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Rathaus, Sitz des Gerichtes ab 1840
Solmser Schloss, Sitz des Gerichtes ab 1879

Das Amtsgericht Butzbach (bis 1879: Landgericht Butzbach) war von 1840 bis 2004 ein deutsches Amtsgericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in Butzbach.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Mit Verordnung vom 14. April 1821[1] wurden die bisherigen Ämter abgeschafft und die Trennung von Justiz und Verwaltung in der ersten Instanz umgesetzt. Neu geschaffen wurde als Verwaltungseinheit der Landratsbezirk Butzbach (ab 1829: Friedberg) und für die Justiz das Landgericht Friedberg.

Der Landgerichtsbezirk Friedberg umfasste das Amt Butzbach, das Amt Friedberg mit dem Amt Burg-Friedberg, ausschließlich des Domanialanteils Burggräfenrode sowie den Domanial- und bisher gräflich Stolberg-Ortenbergischen Anteil an den Gemeinschaften Münzenberg und Trais-Münzenberg.

Die Stadt Butzbach war mit der Entscheidung sehr unzufrieden. Insbesondere nachdem der Sitz des Landratsbezirks 1829 von Butzbach nach Friedberg verlegt wurde, reklamierte die Stadt in mehreren Eingaben die Einrichtung eines Gerichtes in Butzbach. 1838 beantragten die Landtagsabgeordneten der zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen Carl Knorr und Adam Johann Balthasar Georg Krug die zusätzliche Errichtung eines Landgerichts zu Butzbach aufgrund der Überlastung des Landgerichts Friedberg.

Der Antrag war erfolgreich und so wurde zum 1. Juli 1840 das Landgericht Butzbach eingerichtet.[2] Zum Gerichtsbezirk gehörten nun die früher vom Landgericht Friedberg betreuten Orte Butzbach, Bodenrod, Fauerbach vor der Höhe, Maibach, Münster, Oppershofen, Ostheim, Rockenberg mit Marienschloß, Hoch-Weisel, Nieder-Weisel, Hausen-Oes, Langenhain, Ziegenberg und Steinfurth. Die Orte Pohl-Göns und Kirch-Göns wurden vom Landgericht Gießen dem neuen Landgericht Butzbach zugeschlagen.

Erster Sitz des Gerichtes war das Butzbacher Rathaus.

Personell ausgestattet wurde das neu errichtete Landgericht Butzbach mit einem Landrichter, einem Gerichtsassessor, einem für die Sekretariatsgeschäfte zuständigen Landgerichtsaktuar und zwei Landgerichtsdienern.

Nach der Märzrevolution wurden die Verwaltungseinheiten in Hessen mehrfach neu zusammengesetzt. Nach dem Sieg der Reaktion wurden die ursprünglichen Kreise wiederhergestellt, die Zuordnung einzelner Orte wich jedoch ab. Um die Kreise und Gerichtsbezirke in Einklang zu bringen wurde der Gerichtsbezirk Butzbach am 15. April 1853 mit der Verordnung über „die künftige Zusammensetzung des Stadt- und Landgerichtsbezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen“[3] neu zusammengesetzt. Danach vertrat das Landgericht Butzbach die Orte Butzbach, Bodenrod, Fauerbach, Gambach, Griedel, Hausen, Hoch-Weisel, Kirch-Göns, Langenhain, Maibach, Münster, Münzenberg, Nieder-Weisel, Oes, Oppershofen, Ostheim, Pohl-Göns, Rockenberg, Steinfurth, Trais-Münzenberg und Ziegenberg.

Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 führte zu einer einheitlichen Gerichtsorganisation im ganzen Reich. Das Landgericht Butzbach wurde in Amtsgericht Butzbach umbenannt. Das Hofgericht Gießen wurde als Landgericht Gießen zur übergeordneten Zweiten Instanz.

Das Gericht war nun für die Orte Bodenrod, die fiskalischen Waldgemarkung bei Bodenrod, Butzbach, Fauerbach v. d. H., Gambach, Griedel, Hausen, Hoch-Weisel, Holzheim, Kirch-Göns, Langenhain mit Ziegenberg, Maibach, Münster, Münzenberg, Nieder-Weisel, Ober-Hörgern, Oes, Oppershofen, Ostheim, Pohl-Göns, Rockenberg, Rockenberger und Oppershofer Mark (Waldgemarkung) und Trais-Münzenberg zuständig[4].

Gleichzeitig wurde der Sitz des Gerichtes in das Solmser Schloss verlegt.

Mit Verordnung des Reichspräsidenten vom 24. August 1931[5] wurden sieben Amtsgerichte aufgelöst. Vom Amtsgericht Lich erhielt das Amtsgericht Butzbach die Gemarkung Eberstadt.

2004 wurde das Amtsgericht Butzbach aufgelöst und in das Amtsgericht Friedberg integriert.

RichterBearbeiten

  • 1840–1844 Landrichter August Friedrich David Völ(c)ker
  • 1844–1845 Landrichter Carl Ludwig Rayß
  • 1845–1847 Landrichter Carl Mosler
  • 1847–1857 Landrichter Moritz Eitel Ebel
  • 1857–1866 Landrichter Carl Bücking
  • 1866–1879 Landrichter Dr. Carl Ludwig Jakob Gilmer
  • 1879–1888 Oberamtsrichter Joseph Weyer
  • 1888–1894 Oberamtsrichter Adam Fritz
  • 1894–1896 Oberamtsrichter Karl Rudolf Beisler
  • 1896–1916 Oberamtsrichter Heinrich Engel
  • 1916–1931 Oberamtsrichter Rudolf Sellheim
  • 1931–[1945?] Oberamtsrichter Richard Plitt

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Alexander Schneider: 150 Jahre Amtsgericht in Butzbach. 1.7.1840-1.7.1990. In: Wetterauer Geschichtsblätter 39, 1990, S. 271–284.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 20. Juli 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1821 Nr. 33, S. 403–415 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 56,7 MB]).
  2. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1840 S. 195
  3. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1853 S. 221
  4. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1879 S. 195
  5. Hessisches Regierungsblatt 1931 S. 3