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Die Autostrada R 7 (albanisch für Autobahn R 7) ist eine über 100 Kilometer lange Autobahn im Kosovo, die teilweise erstellt, in Bau oder in Planung ist. Teile der Strecke bestehen als Schnellstraße. Die Autostrada soll als Verlängerung der Autostrada A1 in Albanien den albanischen Hafen von Durrës mit der kosovarischen Hauptstadt Pristina verbinden. Die Autobahn trägt den Beinamen Ibrahim Rugova als Erinnerung an den ehemaligen Präsidenten des Kosovo, Ibrahim Rugova.[1]

Vorlage:Infobox hochrangige Straße/Wartung/XK-R
Autostrada R 7 im Kosovo
Autostrada Ibrahim Rugova
Autostrada R 7
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Karte
Verlauf der R 7
Basisdaten
Betreiber: Ministria e Infrastrukturës
Straßenbeginn: Grenzübergang Vërmica-Morina
(42° 9′ N, 20° 33′ O)
Straßenende: Grenzübergang Merdare
(42° 56′ N, 21° 15′ O)
Gesamtlänge: 129,8 km
  davon in Betrieb: 102,8 km
  davon in Bau: 26,7 km

Gemeinden:

Nutzungsvoraussetzung: Mautfrei
Ausbauzustand: 2x2 Fahrstreifen + Notfallstreifen
Status: in Betrieb / im Bau

Diese auch unter dem Namen Autobahn Vërmica–Pristina und Autobahn Vërmica–Merdare bekannte Strecke ist der erste Teil des noch aufzubauenden kosovarischen Autobahnnetzes. Die ersten 38 Kilometer der Strecke wurden am 12. November 2011 für den Verkehr freigegeben. Eine Verlängerung der Autobahn zum Paneuropäischen Verkehrskorridor X bei Niš in Serbien ist in der Vorplanungsphase. Im Juli 2017 wird der nächste Teil von Truda bzw. Besia nach Podujeva gebaut und soll im September fertiggestellt werden.[2][3] Die serbische Ministerin für Bau, Transport und Infrastruktur Zorana Mihajlović kündigte im Frühjahr 2017 an, dass die Projektunterlagen bis Sommer 2017 fertig gestellt sein würden, so dass 2018 der Bau des 77 Kilometer langen Teils von Niš nach Merdare beginnen könnte. Für Serbien gilt die Strecke als aktuell wichtigstes Infrastruktur-Projekt.[4][5]

Tempolimit und MautBearbeiten

Die Höchstgeschwindigkeit wurde von Vërmica an der kosovarisch-albanischen Grenze bis Prizren-Süd auf 120 km/h festgelegt; der folgende Streckenabschnitt bis Suhareka ist für 130 km/h freigegeben.[6]

Bis zur vollständigen Fertigstellung der Autobahn soll keine Maut erhoben werden. Die Ausfahrten sind aber bereits so gebaut worden, dass ein geschlossenes, streckenabhängiges Mautsystem errichtet werden kann.

AusschreibungBearbeiten

Das gesamte Projekt wurde ursprünglich in neun Bausektionen unterteilt. 2009 wurden dann erstmals sieben Baufirmen für den engeren Kreis der möglichen Erbauer genannt: Strabag (Österreich), Alpine (Österreich), Porr (Österreich), Pizzarotti (Italien), Terna (Griechenland), Marykol (Türkei) und das US-amerikanisch/türkische Joint Venture Bechtel & Enka (BEJV, siehe Bechtel & Enka). Bechtel & Enka gewann schließlich die komplette Projektausschreibung unter Ausschluss der Bausektion 6.

