Bösel

Gemeinde in Deutschland

Bösel ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen (Deutschland).

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bösel
Bösel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bösel hervorgehoben

Koordinaten: 53° 0′ N, 7° 57′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Cloppenburg
Höhe: 13 m ü. NHN
Fläche: 100,17 km2
Einwohner: 8224 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km2
Postleitzahl: 26219
Vorwahlen: 04494, 04405Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: CLP
Gemeindeschlüssel: 03 4 53 002
Gemeindegliederung: 9 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Kirchplatz 15
26219 Bösel
Website: www.boesel.de
Bürgermeister: Hermann Block (CDU)
Lage der Gemeinde Bösel im Landkreis Cloppenburg
Landkreis AmmerlandLandkreis DiepholzLandkreis EmslandLandkreis LeerLandkreis OldenburgLandkreis OsnabrückLandkreis OsnabrückLandkreis VechtaLandkreis WesermarschOldenburg (Oldenburg)BarßelBöselCappeln (Oldenburg)CloppenburgEmstekEssen/OldenburgFriesoytheGarrelLastrupLindern (Oldenburg)LöningenMolbergenSaterlandKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Lage und GeologieBearbeiten

Der nordöstliche Teil der Gemeinde Bösel liegt im Hochmoor des Vehnemoores. Der südwestliche Teil Bösels gehört zu den welligen Erhebungen der Friesoyther Geest (Ortsmitte Bösel: 16 m über NHN, Osterloh: 26 m über NHN) und den Garreler Talsandplatten. Die Grenze zwischen Geest und Moor entspricht etwa dem Lauf der Lahe.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinde Edewecht (Landkreis Ammerland), im Osten die Gemeinde Wardenburg (Landkreis Oldenburg), im Süden die Gemeinde Garrel und im Westen die Stadt Friesoythe (beide Landkreis Cloppenburg).

GemeindegliederungBearbeiten

Bösel hat neun Ortsteile: Bösel-Ort, Edewechterdamm (nur einige Häuser, der Großteil gehört zu Friesoythe), Glaßdorf, Hülsberg, Osterloh, Ostland, Overlahe, Westerloh und Petersdorf, das Bösels größte Bauernschaft ist.

KlimaBearbeiten

Das Klima in Bösel ist durch die Nähe zur Nordsee stark atlantisch geprägt mit moderat warmen Sommern und relativ milden Wintern. Klimadaten der nächstgelegenen Messstation des deutschen Wetterdienstes in Friesoythe-Altenoythe (N 53°04'; O 07°54') nennen für den Bezugszeitraum 1981–2010 ein langjähriges Temperaturmittel von 9,6 °C und eine durchschnittliche Regenmenge von 784 mm / Jahr. Allgemein sind Sommer und Herbst feuchter, Winter und Frühjahr dagegen etwas trockener (Maximum Juni: 78 mm; Minimum April: 45 mm).[2]

GeschichteBearbeiten

Herkunft des OrtsnamensBearbeiten

Frühere Versionen des Ortsnamens sind: ca. 1080/88 Borsla, 1320 Borsele [Or], 1424/50 to Bosele [Or], Boesell (1535). Der Historikerstreit, ob mit der Bezeichnung „Borsla“ Barßel oder Bösel gemeint ist, wurde inzwischen beigelegt zugunsten von Bösel. In einer Urkunde von 1407 aus dem Gutsarchiv Daren bezeugt Johann, Edelherr zu Diepholz, „dat wij in vortijden hebt belehnet Otten Sloren…(nämlich dem) luttiken tegheden to Borzell in dem kerkspele to Qyte“. Die hier nachgewiesenen diepholzischen Anrechte am Böseler Zehnt können als Indiz dafür gewertet werden, dass mit dem 1080/88 erwähnten Zehnten von Borsla, den der Osnabrücker Bischof Benno II. einer Ahnfrau des Diepholzer Edelherrschaftsgeschlechtes übergab, tatsächlich der Böseler Zehnte gemeint ist, sagt auch Peter Sieve, Archivar beim Offizialat Vechta. Es werde der Nachweis geführt, dass mit dem 1080/88 erwähnten Borsla wirklich Bösel und nicht Barßel gemeint sei. Die Etymologie des Ortsnamens ist unklar, da die Endung -la, abgeschwächt -le, sowohl auf das Gw. /-loh(e) als auch auf das Suffix -l- als Element einer Stellenbez. zurückgehen kann. Als Basis ist an germ. *burs- aus idg. *bhrs- „Emporstehendes, Spitze, Borste“ zu denken, das in schwed. borre, engl. bur „Klette“ erhalten ist. Die Lage Bösels auf dem ca. 15 m hohen Geestrücken inmitten der Moorlandschaft an der Lahe stützt die Deutung als „erhöht liegender Wald“.[3]

Von der Frühzeit bis Ende des 19. JahrhundertsBearbeiten

Siedlungsfunde zeigen, dass bereits in der mittleren Steinzeit Menschen im Gemeindegebiet gelebt haben. Die erste Ansiedlung war vermutlich ein Haufendorf auf dem höher gelegenen Geestrücken, der auch ohne Entwässerung als Acker nutzbar war. Der Ort Bösel wurde erstmals 1080 als Borsla (= „Wald auf einer welligen Anhöhe“) in einer Urkunde des Bischofs von Osnabrück erwähnt. 1473 zählte Bösel 25 Familien und im benachbarten Osterloh sechs Familien. Vermutlich existierte bereits vor 1500 eine Kapelle in Bösel, die aber erst 1613 schriftlich erwähnt wird (Umbau 1798, 1833/35: Neubau als St.-Cäcilia-Kirche, 1922 Erweiterung als neubarocke Kreuzkirche). Bösel und Osterloh gehörten zum Kirchspiel Altenoythe, dem damaligen Hauptort des Siedlungsgebietes, verwalteten sich aber bis Anfang des 19. Jahrhunderts als genossenschaftliche Bauerschaft weitestgehend selbst. 1803 endete mit dem Reichsdeputationshauptschluss die über 400-jährige geistliche Herrschaft des Stiftes Münster, sein Amt Cloppenburg ging zum Großherzogtum Oldenburg über. Nach dessen Gemeindeordnung von 1831 bildete fortan das Kirchspiel Altenoythe gemeinsam mit Bösel eine selbstverwaltete politische Gemeinde. Am 2. März 1876 wurde Bösel gegen den Widerstand von Altenoythe eine selbstständige Kommune. Wesentlich dazu beigetragen hat auch die bereits 1874 erfolgte kirchliche Eigenständigkeit Bösels.

