Antiochus und Stratonica

Oper von Christoph Graupner
Werkdaten
Titel: Antiochus und Stratonica
Originaltitel: L’Amore Ammalato. Die kranckende Liebe, oder: Antiochus und Stratonica
Titelblatt des Librettos von 1708

Titelblatt des Librettos von 1708

Form: Musikalisches Schauspiel in drei Akten
Originalsprache: Deutsch, Italienisch
Musik: Christoph Graupner
Libretto: Barthold Feind
Literarische Vorlage: Luca Assarini, Thomas Corneille, Talander
Uraufführung: 1708
Ort der Uraufführung: Hamburg
Ort und Zeit der Handlung: Gegend in und um Damaskus um 300 v. Chr.
Personen
  • Seleucus, König von Assyrien
  • Stratonica, dessen Gemahlin zweiter Ehe
  • Antiochus, Kronprinz aus erster Ehe
  • Demetrius, Reichsschatzmeister und gebürtiger Prinz
  • Ellenia, dessen Gemahlin
  • Mirtenia, persische Prinzessin und Magierin
  • Flavia, Fila und Medor, kleine Kinder des Demetrius
  • Erasistratus, makedonischer Leibarzt und Gesandter des Königs Demetrius, unter dem Namen Hesychius
  • Negrodorus
  • Einige Opferpriester

L’Amore Ammalato. Die kranckende Liebe, oder: Antiochus und Stratonica ist eine Barock-Oper in drei Akten von Christoph Graupner (Musik) auf ein Libretto von Barthold Feind nach Vorlagen von Luca Assarini, Thomas Corneille und Talander. Sie handelt von der Liebe des Seleukiden-Prinzen Antiochus zu seiner Stiefmutter Stratonica. Die Uraufführung fand 1708 in der Oper am Gänsemarkt in Hamburg statt.

Die Oper ist vorwiegend in deutscher Sprache geschrieben, enthält aber auch einige Arien in italienischer Sprache.

HandlungBearbeiten

Erster AktBearbeiten

In einer mit Statuen geschmückten Zaubergrotte beschwört Mirtenia mit Negrodorus und anderen Magiern den Astaroth um einen Zauber, durch den sich Demetrius in Mirtenia verlieben soll. Geister erscheinen und machen sich auf, Demetrius zu holen. Der assyrische König Seleucus, seine Frau zweiter Ehe Stratonica, sein Sohn erster Ehe Antiochus und der makedonische Gesandte Hesychius kommen, um Mirtenias Zauberspiel zu bewundern. Die Geister bringen nun den mit Wolken verhüllten schlafenden Demetrius. Als Mirtenia ihn weckt, glaubt er, im Paradies zu sein und sieht in Mirtenia einen Engel. Die Statuen werden lebendig und tanzen. Demetrius wird wieder in Schlaf versetzt und fortgebracht. Seleucus, Stratonica und Hesychius äußern Beifall zum Spiel. Nur Negrodorus bemängelt das Fehlen eines Narren – eine Anspielung auf die damalige Praxis an der Gänsemarktoper, auch in ernste Opern eine komische Person auftreten zu lassen: „Und sind die Opern noch so schön/ Wenn Arlechino nicht Sein Ampt dabei verricht/ So können sie doch nicht bestehn. Ein Thor muß seines gleichen sehn.“

Demetrius schläft in seinem Garten auf einer Rosenbank. Als er erwacht, versichern seine Ehefrau Ellenia und Myrtenia ihn gleichzeitig ihrer Liebe. Er kann sich jedoch nicht für eine von ihnen entscheiden.

Seleucus, Stratonica, Antiochus und Negrodous treten mit großem Gefolge auf. Seleucus und Stratonica besingen ihre gegenseitige Liebe. Hesychius bringt einen Brief an die Königin von ihrem Vater, dem makedonischen König Demetrius, in dem er ihr mitteilt, dass ihr Feind Alexander endlich besiegt worden sei. Alle bis auf Negrodorus, dem jegliches Blutvergießen verhasst ist, und Antiochus, der unglücklich in seine Stiefmutter Stratonica verliebt ist, wollen feiern.

Ellenia wirft Demetrius Untreue vor. Er beteuert jedoch seine Unschuld, die ihm Ellenia schließlich glaubt. Nachdem sie gegangen ist, versucht Mirtenia vergeblich, Demetrius zu verführen. Sie verschwinden hinter einer Laube. Ellenia kommt mit Negrodorus zurück und hört Demetrius hinter der Laube mit Ellenia reden. Sie weiß nicht, was sie davon halten soll. Negrodorus beschließt den ersten Akt mit einem Kommentar über die Macht der Frauen.

