Amud-Höhle

Höhle in Israel

Die Amud-Höhle ist eine paläoanthropologische und archäologische Fundstätte in Israel. Die Bezeichnung Amud (hebräisch für „Pfeiler“) bezieht sich auf eine Steinsäule, die nicht weit vom Höhleneingang entfernt steht. Die Höhle liegt etwa 30 Meter über dem Bett des Wadi Amud, dessen Wasser in den See Genezareth fließt.

Amud-Höhle

Eingang Amud.jpg
Lage: Israel
Geographische
Lage:
32° 52′ 20″ N, 35° 30′ 6″ OKoordinaten: 32° 52′ 20″ N, 35° 30′ 6″ O
Amud-Höhle (Israel)
Besonderheiten: fossile Neandertaler-Funde

FundeBearbeiten

 
Der Schädel von Amud 1

Die Amud-Höhle wurde ab Anfang der 1960er-Jahre von einem japanischen Team erforscht. In ihr wurden Überreste von mindestens vier Neandertalern gefunden. Ferner wurden Steinwerkzeuge aus der Epoche des Mittelpaläolithikums geborgen und mehrere Feuerstellen identifiziert.[1]

Amud 1Bearbeiten

Am 28. Juni 1961 entdeckte Hisashi Suzuki die fossilen Überreste eines erwachsenen, vermutlich männlichen Neandertalers, dessen erhalten gebliebene Knochen darauf schließen lassen, dass er zu Lebzeiten rund 1,80 Meter groß war und ein Schädel-Innenvolumen von 1740 cm³ hatte. Aus der fortgeschrittenen Verknöcherung seiner Schädelnähte wurde abgeleitet, dass er etwa 25 Jahre alt wurde.[2] Das Schädel-Innenvolumen des Fossils Amud 1 gilt als das größte je bei einem homininen Fossil gefundene.[3] Das Skelett ist nahezu vollständig, jedoch in relativ schlechtem Zustand erhalten geblieben.

Verwahrort von Amud 1 ist das Institut für Anatomie der Universität Tel Aviv.

Amud 7Bearbeiten

Das Fossil Amud 7 wurde 1992 von einem Team um Yoel Rak, William H. Kimbel und Erella Hovers entdeckt.[4] Es handelt sich um das teilweise erhalten gebliebene Skelett eines ungefähr zehn Monate alten Neandertaler-Kindes. Erhalten geblieben sind zerbrochene Teile des Schädels sowie der fast vollständige Unterkiefer, ferner Teile eines Schultergürtels, eines Oberarmknochens und einer Hand, etliche Wirbel und Bruchstücke von Rippen sowie Teile eines Fußes.[5]

Verwahrort von Amud 7 ist das Institut für Anatomie der Universität Tel Aviv.

DatierungBearbeiten

Für die Neandertaler-Funde wurden anhand einer Thermolumineszenzdatierung ein Alter von 50.000 bis 70.000 Jahren berechnet.[6] Eine Elektronenspinresonanz-Datierung ergab ebenfalls Belege für ein Alter von mehr als 50.000 Jahren.[7]

LiteraturBearbeiten

  • Hitoshi Watanabe und Yukio Kuchikura: Control Precision in the Flaking of Levallois Points from the Amud Cave. A Technological Approach to the Study of Early Man's Manual Dexterity. In: Paléorient. Band 1, Nr. 1, 1973, S. 87–95, Volltext.
  • Erella Hovers, Yoel Rak, Ron Lavi und William H. Kimbel: Hominid Remains from Amud Cave in the Context of the Levantine Middle Paleolithic. In: Paléorient. Band 21, Nr. 2, 1995, S. 47–61, Volltext
  • Robert H. Gargett: Middle Paleolithic burial is not a dead issue: the view from Qafzeh, Saint-Césaire, Kebara, Amud and Dederiyeh. In: Journal of Human Evolution. Band 37, Nr. 1, 1999, S. 27–90, doi:10.1006/jhev.1999.0301.
  • Erella Hovers, William H. Kimbel und Yoal Rak: The Amud 7 skeleton — still a burial. Response to Gargett. In: Journal of Human Evolution. Band 39, Nr. 2, 2000, S. 253–260, doi:10.1006/jhev.1999.0406.
  • Ruth Shahack-Gross et al.: Formation processes of cemented features in karstic cave sites revealed using stable oxygen and carbon isotopic analyses: A case study at middle paleolithic Amud Cave, Israel. In: Geoarchaeology. Band 23, Nr. 1, 2008, S. 43–62, doi:10.1002/gea.20203.

Siehe auchBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. Eintrag Amud in: Bernard Wood (Hrsg.): Wiley-Blackwell Encyclopedia of Human Evolution. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Chichester u. a. 2011, ISBN 978-1-4051-5510-6.
  2. Hisashi Suzuki und Fuyuji Takai: The Amud man and his cave site. University of Tokyo Press, Tokyo 1970.
  3. Ian Tattersall: The Strange Case of the Rickety Cossack – and Other Cautionary Tales from Human Evolution. Palgrave Macmillan, New York 2015, S. 149, ISBN 978-1-137-27889-0
  4. Yoel Rak, William H. Kimbel und Erella Hovers: A Neandertal infant from Amud Cave, Israel. In: Journal of Human Evolution. Band 26, Nr. 4, 1994, S. 313–324, doi:10.1006/jhev.1994.1019
  5. Amud 7, a Neandertal infant from Amud Cave, Israel. (mit Abbildung des Skeletts)
  6. Hélène Valladas et al.: TL Dates for the Neanderthal Site of the Amud Cave, Israel. In: Journal of Archaeological Science. Band 26, Nr. 3, 1999, S. 259–268, doi:10.1006/jasc.1998.0334
  7. W. Jack Rink et al.: Electron spin resonance (ESR) and thermal ionization mass spectrometric (TIMS) 230Th/234U dating of teeth in Middle Paleolithic layers at Amud Cave, Israel. In: Geoarchaeology. Band 16, Nr. 6, 2001, S. 701–717, doi:10.1002/gea.1017