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Anna Maria Mühe

deutsche Schauspielerin (geb. 1985)

LebenBearbeiten

Herkunft und FamilieBearbeiten

Anna Maria Mühe stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie ist die Tochter der Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe, die Stieftochter der Schauspielerin Susanne Lothar, die Halbschwester des Fotografen Andreas Mühe und die Enkelin des Bühnenbildners Otto Gröllmann. Ihre Eltern trennten sich, als Anna Maria Mühe vier Jahre alt war.[2] Sie wuchs bei ihrem Vater in Berlin, Wien und Hamburg auf.[2]

PrivatlebenBearbeiten

2002 lernte Mühe bei den Dreharbeiten zu dem Film Was nützt die Liebe in Gedanken (2004) den Regisseur Timon Modersohn kennen. Mühe und Modersohn waren zunächst viele Jahre nur befreundet, bevor sie eine Beziehung miteinander eingingen. Ab ca. 2009 waren die beiden liiert.[3] Auf der Berlinale 2012 zeigten sie sich erstmals öffentlich als Paar.[4] Mühe und Modersohn haben seit November 2012 eine gemeinsame Tochter[5] und trennten sich Anfang 2016.[2][6]

Die Schauspielerin wohnt in Berlin-Prenzlauer Berg.[2]

Film und FernsehenBearbeiten

KinoBearbeiten

 
Mühe mit Daniel Brühl bei der Premiere ihres gemeinsamen Films Was nützt die Liebe in Gedanken (2004)

Anna Maria Mühe wurde 2001, im Alter von 15 Jahren, von der Regisseurin Maria von Heland in einem Berliner Szenelokal, einem American Diner, angesprochen und zu einem Casting eingeladen, bei dem es um die Hauptrolle in Große Mädchen weinen nicht (Kinostart: Oktober 2002) ging.[2] Mühe spielte in dem Film die Kati, die zusammen mit ihrer besten Freundin Steffi (Karoline Herfurth) das Erwachsenwerden meistern muss. Ihren ersten Film drehte sie schwerpunktmäßig in den Sommerferien, sodass ihr regelmäßiger Schulbesuch nicht beeinträchtigt wurde.[2] Später erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung bei Marianne Fischer-Kupfer und deren Tochter Kristiane Kupfer (Schauspiel). Jede ihrer Rollen erarbeitet sie weiterhin jeweils individuell in einem persönlichen Schauspiel-Coaching vor jedem Filmdreh.[2]

In Jobst Oetzmanns Delphinsommer (Kinostart: April 2004) verkörperte sie die Hauptrolle Nathalie Wagner, die in eine Religionsgemeinschaft hineinwächst und diese durch äußere Einflüsse in Frage stellt. In dem Filmdrama Was nützt die Liebe in Gedanken (Kinostart: November 2004) nach der Steglitzer Schülertragödie 1927 spielte sie, an der Seite von Daniel Brühl, die kleine Schwester Hilde Scheller des 19-jährigen Oberschülers Günther Scheller (August Diehl). Sie erhielt für diese Rolle den Goldenen Schwan beim Copenhagen International Film Festival als „Beste Darstellerin“. Für den Soundtrack zu dem Film nahm sie mit Daniel Brühl den Song Die Liebe In Gedanken auf und sang als Solistin das Lied An Die Liebe ein.[7]

