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Atlas der Globalisierung

Der „ATLAS der GLOBALISIERUNG“ [sic] ist eine französischsprachige Buchreihe aus dem Verlag Le monde diplomatique, der die gleichnamige Monatszeitschrift Le monde diplomatique in 24 Sprachen mit einer Gesamtauflage von 2,4 Millionen Druckexemplaren und mit 43 Internetausgaben herausgibt (Stand Mai 2014)[1].

Die Atlanten im Geist der politischen Geographie stellen eine Kombination aus Sachbuch, Nachschlagewerk und Lehrbuch dar. Der erste Band erschien im Jahr 2003 in französischer Sprache; ab 2006 erschienen beinahe jährlich thematisch verschiedene Folgebände, die alle in der Folge auch in deutscher Sprache im Verlag Le monde diplomatique / taz Verlags- und Vertriebs GmbH Berlin herausgegeben wurden.

In Hauptkapiteln werden dabei Themen der Globalisierung aufbereitet. Jedes Hauptkapitel beinhaltet einen Einleitungsbeitrag sowie weitere Kapitel, die — charakteristisch für diese Reihe — jeweils auf einer Doppelseite beschrieben werden. Zu jedem Thema gibt es mehrfarbige Grafiken, vor allem Landkarten und Balken- und Liniendiagramme, die die jeweilige Problematik übersichtsmäßig geographisch aufschlüsseln und in der Doppelseitenansicht zusammengenommen mindestens eine Dreiviertelseite groß sind (Muster). Zu jedem Thema sind Weblinks angegeben. Bei den Texten fehlen Quellenangaben, zu den Grafiken existiert ein Quellenverzeichnis.

Inhaltsverzeichnis

Deutschsprachige AusgabenBearbeiten

2003Bearbeiten

Im Teil I „Die Globalisierung und ihre Folgen“ der ersten Ausgabe 2003 sind die Hauptkapitel: „Globales Dorf“, „Globaler Markt“, „Hochgerüstete Welt“, „Technischer Fortschritt und Soziale Verwerfungen“, „Gefährdete Umwelt“, „Demokratie und sozialer Fortschritt“, „Umkämpfte Welt“; im Teil II: „Schauplätze und Akteure“ sind die Hauptkapitel: „Hypermacht USA“, „Der amerikanische Kontinent“, „Die Europäische Union“, „Der Osten Europas“, „Russland und seine Märkte“, „Japan, der alte ferne Osten“, „China, das neue Reich der Mitte“, „Mittel- und Ostasien“, „Naher Osten und Nordafrika“, „Subsahara-Afrika“. ISBN 3-9806917-6-4

2006 und 2007 „Die neuen Daten und Fakten zur Lage der Welt“Bearbeiten

Hauptkapitel: „Bedrohte Umwelt“, „Die neue Geopolitik“, „Gewinner und Verlierer“, „Ungelöste Konflikte“, „Der Aufstieg Asiens“[2]; ISBN 978-3-937683-07-2 (2006) und ISBN 978-3-937683-13-3 (2007)

2008 „spezial - Klima“Bearbeiten

(Titel der Originalausgabe: „L'Atlas environnement“)

Hauptkapitel: „Die geopolitische Lage nach dem Irakkrieg“, „Die Verlierer und Gewinner der Globalisierung“, „Die ungelösten Konflikte von Afghanistan bis Zypern“, „Der unaufhaltsame Aufstieg Asiens“. Der Band ist mit beigefügter CD erhältlich (Berlin 2008, ISBN 978-3-937683-16-4) und weist 96 farbige Seiten im Format: 22 × 29,5 cm und über 100 Karten und Schaubilder auf.

2009 und 2010 „Sehen und verstehen, was die Welt bewegt“Bearbeiten

Hauptkapitel: „Neue Weltkunde“, „Kapitalismus in der Krise“, „Die Zukunft der Energie“, „Viele Hauptstädte, viele Ansichten“, „Kompliziertes Afrika“, „Ungelöste Konflikte“. 89 Kapitel. 216 farbige Seiten im Format 22,5 × 30 cm, mit über 300 Karten und Schaubildern. ISBN 978-3-937683-24-9. Das Autorenverzeichnis dieser Ausgabe weist über 65 Autoren, vor allem aus dem frankophonen Raum, auf.

KapitelbeispieleBearbeiten

Als Beispiel, wie die einzelnen Hauptkapitel behandelt werden, hier die Kapitel zum 3. Hauptkapitel „Die Zukunft der Energie“ :

„Einleitung von Sven Giegold“ / „Klimafaktor Mensch“ / „Die Rettung ist finanzierbar“ / „Kohle bleibt ein Dauerbrenner“ / „Das billige Erdöl ist verbraucht“ / „Der letzte Tropfen wird zu teuer“ / „Europas Erdgas aus dem Osten“ / „Machtkampf am Kaspischen Meer“ / „Öl und Armut in der arabischen Welt“ / „Afrikas Ölquellen locken alte Bekannte“ / „Neue Märchen von der Atomkraft“ / „Der grüne Boom trägt weit in die Zukunft“ / „Europa kann sich selbst versorgen“ / „Ergiebige Winde über dem Meer“ / „Die Vision vom Wüstenstrom“

