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Arnoldshain

Ortsteil von Schmitten im Hochtaunuskreis

Arnoldshain ist ein Ortsteil der Gemeinde Schmitten im südhessischen Hochtaunuskreis.

Arnoldshain
Gemeinde Schmitten
Wappen von Arnoldshain
Koordinaten: 50° 15′ 46″ N, 8° 27′ 7″ O
Höhe: 504 (468–753) m ü. NN
Fläche: 8,26 km²[1]
Einwohner: 1917 (2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 232 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61389
Vorwahl: 06084

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Trotz seiner Höhe von 468 bis 672 Metern über Normalnull herrscht ein durch Tallage und Windleelage günstiges Klima, das sogar als Heilklima bezeichnet wird.

Zu Arnoldshain gehören zwei kleinere Wohngebiete, die Hegewiese und das Galgenfeld. Beide sind ehemalige Wochenendgebiete, heute aber Wohngebiete mitten im Wald. Arnoldshain hat insgesamt 1917 Einwohner.

GeschichteBearbeiten

Politisch gehörte Arnoldshain zunächst zur Herrschaft Hattstein, kam später zum Teil unter Reifenberger (Bassenheimer) Herrschaft.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Arnoldshain kraft Landesgesetz mit weiteren, bis dahin selbstständigen Gemeinden, am 1. August 1972 zur heutigen Großgemeinde Schmitten zusammengeschlossen.[2] Seitdem ist Arnoldshain ein Ortsteil der Gemeinde Schmitten.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Letzter Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde war Hans Kinkel.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber ein schwarzer Pfahl, belegt mit einer roten Waage und einem gesenkten silbernen Schwert.“[3]

Das am 8. November 1952 von der Gemeinde angenommene Wappen ist nach den seit 1816 geführten Siegeln gestaltet. Diese bringen nämlich eine personelle Darstellung der Justitia mit Waage in der Rechten und Schwert in der Linken. Die Farbgebung verweist auf die alten Landesherren: die Herren von Reifenberg und von Hattstein, unter deren gemeinsamer Landeshoheit der Ort gestanden hat, und der Grafen von Bassenheim, an die er dann 1686 überging. Nach seinem Anfall an Nassau (1806) hat er seit 1816 ein GERICHTSSIEGEL ZU ARNOLDSHAIN geführt, das den nassauischen Löwenschild enthält.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Altes Rathaus Arnoldshain
 
Skulptur am Brunnen

Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Arnoldshain.

Das Alte Rathaus in der Ortsmitte wurde um 1800 als Rathaus und Gemeinde-Backhaus erbaut. Bis 1822 war auch die Schule hier untergebracht. Im späten 19. Jahrhundert wurde ein Spritzenhaus angebaut und 1914 eine Viehwaage ergänzt. 1972 mit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Schmitten endet die Nutzung als Rathaus. Heute wird das Gebäude durch den Geschichtsverein, als Heimatmuseum und als Gemeindearchiv genutzt.

Im Zuge der Dorferneuerung wurde 2008 der Dorfbrunnen gegenüber dem alten Rathaus erneuert und eine Edelstahlskulptur errichtet, die einen Schmied zeigt und damit auf die Tradition des eisenverarbeitenden Handwerks in den Taunusdörfern erinnert.

Ebenfalls befindet sich auf Arnoldshainer Gemarkung der Sandplacken, die Passhöhe auf der Kanonenstraße, einer der Verkehrsadern vom Hintertaunus in das Rhein-Main-Gebiet. Da vor allem an Wochenenden der Sandplacken von vielen Wanderern als Ausgangspunkt zu Wanderungen durch den Taunus genutzt wird, befinden sich hier ein Ausflugslokal sowie ein Hotel.

Außerdem gibt es ein Naturfreundehaus im Ortsteil Hegewiese.

LaurentiuskircheBearbeiten

 
Laurentiuskirche in Arnoldshain

Die Laurentiuskirche zu Arnoldshain wurde erstmals im Jahr 1215 im „Rotulus omnium iurium“ (Verzeichnis aller Rechte) erwähnt. Sie ist jedoch deutlich älter, die Grundmauern werden auf das Jahr 1100 datiert. Die Kirche war die Hauptkirche der Ritter von Hattstein, die in der benachbarten Burg Hattstein ihren Hauptsitz hatten. Zunächst gehörte die Kirche kirchenrechtlich zu Schloßborn. Etwa um 1300 bestand eine eigene Pfarrei in Arnoldshain. Der erste Pfarrer, der namentlich überliefert ist, wurde 1492 genannt. 1488 wurde die Marienglocke gegossen. Nach einem Einsturz des Dachstuhls erfolgte 1761 bis 1764 eine umfassende Sanierung. 1783 wurde die erste Orgel eingerichtet. Diese war vorher in der Idsteiner Stadtkirche im Einsatz. Weitere Sanierungen erfolgten 1901 und in den 1950er Jahren. Trotz einiger Erweiterungen der ehemals achteckigen Kapelle ist der alte Teil bis heute erhalten. Die Laurentiuskirche gehört damit zu den ältesten noch genutzten Gebäuden im Hochtaunus.[4]

