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Bünzen AG

Gemeinde im Kanton Aargau, Schweiz
AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Bünzenf zu vermeiden.
Bünzen
Wappen von Bünzen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4229i1f3f4
Postleitzahl: 5624
Koordinaten: 666955 / 240374Koordinaten: 47° 18′ 39″ N, 8° 19′ 27″ O; CH1903: 666955 / 240374
Höhe: 442 m ü. M.
Fläche: 5.78 km²
Einwohner: 1089 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 188 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
16,1 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.buenzen.ch
Bünzen von Westen

Bünzen von Westen

Karte
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Bünzen (schweizerdeutsch: ˈbʏntsə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Muri und liegt im oberen Bünztal. 1940 wurde Waldhäusern eingemeindet.

GeographieBearbeiten

Bünzen liegt an der Bünz, einem teilweise kanalisierten Fluss, der in nordwestlicher Richtung fliesst. Das Dorf selbst befindet sich ganz im Süden des Gemeindegebiets und ist beinahe mit Boswil zusammengewachsen. Mehr als zwei Kilometer nördlich liegt auf 433 m ü. M. die Ortschaft Waldhäusern. Im Nordosten erstreckt sich der Wagenrain, ein bewaldeter Höhenzug, der die natürliche Grenze zum Reusstal bildet. Das Dorfzentrum befindet sich am Ende einer Moräne, die in die ansonsten weitgehend flache Ebene hineinragt.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 578 Hektaren, davon sind 166 Hektaren bewaldet und 63 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt befindet sich auf 478 m ü. M. im Hüslirain nordöstlich von Waldhäusern, der tiefste auf 426 m ü. M. an der Bünz. Nachbargemeinden sind Bremgarten im Nordosten, Besenbüren im Osten, Boswil im Süden und Westen sowie Waltenschwil im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

Die Gegend um Bünzen war bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Vor rund 14'000 Jahren bestand ein 2,2 Kilometer langer, 1,5 Kilometer breiter und bis zu 4 Meter tiefer See, an dessen Ufer Jäger und Fischer lebten. Dieser See verlandete dann vor rund 8000 Jahren und wurde durch ein Moor verdrängt, das bis weit ins 19. Jahrhundert die Landschaft prägte.

Bunzina wurde im Jahr 1259 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name stammt vom lateinischen Pontina und bedeutet «Brückenort».[3] Die Bewohner Bünzens waren den Herren von Reussegg (bei Sins) untertan. Diese häuften jedoch grosse Schulden an und mussten ihren Besitz 1321 an das Kloster Muri verkaufen, das somit auch die niedere Gerichtsbarkeit übernahm. Die Bewohner Waldhäuserns hingegen waren freie Bauern und verfügten über ihren eigenen Grundbesitz. Die Landesherrschaft und die hohe Gerichtsbarkeit lagen in den Händen der Habsburger.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, und Bünzen war fortan ein Teil des Amtes Hermetschwil in den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft; Waldhäusern gehörte zum Amt Boswil. Im Jahr 1529 traten die Bewohner beider Dörfer zur Reformation über. Dies wurde jedoch 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg wieder rückgängig gemacht.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Bünzen war zunächst eine Gemeinde im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden, während Waldhäusern zum Distrikt Sarmenstorf gehörte. 1803 gelangten beide Gemeinden zum neu gegründeten Kanton Aargau. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Landschaftsbild völlig. Nachdem der Torf ausgebeutet worden war, legte man die Sümpfe an der Bünz trocken und erschloss sie für die Landwirtschaft.

1940 beschloss der Grosse Rat die zwangsweise Fusionierung der Gemeinde Waldhäusern, die damals knapp 130 Einwohner zählte, mit Bünzen, nachdem sich das näher gelegene Waltenschwil erfolgreich gegen die Übernahme der verarmten Gemeinde gewehrt hatte. Dennoch sank die Bevölkerungszahl Bünzens in den folgenden Jahrzehnten leicht. Seit 1980 hat sie jedoch um fast die Hälfte zugenommen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Als Ersatz für eine zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtete und wegen zu geringer Grösse abgebrochene Kirche beschloss die Kirchgemeinde 1850 einen Neubau. Den Zuschlag für die Gestaltung der neuen Pfarrkirche St. Georg erhielt der bekannte Architekt Joseph Caspar Jeuch. Die Einweihung dieser neugotischen Saalkirche erfolgte am 26. Oktober 1862.[6]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss über blauem Fluss ausgerissene grüne Buche.» Die älteste Darstellung des Wappens stammt aus dem Jahr 1734, wobei der Baum einer Buche nachempfunden war. Ebenfalls eine Buche zeigte das Gemeindesiegel von 1811. Die heute verwendete stilisierte Form wurde 1955 eingeführt.[7]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt (bis 1930 ohne Waldhäusern):[8][9]

Jahr 1749 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 205 352 440 474 693 759 782 718 683 850 865 1'009

Am 31. Dezember 2018 lebten 1089 Menschen in Bünzen, der Ausländeranteil betrug 16,1 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 52,9 % als römisch-katholisch und 21,2 % als reformiert; 25,9 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 93,4 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,5 % Italienisch, 1,0 % Serbokroatisch sowie je 0,8 % Französisch und Albanisch.[11]

BilderBearbeiten

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Muri zuständig. Bünzen gehört zum Friedensrichterkreis XIII (Muri).[12]

WirtschaftBearbeiten

In Bünzen gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 260 Arbeitsplätze, davon 21 % in der Landwirtschaft, 32 % in der Industrie und 47 % im Dienstleistungssektor.[13] Hergestellt werden unter anderem Verpackungsmaschinen, Rollläden und orthopädische Geräte. Die Mehrheit der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden.

VerkehrBearbeiten

Obwohl das Dorf abseits des Durchgangsverkehrs liegt, ist es verkehrstechnisch gut erschlossen. Rund einen Kilometer westlich verläuft die Hauptstrasse 25 zwischen Lenzburg und Sins. Nebenstrassen führen nach Wohlen und Rottenschwil. Eine Postautolinie verkehrt vom Bahnhof Wohlen über Waldhäusern und Bünzen nach Muri. Rund einen Kilometer südwestlich von Bünzen liegt der Bahnhof Boswil-Bünzen an der SBB-Strecke AarauArth-Goldau.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten. Die Primarschule wird als Kreisschule Bünz geführt, mit zwei Schulstandorten in Bünzen und Besenbüren. Die Sekundarschule und die Realschule können in Boswil besucht werden, die Bezirksschule in Muri. Das nächstgelegene Gymnasium ist die Kantonsschule Wohlen.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bünzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 117–118.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 10. Mai 2019.
  6. Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band V: Bezirk Muri.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 135.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  9. Gemeinde in Zahlen. Gemeinde Bünzen, 31. Dezember 2018, abgerufen am 10. Mai 2019.
  10. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 10. Mai 2019.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 8. Mai 2019.
  12. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 20. Juni 2019.
  13. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 8. Mai 2019.