Wirtschaftliche Entwicklung Bösels bis Ende des 19. JahrhundertsBearbeiten

Haupterwerb war die ertragsarme Landwirtschaft, wobei bis Anfang des 20. Jahrhunderts den nährstoffarmen Geestböden nur durch mühsame Plaggendüngung, den Moorböden durch Moorbrandkultur Ertrag abgerungen werden konnte. Die Viehhaltung beschränkte sich überwiegend auf anspruchslosen Heidschnucken (1892: 5949 Schafe). Die Verarbeitung ihrer Wolle zu Kleidungsstücken war für weite Bevölkerungsteile der wichtigste Nebenerwerbszweig. Hoher Bevölkerungsdruck und sinkende Zuverdienstmöglichkeiten durch sommerliche Hollandgängerei führten 1869/70 zur Ausweisung von 47 Kolonaten im heutigen Petersdorf. Erst im 20. Jahrhundert brachte der Einsatz gespanngezogener Maschinen und aufkommende Akzeptanz für Mineraldünger einen enormen Aufschwung der Landwirtschaft. Zur Verbreitung des Kunstdüngers beigetragen hat auch die 1906 eröffnete Stichbahn Friesoythe-Cloppenburg und der Bau der ersten befestigten Straßen, die die Verkehrsanbindungen wesentlich verbesserten und den Transport von Massengütern wie Dünger stark vereinfachten. 1924 hielt die Elektrizität in Bösel Einzug.

Siedlungsentwicklung und KolonisierungBearbeiten

Als erste gesteuerte Siedlungsaktivität im Gebiet der heutigen Gemeinde entstand 1874 Petersdorf durch Markenteilung und Besiedlung und Kultivierung von Ödländereien (Oldenburgische Binnenkolonisation). Die ersten, bereits 1869/70 eingewiesenen Siedler lebten ärmlich in aus Plaggen errichteten Erdhütten. Diese frühe Siedlungstätigkeit stellte sich aber als ökonomisch weitgehend unrentabel heraus. Daher erfolgte auch die Namensgebung des Ortes nach Großherzog Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg erst 1876, da viele Gebäude zum geforderten Termin noch nicht fertiggestellt waren oder teilweise bereits wieder aufgegeben waren. Erst 1877 waren alle Siedler mit einem festen Haus ansässig. Entscheidend zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen war die Einführung des gerade neu aufkommenden Kunstdüngers, der auch eine intensive Viehhaltung ermöglichte. In den 1920er Jahren hob dann auch der Straßenbau Richtung Wardenburg die bis dahin nachteilige Randlage Petersdorfs auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Bevölkerungszahl von Petersdorf durch Zuzug von Kriegsflüchtlingen, stagniert aber seitdem. Nach den Erfahrungen mit der frühen Kolonie Petersdorf stockte der weitere Siedlungsausbau in Bösel lange Zeit.
  • Glaßdorf
Erst durch die wirtschaftlichen Zwänge und den Siedlerdruck in Folge des ersten und Zweiten Weltkrieges lebte im 20. Jahrhundert die Siedlungstätigkeit im Gemeindegebiet – vor allem durch Kolonisierung der weiten Flächen des Vehnemoores – auf. Als erstes wurde 1923 in der Gemeinde Bösel die Kolonie Glaßdorf vom Land Oldenburg gegründet. Das Siedlungsamt richtete auf 365 ha 30 Siedlungsstellen ein. Namensgebend für die Siedlung war der Landesökonomierat Robert Glaß (1867–1944).
  • Ostland
In diesem Rahmen entstand in der Gemeinde Bösel 1927 auch die Siedlung Ostland und in direkter Nachbarschaft die Siedlungen Habern I. und Harbern II. (Gemeinde Wardenburg) und Hogenset (Gemeinde Edewecht). Die Kolonatgrößen betrugen etwa 9–12 ha. Zur Vorbereitung der Siedlung wurde das Moor in Handarbeit gekuhlt, d. h. Sand aus dem Mooruntergrund wurde auf die Hochmoor- oder schon abgetorften Flächen gebracht. Da es sich um Notstandsmaßnahmen der Weimarer Republik zur Arbeitsbeschaffung handelte, spielte die Rentabilität eine untergeordnete Rolle.
  • Hülsberg
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem starken Andrang von Siedlungsbewerbern (Flüchtlinge) wurde die Siedlung Hülsberg angelegt. Zu der Zeit standen der damaligen unteren Siedlungsbehörde in Oldenburg jedoch keine abgetorften Flächen zur Besiedlung zur Verfügung. Daher wurde an der Korsorsstraße im Vehnemoor eine im Staatsbesitz befindliche, 5 m mächtige und 350 ha große Hochmoorfläche durch Entwässerung mit Grenzgräben und Röhrendrainage direkt in Kultur genommen („Deutsche Hochmoorkultur“). Während die ursprüngliche Planung eine Reihensiedlung vorsah, entstand später ein geschlossener Siedlungskomplex aus 22 Vollerwerbsbetrieben mit je etwa 15 ha. Als die letzte in Deutschland auf der Basis der Hochmoorkultur angelegte Siedlung stellt Hülsberg mit seiner günstigen inneren Verkehrslage die Hochform dieses Siedlungstyps dar.
  • Overlahe
Als fünfte und jüngste Siedlungsgründung in der Gemeinde Bösel entstand zwischen 1956 und 1961 Overlahe. Auf Grundlage des Siedlungsförderungsgesetzes (1953) und des Bundesvertriebenengesetzes (1961) wurden in Overlahe auf einer 317 ha großen, industriell abgetorften Fläche der Vehnemoor-Gesellschaft heimatvertriebene Landwirte angesetzt. Zur Vorbereitung der landwirtschaftlichen Nutzung wurde das abgetorfte Moor übersandet und anschließend durchmischt („Sand-Moor-Mischkultur“). Wesentlich zur Kultivierung trugen der nach dem Kriege konstruierte Ottomeyer-Pflug und die Rathjens-Besandungsmaschine („Wühlmausmaschine“) bei. Die so gewonnenen Böden können ausgezeichnete Erträge erbringen. Die ausgewiesen 18 Stellen hatten jeweils 15–17 ha. Die Höfe liegen parallel zu der etwa 3,8 km langen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Overlaher Straße. Ein Dorfzentrum mit Wohnhäusern, Schule, Kirche und Sportplatz war zwar geplant, wurde aber nicht mehr realisiert. Der Name „Overlahe“ bezieht sich auf alte Flurkarten, in denen das Land nördlich der Lahe als „Über der Lahe“ („Över de Lahe“; Lahe: Sumpfgebiet) bezeichnet wurde.[5]