Zweiter AktBearbeiten

Antiochus spielt in seinem Palastzimmer schwermütig mit einem Vogel. Wie der Vogel in einem Netz gefangen wurde, hat auch er sich im Netz der Liebe verstrickt. Er lässt den Vogel frei. Hesychius und Stratonica kommen und fragen ihn nach dem Grund für seine Traurigkeit. Negrodorus bringt eine Einladung des Königs zum Essen.

Stratonica fühlt ebenfalls starke Zuneigung zu Antiochus, ist jedoch durch ihre Ehe mit Seleucus gebunden.

Ellenia beobachtet, wie Mirtenia Demetrius’ Hand hält. Als es zu einer Umarmung kommt, greift sie ein. Demetrius weist Ellenia zurück und behauptet, sie jetzt zu hassen.

An der königlichen Festtafel sitzen Seleucus, Stratonica und Antiochus. Demetrius, Mirtenia, Ellenia und Hesychius setzen sich an einen anderen Tisch. Negrodorus dagegen hat einen Tisch für sich allein und genießt den Wein. Nach einem kurzen Streit zwischen Demetrius und Ellenia verwandelt Mirtenia das Zimmer in den Garten vor ihrem fliegenden Zauberschloss. Geister tragen eine Weltkugel durch die Wolken. Daraus gehen die von Flora, Ceres, Bachus und Vulcanus dargestellten vier Jahreszeiten hervor und werden von Amouretten umspielt. Anschließend verschwinden alle wieder in der Kugel.

Negrodorus beschwört ein Gespenst in Gestalt einer Frau. Als er sie berühren möchte, verschwindet sie. Daraufhin erscheinen nacheinander ein Affe, ein feuerspeiender Drache und ein Riese. Er deutet das als Gleichnis für die Entwicklung der Liebe: „Ein Verliebter buhlt mit Schatten/ Nichts ist alle Löffeley Als der Gecken Aefferey. Bey dem Argwohn speyt er Feuer/ Und wird gar ein Ungeheuer Kömmt der Eyffer ihm zu statten.“

Antiochus gerät aus Sehnsucht nach der für ihn unerreichbaren Stratonica in Raserei. Demetrius, Hesychius, Seleucus und Stratonica kommen, können ihm aber nicht helfen. Seleucus sorgt sich um seinen Sohn.

Dritter AktBearbeiten

Ellenia befindet sich auf dem Marktplatz von Damascus. Sie ist von den drei Leidenschaften Tugend, Rache und Güte hin- und hergerissen. Demetrius fordert sie auf, ihn zu verlassen, weil er sie nicht mehr liebe. Auf dem Markt bietet Negrodorus, gekleidet als tartarischer Charlatan, Wundermittel gegen alle möglichen Krankheiten an. Ein Chor von Quacksalbern macht ihm Konkurrenz und jagt ihn schließlich davon.

Stratonica, Seleucus und Hesychius sorgen sich um Antiochus. Sie beschließen, das Orakel zu befragen.

In seinem Schlafzimmer sehnt sich Antiochus nach Stratonica und bereitet sich auf den Tod vor. Seleucus, Hesychus und Stratonica kommen ins Zimmer. Als Antiochus die Augen schließt, wird er von den anderen für tot gehalten. Dann schlägt er doch wieder die Augen auf und ruft Stratonicas Namen. Die anderen machen sich auf den Weg, die Orakel-Priester zu holen. Hesychius jedoch hat bemerkt, dass die Ursache für Antiochus’ Leiden in seiner Liebe zu Stratonica liegt.

Im Tempelhof bereitet sich Ellenia mit ihren drei kleinen Kindern Flavia, Fila und Medor auf den Abschied von Demetrius vor. In Trauerkleidung wollen sie das Land verlassen. Als Demetrius kommt, flehen Ellenia und die Kinder ihn an, zu ihnen zurückzukehren. Demetrius ist gerührt. Mirtenia kommt hinzu. Ellenia zieht ein Stilett, um sie zu erstechen, aber Demetrius nimmt es ihr ab. Sein Wunsch, wenigstens seinen Sohn Medor bei sich behalten zu können, wird von diesem abgelehnt. Sie verabschieden sich. Demetrius weist Mirtenia darauf hin, wie schwer es für ihn sei, sich von seinen Kindern trennen zu müssen. Sie wirft ihm Schwäche vor.

