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Amélie Nothomb

belgische französischsprachige Schriftstellerin
Amélie Nothomb (2009)

Amélie Nothomb alias Fabienne Claire Nothomb (* 9. Juli 1966 in Etterbeek, Brüssel) ist eine belgische Schriftstellerin französischer Sprache.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nothomb stammt aus einer großbürgerlichen, in den Adelstand erhobenen, frankophonen belgischen Politikerfamilie. Sie verbrachte als Tochter des belgischen Diplomaten Baron Patrick Nothomb ihre ersten fünf Lebensjahre in Japan. Nach weiteren durch den Beruf des Vaters bedingten langjährigen Aufenthalten in China, New York, Burma und Laos kam sie im Alter von 17 Jahren erstmals nach Europa. Sie studierte Romanistik an der Université Libre de Bruxelles. Nach dem Abschluss kehrte sie nach Tokio zurück und arbeitete in einem Großunternehmen. Die Erfahrungen dieser Zeit dienten ihr später als Grundlage für ihren Roman Mit Staunen und Zittern (1999).

1992 kehrte Nothomb nach Belgien zurück und veröffentlichte ihr erstes Buch Die Reinheit des Mörders. Bereits mit diesem Erstlingswerk begann ihre Erfolgskarriere als Schriftstellerin, der sie sich fortan hauptberuflich widmen konnte.

Sie ist eine Vielschreiberin und veröffentlicht jährlich einen Roman. Von den bis 2009 erschienenen 17 Werken hatten fünf autobiografischen Charakter, in denen eine Identität von Autorin, Erzählerin und Protagonistin gegeben scheint. Sie schreibt aber auch ihrem Erstlingswerk, in dem das Mädchen Léopoldine die ersten Anzeichen der Pubertät mit Magersucht zu unterdrücken sucht, autobiografische Züge zu. An der autobiografischen Glaubwürdigkeit Nothombs darf der Leser allerdings auch zweifeln.[1] Ihre bevorzugte Schreibform ist der Dialog, in dem das Gegenüber übertrumpft und gedemütigt werden soll, bis es auf dem Boden kriecht, wie schon der Protagonist Prétextat Tach in Die Reinheit des Mörders. Ob in diesem Dualismus das Tugendhafte und Schöne über das Schändliche und Hässliche siegt, ist allerdings am Ende nicht ausgemacht, die Journalistin Nina wird zur Mörderin Tachs, in Reality Show beendet die Böse, nicht die Tugendhafte, die mörderische Schau.[1]

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

WerkeBearbeiten

Alle deutschen Ausgaben sind im Diogenes Verlag, Zürich, erschienen.

  • Hygiène de l’assassin. 1992 (deutsch: Die Reinheit des Mörders, 1994)
  • Le Sabotage amoureux. 1993 (deutsch: Liebessabotage, 1995)
  • Légende un peu chinoise. 1993
  • Les Combustibles (Theaterstück), 1994
  • Les Catilinaires. 1995 (deutsch: Der Professor, 1997)
  • Péplum, 1996
  • Attentat, 1997 (deutsch: Attentat, 2006)
  • Mercure, 1998 (deutsch: Quecksilber, 2001)
  • Stupeur et tremblements, 1999 (deutsch: Mit Staunen und Zittern, 2000)
  • Le Mystère par excellence, 1999
  • Métaphysique des tubes, 2000 (deutsch: Metaphysik der Röhren, 2002)
  • Brillant comme un casserolle, 2000
  • Cosmétique de l’ennemi, 2001 (deutsch: Kosmetik des Bösen, 2004)
  • Aspirine, 2001
  • Sans nom, 2001
  • Robert des noms propres, 2002
    • In Deutsch: Im Namen des Lexikons. 2003
  • Antéchrista. 2003
  • L’Entrée du Christ à Bruxelles. 2004
  • Biographie de la faim. 2004 .
    • in Deutsch: Biographie des Hungers. 2009
  • Acide sulfurique. 2005
    • in Deutsch: Reality Show, 2007
  • Journal d’Hirondelle, 2006
  • Ni d’Ève, ni d’Adam, 2007
  • Le Fait du Prince. 2008
  • Le Voyage d’hiver. 2009
  • Une forme de vie, 2010
  • Tuer le père. 2011
  • Barbe bleue, 2012
    • in Deutsch: Blaubart. 2014
  • La Nostalgie heureuse. 2013
  • Pétronille. Roman. Albin Michel, 2014
  • Le Crime du comte Neville. Albin Michel, 2015 ISBN 978-2-226-31809-1
  • Riquet à la houppe. Albin Michel, 2016 ISBN 978-2-226-32877-9
  • Frappe-toi le cœur. Albin Michel, 2017 ISBN 978-2-226-39916-8

LiteraturBearbeiten

  • Colette Sarrey: Französische Schriftstellerinnen der 80er und 90er Jahre und die écriture féminine. in Wolfgang Asholt, Hrsg.: Interpretationen. Französische Literatur, 20. Jahrhundert: Roman. Stauffenburg, Tübingen 2007, ISBN 978-3-86057-909-1. S. 365ff.
  • Michel Zumkir: Amélie Nothomb de A à Z: portrait d’un monstre littéraire. Le Grand Miroire, Brüssel 2007, ISBN 978-2-87415-798-1.
  • Susanne Rossbach: Verbale Machtspiele zwischen Grausamkeit und Esprit. Das Werk der exzentrischen Graphomanin Amélie Nothomb, in: Roswitha Böhm (Hrsg.): Observatoire de l’extrême contemporain: Studien zur französischsprachigen Gegenwartsliteratur. Narr, Tübingen 2009, S. 295–305.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Amélie Nothomb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Susanne Rossbach: Verbale Machtspiele, 2009, S. 295–305
  2. Franck Hermann: Amélie Nothomb, appelez-la Madame la Baronne. Radio Monaco, 19. Juli 2015, abgerufen am 1. Dezember 2016 (französisch).