Bösel im Nationalsozialismus (1933–1945)Bearbeiten

1933 wurden die Gemeinde Bösel aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und der geringen Einwohnerzahl von 1649 Personen erneut mit Altenoythe zusammengelegt und der Verwaltungssitz dorthin verlegt.

1936 stand Bösel in Verbindung mit dem sogenannten „Kreuzkampf“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Heute weiß man aus umfangreichen wissenschaftlichen Studien, dass die Ereignisse in Bösel –die sonntägliche Einweihung der neuen Schule in Bösel durch Pfarrer Franz Sommer nach der staatlichen Einweihung am Sonnabend – nicht der „Angelpunkt“ der Auseinandersetzung gewesen ist. Der „Kreuzerlass“ vom 4. November 1936, mit dem der Minister für Kirchen und Schulen, Julius Pauly, die Kreuze und die Luther-Bilder aus den Schulen verbannen wollte, war nur der Höhepunkt der „Gleichschaltung“ durch das NS-Regime, die bereits 1933 begonnen wurde und den Zweck hatte, deren Machtpolitik gegen das Konfessionelle durchzusetzen. Die Böseler Schuleinweihung war mithin Anlass, nicht Ursache. Es war vielmehr der Gipfelpunkt und das Höchstmaß an Auseinandersetzung zwischen dem nationalsozialistisch universalen Machtanspruch und der kirchlichen Einflussnahme in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen. In dieser Zeit trat der Kampf der Nationalsozialisten gegen die Kirche mehr und mehr immer offener zu Tage. Und: Der Kreuzkampf hatte seine Wurzeln auch in der nationalsozialistischen Schulpolitik auf der Grundlage seiner antichristlichen Ideologie. Was folgte, war dann einer der wenigen öffentlichen Widerstreite gegen Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung. Das führte zu massiven Protesten der Bevölkerung im überwiegend katholischen Oldenburger Münsterland. Zuletzt sah sich der Oldenburger Gauleiter Carl Röver gezwungen, den Erlass zumindest teilweise wieder zurückzunehmen und Kreuze in Klassenzimmern weiterhin zu erlauben.Lange trauten es sich die braunen Machthaber nicht, gegen diese Proteste und die Predigten der katholischen Geistlichen vorzugehen. Erst ein Jahr später begannen Verhaftungen und Repressionen. Die „Deutsche Schule“ spielte in der Folge im Rahmen der vom NS-Regime angestrebten Durchdringung aller Lebensbereiche und der politischen Sozialisierung und Ideologisierung der Jugend weiterhin eine bedeutsame Rolle, auch in Bösel. Der Kreuzkampf und der um das Lutherbild vermochten das nicht aufzuhalten.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges war auch Bösel von Kampfhandlungen betroffen. Anfang April 1945 machten zurückweichende deutsche Verbände im Gemeindegebiet Station. Mit Herannahen der Front waren Zivilisten zunehmend durch alliierte Tiefflieger bedroht. Am 15. April erreichte der erste Panzer der 4. Kanadischen Panzerdivision den Ort Bösel. Der kanadische Hauptstoß aus Richtung Thüle überraschte die deutschen Verteidiger, die einen Angriff aus Richtung Friesoythe erwarteten und sich daraufhin eilig absetzen mussten. Am 16. April gerieten die in die Moore zurückweichenden deutschen Truppen unter heftigen Beschuss, der auch die vielen dorthin geflohenen Zivilisten gefährdete. In dieser Situation ermöglichte eine dreistündige Kampfpause die Evakuierung der Zivilisten.

An ein dunkles Kapitel der Ortsgeschichte während der Nazi-Zeit erinnern seit November 2015 zwei Stelen am Kriegerdenkmal. Sie stehen für Stanislav Dytwach und Alfred Horsey. Dytwach (geboren 1931) wurde als Zwangsarbeiter aus dem polnischen Zimotki verschleppt. Er arbeitete auf einem Bauernhof, als er Opfer der Polen-Erlasse wurde. Er zeugte mit einer deutschen Frau ein Kind, wurde daraufhin im März 1942 von der Wilhelmshavener Gestapo festgenommen und ohne Gerichtsverfahren acht Monate später im Beisein u. a. des damaligen Böseler Bürgermeisters, des Ortsgruppenleiters des NSDAP und des Cloppenburger Amtshauptmanns im Böseler Kronsberg erhängt. Die Böseler wurden aufgefordert, der Hinrichtung beizuwohnen. Viele folgten der „Einladung“. Hinzu kamen die Zwangsarbeiter der Umgebung, die zur „Abschreckung“ anwesend sein mussten. Der 22-jährige englische Pilot Harry Alfred Horsey überflog nur wenige Tage vor Kriegsende mit seiner Hawker Tempest Bösel und musste wegen eines Maschinenschadens notlanden. Nach seiner Festnahme sollten ihn zwei Soldaten zum Flugplatz Varrelbusch überführen. Auf dem Fußweg dorthin wurde er von einem der Soldaten hinterrücks erschossen. Der Mörder wurde nach dem Krieg von einem englischen Militärgericht zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt.[6]

