Arbeitsgericht Berlin

deutsches Gericht der Arbeitsgerichtsbarkeit

Das Arbeitsgericht Berlin ist ein deutsches Gericht der Arbeitsgerichtsbarkeit. Es ist in erster Instanz zuständig für arbeitsrechtliche Verfahren. Sein Gerichtsbezirk umfasst das Gebiet des Landes Berlin. Mit 49 Kammern und 41 Berufsrichterinnen und -richtern ist es das größte Arbeitsgericht Deutschlands.[1]

Gerichtsgebäude

Übergeordnete GerichteBearbeiten

 
Eingangsbereich

Übergeordnet ist dem Arbeitsgericht das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg. Im weiteren Rechtszug ist das Bundesarbeitsgericht in Erfurt übergeordnet.

LeitungBearbeiten

Präsidentin des Arbeitsgerichts ist seit Mai 2013 Bärbel Klumpp. Sie ist Nachfolgerin von Reinhold Gerken, der seit dem 1. Oktober 2007 Präsident des Arbeitsgerichts war. Vizepräsident des Arbeitsgerichts ist seit November 2013 Kay Wollgast.

GerichtsgebäudeBearbeiten

Das Gericht befindet sich seit 1994 am Magdeburger Platz 1 im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte. Das Gerichtsgebäude ist das umgebaute, ehemalige Lagerhaus des benachbarten Möbelgeschäftes. Im gleichen Gebäude befindet sich auch das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg.

Den ersten Amtssitz hatte das am 1. Juli 1927 errichtete Arbeitsgericht Berlin in der Zimmerstraße 90/91. Aus Platznot wurden später weitere Räume in dem gegenüberliegenden Haus (Zimmerstraße 13) und in der Prinz-Albrecht-Straße 8 hinzugemietet. 1931 zog das Arbeitsgericht, ab Mai 1933 auch das Landesarbeitsgericht Berlin in die Wilhelmstraße 84–87.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Arbeitsgericht am 4. Juni 1946 seine Arbeit in der Invalidenstraße 120/121 auf. Das baufällige Gebäude wurde nach einem Monat verlassen und das Arbeitsgericht zog in das Erdgeschoss des ehemaligen Preußischen Oberverwaltungsgerichts in der Hardenbergstraße 31 (heute: Oberverwaltungsgericht Berlin). Das Arbeitsgericht dort war ab Januar 1949 nur noch für West-Berlin zuständig, während das Arbeitsgericht für Ost-Berlin seinen Sitz in der Inselstraße 12 erhielt. Weitere Stationen des West-Berliner Arbeitsgerichts waren die Babelsberger Straße 14–16 (1951–1965), die Cicerostraße 2 (1965–1975) und die Lützowstraße 106 (1975–1994), 1991 erweitert um die Außenstelle Treptow.

Bekannte EntscheidungenBearbeiten

Im Fall Emmely in der Sache einer langjährig beschäftigten Kassiererin, die zwei ihr nicht gehörende Leergutbons im Gesamtwert von 1,30 Euro eingelöst haben soll, entschied das Arbeitsgericht Berlin im August 2008, dass die fristlose Kündigung rechtens sei. Die Entscheidung wurde vom Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg im Februar 2009 bestätigt, am 10. Juni 2010 vom Bundesarbeitsgericht jedoch für unverhältnismäßig und damit rechtswidrig erklärt.

Gedenken der jüdischen Richter in der Berliner ArbeitsgerichtsbarkeitBearbeiten

 
Gedenktafel zu Ehren der jüdischen Richter in der Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit

Seit November 2012 ziert eine Gedenktafel mit den Namen der vertriebenen und ermordeten Richter den Eingangsbereich des Arbeitsgerichts. Diese Richter waren bis 1933 an dem Berliner Arbeitsgericht tätig.

Die Namen der Richter im Einzelnen:

  • Ernst Aschner (* 3. Juli 1893 in Crossen/Oder; † 15. April 1956 in Cautfield, Australien)
  • Berthold Auerbach (* 23. Juli 1888 in Berlin; † 24. Juni in Minsk)
  • Wolfgang Gaston Friedmann (* 25. Januar 1907 in Berlin; † 1972 in New York)
  • Ernst Heinitz (* 1. Januar 1902 in Berlin; † 11. Mai 1998 ebenda)
  • Fritz Herrmann (* 14. Oktober 1886 in Berlin; † 11. September 1963 in New York)
  • Otto Kahn-Freund (* 17. November 1900 in Frankfurt a. M.; † 16. August 1979 in Oxford)
  • Kurt Kronheim (* 30. Januar 1905 in Danzig; † 2. September 1942 in Auschwitz)
  • Martin Landsberger (* 13. April 1871 in Berlin; † Oktober 1961 ebenda)
  • Hans Lehmann (* 14. Februar 1902 in Frankfurt a. M.; † 23. Januar 1988 in Washington, D.C.)
  • Martin Matzdorf (* 12. Juni 1877 in Briesen; † 14. Dezember 1942 in Auschwitz)
  • Friedrich Oppler (* 2. Juli 1888 in Oppeln; † 6. September 1966 in Berlin)
  • Ernst Ruben (* 21. September 1880 in Berlin; † 19. Januar 1944 in Eberswalde)
  • Arthur Sello (* 24. Dezember 1872 in Bojanowo; † 6. März 1944 in Berlin)
  • Kurt Tuchler (* 11. Dezember 1894 in Stolp; † 23. September 1978 in Tel Aviv)[3]

LiteraturBearbeiten

  • Hans Bergemann: Jüdische Richter in der Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit 1933, Berliner Freundes- und Förderkreis Arbeitsrecht (Hrsg.), Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, Berlin 2013, ISBN 978-3-95565-002-5.
  • Gesamtrichterrat des Berliner Arbeitsgerichts, Berliner Freundes- und Förderkreis Arbeitsrecht Gestern-Heute-Morgen e. V. (Hrsg.): 75 Jahre Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit. Aspekte des Arbeitsrechts und der Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit im Lichte der deutschen Einheit., 2002.
  • Gesamtrichterrat der Berliner Gerichte für Arbeitssachen (Hrsg.): 60 Jahre Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit: 1927-1987., Berlin: Verlag Arno Spitz, 1987, ISBN 3-87061-333-5.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Arbeitsgericht Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Permalink to Arbeitsgericht Berlin: 17 % mehr Klagen 2009
  2. Sabine Hanna Leich; André Lundt: Zur Geschichte der Berliner Arbeitsgerichte, in: Gesamtrichterrat der Berliner Gerichte für Arbeitssachen (Hrsg.): 60 Jahre Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit: 1927–1987, S. 39 (51 f.)
  3. Hans Bergemann: Jüdische Richter in der Berliner Arbeitsgerichtsbarkeit 1933. S. 65–105


Koordinaten: 52° 30′ 12,2″ N, 13° 21′ 35″ O