Amnon

Sohn Davids im Alten Testaments

Amnon war im Alten Testament der Bibel der älteste Sohn des israelitischen Königs David.

Amnon und Tamar von Jan Steen, Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Die Ermordung Amnons beim Gastmahl Absaloms von Gaspare Traversi

Er wurde in Hebron als Sohn von David und der aus Jesreel stammenden Frau Ahinoam geboren. Als Erwachsener begann Amnon seine jüngere Halbschwester Tamar zu begehren (2 Sam 13,1 EU), die jedoch zu diesem Zeitpunkt noch Jungfrau war. Die Erzählung berichtet, wie sich Amnon vor Begehren nach Tamar geradezu krank fühlte (13,2 EU).

Dies brachte seinen Cousin Jonadab auf die Idee, Tamar solle Amnon, der vortäuscht krank zu sein, etwas zu essen in sein Haus bringen (13,5 EU). Jonadabs Bezeichnung als re'a bezeichnet im royalen Zusammenhang einen offiziellen Berater oder Begleiter eines Königs oder Prinzen. Dieser Begriff wird in der Regel als „Freund“ übersetzt.[1] Hier vergewaltigte nun Amnon seine Schwester, obgleich sie ihm anbot ihn zu heiraten (13,11-14 EU), und schickte sie daraufhin fort (13,15 EU).

Tamar wurde von ihrem Bruder Abschalom gefunden, und – nachdem diese ihm erzählt hatte, was vorgefallen sei – nahm Abschalom sie bei sich auf (13,20 EU). Kurze Zeit später erfuhr David von der Schandtat seines Erstgeborenen (13,21 EU). Zwei Jahre vergingen, in denen Amnon von Abschalom für seine Tat gehasst wurde. Am Tag einer Schafschur, die in Baal-Hazor, im Stammgebiet von Efraim stattfand, bat Abschalom seinen Vater, dass auch Amnon kommen möge (13,23-27 EU). Bei einem anlässlichen Fest lagerten Amnon, Abschalom und die restlichen Söhne des Königs. Amnon wurde im Verlauf dessen betrunken. Dies nutzte Abschalom aus und gab seinen Männern die Anordnung, Amnon umzubringen. Der Befehl wurde ausgeführt, woraufhin die übrigen Söhne vom Ort des Geschehens flohen (13,28-29 EU). Die Tat des Amnon löste eine Kettenreaktion aus, die in einem blutigen Bürgerkrieg gipfelte. (Siehe unter: Abschalom)

RezeptionBearbeiten

Das Drama wurde sowohl in „König David“ von 1985 als auch in „Die Bibel – David“ von 1997 wiedergegeben. In „König David“ verkörperte der Brite James Coombes Amnon, in „Die Bibel – David“ der ebenfalls aus Großbritannien stammende Filmschauspieler Edward Hall.

Bedeutende bildliche Darstellungen gibt es zum einen als Vergewaltiger Tamars (Giovanni Francesco Barbieri, Gérard de Lairesse),[2] aber ebenso als Opfer der Ermordung durch Abschalom (Matthäus Merian, Gerard Hoet oder James Tissot).[3] Mittelalterliche Abbildungen existieren beispielsweise im Queen Mary Psalter oder der Handschrift Ms. Bodl. 270b (Bible moralisée) und zeigen am häufigsten die Situation mit Tamar.[4]

Daneben wurde der Vorfall der Vergewaltigung literarisch verarbeitet. So verfassten zum Beispiel Linda Stern Zisquit[5] oder auch Janet Ruth Heller jeweils ein Gedicht unter dem Titel Amnon.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Walter Dietrich: David, Amnon und Abschalom (2 Samuel 13): literarische, textliche und historische Erwägungen zu den ambivalenten Beziehungen eines Vaters zu seinen Söhnen. In: Textus. 23 2007, S. 115–143.
  • Ilse Müllner: Gewalt im Hause Davids. Die Erzählungen von Tamar und Amnon (2 Sam 13, 1-22). Zugl.: Münster, Univ., Habil.-Schr. Herder, Freiburg im Breisgau 1997, ISBN 3-451-26404-8.

WeblinksBearbeiten

Commons: Amnon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Shimon Bakon: Jonadab, "friend" of Amnon. In: Jewish Bible Quarterly. 43, Nr. 2 2015, 101–105, hier S. 101, 105.
  2. Tamar. 1. Mai 2009, abgerufen am 23. August 2022.
  3. Sigrid Eder: Amnon. In: WiBiLex. Deutsche Bibel Gesellschaft, 2011, abgerufen am 23. August 2022.
  4. Robert Earl Kaske: Amnon and Tamar on a misericord in Hereford Cathedral. In: Traditio. 45 1989-1990, S. 1–6, hier S. 4 und Fig. 3, 4.
  5. LInda Zisquit: Amnon. In: European Judaism: A Journal for the New Europe. 28, Nr. 1 1995, S. 84.
  6. Janet Ruth Heller: Amnon. In: Shofar. 11, Nr. 2 1993, S. 80.