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Die Aussendungsrede findet sich im Neuen Testament als eine von Jesus gehaltene Rede oder Worte Jesu wieder. Sie ist bei Matthäus im Kap. 9,35 – 11,1; bei Markus im Kap. 6, 6-13 und bei Lukas im Kap. 9,1–6 sowie Kap 10,1–12 niedergeschrieben. Die „Aussendungsrede“ zählt als zweite Rede zu den insgesamt fünf Reden Jesu, die Matthäus in seinem Evangelium beschreibt. Markus geht auf die „Aussendung der zwölf Jünger“ in dem Hauptteil „Taten und Worte Jesu“ ein. Und Lukas schließlich vermerkt die „Aussendung der zwölf Jünger“ unter dem Kapitel „Zeichen und Worte Jesu“. In den drei Evangelien hat diese Rede eines gemeinsam, es werden die Worte Gottes wiedergegeben.

Inhaltsverzeichnis

InterpretationBearbeiten

Mit einigen Nuancen lassen sich bei den Beschreibungen der Aussendungsreden kleine Unterschiede erkennen, sie führen aber alle zu einem gleichen Ergebnis.

Nach MatthäusBearbeiten

In der, von dem Evangelisten Matthäus, am umfangreichsten aufgeschriebenen Aussendungsrede (Mt 9,35-38 EU) und (Mt 10,1-42 EU) handelt es sich um die Entsendung der von Jesus ausgewählten zwölf Jünger. In den ersten Sätzen der Aussendungsrede heißt es: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,35-38 EU). Erst danach erfolgt, im Sinne „Arbeiter für seine Ernte“, die Wahl der Jünger, auch als Apostel bezeichnet (Mt 10,1-4 EU), mit dem sogenannten Missionsbefehl. Die Apostel erhalten den Auftrag zu den Menschen zu gehen, sie zu heilen und ihnen das Wort Jesu zu verkünden. Zuvor hatte er die Zwölf in ihr Amt berufen und zu seinen Botschaftern ernannt. Er erklärt ihnen ihren Auftrag und empfiehlt ihnen die mitzuführende Ausstattung. Hierzu gehört, dass sie keinen Wanderstab mitführen sollen. Er legt Wert darauf ihnen anzuraten wenig an Ausrüstung mitzuführen, sinnbildlich bedeutet diese Anweisung auch, dass sie ohne Ballast den Menschen begegnen sollen. Die nächsten Ratschläge sind Verhaltensmaßnahmen bei der ersten Begegnung mit den Menschen und die Warnung verfolgt zu werden. Deswegen ruft er sie auf mutig und furchtlos ihren Weg zu gehen und ohne Angst den Menschen zu begegnen. Er verspricht ihnen abschließend einen verdienten und gerechten Lohn.

Nach MarkusBearbeiten

In seinem Evangelium berichtet Markus über die Taten und Worte Jesu. Zur Aussendung der zwölf Jünger (Mk 6,6-13 EU) berichtet er, dass Jesus die Zwölf um sich sammelte und sie jeweils zu zweit aussandte. Diese Form übernahmen später auch die Bettelorden und sandten ihre Mönche paarweise zur Kollektensammlung und zur Nahrungsbeschaffung aus. Er bevollmächtigte sie zur Geisteraustreibung und gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts mitzunehmen.[1] Letztlich gab er ihnen auch Verhaltensregeln mit auf den Weg. Im Gegensatz zum Matthäusevangelium wird hier klarer und deutlicher von Vollmacht und Geboten gesprochen.

Nach LukasBearbeiten

Zum dritten Mal wird im Neuen Testament, nämlich im Lukasevangelium im Abschnitt Zeichen und Worte Jesu, über die Aussendung der zwölf Jünger (Lk 9,1-6 EU) berichtet. Ebenfalls wird von den Anweisungen, Vollmachten und Geboten, die Jesus den Aposteln mit auf den Weg gab, gesprochen. Bei ihm zählt ebenfalls der Wanderstab zu den Gegenständen die nicht mitgeführt werden sollen. Zu der Aussendungsrede an die zwölf auserwählten Jünger gesellt sich im Lukasevangelium im Abschnitt „Auf dem Weg nach Jerusalem“ die „Aussendung der zweiundsiebzig Jünger“ (Lk 10,1-13 EU). Inhaltlich und auftragsgebend stimmt sie mit den Reden an die zwölf Jünger in vielen Dingen überein. Die Zahl zweiundsiebzig zeugt von der symbolischen Herleitung, dass der Erdkreis aus zweiundsiebzig Völker bestehe, während die Zahl zwölf symbolisch auf die zwölf Stämme Israels verweist. Somit wird die Aussendung der Jünger, die zunächst nur für Israel galt, auf den Erdkreis erweitert.

