American Psycho (Film)

Film von Mary Harron (2000)

American Psycho ist die filmische Adaption des gleichnamigen Buches von Bret Easton Ellis. Premiere hatte der Film im Jahr 2000 auf dem Sundance Film Festival. In den Hauptrollen sind neben Christian Bale als Patrick Bateman auch Jared Leto, Justin Theroux, Josh Lucas, Bill Sage, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon, Willem Dafoe und Samantha Mathis zu sehen.

Film
Deutscher TitelAmerican Psycho
OriginaltitelAmerican Psycho
ProduktionslandUSA, Kanada
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2000
Länge102 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieMary Harron
DrehbuchMary Harron
Guinevere Turner
ProduktionChris Hanley
Edward R. Pressman
Christian Halsey Solomon
MusikJohn Cale
KameraAndrzej Sekuła
SchnittAndrew Marcus
Besetzung
Chronologie

Nachfolger →
American Psycho II: Der Horror geht weiter

HandlungBearbeiten

Der Film schildert Episoden aus dem Leben des New Yorker Investmentbankers Patrick Bateman in den späten 1980er Jahren. Sein Leben ist bestimmt von Luxusgütern, Äußerlichkeiten und dem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Elite. Zudem betreibt er einen hohen Aufwand, um dem Schönheitsideal zu entsprechen. Seine Kollegen der Wall-Street-Investmentfirma „Pierce & Pierce“ scheinen ihn des Öfteren mit Kollegen zu verwechseln.

Bateman fühlt sich im Selbstwert getroffen, als ihm seine eigene Visitenkarte weniger repräsentativ erscheint als diejenige seines Kollegen Paul Allen, was er durch den Mord an ihm kompensiert. Anschließend begibt er sich in Pauls Wohnung und inszeniert dessen scheinbare Abreise nach London. Einige Zeit später wird Bateman von Detective Donald Kimball aufgesucht, der das Verschwinden von Paul Allen untersucht. In den Nächten wird Bateman von einer Gier nach Blut und Gewalt zu einem immer exzessiveren Lebenswandel getrieben. Er zieht mit seinen Freunden nachts durch die Clubs und konsumiert immer mehr Drogen. Seine Gier nach Blut beginne, in seine Tage überzugreifen, so Bateman im Film. Er tötet wahllos Obdachlose und mehrere Prostituierte, die er zu sich nach Hause bestellt. Einzig bei seiner Sekretärin Jean kann er sich nicht dazu überwinden, sie zu töten. Später hat Bateman Sex mit seiner Bekannten Elizabeth und der Prostituierten Christie in Pauls Wohnung. Dabei tötet er Elizabeth und später noch die flüchtende Christie im Treppenhaus mit einer Kettensäge.

Nachdem sich Bateman von Evelyn getrennt hat, sucht er einen Geldautomaten auf. Dieser zeigt den Text „Feed me a stray cat“ an. Als er sich darauf vorbereitet, die Katze zu erschießen, unterbricht ihn eine Frau und er erschießt sie. Bateman wird daraufhin von der Polizei verfolgt, wobei er vier Polizisten erschießt. Bateman will in sein Büro fliehen, verwechselt jedoch das Gebäude, wo er einen Wachmann sowie einen Hausmeister ermordet. In einem Büro, von dem er glaubt, dass es ihm gehört, ruft er seinen Anwalt Harold an und hinterlässt auf dessen Anrufbeantworter ein ausführliches Geständnis, bei dem offenbar wird, dass die tatsächliche Anzahl von Batemans Opfern noch sehr viel höher gewesen sein muss als gezeigt. Bateman muss jedoch feststellen, dass Harold ihm keinen Glauben schenkt. Der Rechtsanwalt, der ihn mit Davis anspricht, sieht das Ganze als Scherz und verweist darauf, dass Bateman Paul Allen gar nicht ermordet haben könne, weil er selbst diesen vor einigen Tagen in London zu einem Abendessen getroffen habe. Als Bateman an seinem Verstand zweifelt und noch einmal nach den Opfern sehen will, die er in Paul Allens Apartment zurückgelassen hat, findet er eine frisch renovierte Wohnung vor, die gerade Interessenten vorgeführt wird. Die Maklerin, der er unheimlich ist, fordert ihn auf, zu gehen und nicht wiederzukommen.

