Bündnis 90/Die Grünen Bremen

Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis 90/Die Grünen Bremen sind der Landesverband der Partei Bündnis 90/Die Grünen in Bremen.

Bündnis 90/Die Grünen Bremen
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Vorsitzende Alexandra Werwath
Florian Pfeffer[1]
Schatz­meister Florian Kommer
Geschäfts­führer Jonas Kassow
Gründungs­datum 11. November 1979
Gründungs­ort Fischerhude
Hauptsitz Altenwall 25
28195 Bremen
Landtagsmandate
16/84
Mitglieder­zahl 1037 (Stand: November 2020)[2]
Website gruene-bremen.de
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bremischen Bürgerschaft, 2014

GeschichteBearbeiten

 
Olaf Dinné (2005)
 
Peter Willers (2007)
 
Ralf Fücks (2010)
 
Karoline Linnert (2007)

Am 15. März 1979 wurde die Bremer Grüne Liste (BGL) gegründet, die im selben Jahr für die Bremische Bürgerschaft kandidierte. Am 7. Oktober zog die BGL, die landesweit mit 5,14 % die 5%-Hürde knapp überwand, mit vier Abgeordneten in die Bremische Bürgerschaft ein. Die vier Mandate der BGL in der Bürgerschaft fielen an Olaf Dinné, Axel Adamietz, Peter Willers und Delphine Brox. Die BGL war damit die erste grüne Gruppierung, die in ein Landesparlament einzog[3]. Den Fraktionsstatus verfehlte die BGL jedoch.

Wortführer der BGL-Bürgerschaftsgruppe war Dinné.[4][5] Daneben trat zur Wahl auch ein Bremer Landesverband der West-Berliner Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz (AL Bremen) an und erreichte 1,4 % der Stimmen.

Am 11. November 1979 gründete sich im Welpenhof in Fischerhude der Landesverband Bremen der Partei Die Grünen, der damals bundesweit der 4. Landesverband der Partei war. Die AL Bremen schloss sich 1980 dem Landesverband an, nicht jedoch die BGL. Peter Willers trat jedoch im April 1982 zu den Grünen über und wurde Spitzenkandidat bei der Bürgerschaftswahl 1983.[6] Neben den Grünen trat erneut die BGL sowie die DKP-nahe Betrieblich-Alternative Liste an. Mandate konnte jedoch nur die Grünen mit 5,4 % der Stimmen erringen.

Bei der Bürgerschaftswahl 1991 erreichten die Grünen mit 11,37 % ihr bis dahin bestes Ergebnis in Bremen und bildeten zusammen mit der SPD und der FDP die erste Ampel-Koalition auf Landesebene. Im Senat Wedemeier III wurde Ralf Fücks Senator für Umweltschutz und Stadtentwicklung und Helga Trüpel Senatorin für Kultur und Ausländerintegration. Fücks war zudem vom 2. November 1993 bis 23. Februar 1995 auch stellvertretender Präsident des Senats als Nachfolger von Claus Jäger (Politiker, 1943). Wegen der so genannten Piepmatzaffäre kam es am 23. Februar zum Misstrauensvotum gegen Umweltsenator Fücks und zum Bruch der Ampel-Koalition.[7] Das Umweltressort hatte ohne Beteiligung der politischen Gremien das Gewerbegebiet Hemelinger Marsch zum Vogelschutzgebiet bei der EU angemeldet. Bereits am 14. Mai desselben Jahres fanden vorgezogene Neuwahlen statt, aus der die Grünen mit 13,4 % gestärkt hervorgingen jedoch nicht mehr an der Landesregierung beteiligt wurden.

Stattdessen bildete Henning Scherf (SPD) eine Koalition mit der CDU. 1995 bis 1999 bildeten die Grünen die stärkste und von 1999 bis 2007 die einzige Oppositionsfraktion im Landesparlament von Bremen.