AuswirkungenBearbeiten

Die Aussendungsreden werden vielfach mit der Einsetzung der Apostel und der Mission verbunden, es müsste aber berücksichtigt werden, dass bereits eine Trennung zwischen Judentum und den Nachfolgern Jesu stattgefunden hatte. Es geht also um die Rückgewinnung der vom Glauben abgefallenen Menschen. Fraglich wäre, ob es sich bei der Aussendung der Jünger um einen einmaligen Auftrag oder einem für immer gültigen Auftrag handelte.

Vita apostolicaBearbeiten

Aus der Aussendung der Apostel, wie sie sich in den Aussendungsreden darstellt, entwickelte sich ein Ideal apostolischen Lebens, bekannt als Vita apostolica. Zu diesem Vorbild gehören die apostolische Armut und die Verkündigung des Evangeliums. In der Anweisung für die Mission[2], der sich in der Beschreibung von Matthäus widerspiegelt, erklärte Jesus, an wen sich diese Mission richtete und wen er beabsichtigte zu missionieren.

Apostel PaulusBearbeiten

Paulus von Tarsus, ein Missionar,[3] verstand sich als von Gott berufener „Apostel des Evangeliums für die Völker“ (Gal 1,15 EU). Er verkündete vor allem Nichtjuden den auferstandenen Jesus Christus. In seinen vierzehn Briefen geht er vielfach auf das Leben in den Gemeinden ein und deutet die von Jesus erteilten Aufträge und Anweisungen. Im 1. Brief an die Korinther geht er auf das Beispiel der Apostel ein und greift das Angebot über den Lohn auf, den Jesus in seiner Aussendungsrede versprochen hat: „So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkünden, geboten, vom Evangelium zu leben. Ich aber habe all das nicht in Anspruch genommen“ (1 Kor 9,14-15 EU).

FranziskusBearbeiten

Mit dem Beginn der franziskanischen Bewegung im Jahre 1208[4] versammelten sich mehrere Gleichgesinnte und begannen mit der Umsetzung der Aussendungsrede. Die Überlieferung deutet an, dass Franz von Assisi (1181/82–1226) in diesem Jahr die Aussendungsrede gehört hatte und beschloss, ein Wanderleben in der Nachfolge Jesu zu führen. Aus der Aussendungsrede entwickelte er die ersten Ordensregeln für den von ihm gegründeten Franziskanerorden, einer der bekannten Bettelorden. Für Franziskus war es eine Aufforderung gewesen, so zu leben und zu wirken wie die zwölf von Jesus ausgeschickten Jünger es aus der Aussendungsrede übernommen hatten.

ArmutsidealBearbeiten

Vor der Gründung der sogenannten Bettelorden hatten sich aus religiösen Laiengruppierungen, wie den Humiliaten, den Waldenser und den Katharer, Gemeinschaften gebildet, deren Ideal darin bestand die apostolische Armut, wie sie in den Aussendungsreden festgelegt war, praxisnah zu verwirklichen. In diese Armutsbewegung hinein folgten im frühen 13. Jahrhundert die Bettelorden, deren Bestreben es war, ihre Ordensgemeinschaften nach dem Armutsideal, welches sie aus den Aussendungsreden zu erkennen glaubten, auszurichten. Zu den bekanntesten Bettelorden des Mittelalters gehörten die Dominikaner, die Franziskaner, die Karmeliten und die Augustiner.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Im Matthäus- und Lukasevangelium wird im Gegensatz zu Markus von der Mitnahme eines Wanderstabs abgeraten
  2. Auch als Missionsbefehl bekannt (Mt 10,5-15 EU)
  3. Erster Missionar des Urchristentums
  4. 800 Jahre Franziskanische Bewegung, [1]