StreckenführungBearbeiten

 
Die R 7 zwischen albanisch-kosovarischer Grenze und Prizren

Die Autobahn führt vom Grenzübergang Vërmica an der Grenze zu Albanien über Prizren und Suhareka nach Duhla in östlicher Richtung weitestgehend parallel zur Nationalstraße M-25. Bei Duhël schwenkt sie nach Norden, um über Malisheva bei Balinca auf die Nationalstraße M-9 zu treffen. Der Streckenabschnitt Richtung Osten von Balinca bis Sllatina e Madhe wird auf absehbare Zeit durch die bereits autobahnähnlich ausgebaute M-9 gebildet. Bei Sllatina e Madhe zweigt dann die Autobahn wieder von der M-9 ab und führt als Westumfahrung an Pristina vorbei. Die Autobahn wird dann vorerst an der Anschlussstelle Pristina-Nord enden und in die Nationalstraße M-25 übergehen.

 
Die Autobahn in Zentralkosovo

Langfristig ist ein Weiterbau der R 7 von Pristina nach Prapashtica an der kosovarisch-serbischen Grenze zur weiteren Verbindung mit dem Paneuropäischen Verkehrskorridor X bei Niš geplant. Im November 2012 verständigten sich die beiden Ministerpräsidenten Kosovos und Serbiens, Hashim Thaçi und Ivica Dačić, auf eine Autobahnverbindung zwischen Niš und Pristina. Demnach wollen die beiden Länder im Bereich der Infrastruktur ihre politischen Differenzen beilegen. Auch wollen sie für die Autobahnverbindung eine technische Arbeitsgruppe für die Durchführbarkeit des Projekts gründen. Das bedeutende Treffen fand in Brüssel unter der Führung von Catherine Ashton, der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik.[7]

AusfahrtenBearbeiten

Typ Name Nationalstraße Reiseziel
Beginn der  , Vërmica, (Grenze mit   Albanien; Grenzübergang Vërmica-Morina)
Prizren-Süd   Verbindung von Prizren-Süd und Skopje, Nordmazedonien
Prizren-Nord   Verbindung mit Prizren-Nord, Peja, und Gjakova
Suhareka   Verbindung mit Suhareka
Duhla   Verbindung zu Duhla und Shtime (in Zukunft zu Autostrada R 7.1)
Malisheva   Verbindung mit Malisheva
Ende der  , die Straße verbindet sich mit   von 24 km (Wechsel zu Gjergjica, Sllatine ë Madhe und Fushë Kosova sind möglich)
Fushë Kosova   Verbindung zu Pristina und Fushë Kosova
Skopje   Verbindung zu R 6, Han i Elezit und Skopje,   Nordmazedonien
Pristina   Verbindung zu Pristina Nordwest und Mitrovica
Ende der  , die Straße verbindet sich mit  /E80 mit Podujeva und Merdare (Grenze mit  Serbien)

BaufortschrittBearbeiten

 
Die R 7 bei Malisheva

Im April 2010 wurden die Verträge zwischen Bechtel & Enka und der kosovarischen Regierung unterzeichnet und anschließend die Bauarbeiten in den ersten drei Bausektionen (kosovarisch-albanische Grenze bis Suhareka) begonnen. Bereits im April 2011 begannen dort die Asphaltierungsarbeiten.[8] Diese wurden im Oktober 2011 abgeschlossen und die Strecke wurde am 12. November 2011 dem Verkehr übergeben. Die Autobahn endete bei Kilometer 38 in Form einer temporären Ausfahrt bei Sllapuzhan.

In den Sektionen 4 und 5 bis zur Anbindung an die M-9 (PejaPristina) südwestlich von Drenica haben die Bauarbeiten im Oktober 2010 bzw. Januar 2011 begonnen. Der Abschluss der Arbeiten wurde für Oktober 2012 prognostiziert. Nachdem bereits am 13. Juli 2012 wurde ein kurzes Teilstück vom bisherigen Autobahnende bei Sllapuzhan bis zur Ausfahrt Duhël (Kilometer 41,7) für den Verkehr freigegeben wurde, erfolgte am 27. November 2012 die Verkehrsfreigabe der restlichen Strecke bis zum Autobahnkreuz mit der M-9 bei Balinca.[9] Damit ist die vierspurige Anbindung der Hauptstadt Pristina zur albanischen Grenze realisiert.