Bösel nach 1945Bearbeiten

Die frühe Nachkriegszeit war geprägt vom Neuaufbau demokratischer Strukturen, der Instandsetzung des Ortes und zerstörter Brücken über die Aue und Lahe sowie vom Mangel an fast allen Alltagsgegenständen. Kein Mangel herrschte dagegen an Heizmaterial, das als Schwarztorf selbst gegraben werden konnte. Hunderte Flüchtlinge und Heimatvertriebene kamen aus der kaputten Heimat und gingen in einen kaputten Landesteil. Extreme Lebenssituation auch in Bösel bei der Unterbringung in Lagern, Läuse, Wanzen, Flöhe, Zwangseinweisungen in „Wohnungen“, die oft Ställe waren. Es steht außer Zweifel, dass viele aus der ansässigen Bevölkerung den Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Krieg eher distanziert und abweisend als gastfreundlich begegnet sind. Und dann waren sie auch noch evangelisch… 1948 eskalierten in Bösel die Probleme um die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge, Einsprüche gegen Zuweisungen und Beschlagnahme von Wohnraum häuften sich. Der Rat zog die Notbremse und beschloss den Bau von Flüchtlingswohnungen durch die Gemeinde. Der Kauf und der Umbau von Häusern durch die Gemeinde erwiesen sich als gute Lösung. Mehr und mehr kam dazu, dass auch Grundstücke angeboten und selbst bebaut wurden. Am 1. April 1948 wurde die seit 1935 bestehende alte Gemeinde Altenoythe aufgelöst und Bösel wieder eigenständig.

Wirtschaftliche Entwicklung Bösels im 20. JahrhundertBearbeiten

Starke Impulse gingen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom oldenburgischen Siedlungsamt aus, das durch massive Flächenaufkäufe, Entwässerungsmaßnahmen und verbesserte Meliorationstechniken (Tiefpflug u. ä.) eine gezielte Besiedlung und Kultivierung der Moorgebiete ermöglichte (s. u.). In nur sechs Jahrzehnten wandelte sich die Agrarstruktur entscheidend: waren um 1910 von den rund 10000 ha der Gemeinde nur 1000 landwirtschaftlich genutzt und 9000 ha Ödland oder Moore, hat sich bis 1970 die landwirtschaftliche Nutzfläche auf rund 5500 ha verfünffacht. An die Stelle ausgedehnten Buchweizenanbaus traten nun anspruchsvollere Getreidekulturen, Schafhaltung wurde durch Veredelung von Rindern (1892: 823, 1912: 1205, 1948: 2219) und Schweinen (435, 1276; 1209) ersetzt. Seit den 1950er Jahren steigerte die Maschinisierung in der Landwirtschaft die Produktivität und senkte den Arbeitskräftebedarf. Dies bewirkte in der bis dahin landwirtschaftlich geprägten Gemeinde einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Zunehmend entstanden – auch in Folge des „Wirtschaftswunders“ – Dienstleistungs- oder Industriebetriebe, die vom wirtschaftlichen Aufschwung profitierten und Stellen für ehemals landwirtschaftliche Arbeitskräfte boten. Zunehmender Individualverkehr führte 1968 zur Aufgabe des Personentransports auf der Bahnstrecke.1969 begann in Bösel die Flurbereinigung. Ein Vierteljahrhundert später, im Jahre 1994, wurde sie abgeschlossen. Während der Umstrukturierung werden meist kleinere verstreue Flächen, also zersplitterter Grundbesitz, zu größeren und damit effektiveren nutzbaren Flächen zusammengefasst. Dazu gehört aber auch das Schaffen von entsprechenden Wegen, Straßen und Gewässern sowie ähnlicher öffentlicher Einrichtungen. Von Beginn an waren Konflikte im Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Naturschutz vorprogrammiert. Neben der „Bereinigung der Fluren“ verdankt der Ort Bösel diesem Unternehmen unter anderem auch die Ortsumgehung. Und Bösels Mitte verdankt der Flurbereinigung ein Schmuckstück: der Dorfpark, der Bösel später eine Auszeichnung als „Grünes Dorf“ bescherte und 2018/19 komplett neugestaltet wurde. Mittendrin der Weiher, der gleichzeitig dem Hochwasserschutz dient.

ReligionenBearbeiten

In Bösel gehören 4919 Einwohner (57,7 %) mehrheitlich der römisch-katholischen Konfession an. Weitere 1462 Einwohner (17,2 %) sind evangelisch-lutherisch und 2143 Einwohner (25,1 %) gehören anderen Konfessionen an oder sind konfessionslos (Stand Ende 2019).[7]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde Bösel besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7.001 und 8.000 Einwohnern.[8] Die 20 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:

Partei 11. September 2016[9] 11. September 2011 10. September 2006
CDU 63,13 % 6.445 13 Sitze 68,52 % 6.218 14 Sitze 73,3 % 6.512 15 Sitze
SPD 31,69 % 3.236 6 Sitze 25,07 % 2.275 5 Sitze 15,4 % 1.370 3 Sitze
FDP 5,17 % 528 1 Sitz 6,40 % 581 1 Sitz 11,3 % 1.006 2 Sitze
Wahlbeteiligung 56,71 % 52,99 % 47,67 %

