Astra (Rakete)

US-amerikanische Trägerrakete

Die Astra oder Rocket ist eine in Entwicklung befindliche zweistufige Trägerrakete des US-amerikanischen Herstellers Astra Space (vormals Vention[1]). Die nur 12 Meter hohe Rakete ist für den Transport von maximal 200 kg Nutzlast in niedrige Erdumlaufbahnen vorgesehen. Sie tritt damit in Konkurrenz zu der Kleinrakete Electron, bei einem weitaus geringeren Preis von 2,5 Millionen US-Dollar pro Start. Die Entwicklung der Rakete begann Ende 2016 und fand bis Anfang 2020 weitgehend im Verborgenen statt; Astra Space nannte sich dementsprechend auch Stealth Space.[2][3]

TechnikBearbeiten

Ziel bei der Entwicklung der Astra waren eine möglichst einfache Produktion und extrem niedrige Herstellkosten. Wie der Hauptkonkurrent Rocket Lab bei der Electron verwendet auch Astra Space elektrisch betriebene Treibstoffpumpen, was die Triebwerke wesentlich vereinfacht. Die Struktur der Astra-Rakete wird jedoch konventionell aus Aluminium gefertigt und ist damit wesentlich preiswerter und schneller herstellbar als die modernen CFK-Bauteile von Rocket Lab. Statt den acht Triebwerken der Electron verfügt die Astra-Erststufe nur über fünf; Treibstoff und Oxidator (Kerosin und Flüssigsauerstoff) sind wiederum dieselben.[2][4]

Astra geht bei der Kostenoptimierung sogar so weit, dass Abstriche bei der Zuverlässigkeit der Rakete in Kauf genommen werden. Dahinter steht das Kalkül, dass das Gesamtpaket aus extrem preiswerten Starts mit gelegentlichem Verlust einzelner Satelliten für die Kunden attraktiver sein sollte als die technisch perfektionierten, aber um ein Vielfaches teureren Angebote anderer Hersteller.[4]

Die Länge der Rakete von 12 Metern ermöglicht den Transport in einen Standard-ISO-Container.[5]

EinrichtungenBearbeiten

Entwicklung, Produktion und Test der Rakete erfolgen auf einem Gelände in Alameda in Kalifornien. In der Anlage war früher die Alameda Naval Air Station ansässig. Aus dieser Zeit sind unterirdische Triebwerksteststände vorhanden, die weiter genutzt werden.[2]

Als erster Startplatz dient der Launch Complex 2 des Pacific Spaceport Complex – Alaska (PSCA) auf der Insel Kodiak.[6] Langfristig ist von dort ein Start pro Monat geplant.[7] Astra Space ist der erste kommerzielle Nutzer des PSCA.[8] Außerdem soll die Rakete kurzfristig von verschiedenen weiteren Plätzen starten können.[2]

StartsBearbeiten

Ein erster Testflug fand mit einer Rakete namens Rocket 1 und unter der Missionsbezeichnung P120 statt. Der Start war zunächst auf den 6. April 2018 terminiert, wurde aber wenige Minuten vor Ende des Countdowns wegen eines technischen Problems abgebrochen.[9] Die Rakete startete schließlich am 20. Juli, aber wegen eines nicht näher bezeichnetes Problems endete der Flug bereits nach 21 Sekunden.[10][11] Es entstanden leichte Schäden an der Startanlage.[12]

Ein zweiter Start fand mit der Rakete Rocket 2 am 27. November 2018 statt.[11][13][14] Alle fünf Motoren versagten, und die Rakete ging in Trümmern auf dem Startgelände nieder.[15]

Bei beiden Flügen handelte es sich um suborbitale oder atmosphärische Tests der ersten Raketenstufe. Die zweite Stufe war jeweils funktionslos bzw. diente nur als Massesimulator.[6][15]

Die ersten beiden Orbitalstarts mit der Raketenversion Rocket 3.0 ist für 2020 im Rahmen des militärischen Kleinraketenstartwettbewerbs DARPA Launch Challenge geplant. Astra Space ist von ursprünglich 30 Bewerbern der einzige noch verbliebene Teilnehmer in dem Wettbewerb.