Die ehemals geplante Sektion 6 (13,8 km) wurde aus Kostengründen vorerst aus dem Autobahn-Projekt genommen und stattdessen die autobahnähnlich ausgebaute Nationalstraße M-9 mit in die Streckenführung der R-7 integriert. Es ist unklar, ob dieser Streckenabschnitt in Zukunft durch einen Autobahnneubau ergänzt wird oder die M-9 noch weiter ausgebaut und zur Autobahn R-7 hochgestuft wird.

Die Sektionen 7, 8 und 9 (Westumfahrung von Pristina, beginnend bei Sllatina e Madhe nördlich des Flughafens Pristina) sind fertiggestellt.

Der Weiterbau nach Niš verläuft von Truda nach Podujeva, wo sie dann in Serbien von Merdare über Prokuplje nach Niš verläuft.

Zurzeit finden Bauarbeiten an dem Grenzübergang statt. Diese können verbindlich mit der Autostrada R 7 sein.

WirtschaftBearbeiten

BeschäftigungBearbeiten

Der Bau der Autobahn beschäftigt rund 1500 Bauarbeiter, zwei Drittel davon sind Personen aus dem lokalen Umland.

KostenBearbeiten

Die Projektkosten für die Autobahn nur bis Pristina beliefen sich auf etwa 600 Millionen Euro, allerdings ist die komplette Finanzierung des Projektes noch nicht gesichert.

Ende 2013 erlöste das US-amerikanisch-türkische Unternehmens-Konsortium Bechtel & Enka, für das der amerikanische Botschafter Christopher Dell selbst geworben hatte. 1,3 Milliarden US-Dollar für die ersten 77 Kilometer, vier mal so viel, wie üblicherweise eine Autobahn in der Region kostet. Die Autostrada R 7 gilt damit als die teuerste Autobahn Europas.[10] Nach seiner Amtszeit als Botschafter bekam Dell einen Job bei Bechtel.[11]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Autostrada R 7 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ministria e Infrastrukturës: Ministria e Infrastrukturës. Abgerufen am 27. Mai 2017.
  2. Rruga Podujevë – Besi është duke shkuar sipas dinamikës së paraparë dhe pritet të përfundojë në shtator (Faza e parë Podujevë-Gllamnik). 9. Mai 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (albanisch).
  3. Segmenti i pare i rruges Besi-Podujeve pritet te perfundoje ne gusht. 4. April 2017, abgerufen am 18. Juli 2017 (albanisch).
  4. Baubeginn für Autobahn Nis-Merdare 2018. In: Ekapija. 17. März 2017, abgerufen am 9. September 2017.
  5. Zharku e Veliu inspektojnë punimet në rrugën Prishtinë-Podujevë, abgerufen am 19. Juli 2017
  6. Vor Ort Unterwegs. In: ReiseBank. Abgerufen am 3. Januar 2018.
  7. Thaçi-Tadiç, dakord për autostradën e re. (Nicht mehr online verfügbar.) Alsat-M, 8. November 2012, archiviert vom Original am 24. April 2014; abgerufen am 24. April 2014 (albanisch).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/alsat-m.tv
  8. Nis asfaltimi në Vërmicë – Mërdarë. 15. April 2011, abgerufen am 16. April 2011 (albanisch).
  9. Fatos Bytyçi: Kosovo veterans demand release of chief charged with war crimes. Reuters, 27. November 2012, abgerufen am 1. Februar 2016 (englisch).
  10. Steamrolled: A special investigation into the diplomacy of doing business abroad; One of Europe’s poorest countries wanted a road, so U.S. mega-contractor Bechtel sold it a $1.3 billion highway. Foreign Policy, 30. Januar 2015, abgerufen am 3. Februar 2015 (englisch).
  11. Michal Kokot: Kosovo: Enthüllerin wird kaltgestellt. In: Zeit Online. 21. November 2014, abgerufen am 18. März 2018.