Das dreiteilige gotische Glasfenster hinter der Orgel von ca. 1470 zeigt links das Reifenberger Wappen, in der Mitte St. Georg mit dem Drachen und rechts ein Falkner abgebildet. Künstler soll der Hausbuchmeister, ein mittelrheinischen Maler, Zeichner und Kupferstecher des ausgehenden 15. Jahrhunderts oder einer seiner Schule gewesen sein. Der Arnoldshainer Maler Hans Adam gestaltet 1960 weitere Glasfenster. Der Altar aus Villmarer Marmor und die Kanzel werden auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert. Das kunstvoll geschmiedete Kirchhoftor wurde 1760 in Frankfurt hergestellt.[5]

Lokaler DialektBearbeiten

Die Sprache der Arnoldshainer und der anderen Hochtaunusdörfer ähnelt sich sehr, aber es gibt auch Ausnahmen. Die Ursache für dieses Phänomen dürfte der Einfluss der Westerwälder, bzw. Wetterauer Mundart in den weilabwärts gelegenen Dörfern sein, während in den oberen Ortschaften durch vielfältige Verbindungen seit alters her das untermainische Idiom die Sprache mitgeprägt hat.

InfrastrukturBearbeiten

Im Ort gibt es einen Kindergarten sowie ein Dorfgemeinschaftshaus.

Evangelische AkademieBearbeiten

Die in Arnoldshain ansässige Evangelische Akademie mit ihrer Tagungsstätte „Martin Niemöller-Haus“ erlangte 1957 durch die Aufstellung der acht Arnoldshainer Abendmahlsthesen Berühmtheit. Es wurde versucht, die Voraussetzungen für eine Abendmahlsgemeinschaft zwischen den lutherischen, unierten und reformierten Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland herzustellen (siehe: Arnoldshainer Konferenz). 2012 wurde die Akademie mit der Evangelischen Stadtakademie Römer 9 zur Evangelischen Akademie Frankfurt fusioniert.

BildungBearbeiten

Der Schulunterricht in Arnoldshain wurde zunächst nach Konfessionen getrennt in gemieteten Räumen durchgeführt. 1750 wurde für den Unterricht der evangelischen Kinder erstmals ein Haus erworben. Erster Lehrer dieser Schule war der Strumpfweber Johann Friedrich Reeck dem später sein Bruder folgte. Ab 1773 war Christian Reuter aus Rod am Berg Lehrer. Dessen Nachfolger Ludwig Alberti war der erste Lehrer, der ein Lehrerseminar besucht hatte. 1817 wurde im Herzogtum Nassau die Simultanschule eingeführt. 1821/1822 wurde ein neues Schulhaus in der Stichelwiese erbaut, in dem nun die Kinder beider Konfessionen unterrichtet wurden. 80 Schüler und 44 Schülerinnen wurden darin in vier Klassenstufen unterrichtet.

Seit den 1950er Jahren wurden die Schulen von Schmitten und Arnoldshain zu einer gemeinsamen Volksschule zusammengelegt. 1960 wurde hierzu am heutigen Standort das neue Schulgebäude errichtet. Mit der Schulreform von 1967 wurde diese Volksschule zur vierklassigen Grundschule. Die Gebietsreform in Hessen führte dazu, dass Arnoldshain und Schmitten Ortsteile der neuen Großgemeinde Schmitten wurden. Das alte Schulgebäude an der Stichelwiese wurde nun abgerissen.

Die Grundschule „Jürgen-Schumann-Schule“ wurde nach dem Piloten Jürgen Schumann benannt, der am 16. Oktober 1977 bei der Entführung des Flugzeugs „Landshut“ durch ein palästinensisches Terrorkommando in Aden ermordet wurde. Eine Reihe von Aus- und Neubauten erweiterte den Schulbau in den folgenden Jahrzehnten.[6]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Gemeinde Schmitten: Ortsteile (Memento vom 2. Mai 2007 im Internet Archive)
  2. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen (GVBl. II 330-18) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 227, § 4 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  3. Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 163/164.
  4. Jürgen Schnegelsberg: Zeugnis kirchlicher Durchdringung. In: Taunuszeitung. 11. September 2007, Seite 19.
  5. Kirchenführer Hochtaunus. S. 62 (online (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) [PDF; 4,8 MB]). Abgerufen am 14. Januar 2016.
  6. Evelyn Kreutz: Schulgründung groß gefeiert. In: Taunuszeitung. 26. Juni 2017, S. 17