Bateman trifft sich anschließend mit einigen Arbeitskollegen, die darüber diskutieren, wo sie das Abendessen reservieren sollen. Außerdem diskutieren sie darüber, ob Ronald Reagan harmlos oder ein Psychopath sei. In Batemans Gedanken wird ihm klar, dass seine Handlungen keinerlei Konsequenzen haben und es somit keine Katharsis geben kann. Das wirft für den Zuschauer die Frage auf, ob die Morde tatsächlich oder nur in Batemans Kopf stattfanden.

SynchronisationBearbeiten

Die deutsche Vertonung fand in der Synchronabteilung des Studios Babelsberg statt. Sven Hasper, der die Rolle des Paul Allen sprach, schrieb auch das Dialogbuch und führte die Dialogregie.[1]

Rolle Schauspieler Synchronsprecher
Patrick Bateman Christian Bale David Nathan
Timothy Bryce Justin Theroux Charles Rettinghaus
Craig McDermott Josh Lucas Oliver Rohrbeck
David Van Patten Bill Sage Dennis Schmidt-Foß
Jean Chloë Sevigny Maud Ackermann
Evelyn Williams Reese Witherspoon Dascha Lehmann
Courtney Rawlinson Samantha Mathis Bianca Krahl
Luis Carruthers Matt Ross Marius Clarén
Paul Allen Jared Leto Sven Hasper
Det. Donald Kimball Willem Dafoe Wolfgang Condrus
Christie Cara Seymour Heidrun Bartholomäus
Elizabeth Guinevere Turner Gundi Eberhard
Harold Carnes Stephen Bogaert Till Hagen

KritikenBearbeiten

Die Website Rotten Tomatoes ermittelte für den Film einen Wert von 67 % tendenziell positiven Rezensionen. In absoluten Zahlen entspricht dieser Wert 94 positiven und 47 negativen Rezensionen, wodurch dem Film nach internen Kriterien (ab 60 %) ein „frische“-Siegel zugesprochen wird (Stand 6. Dezember 2012).[2]

Das Lexikon des internationalen Films beschrieb den Film als „formal bestechende Adaption eines Bestsellers, deren schwarzer Humor ebenso wie die ironischen Anklänge der Inszenierung von der Ausstattung erschlagen werden. Übrig bleiben mehr Klischees als psychologische Motive oder soziale Kritik.“[3]

Das Dirk Jasper FilmLexikon bezeichnete den Thriller als „schockierend“ und „emotional“.[4]

JoBlo’s Movie Reviews wertete den Film mit 10 von 10 möglichen Punkten.[5] Damit zählt er zu einer Gruppe von bis dato 39 Filmen – aus insgesamt 2307 Rezensionen – die diese Wertung erhielten (Stand 6. Dezember 2012).

Der Spiegel schrieb in einer Rezension, die Verfilmung nehme den „Tötungsorgien der literarischen Skandalvorlage nichts an Härte“, suche jedoch nach Erklärungen und mache den Amokläufer dadurch zu einer „comicartigen Witzfigur“. Die Stärke der Regisseurin bestehe vor allem darin, viele kleine Fährten zu legen, die suggerierten, dass es eben doch einen tieferen Grund geben müsse, warum Bateman tötet. Allerdings werde in diesen Erklärungen nicht sehr tief vorgedrungen; American Psycho bilde letztlich nur eine „gefühlskalte Welt des Waren- und Markenfetischismus“ ab. Lobend erwähnt wird jedoch die Kameraführung, die mit ihren zahlreichen langen Schwenks eine Filmästhetik schaffe, die den Zuschauer unmittelbar in die 1980er Jahre zurückversetze.[6]

Andreas Borcholte bemängelte in einer weiteren Rezension im Spiegel, dass Harron mit der Verfilmung des kontroversen Romanstoffs zwar die „Bebilderung eines Alptraums [...] entfalten“ habe können, aber auch das Mahnmal American Psycho auf Kinoleinwandgröße geschrumpft habe. Die Regisseurin gäbe sich bei eigentlicher Unverfilmbarkeit des Stoffes „alle Mühe, insbesondere die von Ellis akribisch beschriebene Ästhetik der vorvergangenen Dekade kaltglänzend aufleben zu lassen, und auch Hauptdarsteller Christian Bale liefert mit ausdrucksloser Miene und aalglatter Performance seine bisher beste Arbeit ab. Und doch ist die Bestie eindeutig gezähmt.“ Der Thrill des Buches sei ein ganz anderer gewesen, „viel tiefer gehendes Nervenkitzeln als jene Kino-Effekte, die zum hinlänglich bekannten Grusel- und Schock-Repertoire besserer Horrorstreifen gehören.“[7]

