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Amerikalinie

Inoffizielle Bezeichnung einer Eisenbahnstrecke im Norden Deutschlands

Amerikalinie heißt eine westöstliche Eisenbahnstrecke durch die Lüneburger Heide und die Altmark. Sie verläuft von Langwedel (Weser) über Soltau, Uelzen und Salzwedel nach Stendal. Wie im Deutschen Kaiserreich verbindet sie die Seehäfen an der Deutschen Bucht mit Berlin, Mitteldeutschland und Schlesien. Im Abschnitt Uelzen–Stendal ist sie heute vor allem eine Ausweich- und Güterzugstrecke von Hamburg nach Berlin. Drehpunkt der Relation ist der Bahnhof Uelzen.

Langwedel–Stendal
Streckennummer:1960
Kursbuchstrecke (DB):116
Spurweite:1435 mm (Normalspur)

AbschnitteBearbeiten

GeschichteBearbeiten

 
Fahrplan der Amerikalinie von 1880

Die Amerikalinie entstand als Kernstück einer Direktverbindung Magdeburgs und vor allem Berlins mit den Nordseehäfen. Ihren umgangssprachlichen Namen erhielt die Verbindung, weil auf ihr viele Auswanderer aus den östlichen Teilen des Deutschen Reiches nach Bremerhaven fuhren, wo an der Columbuskaje Anschluss an Auswandererschiffe nach Amerika bestand. In der Gegenrichtung fuhren viele mit Frischfisch beladene Güterzüge vom Fischversandbahnhof (Geestemünde) in die Reichshauptstadt. Da Kaiser Wilhelm II. gelegentlich auf dieser Strecke von Berlin aus zu den Marinestützpunkten an der Nordsee fuhr, ist manchmal auch von der Kaiserlinie oder Kaiserbahn die Rede. Auf der Amerikalinie fuhren einzelne Schnellzüge in den Relationen Berlin–Wilhelmshaven und Berlin–Norddeich. Der Abschnitt zwischen Langwedel und Uelzen wurde als Bremer Staatsbahn, auch, je nach Fahrtrichtung, "Uelzener Bahn" benannt, gebaut und am 15. April 1873 eingeweiht. Den Abschnitt zwischen Stendal und Uelzen legte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft an, die auch bis zu ihrem Aufgehen in der Preußischen Staatsbahn den Betrieb auf dem westlichen Streckenteil durchführte.

Heutige BedingungenBearbeiten

Vor der Deutschen Wiedervereinigung wurde die zweigleisige Strecke auf ein Gleis zurückgebaut. Der Unterhaltungszustand war schlecht, bis in der zweiten Jahreshälfte 2012 die Grundinstandsetzung eines Gleiskörpers folgte. DB Netz sperrte deshalb den seit 1945 vernachlässigten Westteil zwischen Langwedel (Weser) und Uelzen für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen; unter anderem wurden 36 km Gleise erneuert.[1] Eine Elektrifizierung dieses Abschnittes ist angekündigt.[2]

AusbauBearbeiten

 
Ausbau bei Pretzier (2015)

Dass die Bedeutung der Strecke 1960 (KBS 116 – Amerikalinie) steigt, war zu erwarten. Zum einen liegt das am prognostizierten Ladungsaufkommen beim JadeWeserPort, zum anderen an den weiter steigenden Gütermengen der Bremer Häfen in Bremerhaven und des Hamburger Hafens. Sie dient als häufige Umleitungsstrecke für die Magistrale HamburgBerlin und als reguläre IC-Strecke Hamburg–Dresden/Prag. Nach dem Bundesverkehrswegeplan wird die Strecke wieder zweigleisig. In Uelzen wurde der (westliche) Tunnelabzweig bereits um eine direkte Einfädelung in das (östliche) Hamburg-Gleis ergänzt. In den Bundesverkehrswegeplan 2030 wurde die Elektrifizierung und 1-gleisige Ertüchtigung[3] unter der Projektnummer 2-003-V02 aufgenommen.[4]

RegionalverkehrBearbeiten

Die gesamte Strecke wird bisher vorwiegend von Regionalzügen im Personenverkehr genutzt: Bremen–Uelzen als RB 37 (vorerst bis 2019) durch erixx mit Triebwagen der Baureihe 0648 (LINT 41) aus dem Fahrzeugpool der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, Uelzen–Stendal als IRE1 und RE 20 sowie Salzwedel–Stendal als RB 32.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Netzfahrplan-Baukorridore 2012 (Memento vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) S. 110
  2. Projektsteckbrief Langwedel–Uelzen. In: hamburg-bremen-hannover.de. DB Netz, abgerufen am 22. Januar 2019.
  3. Abschlussdokument Dialogforum Schiene Nord (DSN).
  4. Bundesverkehrswegeplan 2030