Rezensionen dazuBearbeiten

  • Elisabeth von Thadden schreibt auf ZEIT online, der Atlas mache das Unbekannte erkennbar, obwohl Lösungsansätze zu kurz kämen vor lauter beklemmend düsteren Szenarien[3].
  • Die Redaktion des österreichischen Magazins „Südwind – Magazin für internationale Politik, Kultur und Entwicklung“ führt das Werk als Standardwerk in Sachen Globalisierung, um sich „im labyrinthischen Welttheater“ leichter zurechtfinden zu können[4].
  • Josef Schurer begrüßt bei socialnet.de in seiner ausführlichen Inhaltsangabe die regelmäßige Aktualisierung in Folgebänden, um die sich rasch ändernde aktuelle Lage besser darstellen zu können und empfiehlt das Werk Politikern, Schülerinnen, Schülern und „all den Menschen, die daran glauben und sich dafür einsetzen, dass nur ein Perspektivenwechsel ein humanes Leben der Menschen in unserer „Einen Welt“ ermöglicht.“ [5].
  • Arno Widmann beschreibt in der Frankfurter Rundschau online in seiner Rezension „Die Welt, wie sie nicht sein darf“ den Atlas als wirksames Gegenmittel zum propagandistischen Aufwand, mit dem seit Jahrzehnten zu erklären versucht wird, „dass der einzige Weg zu Freiheit und Wohlstand der sei, die Reichen noch reicher zu machen.“ Der Atlas zeige das ganze neue Weltbild im Hinblick auf Migranten- und Ideenströme, der Kapital- und Rohstoff-Bewegungen oder der Erdölproduktion der Zukunft[6].

2011 „spezial – Das 20. Jahrhundert“Bearbeiten

Der erste Geschichtsatlas von Le Monde diplomatique. Dargestellt wird darin das gesamte 20. Jahrhundert, 100 Jahre auf 100 Seiten. Vom Ende des Kolonialismus über Deutschlands Kriege in Afrika, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und Zwischenkriegszeit, Japan, China, Afrika, bis zum Niedergang des britischen Kohlebergbaus, Nahostkrisen, Emanzipation der Frauen und die Popkultur.

Der Folgeband im Seitenformat 22,4 × 29,7 cm mit 102 Seiten weist über 130 Karten und Schaubilder auf. ISBN 978-3-937683-32-4.

Rezensionen dazuBearbeiten

  • Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung stellt den Geschichtsatlas als Werk dar, in dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in neuem Licht unter neuen Zusammenhängen bewertet wird. Wobei nicht nur informiert wird, sondern immer auch politische Handlungsmöglichkeiten und alternative Strategien aufgezeigt werden. Der Atlas zeige „die Ambivalenz von globalen Entwicklungen, die auch gegenwärtig noch verlaufen und in Zukunft voraussichtlich andauern werden“. Dass Strukturwandel und Verstädterung mehr Wohlstand und soziale Gerechtigkeit brachten, aber gleichzeitig die soziale Ungleichheit zwischen den Gut- und den Schlechtverdienern wachsen ließ, mit Blick auf die Industrieländer als auch auf die Schwellen- und schwach entwickelten Länder[7].
  • Moritz »mo.« Sauer auf plow.de meint dazu, auch dieser Band „packt wie seine Vorgänger kondensiertes Wissen in zweiseitige Artikel und frisiert die Beiträge mit aussagekräftigen Grafiken“ [8].

2012 „Die Welt von Morgen“Bearbeiten

Der Band mit einer Einleitung des Herausgebers der französischen Originalfassung Ignacio Ramonet und einem Vorwort von Hermann Scheer erschien im November 2012. ISBN 3-937683-38-0

2015 "Weniger wird mehr"Bearbeiten

Dieser Postwachstumsatlas umfasst auf 176 Seiten über 300 Karten und Infografiken. Er geht von folgender Einschätzung der heutigen Situation aus: "Angesichts des Klimawandels, sozialer Konflikte und knapper Ressourcen droht der Kapitalismus in eine unfreiwillige, krisenhafte und spannungsreiche Schrumpfung abzugleiten. Doch mit Postwachstum ist etwas anderes gemeint als die Dauerkrise unserer Wachstumsgesellschaft: Eine zukunftsfähige Postwachstumsgesellschaft müsste nicht mehr um jeden Preis wachsen, um sich zu stabilisieren." (S.103) Wie ein Weg in diese ganz andere Gesellschaft aussehen könnte, sei zwar erst in Ansätzen erkennbar. Aber es gebe neben vielfältigen großen Fragen auch bereits kleine Antworten und Initiativen, die vielversprechend und ernst zu nehmen seien; diese werden im Postwachstumsatlas in über hundert Beiträgen behandelt.

WeblinksBearbeiten

Auf der deutschsprachigen Website der Herausgeber sind zu den verfügbaren Bänden die Inhaltsverzeichnisse einsehbar, die neueren Ausgaben können dort auch „durchgeblättert“ werden, wobei man einen Überblick über das Layout und das Verhältnis Texte zu Grafiken erhält (Beispiel). Etliche der in den Bänden verwendeten Karten sind auch extra online abrufbar (alles zuletzt abgerufen: September 2012). Postwachstumsatlas 2015 [1].

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Über uns“ (Memento vom 5. April 2015 im Internet Archive) bei monde-diplomatique.de
  2. Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 2006 pdf-Datei (48 kB)
  3. Elisabeth von Thadden: Die alte Kugel neu auf zeit.de
  4. Südwind-Magazin
  5. Jos Schnurer, Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim, Rezension vom 10. Dezember 2009 bei socialnet.de, Datum des Zugriffs 22. September 2012
  6. Arno Widmann: „Die Welt, wie sie nicht sein darf“ Frankfurter Rundschau online vom 28. Oktober 2009
  7. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
  8. Moritz Sauer: Entwicklungsschritte der Menschheit im 20. Jahrhundert, bei phlow.de