Neben Ulrich Matthes spielte sie die weibliche Hauptrolle in dem vielfach prämierten Kinofilm Novemberkind (Kinostart: November 2008), der sich mit Spuren der Teilung Deutschlands in den vorgestellten Einzelschicksalen befasst. In Julie Delpys Historienfilm Die Gräfin (Kinostart: Juni 2009), die das Leben der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory nachzeichnet, übernahm sie die Rolle der Bertha. In Bernd Böhlichs Filmkomödie Bis zum Horizont, dann links! (Kinostart: Juli 2012) spielte sie die Rolle der Bewegungstherapieschwester Amelie, die ungefragt gemeinsam mit den von ihr betreuten Senioren bei einem kurzen Rundflug durch den unzufriedenen Klienten Eckehardt Tiedgen (Otto Sander) entführt wird.[8] In der Romanverfilmung Nicht mein Tag (Kinostart: Januar 2014) verkörperte sie Miriam Reiners, die Frau des frustrierten Bankangestellten Till Reiners (Axel Stein), der seine Arbeit und seine Ehe in Frage stellt.[9] In der Tragikomödie Mein Blind Date mit dem Leben (Kinostart: Januar 2017) spielte sie die Rolle der alleinerziehenden Laura, die den blinden Deutsch-Singhalesen Saliya Kahawatte kennenlernt und sich schließlich in diesen verliebt.

FernsehenBearbeiten

Ihr Fernsehdebüt gab Anna Maria Mühe im September 2004 im Kölner Tatort: Verraten und verkauft neben Petra Kleinert als Internatsschülerin Daniela Paulke. Daraufhin war sie mehrfach im ARD-Tatort zu sehen. 2006 war sie an der Seite von Wotan Wilke Möhring im Charlotte-Lindholm-Fall Pauline als Cornelia „Nele“ Kandis, die ältere Schwester eines getöteten 12-jährigen Mädchens, zu sehen. Im Januar 2009 spielte sie erneut im Kölner Tatort: Rabenherz mit, diesmal in der Hauptrolle der Krankenpflegerin Maria Everbeck. Zuletzt sah man sie 2011 im Bremer-Tatort in der Episode Stille Wasser als Nachbarin und Ehefrau Rebecka Gressmann, die Kommissarin Inga Lürsen um Hilfe bittet.

In dem ZDF-Kriminalfilm Der Tote in der Mauer (Erstausstrahlung: November 2008) spielte sie die Hauptkommissarin Simone Westermann. In dem österreichischen Liebesfilm Geliebter Johann Geliebte Anna (Erstausstrahlung: Dezember 2009) war sie Anna Plochl, die Postmeistertochter und spätere Ehefrau des Erzherzogs Johann von Österreich (Tobias Moretti). In dem ARD-Märchenfilm Die kluge Bauerntochter (Erstausstrahlung: Januar 2010) übernahm sie die Titelrolle an der Seite von Maxim Mehmet. In der SWR-Produktion Alpha 0.7 – Der Feind in dir, die ab Mitte November bis Dezember 2010 im SWR Fernsehen, vom Radiosender SWR 2 und im Internet crossmedial ausgestrahlt wurde, spielte sie als Mila Antonovic eine der Hauptrollen. In dem im März 2011 erstausgestrahlten Filmdrama In der Welt habt ihr Angst von Hans W. Geißendörfer war sie in der Hauptrolle der Eva Baumann zu sehen. Im November 2012 zeigte das ZDF den Zweiteiler Deckname Luna, in dem Mühe an der Seite von Götz George die weibliche Hauptrolle als Doppelagentin und Enkelin des Raketenwissenschaftlers Professor Arthur Noswitz Lotte Reinhardt im Kalten Krieg übernahm.

In dem letzten Film der Fernsehreihe Bloch, Die Lavendelkönigin (Erstausstrahlung: April 2013), übernahm Mühe die Rolle der Architekturstudentin Stefanie Rudolf, die dem Psychotherapeuten Dr. Maximilian Bloch (Dieter Pfaff) eine Vergewaltigung unterstellt. In dem dokumentarischen Historienfilm Junges Deutschland (Erstausstrahlung: April 2014) stellte sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Kostja Ullmann das Leben der Jugend in Deutschland im 20. Jahrhundert von 1910 bis 1989 nach. In Sternstunde ihres Lebens (Erstausstrahlung: Mai 2014) spielte sie Irma Lankwitz, die Sekretärin der Politikerin Elisabeth Selbert (Iris Berben). Im selben Jahr war sie an der Seite von Devid Striesow in dem ARD-Fernsehfilm Göttliche Funken (Erstausstrahlung: Mai 2014) zu sehen. Sie verkörperte die Rolle der Diana, die ihre große Liebe Matthias heiratet, der bei der Trauung seine Jugendliebe Lily (Jeanette Hain), die inzwischen Pfarrerin ist, wiedersieht. In der ZDF-Serie Schuld nach Ferdinand von Schirach (2015) spielte sie in der Folge Ausgleich (Erstausstrahlung: Februar 2015) die des Mordes angeklagte junge Ehefrau Alexandra Läufer, die von ihrem Mann über Jahre hinweg gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt wurde.

