Hauptmenü öffnen
Amtsgerichtsgebäude, heute Rathaus

Das Amtsgericht Vöhl (bis 1867 Landgericht Vöhl) war bis 1932 ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in Vöhl im heutigen Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen.

GeschichteBearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821/1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. In den standesherrlichen Gebieten der Provinz Oberhessen bestanden weiterhin Justizkanzleien für Gerichtsfälle zweiter Instanz in Büdingen und Hungen, die dem Hofgericht nachgeordnet waren. Das „Landgericht Vöhl“ war daher von 1821 bis 1867 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Vöhl.

1822 entstand für die Verwaltung der einstigen Herrschaft Itter der Landratsbezirk Vöhl, die Rechtsprechung wurde durch das Landgericht Vöhl vorgenommen. Beide waren flächengleich und entsprachen dem bisherigen Amt Itter.[1]

Nach der Übernahme durch Preußen wurde 1867 aus dem Landgericht das Amtsgericht Vöhl.

Das Amtsgericht Vöhl wurde 1932 aufgehoben. Sein Bezirk wurde teilweise dem Amtsgericht Frankenberg (Eder) und teilweise dem Amtsgericht Jesberg zugeordnet.

ObergerichtBearbeiten

Gericht der zweiten Instanz war in großherzoglich-hessischer Zeit das Hofgericht Gießen. Mit der Übernahme durch Preußen war das Appellationsgericht Wiesbaden übergeordnet. 1869 wurde das Kreis- bzw. später Landgericht Marburg das übergeordnete Gericht.

GebäudeBearbeiten

Das Landgericht war zunächst im Schloss Vöhl untergebracht. Dieses Schloss war Mitte des 17. Jahrhunderts an Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg erbaut worden und wurde 1845 abgerissen.

Für das Landgericht wurde, mit den Steinen des alten Schlosses, ein neues Gerichtsgebäude erbaut, das 1846 bezogen wurde. Es handelte sich um ein klassizistisches zweistöckiges Bruchsteingebäude. Im Erdgeschoss waren die Diensträume, im oberen Geschoss die Richterdienstwohnung untergebracht. Daneben bestanden Nebengebäude (Ställe und Schuppen), da die hessischen Landrichter dieser Zeit auch als Nebenerwerbslandwirte arbeiteten.

Mit der Aufhebung des Gerichtes ging das Gerichtsgebäude in das Eigentum der Stadt über, die es seitdem als Rathaus nutzt.

RichterBearbeiten

Folgende Richter wirkten am Gericht:

  • Landrichter Johann Christian Friedrich Strecker (1821–1826)
  • Landrichter Georg Krug (1827–1828)
  • Landrichter Reinhard August Bodo Tilmann Koch (1828–1853)
  • Landrichter Johann Ernst Friedrich Albert Calmberg (1853–1872) (ab 1867: Amtsrichter; ab 1868: Oberamtsrichter)
  • Amtsrichter Karl Theis (1872–1888) (ab 1879: Amtsgerichtsrat)
  • Amtsrichter Lahmeyer (1888–1896)
  • Amtsrichter Dr. Stüve (1896–1901)
  • Amtsrichter Ernst Grote (1901–1920) (ab 1909: Amtsgerichtsrat)
  • Amtsgerichtsrat Gustav Förster (1921–1932)

LiteraturBearbeiten

  • Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 207–208

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großherzogliche Verordnung „Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend“ vom 14. Juli 1821; in: Hess. Reg.Bl. 1821, S. 408

Koordinaten: 51° 12′ 18,8″ N, 8° 56′ 39,3″ O