Augustinerkloster Wittenberg

Kloster, in dem Martin Luther lebte; heute Lutherhaus
Ansicht von Wittenberg 1536: Das Augustinerkloster befindet sich direkt an der Stadtmauer, ein langgestrecktes Einzelgebäude unterhalb des Schlosses (Reisealbum des Pfalzgrafen Ottheinrich, Universitätsbibliothek Würzburg)

Das Augustinerkloster (auch Schwarzes Kloster) war ein Kloster der Augustiner-Eremiten in Wittenberg im damaligen Kurfürstentum Sachsen von 1504 bis 1524.

LageBearbeiten

Das Kloster befand sich im östlichen Teil der mittelalterlichen Stadt in der Nähe des Elstertors direkt an der Stadtmauer. Heute befindet sich dort das Lutherhaus (Augusteum).

GeschichteBearbeiten

Das Kloster wurde wahrscheinlich 1504 gegründet. Die Klosteranlage wurde auf dem Gelände des bisherigen Heilig-Geist-Spitals erbaut. Das Kloster diente besonders der Unterkunft auswärtiger Augustiner-Mönche, die an der kurz davor gegründeten Wittenberger Universität studierten. 1508 kam Martin Luther nach Wittenberg und wohnte seitdem im Kloster. 1517 löste er mit der Veröffentlichung seiner Thesen die Reformation aus.

Ende 1521 hatten 15 Mönche das Kloster verlassen. Im Januar 1522 wurde den verbliebenen Brüdern erlaubt, das Kloster zu verlassen. Seit März jenen Jahres wohnte Luther nach der Rückkehr von der Wartburg wieder im Kloster, zusammen mit einigen wenigen verbliebenen Mönchen. 1524 übereignete ihm der Kurfürst Friedrich den Gebäudekomplex.

 
Der sogenannte Südanbau des Augustinerklosters, erbaut 1515 bis 1516, wird als Priorat gedeutet[1] (komfortablere Wohnräume des Priors Konrad Helt, später von Luther bezogen)

StrukturenBearbeiten

Das Kloster wurde von einem Prior geleitet. Zwischenzeitlich lebten über 40 Mönche dort, die meisten auswärtige Augustiner, die an der Universität studierten.

Das Kloster hatte Einkünfte aus einigen Dörfern der Umgebung sowie aus Stiftungen und Schenkungen. Termineien sind nicht bekannt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Generalvikar der Augustiner

  • Johannes Staupitz, lebte 1502–1512 in Wittenberg, gründete 1502 die Universität mit

Prioren[2]

  • Johann Domeczer, 1504
  • Gregor Mayer, 1504
  • Johann Herrgott, 1505/06
  • Melchior Mirisch, 1509–1510, lebte 1507–1510/12 im Kloster
  • Wenzeslaus Linck, 1511–1515, Dekan der Theologischen Fakultät 1512–1514, lebte 1503–1516 im Kloster
  • Jakob Propst, 1515–1518
  • Adam Ulrich, 1518, war bereits 1502 in Wittenberg
  • Konrad Helt, 1519–1522, lebte 1512–1522 im Kloster
  • Eberhard Brisger, 1522–1523, lebte 1518–1525 im Kloster

Subprioren

  • Martin Luther, 1512–1515, Distriktsvikar 1515–1518, lebte 1508–1509, 1512–1521, 1522–1524 im Kloster, danach als persönlicher Besitz bis 1546

Weitere Mönche[3]

Drucker

Weitere NutzungBearbeiten

1564 überließen die Erben Luthers der Universität das Gelände.

LiteraturBearbeiten

  • Gottfried Wentz: Das Augustinereremitenkloster in Wittenberg. In: Gottfried Wentz, Fritz Bünger (Bearb.): Das Bistum Brandenburg. Teil 2. (= Germania sacra. I. Abteilung: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. 3. Band). Berlin und Leipzig 1941. S. 440–499. (Digitalisat, PDF)
  • Reinhard Schmitt / Mirko Gutjahr: Das „Schwarze Kloster“ in Wittenberg. Bauforschung und Archäologie im und am Kloster der Augustiner-Eremiten und Wohnhaus Martin Luthers. In: Harald Meller (Hrsg.): Fundsache Luther. Archäologen auf den Spuren des Reformators, Theiss Verlag 2008. S. 132–139.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhard Schmitt, Mirko Gutjahr: Das Schwarze Kloster. S. 133–134.
  2. Wentz, Augustinereremitenkloster, S. 460
  3. Biographische Angaben zu allen erwähnten Mönchen in Wentz, Augustinereremitenkloster, S. 460–499. (Digitalisat, PDF)