HintergründeBearbeiten

Die Regisseurin Mary Harron, die zuvor bei I Shot Andy Warhol Regie geführt hatte, schrieb das Drehbuch zusammen mit Guinevere Turner. Für das Drehbuch gab es drei Alternativen, wovon eine von Bret Easton Ellis selbst stammte. Laut Turner endete Ellis’ Drehbuchversion mit einer aufwändigen Musikeinlage. Als sie Ellis danach fragte, gestand er, dass er sich kein anständiges Ende für das Skript habe vorstellen können.

Während der frühen Phase der Filmproduktion wurden viele Namen mit dem Film in Verbindung gebracht. Ursprünglich waren Mary Harron für die Regie und Christian Bale als Hauptdarsteller vorgesehen, aber auch Leonardo DiCaprio bekundete Interesse an der Hauptrolle. Die Produktionsfirma Lions Gate gab eine Pressemitteilung heraus, wonach DiCaprio die Hauptrolle in dem Film spielen werde. Mary Harron verließ daraufhin die Produktion, da sie an dieser Entscheidung nicht beteiligt gewesen war und die Hauptrolle mit Christian Bale besetzen wollte. Daraufhin wurde Oliver Stone mit der Regie in Verbindung gebracht. Als jedoch DiCaprio, dessen Interesse an dem Film überbewertet worden war, und Oliver Stone das Projekt verlassen hatten, kamen Harron und Bale zurück.

Mögliche andere KonstellationenBearbeiten

  • Edward Norton wurde die Rolle des Patrick Bateman angeboten. Dieser lehnte sie jedoch ab.
  • Brad Pitt wurde mit der Rolle des Patrick Bateman unter der Regie von David Cronenberg in Verbindung gebracht. Bret Easton Ellis selbst sollte dazu das Drehbuch schreiben.
  • Leonardo DiCaprio als Patrick Bateman, James Woods als Donald Kimbell und Cameron Diaz als Evelyn Williams, Regie Oliver Stone. DiCaprio entschied sich jedoch für die Hauptrolle in The Beach.

MarketingBearbeiten

Während der Promotion für den Film konnte man sich in eine Mailingliste eintragen, um E-Mails von Patrick Bateman zu erhalten, die angeblich an seinen Therapeuten gerichtet waren. Die E-Mails schildern Batemans Leben nach den Ereignissen im Film. In den E-Mails diskutiert er Themen wie die Heirat mit seiner früheren Sekretärin Jean, seine Verehrung für seinen Sohn Patrick Bateman Jr. und seine Bemühungen, über seine geschäftlichen Konkurrenten zu triumphieren. Diese E-Mails erwähnten auch Interaktionen mit anderen Personen aus dem Roman, unter anderem Timothy Price (im Film Bryce), Evelyn Williams, Luis Carruthers und Marcus Halberstam.