BürgermeisterBearbeiten

Seit 2006 ist Hermann Block (CDU) hauptamtlicher Bürgermeister von Bösel. Bei den letzten Bürgermeisterwahlen am 16. Februar 2014 wurde er mit 71,47 % der Stimmen wiedergewählt.[10]

WappenBearbeiten

Das Wappen (seit 1969) der Gemeinde Bösel zeigt (Blasonierung) unter goldenem Schildhaupt, darin drei (perspektivisch gezeichnete) rote Ziegelsteine 2:1, in Rot zwei gekreuzte goldene Torfspaten.[11]

Mit dem Wappen setzt die Gemeinde ihren Ziegeleibetrieben und den riesigen Moorflächen, die eine so entscheidende Rolle in der Geschichte des Dorfes gespielt haben, ein Denkmal. Die drei perspektivischen Ziegelsteine im oberen Teil des Wappens erinnern an zwei Ziegeleien, von denen eine (von Kobrinck, später Meierkord) bereits seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar ist. Die Geschichte der zweiten Ziegelei, Krusemeier, ist noch nicht aufgearbeitet worden. Die gekreuzten Torfspaten im unteren Teil des Wappens deuten darauf hin, dass ein Drittel des Gemeindegebietes früher Moor war. Die Spaten wurden zum Graben von Weiß- und Schwarztorf benutzt. Die Farben Rot und Gold weist auf die altmünsterschen und altoldenburgischen Farben hin. Bösel gehörte zum Niederstift Münster. Die Besonderheit des Niederstifts war, dass es zwar politisch zum Hochstift Münster gehörte, kirchlich aber bis 1666 zum Bistum Osnabrück. Das Niederstift umfasste u.a. das heutige Oldenburger Münsterland, zu dem auch Bösel gehört. Das fürstbischöfliche Wappen in Gold-Rot-Gold, deren Träger Konrad von Berg 1309 und Ludwig von Hessen 1310 waren, ist bereits um 1300 als Wappen des Stifts Münster nachgewiesen. Die Existenz des Fürstbistums endete am 25. Februar 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss, durch den die Fürsten, die durch den Friedensvertrag von Luneville links des Rheins Besitz an das französische Kaiserreich verloren hatten, vor allem mit geistlichen Gebieten entschädigt wurden. Das Niederstift Münster fiel u.a. mit den Ämtern Cloppenburg und Vechta an das Herzogtum Oldenburg, namentlich an den protestantischen Herzog von Oldenburg. Deren Bevölkerung blieb dennoch bis heute überwiegend katholisch. Geistliches Oberhaupt blieb der Bischof von Münster. Seit den 1820er Jahren ist der bischöfliche Offizial in Vechta sein ständiger Repräsentant für das gesamte Gebiet des Oldenburger Landes, das nach kirchlichem Recht bis heute gänzlich zum Bistum Münster gehört. Zur Sicherung der Kontinentalsperre (einer Wirtschaftsblockade gegen England) ließ Napoleon 1810 Nordwestdeutschland und damit auch das heutige Oldenburger Münsterland zum französischen Staatsgebiet erklären. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 verließen die Franzosen fluchtartig das Land, und Preußen übernahm die provisorische Verwaltung. Bis 1946 blieb das Oldenburger Münsterland Teil des Großherzogtums Oldenburg bzw. (seit 1919) des Oldenburger Landes. Seit 1946 gehört es zum Land Niedersachsen. Wie man sieht, lag Bösel mit der Farbgebung Gold-Rot auch hier richtig, denn zwei rote Querbalken in Gold führte auch das Wappen zu Oldenburg.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Seit dem 8. September 1990 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Dippoldiswalde (umgangssprachlich Dipps) im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen.

KulturBearbeiten

KirchenBearbeiten

Katholische Kirche „St. Cäcilia“Bearbeiten

 
Hochaltar der St.-Cäcilia-Kirche in Bösel zur Weihnachtszeit

Die katholische Kirche St. Cäcilia Bösel erscheint im Aufschreibungsbuch des Amtes Cloppenburg 1574 unter dem Namen „St. Martin“ als Grundstücksnachbar des Böseler Bauern Gerd Kühter. Dies ist der erste Hinweis auf eine Kapelle in Bösel, die zur Kirche in Altenoythe gehörte und dem hl. Bischof Martin geweiht war. Sie ist wahrscheinlich schon vor der Reformation errichtet worden. In einer Notiz von 1630 ist auch bereits Rede von einer Kapelle an der Grenze der Pfarre Oldenoyte, Namens Bösel, jedoch in einer Weise, die schließen lässt, dass diese Kapelle nicht mehr jüngeren Ursprungs war. „Ein kleines Glöckchen befindet sich in einem Aufbau auf dem Dach“, berichtet Pfarrer Hanschen am 9. September 1669 an den Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen. 1724 heißt es: „Die Kapelle in Bösel ist neu, doch kein geziemendes Gotteshaus, sie ist nicht benediziert.“ 1798 und 1799 wurde die Kapelle vollständig umgebaut und erweitert. „Dieser Bau hielt bis zu Anfang der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts, alsdann riss man ihn nieder, damit er einem neuen Gotteshause Platz mache“. Die neue, größere Kapelle wurde 1839 fertiggestellt und am 14. Juli 1839 eingesegnet. Die Großherzogin Cäcilie zu Oldenburg, geb. Prinzessin von Schweden, legte den Grundstein. Dafür wurde das Patrozinium von Martin auf Cäcilia geändert. Der Ehemann, Großherzog Paul Friedrich August schenkte das Altarbild „Christus mit dem Kreuz“. Pfarrer Franz Sommer realisierte 1922/23 die Pläne des Anbaus von Querhaus, Chor, Seitenkapelle, Pieta und Sakristei zu einer Kreuzkirche im neubarocken Stil. Am 16. Mai 1923 wurde die erweiterte Kirche vom Bischof von Münster, Johannes Poggenburg (1913–1933) eingeweiht. Die Wandmalereien stammen von Gerhard Lamers (Kleve) und der von der Familie Heyens, Bösel-Osterloh, gestiftete Hochaltar vom Kunstbildhauer Fritz Ewertz, Münster.