 
Anna Maria Mühe auf der Berlinale 2011

2016 war Mühe als Rechtsextremistin Beate Zschäpe in den ARD-Fernsehfilmen Die Täter – Heute ist nicht alle Tage und Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch zu sehen. Für ihre schauspielerische Leistung in diesem Film wurde sie am 17. November 2016 in der Kategorie „Schauspielerin national“ mit dem Bambi ausgezeichnet. In dem Fernsehfilm Lotte Jäger und das tote Mädchen, der im September 2016 im ZDF erstausgestrahlt wurde und in dessen Mittelpunkt die Aufklärung eines Mordes an einer Gästebetreuerin im Jagdhaus Hubertusstock im Jahre 1988 steht, verkörperte Mühe die Rolle von Sonja Plaschek, eine Freundin der Toten, die ihre Vergangenheit als Prostituierte für die Machthaber der DDR lieber verschweigen will. Mühe spielte die Rolle nach Auffassung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „ganz herausragend“[10]; ihre Dialoge mit der Hauptdarstellerin Silke Bodenbender gehören, so DER SPIEGEL, „zu den stärksten Momenten im Film“.[11] In dem zweiteiligen ZDF-Drama Familie!, das im Oktober 2016 erstausgestrahlt wurde, hatte Mühe neben Iris Berben die zweite weibliche Hauptrolle. Sie spielte, an der Seite von Jürgen Vogel, Melanie Behrwaldt, die Ehefrau des Berliner Sternekochs Lennart Behrwaldt, die gemeinsam mit ihrem Mann einem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommt.[12]

Seit November 2016 ist Mühe als LKA-Zielfahnderin Nora Weiss an der Seite von Jan Krauter, der ihren Kollege Simon Brandt spielt, in der ZDF-Krimireihe Solo für Weiss zu sehen.[13]

In dem Fernsehfilm Kilimandscharo – Reise ins Leben (Erstausstrahlung: November 2017) spielte Mühe die arbeitsunfähige und „körperlich versehrte“ Ärztin Anna, die innerhalb einer sechsköpfigen Gruppe den Gipfel des Kilimandscharo erreichen will.[14] In der Netflix-Serie Dogs of Berlin, die im Dezember 2018 veröffentlicht wurde, spielte die Schauspielerin die alkoholkranke Sozialhilfeempfängerin Sabine Ludar, die versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen.

In der sechsteiligen Fernsehserie Die Neue Zeit (Erstausstrahlung: September 2019) über die Gründerjahre des Staatlichen Bauhauses in Weimar stellte Mühe die Kunststudentin Dörte Helm dar, die von einer braven jungen Frau zu einer rebellischen Künstlerin und Kämpferin für Gleichberechtigung wird.[15]

SonstigesBearbeiten

Gemeinsam mit ihrem Vater Ulrich Mühe sprach Anna Maria Mühe Antoine De Saint-Exupérys Der kleine Prinz ein.[16]

2007 übernahm Mühe nach dem Tod ihres Vaters dessen Schirmherrschaft über das internationale Musikfestival Grimmaer Liederflut.

