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Arnold Münster (* 5. Januar 1912 in Oberursel; † 1. August 1990 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Chemiker (Physikalische Chemie), bekannt für Arbeiten und ein Lehrbuch zur Statistischen Mechanik.

LebenBearbeiten

Sein Vater war Präsident des Landgerichts in Münster, wo Arnold Münster 1930 Abitur machte. Danach studierte er zunächst Musik, dann Jura und schließlich Chemie in Münster.

Am 1. Februar 1935 wurde er wegen Mitgliedschaft in einer kommunistischen Jugendgruppe und wegen kommunistischer Flugblätter verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.[1] Während der Haft setzte er sein Studium fort, unterstützt von seinem Bruder Clemens und dem mit ihm verwandten Tübinger Chemie-Dozenten Paul Ohlmeyer. Der Einfluss seines Vaters und seine Epilepsie-Behandlung trugen dazu bei, die Haft zu überstehen. 1942 wurde er auf Bewährung entlassen. Bald darauf erfolgte seine erste Veröffentlichung,[2] die die Grundidee zur Flory-Huggins-Theorie (von Paul Flory, Maurice Huggins 1941) enthielt. Nach der Entlassung war er im Strafbataillon 999 auf dem Balkan eingesetzt. 1944 heiratete er.

Nach dem Krieg setzte er das Chemiestudium an der Universität Heidelberg fort, erhielt 1947 sein Diplom und wurde im selben Jahr promoviert (Einige Eigenschaften gelöster Fadenmoleküle) und 1949 in Frankfurt habilitiert (Die statistische Thermodynamik binärer flüssiger Gemische).

Danach forschte er in Marburg bei Wilhelm Jost und war mit Verfall des Stipendiums[3] zwei Jahre im Forschungslabor der Zellstoff-Fabrik Waldhof (Mannheim) und 1951 bis 1958 Leiter des Metall-Labors der Metallgesellschaft in Frankfurt. 1953 war er Gastprofessor in Straßburg und wurde im selben Jahr außerplanmäßiger Professor in Frankfurt/M. (wo er durch Hermann Hartmann gefördert wurde). 1959 hatte er einen Lehrauftrag für Statistische Thermodynamik in Göttingen und 1960 war er Gastprofessor an der Sorbonne. Seit 1962 ordentlicher Professor, wurde er 1963 Direktor des Instituts für Theoretische Physikalische Chemie in Frankfurt. 1977 wurde er emeritiert.

1958 erhielt er die Medaille der Freien Universität Brüssel.

Er war Pianist und veröffentlichte ein musikwissenschaftliches Werk über Beethovens Diabelli-Variationen (Studien zu Beethovens Diabelli Variationen, Henle Verlag 1982). Münster veröffentlichte auch ein Buch Über Goethes Verhältnis zu Dante (R. G. Fischer 1990).

Der Bruder Clemens Münster war als Physiker Leiter der Entwicklungsabteilung von Carl Zeiss in Jena und von 1954 bis 1971 Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk.

SchriftenBearbeiten

  • Statistische Thermodynamik, Springer Verlag 1956
    • Englische Ausgabe in 2 Bänden: Statistical Thermodynamics, Springer Verlag, 1969, 1974
  • Statistische Thermodynamik hochpolymerer Lösungen, in: Herbert A. Stuart (Hrsg.): Die Physik der Hochpolymeren, Springer Verlag, Band 2, 1953, S. 81–192
  • Löslichkeit und Quellung, in: Herbert A. Stuart (Hrsg.): Die Physik der Hochpolymeren, Springer Verlag, Band 2, 1953, S. 193–252
  • Prinzipien der Statistischen Mechanik, in Handbuch der Physik, Band 3-2, 1959
  • Statistische Thermodynamik kondensierter Phasen, Handbuch der Physik, Band 13, 1962
  • Zur Theorie der Bose-Einstein Kondensation, Zeitschrift für Physik A, Band 144, 1956, S. 197–213
  • Thermodynamique des processus irreversibles, 1966
  • Chemische Thermodynamik, Verlag Chemie, Weinheim 1969
    • Englische Übersetzung: Classical Thermodynamics, Wiley Interscience 1970

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Westfälische Nachrichten: Uni-Angehörige erlitten existenzielle Lebensbrüche: NS-Opfer-Forschung beim Themenabend im Stadtarchiv, Münster, Münster, 19. Juli 2016
  2. Zur Theorie der Lösung hochpolymerer Substanzen, Kolloid-Zeitschrift, Band 105, 1943, S. 1–5.
  3. Es wurde mit der Währungsreform wertlos. Akademische Stellen für rein theoretisch arbeitende Chemiker waren damals kaum vorhanden.