Im Inneren des Tempels bereiten Seleucus, Stratonica, Mirtenia und Demetrius das Opfer vor, durch das Antiochus gerettet werden soll. Nachdem ein Hahn geopfert wurde, befiehlt eine Stimme, den Arzt Erasistratus zu holen.

Elenia erzählt Seleucus, dass sie von Demetrius verlassen wurde und bittet ihn um Hilfe.

 
Erasistratos erkennt den Grund von Antiochus’ Leiden
Gemälde von Jacques-Louis David 1774

In einem großen Raum vor dem königlichen Saal sitzt Antiochus auf einem Lehnsessel und beklagt seine unglückliche Liebe. Seleucus, Stratonica, Demetrius und der Arzt Erasistratus kommen. Letzterer ist niemand anderes als der Gesandte Hesychius, der in seiner Funktion als Leibarzt einen anderen Namen verwendet. Er behauptet, der Grund für Antiochus’ Krankheit sei seine Liebe zu Egeria. Weil er diese aber selbst kürzlich geheiratet habe, könne nur noch der Tod helfen. Seleucus bittet Erasistratus, Egeria freizugeben, um Antiochus zu retten. Aber selbst das Angebot, ihn in den Fürstenstand zu erheben, wird von diesem abgelehnt. Seleucus solle sich nur vorstellen, welchen Kummer es ihm bereiten würde, sich von seiner Frau trennen zu müssen. Seleucus schwört daraufhin, er sei durchaus bereit, sich für das Leben seines Sohnes von Stratonica zu trennen. Darauf erklärt Erasistratus, dass Antiochus tatsächlich in Stratonica und nicht in Egeria verliebt sei. Seleucus bittet Stratonica nun, sich von ihm zu trennen und stattdessen Antiochus zu heiraten.

Vor dem versammelten Volk vermählt Seleucus seinen Sohn mit seiner ehemaligen Ehefrau. Antiochus erholt sich endlich wieder. Hesychius/Erasistratus wird zum Lohn in den Adelsstand erhoben und erhält Mirtenia zur Frau. Seleucus befiehlt ihr, den Liebeszauber von Demetrius zu lösen, damit dieser wieder zu seiner Frau Ellenia zurückkehrt. Negrodorus behauptet, er habe sich selbst schon Hoffnungen auf Ellenia gemacht und möchte nun wenigstens als Leibarzt aufgenommen werden. Demetrius nimmt Ellenia wieder an, und auch Mirtenia akzeptiert das Gebot des Königs.

AufführungsgeschichteBearbeiten

Bei der Uraufführung dieser Oper 1708 debütierte die Sopranistin Margaretha Susanna Kayser in der Rolle der Mirtenia an der Hamburger Gänsemarktoper.[1]

In neuerer Zeit war eine szenische Aufführung für das Boston Early Music Festival 2009 vorgesehen. Aus finanziellen Gründen wurde diese erst auf 2011 und dann auf 2013 verschoben. Jedoch fand die Aufführung auch 2013 nicht statt.[2][3][4]

LiteraturBearbeiten

  • Jörg Jacobi, Paul O'Dette, Stephen Stubbs (Hrsg.): Antiochus und Stratonica: Oper in drei Akten, Partiturausgabe, Boston Early Music Festival Opera Series, vol. 4, Edition Baroque, Bremen 2007.

WeblinksBearbeiten

Commons: Antiochus und Stratonica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dorothea Schröder: Margaretha Susanna Kayser. In Hamburgische Biografie – Personenlexikon, Band 2, hrsg. von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, ISBN 978-3-76-721366-1, S. 209. (Vorschau bei Google Books)
  2. Vorankündigung der Aufführung beim Boston Early Music Festival 2009 auf americantowns.com (englisch), abgerufen am 3. September 2014.
  3. Goddesses Have Their Moment in Boston – Nachricht über die Verschiebung der Aufführung auf 2011 in der New York Times vom 12. Juni 2009 (englisch), abgerufen am 3. September 2014.
  4. BEMF 2011: The Cost of Baroque Opera – Nachricht über die Verschiebung der Aufführung auf 2013 (Memento vom 5. September 2014 im Internet Archive) im Blog von Bernard Gordillo vom 20. Juni 2011 (englisch), abgerufen am 3. September 2014.