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen 2007 konnten die Grünen mit der damaligen Fraktionsvorsitzenden Karoline Linnert als Spitzenkandidatin 16,5 % der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Zudem beschloss Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) die Große Koalition mit der Landes-CDU zugunsten einer rot-grünen Koalition zu beenden. Am 29. Juni 2007 wurde Linnert somit Bürgermeisterin und stellvertretende Präsidentin des Senats sowie Senatorin für Finanzen im Senat Böhrnsen II und Reinhard Loske Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa.

2011 gelang es den Grünen ihr Ergebnis auf 22,5 % zu steigern, die CDU zu überholen und die zweitstärkste Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft zu stellen. Nach der Wahl einigten sich die Grünen mit der Landes-SPD auf eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition. Aufgrund des vergleichsweise guten Abschneidens der Grünen wurden den Grünen nun drei Senatorposten zugestanden. Linnert behielt ihr Amt, während Joachim Lohse die Nachfolge des bisherigen Umweltsenators Loske antrat. Neue Senatorin für Jugend, Soziales und Frauen wurde Anja Stahmann, zuvor stellvertretende Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft.[8]

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen 2015 erlitten die Grünen Verluste von 7,4-Prozentpunkten, landeten bei 15,1 % und wurden drittgrößte Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft. Die rot-grüne Koalition wurde fortgesetzt.

Nach einem auf das Thema Klimaschutz fokussierten Wahlkampf erreichten die Grünen in Bremen bei der Bürgerschaftswahl in Bremen 2019, 17,4 % der Stimmen und wurden nach der CDU und SPD drittstärkste Kraft[9]. In einer mit der Spitzenkandidatin Maike Schäfer lediglich drei weiteren Grünen besetzten Gruppe wurden Sondierungen mit CDU und SPD aufgenommen. Auf einer Mitgliederversammlung stimmte eine breite Mehrheit für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit SPD und Linken.[10]

Landesverband BremenBearbeiten

LandesvorstandBearbeiten

GliederungenBearbeiten

  • Kreisverbände: Es gibt sechs Kreisverbände (KV Links der Weser[13], KV Bremen-Nord, KV Bremen-Nordost, KV Mitte / Östliche Vorstadt, KV Bremen-Ost, KV Bremerhaven), ein Teil der Mitglieder in der Stadt Bremen ist kreisfrei.[14]
  • Stadtteilgruppen: Es gibt 19 Stadtteilgruppen in Bremen
  • Landesarbeitgemeinschaften (LAG) für verschiedene Politikfelder (z. B. Bildung, Energie, Europa, Frauen, Gesundheit, Innere Sicherheit, Kultur, Medien und Netzpolitik, Soziales, Stadt- und Regionalentwicklung, Umwelt, Verkehr, Wirtschaft und Finanzen)
  • Grüne Jugend
  • Grüne Alte

Bremische BürgerschaftBearbeiten

Seit 1983 sind die Grünen durchgehend mit einer Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft vertreten.

Aktuelle ZusammensetzungBearbeiten

Die Namen der gewählten Abgeordneten sind in der Liste der Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft (19. Wahlperiode) enthalten. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist mit insgesamt 13 Abgeordneten vertreten.

BürgerschaftswahlenBearbeiten

Bei den Wahlen bis 1999 hatte die Bürgerschaft 100 Sitze. 2003 wurde die Bürgerschaft auf 83 Abgeordnete reduziert. Dies hatte zur Folge, dass die GRÜNEN im Jahre 2007 trotz eines Stimmenzuwachses von 3,4 Prozentpunkten gegenüber 1995 mit 14 Abgeordneten nicht mehr Sitze gewannen.

Bürgerschaftswahlergebnisse[15]
Jahr Stimmen Sitze Liste
1979 1,4 %* 0 10. Wahlp.
1983 5,4 % 5 11. Wahlp.
1987 10,2 % 10 12. Wahlp.
1991 11,4 % 11 13. Wahlp.
1995 13,1 % 14 14. Wahlp.
1999 9,0 % 10 15. Wahlp.
2003 12,8 % 12 16. Wahlp.
2007 16,5 % 14 17. Wahlp.
2011 22,5 % 21 18. Wahlp.
2015 15,1 % 14 19. Wahlp.
2019 17,4 % 16 20. Wahlp.