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Glocken von St. Cäcilia abgegeben werden. Bei einer Straßensprengung 1945 wurden das Dach und die Fenster des Kirchengebäudes zerstört. Nach einer Bronzematarial- und Geldsammlung in der Gemeinde konnten am 2. Februar 1949 in der Glockengießerei in Gescher/Westf. neue Glocken gegossen werden. Sie erhielten wieder die Namen: Maria, Cäcilia und Martinus. Nachdem am 27. März 1949 die Glocken durch den Pfarrer Franz Sommer feierlich geweiht worden waren, wurde erstmals am 4. April 1949 mit allen Glocken geläutet. 1959/1960 wurde das Langschiff abgebrochen und an beiden Seiten um etwa 4,5 m erweitert. Alle Bilder der Kirche wurden übertüncht. Die Empfehlung, wenn nicht sogar Anordnung dazu kam aus Münster, nämlich von dem für Kunst-Denkmäler und Kunst-Fragen zuständigen Diözesankonservator. Warum? Es war der viel beschworene Geist der Zeit, der jenen „Bildersturm“ entfachte. Wenn man diesem Geist nachforscht, dann stellt man fest, dass er eine starke sozial- und massen-psychologische Komponente hat. Wir Europäer und vor allem wir Deutsche wollten nicht mehr an eine Geschichte anknüpfen, die dem Kontinent und seinen Menschen unendliche Zerstörungen, unendliches Leid und unendliche Schuld aufgebürdet hatte. Der Neuanfang sollte radikal und gründlich sein. Darum weg mit dem „Historismus“, dem ja auch ein Lamers verpflichtet gewesen war. „Purifizierung“ nannte man dann auch wohl an einigen Orten das Übertünchen der Lamersschen Gemälde. In den 80er Jahren ließ es sich die Kirchengemeinde viel Geld kosten, die übertünchten ornamentalen und figuralen Wandmalereien wieder freizulegen und zu restaurieren.

Mit Wirkung vom 30. Oktober 2005 wurden die Kapellengemeinde St. Peter und Paul in Petersdorf und die Kirchengemeinde St. Cäcilia in Bösel zur Kath. Kirchengemeinde St. Cäcilia in Bösel verschmolzen. Der „Rubens“ von Bösel: Das von Großherzog Paul Friedrich August 1839 geschenkte unsignierte Altarbild „Christus mit dem Kreuz“ erwies sich 2015 als ein Gemälde aus der Werkstatt des wohl berühmtesten Malers des Barock, Peter Paul Rubens (1577-1640). Das bestätigten anlässlich der Rückführung des Meisterwerkes die Kunsthistorikerin und Sachverständige für Niederländische Malerei des 16. Und 17. Jahrhunderts, Dr. Ursula Härtling (Hamm) sowie die Restauratorin Marita Schlüter (Everswinkel). Rubens selbst dürfte beim Böseler Gemälde Hand angelegt haben, glaubt die Restauratorin: Der maltechnische Aufbau und der Pinselduktus entsprächen der typischen Arbeitsweise in dessen Werkstatt und es fänden sich auch die gleichen „letzten Korrekturen auf der Malschicht, wie sie Rubens selbst zugeschrieben werden“. Das Gemälde zeigt halbfigurig den auferstandenen „Christus mit dem Kreuz“ als „Salvator mundi“ (Erlöser der Welt). Es vereinigt die Kreuzesgläubigkeit seiner Zeit mit dem gegenreformatorischen Geist auf kraftvoller Weise. Durch den Neubau der Kapelle ab 1836 „klamm“ geworden, wandten sich die „unterthänigsten Diener und Knechte“ aus Bösel und Osterloh an den „durchlauchtigsten Großherzog Paul Friedrich August“ mit der Bitte um ein Altarbild. Der „erzevangelische“ Landesherr tat in „landesväterlicher Huld und Gnade“ einen Griff in seinen Fundus. 139 Jahre lang hing in Bösel einer von vielen „Rubens“, und niemand ahnte etwas von seinem Stellenwert.

Katholische Kirche „St. Peter und Paul“Bearbeiten

Die katholische Kirche „St. Peter und Paul“ in Petersdorf, Bösels größter Bauernschaft, wurde am 18. Mai 1950 (Christi Himmelfahrt) vom Friesoyther Dechant, Domkapitular Bernhard Küstermeyer, geweiht. Einen Monat vorher war Kaplan Joseph Käter zum ersten Seelsorger in Petersdorf ernannt worden. Ihn begrüßte die Bevölkerung voller Begeisterung, denn ein großer Wunsch war ihnen in Erfüllung gegangen. Eine eigene Kirche hatten sich die Petersdorfer schon viel früher gewünscht. Die Bevölkerung wuchs rapide und der Weg nach Bösel war weit. Die Steine dafür hatten sich die Leute bereits nach dem Ersten Weltkrieg besorgt. Die Gemeinde Bösel stellte ein Waldgrundstück zur Verfügung. Mit Äxten und „Dwaschiesen“ legten die Petersdorfer in einer Gemeinschaftsaktion die Bäume flach. Die Kirche fügte sich nicht nur harmonisch seiner Umgebung an, sie gab dem Ort eine Sprache mit klarem und starkem Ausdruck. Weitere Kollekten und der „Peterpfennig“ im Ort ermöglichten später die Inneneinrichtung. Bereits ein Jahr später waren auch der Kirchplatz und der neue Friedhof hergerichtet. 1952 komplettierten Altar, Kanzel, Kommunionbänke und ein Taufstein das kirchliche Ambiente. Im gleichen Jahr spendete Weihbischof Heinrich Roleff in Petersdorf erstmals die Firmung.

