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Amani-Oberrealschule Kabul

Schule in Afghanistan

Die Amani-Oberrealschule ist eine Bildungseinrichtung in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

GeschichteBearbeiten

Der afghanische König Amanullah führte Afghanistan im Jahre 1919 in die Unabhängigkeit und entwickelte schnell ehrgeizige Modernisierungspläne für sein Land. Er ist der Namenspatron dieser Schule.[1]

Amanullah war ein Modernisierer. Er hatte gesehen, dass England Südostasien, Teile von Afrika und Indien, das traditionell sehr gute Beziehungen zu Afghanistan hatte, unterjochte und ausbeutete. So war er geneigt, mit Deutschland zu kooperieren, das sich in erster Linie für die Entwicklung des Landes interessierte, um darin langfristig einen potenten und verlässlichen Partner zu finden. So kam ihm der Vorschlag, eine neue Schule mit deutschem Lehrinhalt zu gründen, gelegen.

Am 15. April 1924 eröffnete der erste Schulleiter Walther Iven die Amani-Oberrealschule, wie sie zu Ehren ihres königlichen Förderers genannt wurde. Die Unterrichtssprache war fast durchgängig Deutsch. Wie im deutschen Schulsystem, wurde die Schule unterteilt in Grundstufe (Klassen 1 bis 5), Mittelstufe (Klassen 6 bis 9) und Oberstufe (Klassen 10 bis 12).

Das Ausbildungsziel war die „Vorbereitung der Zöglinge auf das Studium an deutschen Hochschulen mit dem Zweck, Seiner Majestät tüchtige höhere Beamte, Ingenieure, Ärzte und Lehrer zu beschaffen und die Schüler zu selbständigen, verantwortungsvoll handelnden und charakterfesten Menschen zu erziehen“. Durch das afghanisch-deutsche Schulabkommen von 1928 wurde die Kabuler Reifeprüfung anerkannt; sie berechtigte zum Studium an allen preußischen Universitäten.

1929 wurde König Amanullah von Aufständischen aus Kabul vertrieben. Ihr fanatisch-religiöser Anführer schaffte das Erziehungsministerium ab und schloss alle Schulen. Schulleiter Iven schrieb an seine Frau: „Die Schule diente den Kohistanis (= Tadschiken) als Kaserne und den Afghanen als Viehstall.“ Die Schulmöbel wurden ebenso wie die Fensterrahmen verheizt, die Fensterscheiben landeten auf dem Basar in Peshawar und die Lehrmittelsammlung verschwand spurlos. Das gleiche Schicksal ereilte die Amani-Schule in den neunziger Jahren erneut: 3000 Mudschaheddin, die für zwei Jahre im Schulgebäude untergebracht waren, rissen, da ihnen kein Sold gezahlt wurde, alle Kupferkabel aus den Wänden, sie entfernten die Sanitäranlagen und verkauften alles. Auch die Möbel wurden verheizt.[2]

Am 15. Oktober 1929 übernahm König Nadir Schah, Vater des letzten Königs Zahir Schah, die Macht. Bald darauf begann wieder der Unterricht an der Schule, die von 302 Schülern besucht wurde. Die Schülerzahl entwickelte sich nun rasant: Waren es im März 1932 noch 491 Schüler, so besuchten 1933 schon 619 Knaben die Amani-Oberrealschule.

Im selben Jahr fiel König Nadir Schah einem Attentat zum Opfer; der Attentäter war ein Schüler der Amani-Schule. In der Folge wurden viele Schüler verhaftet und einige afghanische Lehrer hingerichtet. Die Schule wurde in Nedjat-Lycee umbenannt, da jegliches Andenken an König Amanullah aus dem öffentlichen Leben getilgt werden sollte. Trotz aller Widrigkeiten absolvierte jedoch 1934 der erste Jahrgang die Reifeprüfung.

Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder aufgenommen und wieder Lehrer an die Amani-Oberrealschule entsandt. 1954 begann der erste deutsche Lehrer seinen Dienst. 1965 waren bereits sechs, in den siebziger Jahren zwanzig Lehrkräfte an der Schule tätig. In den Jahren 1971/72 wurde in der Nähe der deutschen Botschaft ein Neubau erstellt, in dem sich die Schule auch heute noch befindet.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. FAZ Nr. 63 / 2002.
  2. Ahmed Rashid: „TALIBAN – Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad“, Droemer 2012

Koordinaten: 34° 31′ 43,6″ N, 69° 11′ 1,8″ O

BW