ihre zuhause gebliebenen Familien zahlreiche Privilegien genießen.[7] Im Januar 2015 wurde bekannt, dass die Mitarbeiterzahl des Büros bis Jahresende auf 6.000 aufgestockt werden soll.[8]

AktivitätenBearbeiten

Im Jahr 2013 war Südkorea Ziel einer größeren Cyberattacke, bei der über 30.000 PCs gehackt wurden. Zielscheibe waren vor allem Banken, Medienunternehmen und Behörden sowie der Dienstsitz des Präsidenten.[2] US-amerikanische Behörden gehen davon aus, dass die Urheberschaft von Nordkorea ausging.[5] Es wird auch vermutet, dass Nordkorea im selben Jahr einen bösartigen Virus in tausenden von Smartphones in Südkorea verbreitet hat.

Die Weltöffentlichkeit wurde im Dezember 2014 auf die offensiven Cyberaktivitäten Nordkoreas aufmerksam, als Sony Pictures den Kinostart des Films The Interview in den USA vorübergehend stoppte, in dem der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un parodiert wird. Die Computer von Sony Pictures waren zuvor Ziel eines Hackerangriffs, bei dem interne Daten einschließlich vertraulicher Personaldaten gestohlen wurden. Die Hacker hinterließen außerdem Drohnachrichten auf den Systemen. US-amerikanische Sicherheitsexperten vermuten, dass das Büro 121 den Hackerangriff durchgeführt hat.[9] Ein Sprecher im nordkoreanischen Fernsehen erklärte jedoch, dass sein Land nicht für den Hackerangriff verantwortlich sei. Gleichwohl würdigte der Sprecher den Angriff als eine gerechte Tat.[9] Allerdings erklärte John McAfee, der Begründer des Computersicherheitsunternehmens McAfee, in einem Interview mit der International Business Times, dass er Kontakt zu den Hackern der Attacke auf Sony habe, deren Namen kenne und garantieren könne, dass Nordkorea nicht für den Hacker-Angriff auf Sony Pictures Entertainment verantwortlich sei.[10]

Bei dem Schadprogramm WannaCry, das im März 2017 über 250.000 Rechner mit Windows Betriebssystem infiziert hat, wird ebenfalls vermutet, dass es sich um einen nord-koreanischen Hacker Angriff handelt.[11]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rund 1800 Cyber-Krieger: Im "Büro 121" züchtet Kim sein mysteriöses Hacker-Heer. In: Focus Online. 4. Dezember 2014. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  2. a b c In North Korea, hackers are a handpicked, pampered elite. Reuters. 5. Dezember 2014. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  3. Did North Korea's notorious Unit 121 cyber army hack Sony Pictures?. In: The Guardian. 2. Dezember 2014. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  4. John Pike: North Korean Intelligence Agencies. Federation of American Scientists, Intelligence Resource Program. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  5. a b United States Department of Defense: Military and Security Developments Involving the Democratic People's Republic of Korea 2013. Federation of American Scientists. Abgerufen am 26. Januar 2015. S. 11
  6. Nordkoreas Hacker-Schmiede bläst zum Cyber-Angriff. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Dezember 2014. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  7. White House viewing Sony hack as national security threat. In: CNN, WWLP 22 News, 19. Dezember 2014. Abgerufen am 26. Januar 2015. 
  8. Nordkorea verdoppelt seine Internet-Soldaten, Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. Januar 2015. Abgerufen am 26. Januar 2015. 
  9. a b Jack Cloherty: Sony Hack Believed to Be Routed Through Infected Computers Overseas. abc news. 17. Dezember 2014. Abgerufen am 27. Januar 2015.
  10. David Gilbert, Gareth Platt: John McAfee: 'I know who hacked Sony Pictures - and it wasn't North Korea'. International Business Times. 15. Januar 2015. Abgerufen am 30. Januar 2015.
  11. Fabian A. Scherschel: WannaCry: Sony-Pictures-Hacker aus Nordkorea unter Verdacht. heise online. Abgerufen am 18. Oktober 2017.