Käter wurde 1957 von Kaplan Clemens Haskamp abgelöst. Es kam Kaplan Franz Sommer, ein Neffe des ehemaligen (und gleichnamigen) Böseler Pastors. Seine Tätigkeit im Ort dauerte von 1961 bis 1964. Neuer Seelsorger wurde 1964 August Thoben aus Garrel. 1969 verließ er Petersdorf und Hubert Gnida folgte am 1. April 1969. Bereits 1971 ging er als Vikar nach Cloppenburg. Vom 1. November 1971 bis zum 31. Oktober 1987 folgte ihm Pater Willibrord Thoben, gebürtiger Niederländer. Im Jahre 1976 gab es einen neuen Kirchturm und darin neue Glocken. Nach dem Weggang von Pater Willibrord Thoben im Jahre 1987 stand das Pfarrhaus leer. Ein Geistlicher für Petersdorf war nicht mehr zu bekommen. So wurde das Gebäude zunächst vermietet und später verkauft. Die Kapellengemeinde blieb zwar selbständig mit eigenen Gremien wie Provisor, Pfarrgemeinderat und Kirchenausschuss, sie wurde aber ab November 1987 unter die Verwaltung von Pfarrer Karnbrock aus Bösel gestellt. An dieser Organisationsform änderte sich auch nichts, als Pastor Karnbrock 1990 aus dem Dienst ausschied und Pastor Paul Horst neuer Pfarrer in Bösel wurde. Damit war er auch als Pfarrverwalter zuständig für die Betreuung der Kapellengemeinde St. Peter und Paul in Petersdorf. Pater Heinrich Jankowski, gebürtiger Visbeker, wirkte von 1992 bis 2003 als Kooperator in Petersdorf. Er war Redemptorist. Ab 1972 wurde aus dem Pfarrrektorat eine Kirchengemeinde, und ab 30. Oktober 2005 bildet „Peter und Paul“ eine neue Kirchengemeinde mit St. Cäcilia Bösel.

Evangelische AuferstehungskircheBearbeiten

Die evangelische Auferstehungskirche wurde 1960 erbaut. ZSie wurde von dem Westersteder Architekten Hobbie geplant. Zu der Zeit lebten erst etwa 500 Protestanten im Ort. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte es in Bösel lediglich vier evangelische Familien gegeben. Die ersten Gläubigen besuchten früher die Kirche in Friesoythe, das seit 1912 als Kapellengemeinde von Edewecht eine Kirche hatte und seit 1935 Kirchengemeinde für Bösel und Scharrel war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein Strom von Flüchtlingen und Vertriebenen nach Bösel und die Anzahl der evangelischen Gläubigen wuchs auf etwa 1000 an. Die Gottesdienste fanden zunächst in der Schule und danach bis 1960 auch im Saal der Gaststätte Sommer statt. Aber auch im Moorgut Kartzfehn sollen sie abgehalten worden sein. Für den Kirchenneubau im Jahre 1960 stellte die Gemeinde ein Grundstück an der Eschstrasse zur Verfügung. Mit viel Eigenarbeit der Gläubigen entstanden die Kirche und der Glockenturm. Sie wurde von dem Westersteder Architekten Hobbie geplant. Die Auferstehungskirche in Bösel wurde am 4. Advent 1960 durch Bischof D. Jakobi eingeweiht. Erster Pastor wurde 1961 Georg Beidenhauser, der mit seiner Frau Marie-Louise für 31 Jahre nach Bösel kam und das Leben in der Kirchengemeinde entscheidend mitgestaltete. Er gründete unter anderem eine Bläsergruppe, denn eine Orgel gab es damals noch nicht.

1985, als die Kirchengemeinde ihr silbernes Jubiläum feierte, wurde das erweiterte Gemeindehaus seiner Bestimmung übergeben, gedacht für Bibelstunden, aber auch für Frauen- und Jugendkreis sowie den Posaunenchor. Oberkirchenrat Heinrich Höpken hielt seinerzeit während des Festgottesdienstes die Predigt. Als der gebürtige Westfale Beidenhauser 1992 in den Ruhestand ging, löste ihn nach einiger Zeit Pastorin Angelika Menz ab. Nach längerer Vakanz wurde Ralph Hennings 1996 neuer Pastor der evangelischen Kirche. 1997 wurde er zum Pfarrer gewählt. Er wurde später von Pfarrerin Meike von Kajdacsy abgelöst. 2013 wurde die Auferstehungskirche komplett renoviert. Der aus Wilhelmshaven stammende Künstler Uwe Appold hat für die evangelisch-lutherische Auferstehungskirche in Bösel fünf Christusfenster entworfen. Diese Entwürfe sind entstanden aus der Begegnung des Künstlers mit dem monumentalen Wandbild des Kirchenmalers Hermann Oetken (1909-1998), das den Kirchenraum in Bösel dominiert. Uwe Appold setzt sich kritisch und kreativ mit diesem vorgegebenen Kunstwerk auseinander. Entstanden sind dadurch fünf Fenster, die auf eigenständige Weise die Bedeutung Jesu Christi für unser Leben und unseren Glauben darstellen. Im Sommer 2003 sind die Fenster in der Kirche eingebaut worden. Sie wurden allein aus Spenden finanziert.

MusikBearbeiten

Mit dem dem Gemischten Chor, der Big Band Bösel und dem Niedersachsen Sound Orchester (NSO)[12] verfügt die Gemeinde Bösel über drei musikalische Gruppierungen, die weit über die Grenzen bekannt sind. Kulturelle Höhepunkte sind das jährliche Adventskonzert des Gemischten Chores am 1. Advent und dessen „Sommerserenade“ sowie seit 1961 die Euro-Musiktage.[13] Die Euro-Musiktage finden Anfang September statt und werden vom EURO Bösel e. V. organisiert.[14] Beide Instrumentalformationen geben jährlich mehrere Gala-Konzerte. Zudem gibt es im Ortsteil Petersdorf einen Kirchenchor sowie den Sing- und Spielkreis.