Insgesamt liegen nach Auskunft des Unternehmens vom Februar 2020 etwa ein dutzend Startaufträge für die Rakete vor.[2][16]

StartlisteBearbeiten

Stand: 18. Februar 2020

Datum (UTC) Startplatz Mission
Nutzlast
Orbit1 Anmerkungen
20. Juli 2018 PSCA
LP 2[6]
keine subortbital Fehlschlag
Testflug mit funktionsloser Zweitstufe
27. November 2018 PSCA
LP 2[14]
keine subortbital Fehlschlag
Testflug mit funktionsloser Zweitstufe
Geplante Starts
1. Quartal 2020[3] PSCA Vereinigte Staaten  DARPA Launch Challenge LEO
1. Quartal 2020 PSCA[17] Vereinigte Staaten  DARPA Launch Challenge LEO
2020[18] PSCA Vereinigte Staaten  NSLSAT-1 (Forschungssatellit) 550 km
Oktober 2020[19] Cubesat-Rideshare SSO
Januar 2021[19] Cubesat-Rideshare SSO
März 2021[19] Cubesat-Rideshare LEO
April 2021[19] Cubesat-Rideshare SSO
Juni 2021[19] Cubesat-Rideshare LEO
Juli 2021[19] Cubesat-Rideshare SSO
September 2021[19] Cubesat-Rideshare LEO
1 Bahn, auf der die Nutzlast von der oberen Raketenstufe ausgesetzt werden soll; nicht zwangsläufig der Zielorbit der Nutzlast.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ventions’ successor Astra Space has suborbital test launch failure – thought to be its second. Seradata, 18. Dezember 2018, abgerufen am 18. Februar 2019.
  2. a b c d e Ashley Vance: A Small Rocket Maker Is Running A Different Kind of Space Race. In: Bloomberg Businessweek. 3. Februar 2020, abgerufen am 3. Februar 2020.
  3. a b Jeff Foust: Astra emphasizes rapid iteration in its quest for low-cost, rapid launch. Spacenews, 14. Februar 2000.
  4. a b Eric Berger: At Astra Space, failure is an option. In: Ars Technica. 6. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  5. Twitter-Nachricht von Astra Space, 18. Februar 2020.
  6. a b c Commercial Space Transportation License No LLS 18-112. (PDF) FAA, 30. März 2018, abgerufen am 3. April 2018.
  7. Jay Benett: Secret Spaceflight Company to Conduct First Commercial Launch From Alaska Spaceport. In: Popular Mechanics. 21. März 2018, abgerufen am 3. April 2018.
  8. Jeff Foust: Alaskan spaceport to host secretive commercial launch. In: Spacenews. 20. März 2018, abgerufen am 3. April 2018.
  9. Gabe Stutman: Kodiak's first commercial rocket launch scrubbed minutes before launch. In: Kodiak Daily Mirror. 6. April 2018, abgerufen am 8. April 2018.
  10. Jeff Foust: Alaska launch shrouded in secrecy. In: Spacenews. 27. Juli 2018, abgerufen am 16. September 2018.
  11. a b Gunter Dirk Krebs: Astra. In: skyrocket.de. 30. November 2018, abgerufen am 12. Februar 2018.
  12. Official Minutes – Board of Directors Meeting. (PDF) Alaska Aerospace, 13. September 2018, abgerufen am 17. Februar 2019 (Abschnitt 11).
  13. Launches. FAA, archiviert am 2. Dezember 2018.
  14. a b Commercial Space Transportation License; License Number LLS 18-144. (PDF) FAA, 15. Oktober 2018, abgerufen am 17. Oktober 2018.
  15. a b Jeff Foust: Astra Space suborbital launch fails. In: Spacenews. 6. Dezember 2018, abgerufen am 6. Dezember 2018.
  16. Jeff Foust: Three companies selected for DARPA Launch Challenge. 10. April 2019, abgerufen am 11. April 2019.
  17. Twitter-Nachricht von Jeff Foust, 18. Februar 2020.
  18. NSLSAT-1 Satellite Technical Description. In: fcc.gov. Near Space Launch, Inc., 15. April 2019, abgerufen am 12. Juni 2019 (FCC-Lizenzantrag 0312-EX-CN-2019).
  19. a b c d e f g Reserve A Small Satellite Launch auf astra.com, abgerufen am 3. Februar 2020.