*) 1979: AL Bremen

Jüngste AbgeordneteBearbeiten

Bei Wahl 21 Jahre oder jünger: Dies kam bisher nur in der 16. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft vor.

2003: Jens Crueger (19 Jahre), Peter Lehmann (21 Jahre)

Fraktionsvorsitzende bzw. -sprecherBearbeiten

Zeitraum Vorsitzender
1991–1993 Karoline Linnert, Dieter Mützelburg, Martin Thomas
1996–1999 Elisabeth Hackstein, Dieter Mützelburg, Helga Trüpel, Ralf Fücks
1999–2007 Karoline Linnert
2007–2015[16] Matthias Güldner
2015–2019 Maike Schaefer
Seit 2019 Björn Fecker

Von 1983 bis 1991 wurde die Position des Fraktionschefs von den Abgeordneten der Grünen halbjährlich rotierend besetzt.

Derzeitiger Fraktionsgeschäftsführer ist Thomas Kollande-Emigholz.

Grüne im BundestagBearbeiten

Bundestagswahlergebnisse[17]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil in Bremen Sitze
1983 44.576 9,7 % 0
1987 62.130 14,5 % 1
1990 32.840 8,3 % 0
1994 43.654 11,1 % 1
1998 45.303 11,3 % 1
2002 56.632 15,0 % 1
2005 51.600 14,3 % 1
2009 52.283 15,4 % 1
2013 40.014 12,1 % 1
 
Marieluise Beck (2009)

Bremer BundestagsabgeordneteBearbeiten

Grüne im EuropaparlamentBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Stracke: Bündnis 90/Die Grünen in Bremen. In: Lothar Probst (Hrsg.): Politische Institutionen, Parteien und Wahlen im Bundesland Bremen (= Politik und Partizipation. Bd. 5). Lit, Berlin u. a. 2011, ISBN 978-3-643-11145-6, S. 64–68.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neuen Landesvorstand gewählt
  2. So haben sich die Mitgliederzahlen der Bremer Parteien im Corona-Jahr entwickelt. 17. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  3. Rot-Rot-Grün: Der Bremer Versuch. 6. Juni 2019, abgerufen am 11. Juni 2019.
  4. 20 Jahre in der Bremischen Bürgerschaft (Memento vom 26. Dezember 2010 im Internet Archive) (2003; PDF; 1,3 MB)
  5. Bilderalbum (Memento vom 10. September 2012 im Webarchiv archive.today) auf www.fr-online.de (Bilder 4 und 5 aus Bremen, 1979)
  6. Peter Willers: Den Tiefschlaf der Altparteien stören – Das Auf und Ab der BGL (1983; PDF; 1,0 MB)
  7. Lange Haare, lange Diskussionen
  8. Michael Brandt: Grüne bekommen dritten Senatorenposten Weser-Kurier am 15. Juni 2011
  9. Endergebnis steht fest: So hat Bremen gewählt - buten un binnen. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  10. Regierungsbildung in Bremen: Grüne und Linke wollen Bündnis mit SPD aushandeln. In: Spiegel Online. 6. Juni 2019 (spiegel.de [abgerufen am 11. Juni 2019]).
  11. "Neuen Landesvorstand gewählt"
  12. Grüne Landesgeschäftsstelle auf www.gruene-bremen.de
  13. "Grüne gründen neuen Kreisverband Links der Weser"
  14. "Grün vor Ort"
  15. Ergebnisse der Bürgerschaftswahlen in Bremen auf www.wahlrecht.de
  16. Matthias Güldner 1960 – heute
  17. Die Wahlergebnisse im Überblick