Museen und ParksBearbeiten

 
Museumspark „Am Pallert“

In unmittelbarer Nähe zum Dorfkern liegt der Dorfpark, der an ein Areal grenzt, auf dem regelmäßig Volks-, Musik- und Sportfeste stattfinden. Seine Existenz verdankt der Dorfpark der Flurbereinigung, der gleichzeitig dem Hochwasserschutz dient. Des Weiteren gibt es den Museumspark „Pallert“, in dem man sich über die vorwiegend agrarisch geprägte Geschichte der Gemeinde informieren kann. Auf dem Gelände befinden sich das „Heimathaus“, ein Landmaschinenmuseum, ein Brotbackhaus und ein Bauerngarten.„Pallert“ bedeutet nichts anderes als „sumpfig, niedrig, feuchtes Land“.Die Bezeichnung dürfte sich auf eine "Notkuhle" beziehen, aus der Wasser geholt wurde z.B. bei Bränden. Der Standort war nicht neben dem jetzigen Heimathaus, der heute die Bezeichnung "Pallert" trägt, sondern etwa dort, wo heute die Martersäule steht.

SportBearbeiten

In der Gemeinde Bösel werden unterschiedliche Sportarten betrieben; über Fußball, Radfahren, Schwimmen, Volleyball, Boule, Jazztanz, Sportschießen, Angelsport, Kegeln, Volkstanz, Tischtennis, Reiten und Tennis, bis hin zu unbekannteren Sportarten wie Jakkolo oder Sommerbiathlon des Bürgerschützenvereins, der in dieser Sportart bereits zwei Deutsche Meister stellte. Die größten Sportvereine sind der Sportverein Bösel (Fußball), der Sportverein Petersdorf, der Tennisverein Bösel, die Schützenbruderschaft St. Franziskus Petersdorf, die DJK Bösel und der Bürgerschützenverein.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Böseler Schützenfest (drittes Wochenende im Juli)
  • Petersdorfer Schützenfest (zweites Wochenende im Juli)
  • Euro-Musiktage (Anfang September)[14]
  • Verleihung des Borsla-Preises der Borsla-Vereinigung für Niederdeutsche Sprache und Literatur e. V. im November jedes Jahres
  • Weihnachtsmarkt (Dezember)
  • Adventskonzert des Gemischten Chores am ersten Advent
  • Aufführungen der DJK-Theatergruppe e. V. (Januar)
  • Ferienpassaktion des Gemeindejugendringes (in den Sommerferien)
  • Bierfest des Niedersachsen Sound Orchesters im Dorfpark (Ende Mai)
  • St.Martin-Benefizessen (2. Dienstag im November) mit Spendenaktion für Böseler Vereine, die humanitäre Hilfe leisten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Bösel ist als Mitglied des „Zweckverbands Interkommunaler Industriepark Küstenkanal“ am Industrie- und Gewerbegebiet c-Port beteiligt.

BildungBearbeiten

Schulen:

  • St.-Martin-Grundschule
  • Oberschule
  • Grundschule Petersdorf

LiteraturBearbeiten

  • Gemeinde Bösel (Hg.): Gemeinde Bösel
    • Bd. 1: Gemeinde Bösel 1876–1976. Mit Beiträgen von F. Schwalm, F. Haskamp, J. Meyer, B. Robke, H. Werner, J. Stukenborg, C. Themann, A. Schröder, J. Ferneding, B. Grafe, H. Lenzschau. Bösel 1976.
    • Bd. 2: Gemeinde Bösel 1976–2001. Bösel 2001.
  • Benno Grafe (Red.): Christliche Denkmäler in der Gemeinde Bösel. Fotos von Franz Schwalm. Heimatverein Bösel. Bösel 2002.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bösel – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. Homepage DWD Friesoythe-Altenoythe
  3. Jürgen Udolph (Recherche): Der „Ortsnamenforscher“. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Internetseite NDR 1 Niedersachsen. Archiviert vom Original am 28. Dezember 2014; abgerufen am 3. August 2019.
  4. Homepage Petersdorf
  5. Oldenburg und der Nordwesten. Westf. Geogr. Studien 25. (Hrsg.: Inst. f. Geogr. Länderkd. Univ. Münster). Münster i. W. 1971. S. 304.
  6. Inschrift der Stele für Stanislav Dytwach: „Zum Gedenken an Stanislav Dytwach (1.1.1913 – 14.11.1942) ermordet am 14.11.1942 als Zwangsarbeiter in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Bösel“; Inschrift der Stele für Harry Alfred Horsey: „Zum Gedenken an Harry Alfred Horsey, 22-jähriger Pilot der Royal Air Force, ermordet am 3.4.1945 in der Zeit der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Bösel“.
  7. Bösel: Unsere Gemeinde - Einwohner Bösel in Zahlen, abgerufen am 11. Januar 2020.
  8. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG); § 46 – Zahl der Abgeordneten. In: Internetseite Niedersächsisches Vorschrifteninformationssystem (NI-VORIS). 17. Dezember 2010, abgerufen am 23. August 2019.
  9. Gesamtergebnis Gemeindewahl 2016 11.09.2016, abgerufen am 25. Januar 2017
  10. Gemeinde Bösel – Ergebnis der Bürgermeisterwahl. 16. Februar 2014, abgerufen am 25. September 2014.
  11. Hauptsatzung der Gemeinde Bösel. (Memento vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive) In: www.boeselonline.de. 19. Dezember 2011, abgerufen am 23. August 2019.
  12. Niedersachsen Sound Orchester (NSO). In: www.nso-online.de. Abgerufen am 23. August 2019.
  13. Otto Höffmann: „Auf Bösel einmal Trullala“ ... Geschichte und Geschichten des Böseler Musikerfestes. Musikverein Bösel, Bösel 1986.
  14. a b Euro-Musiktage Bösel. In: www.euro-boesel.de. Abgerufen am 23. August 2019.