Appellationsgericht (Bayern)

Appellationsgerichte waren im Königreich Bayern von 1809 bis 1879 die Appellations-, also Berufungsgerichte. Sie lösten damit die Hofgerichte ab, die seit 1802 bestanden.

GeschichteBearbeiten

1802 wurden aus dem Hofrat in München und den Regierungen in Straubing, Amberg und Neuburg vier Hofgerichte gebildet. Damit wurde die Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung auf der mittleren Ebene umgesetzt. 1803 wurden die Hofgerichte Bamberg und Würzburg und 1804 ein Hofgericht für Schwaben eingerichtet. Damit bestanden folgende Hofgerichte:

Durch das Organische Edikt über die Gerichtsverfassung vom 24. Juli 1808, Teil III[1] wurden die Hofgerichte durch Appellationsgerichte ersetzt. Zum 1. Januar 1809 nahmen sie die Arbeit auf. Sie waren in Zivilgerichtsverfahren zweite und in peinlichen Gerichtsverfahren erste Instanz.

1810 wurde das Königreich aufgrund der Pariser Verträge in neun Kreise eingeteilt. Für jeden Kreis wurde eine Appellationsgericht eingesetzt. 1817 verringerte sich die Zahl der Kreise und damit der Appellationsgerichte auf acht. 1873 wurden die Appellationsgerichte für Oberpfalz und Mittelfranken in Nürnberg und die für Ober- und Unterfranken in Bamberg zusammengefasst.

1856 wurden die Appellationsgerichte zur Berufungsinstanz für die Entscheidungen der Bezirksgerichte. 1879 wurde die Appellationsgerichte mit der Ausnahme von Passau in Oberlandesgerichte umgewandelt.

Die Appellationsgerichte urteilten in Senaten mit jeweils fünf Mitgliedern. 1818 bis 1857 bestand ein gesonderter Senat für Fideikomißsachen. 1809 bis 1869 ein Senat für Bergrechtssachen und bis 1875 am Appellationsgericht in Bamberg ein (mit protestantischen Richtern besetzter) Senat für streitige Ehesachen von Protestanten und Dissidenten. In Zweibrücken galt die französische Rechtsprechung (beim Zivilrecht bis 1900).

Liste der AppellationsgerichteBearbeiten

Appellationsgericht Sitz Errichtet Aufgelöst Nachfolger Anmerkung
Appellationsgericht Amberg Amberg 1809 1873 Appellationsgericht Nürnberg
Appellationsgericht Ansbach Ansbach 1809 1838 Appellationsgericht Eichstätt
Appellationsgericht Aschaffenburg Aschaffenburg 1833 1873 Appellationsgericht Bamberg
Appellationsgericht Augsburg Augsburg 1870 1879 Oberlandesgericht Augsburg
Appellationsgericht Bamberg Bamberg 1809 1871 Oberlandesgericht Bamberg
Appellationsgericht Burghausen Burghausen 1810 1817 0
Appellationsgericht Eichstätt Eichstätt 1838 1871 0
Appellationsgericht Freising Freising 1839 1862 Appellationsgericht München
Appellationsgericht Innsbruck Innsbruck 1809 1814 0
Appellationsgericht Landshut Landshut 1826 1839 Appellationsgericht Freising
Appellationsgericht Memmingen Memmingen 1809 1817 0
Appellationsgericht München München 1809 1879 Oberlandesgericht München Aufgelöst 1826, Wiedereröffnet 1862
Appellationsgericht Neuburg a.d. Donau Neuburg a.d. Donau 1809 1870 Appellationsgericht Augsburg
Appellationsgericht Nürnberg Nürnberg 1871 1879 Oberlandesgericht Nürnberg
Appellationsgericht Passau Passau 1839 1879 0
Appellationsgericht Straubing Straubing 1809 1839 Appellationsgericht Passau
Appellationsgericht Trient Trient 1809 1810 Berufungsgericht in Brescia
Appellationsgericht Würzburg Würzburg 1817 1832 Appellationsgericht Aschaffenburg 1833 verlegt nach Aschaffenburg[2]
Appellationsgericht Zweibrücken Zweibrücken 1817 1879 Oberlandesgericht Zweibrücken Französische Rechtsprechung

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799 - 1980, 1983, ISBN 3406096697, S. 117–118, 605

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. RBl. 1808, 1785, abgedruckt im Handbuch der Staats-Verfassung und Staats-Verwaltung des Königreichs Baiern, Band 4, 1810, S. 3–13, online
  2. Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1227.