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Bénédicte Savoy

französische Kunsthistorikerin
Bénédicte Savoy (2018)

Bénédicte Savoy (* 22. Mai 1972 in Paris) ist eine französische Kunsthistorikerin.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Savoy studierte Germanistik an der École Normale Supérieure in Fontenay, die sie 1994 mit einer Magisterarbeit über Anselm Kiefer abschloss. 1996 erhielt sie die Agrégation. Von 1998 bis 2001 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre Marc Bloch in Berlin sowie Lehrbeauftragte an der Technischen Universität (TUB) und an der Freien Universität (FUB) in Berlin. Im Jahr 2000 wurde sie promoviert.

Von 2003 bis 2009 war Savoy Juniorprofessorin am Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TUB. Seit 2009 ist sie dort Professorin für Kunstgeschichte.[1] Sie ist Mitglied des Stiftungsrats der Kulturstiftung des Bundes.[2] Nach einer Vorlesungsreihe als Gastdozentin im Juni 2015 wurde Savoy 2016 zur Professorin am Collège de France berufen: Sie hält den Lehrstuhl Histoire culturelle du patrimoine artistique en Europe, XVIIIᵉ-XXᵉ siècles inne.[3]

Im Auftrag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron untersuchte sie mit dem senegalesischen Wissenschaftler Felwine Sarr die Möglichkeit der Rückgabe von Kulturgütern französischer Museen an afrikanische Länder. Daraus ging im November 2018 ein Bericht hervor, der eine Darstellung dieses Themas in Frankreich sowie in einigen Ländern Afrikas bietet sowie Empfehlungen und einen Zeitplan für die geplanten Restitutionen benennt.[4] Eine gekürzte und überarbeitete Version dieses Berichts wurde sechs Monate später auch auf Deutsch veröffentlicht.[5] Savoy gilt international als Expertin für die Verbringung von Kulturgütern bzw. des Kunstraubs insbesondere aus ehemaligen Kolonien in europäische Museen. Sie war bis zu ihrem Austritt wegen fachlicher Differenzen 2017 auch im Beirat des Humboldt-Forums.[6] (Darüber hinaus stellte sie den Vergleich an, über dem Forum würde eine "Bleidecke wie über dem Atommüll in Tschernobyl" liegen)

Savoy ist seit 2019 für drei Jahre Ratsmitglied der neu begründeten Jungen Akademie, die gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen wird.[7]

EhrungenBearbeiten

Savoy erhielt 2001 den Prix Pierre Grappin, 2009 den Walter de Gruyter-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2011 den Richard Hamann-Preis der Philipps-Universität Marburg für hervorragende wissenschaftliche Leistungen in der Kunstgeschichte und 2015 den Prix de l’Académie de Berlin sowie den Prix du Rayonnement de la langue et de la littérature françaises der Académie française. 2016 wurde ihr ein Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis zugesprochen, und im selben Jahr wurde sie in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt.[8]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Museen. Eine Kindheitserinnerung und die Folgen. Greven, Köln 2019, ISBN 978-3-7743-0904-3.
  • Die Provenienz der Kultur. Von der Trauer des Verlusts zum universalen Menschheitserbe (Fröhliche Wissenschaft Band 135). (Übersetzung Hanns Zischler und Philippa Sissis), Matthes & Seitz, Berlin 2018, ISBN 978-3-95757-568-5.
  • mit Nikolaus Bernau und Hans-Dieter Nägelke (Hrsg.): Museumsvisionen. Der Wettbewerb zur Erweiterung der Berliner Museumsinsel 1883/84, Kiel: Ludwig 2015
  • mit France Nerlich (Hrsg.): Pariser Lehrjahre. Ein Lexikon zur Ausbildung deutscher Maler in der französischen Hauptstadt, 2 Bde., Berlin: DeGruyter, 2012/2015
  • Vom Faustkeil zur Handgranate: Filmpropaganda für die Berliner Museen 1934–1939. Köln: Böhlau, 2014
  • mit Philippa Sissis (Hrsg.): Die Berliner Museumsinsel: Impressionen internationaler Besucher (1830–1990); eine Anthologie. Köln: Böhlau, 2013
  • (Hrsg.): Nofretete: eine deutsch-französische Affäre 1912–1931. Köln: Böhlau, 2011
  • Michel Espagne, Bénédicte Savoy (Hrsg.): Dictionnaire des historiens d'art allemands. Paris: CNRS éditions 2010
  • Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen. Mit einem Katalog der Kunstwerke aus deutschen Sammlungen im Musée Napoléon (CD-ROM). Wien: Böhlau 2010
  • mit Kristina Kratz-Kessemeier, Andrea Meyer (Hrsg.): Museumsgeschichte. Kommentierte Quellentexte 1750–1950. Berlin: Reimer 2010
  • Helmina von Chézy, Leben und Kunst in Paris seit Napoleon I., Weimar 1805–1807, kommentierte Ausgabe. Berlin: Akademie-Verlag 2009
  • Tempel der Kunst. Die Entstehung des öffentlichen Museums in Deutschland. 1701–1815. Mainz: Philipp von Zabern, 2006
  • Patrimoine annexé. Les saisies de biens culturels pratiquées par la France en Allemagne autour de 1800. Vorwort von Pierre Rosenberg, 2 Bände, Paris 2003 Deutsches Forum für Kunstgeschichte / Éditions de la Maison des Sciences de l'Homme.
  • Mitherausgeberin des Allgemeinen Künstlerlexikons

ÜbersetzungenBearbeiten

  • Arno Bertina: Mona Lisa in Bangoulap. Die Fabel vom Weltmuseum. Matthes & Seitz, Berlin 2016, ISBN 978-3-95757-346-9.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne: Prof. Dr. Bénédicte Savoy. Abgerufen am 28. Mai 2019.
  2. Bénédicte Savoy, bei Kulturstiftung
  3. Accueil, Collège de France. Zugriff 20. Januar 2017
  4. Felwine Sarr und Bénédicte Savoy: Rapport sur la restitution du patrimoine culturel africain. Vers une nouvelle éthique relationnelle. 23. November 2018, abgerufen am 14. Mai 2019 (französisch, englisch).
  5. Felwine Sarr und Bénédicte Savoy: Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-95757-763-4.
  6. Das Goldene, das Dunkle. Interview mit Savoy, Der Spiegel, Nr. 29, 14. Juli 2018
  7. Neuer Rat der Jungen Akademie ernannt. In: diejungeakademie.de. 10. Juli 2019, abgerufen am 11. Juli 2019 (Pressemitteilung).
  8. Gisela Lerch: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften wählt fünf neue Mitglieder. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Pressemitteilung vom 10. Juni 2016 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 10. Juni 2016.