2008 spielte Mühe als 22-jährige in einem Musikvideo von Schiller/Christopher von Deylen einen Engel und sprach dazu den Songtext „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, wie ich leide.“[17] 2018 spielte Mühe erneut in einem Musikvideo, Augen zu Musik an, die Freundin des Musikers Bosse.[18]

2012 wurde Mühe unter die Shooting Stars 2012 des europäischen Films gewählt.[19]

FilmografieBearbeiten

DiskografieBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Anna Maria Mühe – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anna Maria Mühe. In: Sendung 2 nach 1. Radio Bremen, 27. Juni 2015, archiviert vom Original am 3. März 2016; abgerufen am 27. Oktober 2016.
  2. a b c d e f g Mama Mühe: Wie Anna Maria Mühe über Familie denkt. Vita und Interview mit Anna-Maria Mühe. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 1. Oktober 2016. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  3. Anna Maria Mühe – Schwanger, fröhlich und gelassen In: Stern, 6. November 2012. Abgerufen am 17. September 2019.
  4. Anna Maria Mühe & Timon Modersohn: Trennung in aller Freundschaft. In: BUNTE, 24. Februar 2016. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  5. Anna Maria Mühe bringt Tochter zur Welt In: Focus Online, 16. November 2012. Abgerufen am 17. September 2019.
  6. Nach 4 Jahren trennte sich das Paar. In: Berliner Kurier, 26. Februar 2016. Abgerufen am 17. September 2019.
  7. Various – Was nützt die Liebe in Gedanken? siehe Seite discogs.com
  8. Kritik zu „Bis zum Horizont, dann links!“ siehe Seite epd-film.de
  9. Anke Sterneborg: „Nicht mein Tag“ im Kino. Gangster und Biedermann In: Süddeutsche Zeitung, 22. Januar 2014. Abgerufen am 17. September 2019.
  10. Hannah Bethke: TV-Krimi im ZDF: Wie bringe ich die Jagdgesellschaft zur Strecke? Fernsehkritik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. September 2016. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  11. Christian Buß: DDR-Verbrechen: Anschaffen für den Arbeiter- und-Bauern-Staat Fernsehkritik. In: SPIEGEL online, 12. September 2016. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  12. Markus Ehrenberg: Zweiteiler "Familie!" im ZDF: Das Problem ist das Ausrufezeichen Fernsehkritik. In: Der Tagesspiegel, 10. Oktober 2016. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  13. ZDF-Zweiteiler "Solo für Weiss" – Anna Maria Mühe – die Extremistin In: tagesspiegel.de, 1. November 2016. Abgerufen am 13. November 2018.
  14. „Kilimandscharo – Reise ins Leben“: Hürden existieren nur im Kopf Fernsehkritik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. November 2017. Abgerufen am 26. November 2017.
  15. Anna Maria Mühe – „Wir waren hungrig auf das Leben“. Anna Maria Mühe ist in der Bauhaus-Serie „Die Neue Zeit“ als rebellische Künstlerin zu sehen. Im Interview verrät sie Details vom Dreh.In: Gala, 15. September 2019. Abgerufen am 17. September 2019.
  16. Antoine De Saint-Exupéry. Gelesen von Anna Maria Mühe und Ulrich Mühe – Der kleine Prinz siehe Seite discogs.com
  17. Anna Maria Mühe, der Mitternachts-Engel vom Hermannplatz In: B.Z., 10. Januar 2008. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  18. Bosse – Augen zu Musik an YouTube-Musikvideo
  19. Anna Maria Mühe – Deutscher Shooting-Star 2012 In: Focus, 8. Dezember 2011. Abgerufen am 17. September 2019.
  20. Shooting Stars selected auf der Seite efp-online.com. Abgerufen am 8. Dezember 2011.
  21. Svenja Friedrich: B.Z.-Kulturpreis für Reinhard Kleist, Matthias und Sooki Koeppel, Rolf Kühn, Anna Maria Mühe, Matthias Schweighöfer und Tino Sehgal. Axel Springer AG, 18. Januar 2013, abgerufen am 10. September 2013.