TriviaBearbeiten

  • Im Film behauptet Patrick Bateman, er wohne im American Gardens Building, 81. Straße West. Dort lebte Tom Cruise einmal. Die Produzenten hatten Cruise ursprünglich für die Rolle des Patrick Bateman eingeplant. Im Buch hat Bateman eine kurze Begegnung mit Cruise, die darauf schließen lässt, dass dieser im Penthouse dieses Gebäudes lebt.
  • Während Bateman Fitnessübungen macht, läuft in seinem Fernseher Blutgericht in Texas.
  • Einige Ereignisse, die Bateman gegen Ende des Films im Telefonat mit seinem Rechtsanwalt erwähnt, kommen nur in der Romanvorlage vor, nicht jedoch im Film.
  • In der letzten Einstellung sieht man im Hintergrund eine hölzerne Tür, die ein Schild trägt, auf dem zu lesen ist: „This Is Not An Exit“. Dies sind die letzten Worte der Romanvorlage, die den endlosen Kreislauf repräsentieren, in dem sich Patrick Bateman befindet.
  • Einige Gemälde in Batemans Apartment stammen von Robert Longo.
  • Das von Bateman Ed Gein zugeschriebene Zitat, über dessen Verhältnis zu Frauen, stammt eigentlich von Edmund Kemper.
  • Die Dreharbeiten begannen am 28. Februar 1999 und erfolgten in New York und Toronto.[8]
  • 2002 erschien die Fortsetzung American Psycho II: Der Horror geht weiter, u. a. mit William Shatner; Patrick Bateman kam jedoch in diesem Direct-to-Video-Werk nur tot und maskiert in einer Rückblende vor.
  • In der 1. Staffel von Dexter benutzte Dexter das Pseudonym „Dr. Patrick Bateman“, um sich M99 (ein sehr starkes Narkotikum) zu besorgen.
  • Der Schauspieler und Musiker Miles Fisher sorgte 2009 mit einer Adaption für Aufsehen, die als Musikvideo für seine Coverversion des Talking-Heads-Titels „This Must Be the Place (Naive Melody)“ dient.
  • Mehrfach werden vom Protagonisten Mitglieder der Familie Trump erwähnt, so der derzeitige US-Präsident Donald Trump oder Ivana Trump, denen er offenbar ihre Reichtümer (Auto) oder Stellung (reservierter Restauranttisch) neidet.

SoundtrackBearbeiten

  1. Monologue 1John Cale
  2. Something in the Air (American Psycho Remix)David Bowie
  3. Watching Me Fall (Underdog Remix)The Cure
  4. True FaithNew Order
  5. Monologue 2 – John Cale
  6. TroubleDaniel Ash
  7. Paid In Full (Coldcut Remix)Eric B. & Rakim
  8. Who Feelin’ It (Philip's Psycho Remix)Tom Tom Club
  9. Monologue 3 – John Cale
  10. What’s On Your Mind (Pure Energy Mix)Information Society
  11. Pump Up The VolumeM|A|R|R|S
  12. Paid In Full (Remix)The Racket
  13. Monologue 4 – John Cale

Der Song Hip to Be Square von Huey Lewis and the News sollte ursprünglich auf dem Soundtrack-Album erscheinen, musste jedoch aufgrund fehlender Veröffentlichungsrechte aus dem Album entfernt werden. Auch Whitney Houston war mit der Verwendung des Songs „The Greatest Love of All“ nicht einverstanden, weswegen eine instrumentale Version verwendet wurde. 100.000 Kopien des Soundtracks mussten vernichtet und neu produziert werden.[9]

Songs aus dem Film die nicht im Soundtrack vorkommen

  1. Walking on SunshineKatrina and the Waves
  2. I Touch RosesBook of Love
  3. Hip to Be SquareHuey Lewis and the News
  4. The Lady in RedChris de Burgh
  5. If You Don't Know Me by NowSimply Red
  6. In Too DeepGenesis
  7. SussudioPhil Collins
  8. Secreit NichtMediæval Bæbes
  9. Red LightsCuriosity Killed the Cat
  10. Simply IrresistibleRobert Palmer
  11. The Greatest Love of All (Instrumental Version) – Whitney Houston
  12. Al Mirar Tu Cara – Santiago Jimenez Jr.
  13. Enjoy the SilenceDepeche Mode

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsche Synchronkartei: Deutsche Synchronkartei | Filme | American Psycho. Abgerufen am 5. März 2018.
  2. American Psycho bei Rotten Tomatoes (englisch)
  3. American Psycho. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  4. Dirk Jasper FilmLexikon (Memento vom 13. Februar 2007 im Internet Archive)
  5. JoBlo’s Movie Reviews (Memento des Originals vom 25. April 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.joblo.com
  6. Mary Harron: „American Psycho“ - Amoklauf eines Börsenmaklers. In: Der Spiegel, 18. Februar 2000. Abgerufen am 24. Juni 2014.
  7. Ein Maulkorb für die Bestie; Spiegel Online vom 6. September 2000; abgerufen am 11. Januar 2020
  8. Filming Locations for American Psycho In: IMDb. Abgerufen am 27. Juli 2019.
  9. 19 JAHRE AMERICAN PSYCHO O.S.T. DIE SEELENLOSEN 90ER UND DIE BESEELTEN 80ER popmonitor.de, 14. April 2019