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Die Altstadt von Toruń (Zespół staromiejski Torunia) in der nordpolnischen Stadt Toruń ([ˈtɔruɲ] Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i; deutsch Thorn) wurde von der UNESCO 1997 zum Weltkulturerbe erklärt. Bis auf einen Straßenzug aus dem späten 19. Jahrhundert ist fast die gesamte Bebauung mittelalterlich. Der historische Bereich besteht aus der Altstadt (Stadtrecht 1231/33) und der als eine Handwerkersiedlung entstandenen Neustadt (Stadtrecht 1246). Zwischen beiden liegt die Ruine des Schlosses des Deutschen Ordens.

Altstadt von Toruń
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem

Dzielnica staromiejska w Toruniu jpg.DSCN7296ps.jpg
Altstadt mit Dom St. Johannes
Staatsgebiet: PolenPolen Polen
Typ: Kultur
Kriterien: (ii, iv)
Referenz-Nr.: 835
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1997  (Sitzung 21)

Inhaltsverzeichnis

Thorn im MittelalterBearbeiten

Gründung und VerlegungBearbeiten

1231 wurde in Alt-Thorn (heute Stary Toruń/Starotoruńskie Przedmieście) eine Siedlung des Deutschen Ordens als eine der ersten im Kulmer Land angelegt. Der Name war möglicherweise von der Kreuzfahrerfestung Toron im Heiligen Land übernommen worden. Am 28. Dezember 1233 wurde dieser das Stadtrecht mit der Kulmer Handfeste verliehen, als erster Stadt in Preußen. Deutsche Siedler kamen aus Westfalen.

1236 wurde der Ort etwa 7,5 Kilometer weiter östlich verlegt, wahrscheinlich wegen einer zu feuchten Lage.[1] Es wurden erste Kirchen erbaut. Bereits um 1239/41 kamen Franziskaner in die Stadt, in deren Kloster 1243 die kirchliche Verwaltungsaufteilung Preußens auf einer Synode beschlossen wurde. 1260 wurde die Burg Thorn erbaut. 1263 entstanden ein Dominikaner- und ein Zisterzienserinnenkloster. 1264 wurde die Neustadt gegründet, mit eigenem Stadtrat und eigenem Wappen.[2]

 
Rathaus in Toruń, begonnen im 13. Jahrhundert

Hansestadt und Auseinandersetzungen mit dem Deutschen OrdenBearbeiten

Im 14. Jahrhundert trat Thorn der Hanse bei, wie auch Elbing, Danzig, Königsberg und Kulm. Seit 1367 gehörte es zur Kölner Konföderation der Hanse. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und dem Deutschen Orden, der den Handel kontrollieren wollte. Im Ersten Frieden von Thorn 1411 wurden Vereinbarungen zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden getroffen. Thorn schloss sich 1440 mit anderen Städten zum Preußischen Bund zusammen. 1454 wurde die Ordensburg in Thorn von der Stadt erobert und zerstört. In diesem Jahr wurden Altstadt und Neustadt zu einer Stadt zusammengelegt.

Nach dem Zweiten Frieden von Thorn von 1466 kam die Stadt zum Königreich Polen in Preußen Königlichen Anteils.

Als Sohn einer Kaufmannsfamilie wurde 1473 der berühmteste Sohn der Stadt, der spätere Astronom Nikolaus Kopernikus, geboren. In Thorn besuchte er die Johannis-Schule, eine Lateinschule an der St.-Johannis-Kirche in der Altstadt.[3]

Baudenkmale der AltstadtBearbeiten

 
Altstädtisches Rathaus
 
Dom St. Johannes
 
Marienkirche, von Norden aus gesehen (2005)
 
Jakobskirche, die Pfarrkirche der Neustadt

Mittelalterliche KirchenBearbeiten

  • Dom St. Johannes, Kathedralkirche, dreischiffige gotische Backsteinbasilika, 15. Jahrhundert, mit Kapellen, Gemälden, Epitaphen und Tuba Dei, der zweitgrößten Glocke Polens
  • Marienkirche, gotische Backsteinhallenkirche, 14. Jahrhundert
  • Jakobskirche, gotische Hallenkirche, 1309 erbaut, Pfarrkirche der Neustadt
  • Nikolaikirche

Altstädtisches RathausBearbeiten

Der große Bau auf dem Altstadtmarkt in der Backsteingotik wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im Laufe der Jahre bis ins 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut. Im 19. Jahrhundert wurde das Rathaus um eine Etage aufgestockt, so einfühlsam, dass dies nur Eingeweihten auffällt. Früher war es ein Verwaltungs- und Handelszentrum, gegenwärtig befindet sich dort das Heimatmuseum. Zum Rathaus gehört ein 40 Meter hoher Turm, der zur Stadtbesichtigung zugänglich ist. Das Gebäude ist das architektonische Vorbild für das Berliner Rathaus. Vor dem Rathaus stehen ein Nikolaus-Kopernikus-Denkmal und die Darstellung eines der Flissaken (Weichselflößer), die bis ins frühe 20. Jahrhundert auf den Stufen des Kopernikusdenkmals Rast machten.

Ruine der Burg des Deutschen OrdensBearbeiten

 
Ordensburg, der restaurierte Bauteil ist der Dansker (Abort- und Verteidigungsturm)

Die Ruine der Ordensburg (Ruiny Zamku Krzyżackiego) aus dem 14. Jahrhundert liegt zwischen Altstadt und der ebenfalls mittelalterlichen „Neustadt“. Die ältesten Gebäudeteile wurden archäologisch um 1240 datiert. Die Burg hat eine ungewöhnliche Dreiecksform mit östlich vorgelagertem Dansker, der als Wehrturm, aber auch mit der Brücke über dem Kanal als Toilette diente.

Weitere Bauten bis zum 17. JahrhundertBearbeiten

 
Schiefer Turm in Thorn
  • Artushof
  • Junkerhof
  • Das „Esken-Palais“, auch „Roter Speicher“, wegen der roten Backsteine genannt, stammt von 1590. Das Palais wurde im 19. Jahrhundert zum Speicher umgebaut
  • Das „Nikolaus-Kopernikus-Museum“, im Stil der Backsteingotik im 14. Jahrhundert erbautes Giebelhaus, in dem 1473 Kopernikus geboren wurde.
  • verschiedene Kornspeicher vom 14. bis 17. Jahrhundert
  • Verteidigungssystem aus dem 13. und 14. Jahrhundert mit Stadtmauer, einigen Basteien, Türmen und Stadttoren:
    • Nonnentor
    • Seglertor
    • Brückentor[4], auch Fährtor genannt
    • Schiefer Turm
    • Junkerhof
    • Bastei Monstranz
    • Bastei Katzenkopf.
 
Polnische Grenzfestung Dybów (dt.: Burg Dibau)

Baudenkmale seit dem 17. JahrhundertBearbeiten

  • Heilig-Geist-Kirche, dreischiffiges spätbarockes Bauwerk, ehemals evangelische Stadtpfarrkirche. Wegen der städtischen Auflagen wurde der Kirchturm erst Ende des 19. Jahrhunderts neobarock ergänzt. Seit 1945 ist die Kirche im Besitz der Jesuiten.
  • Dambski-Palais, erbaut 1693 im Barockstil als Sitz des Bischofs. Mit reichen Fassadengliederungen und figürlichen Elementen
  • Dreifaltigkeitskirche (Kościoł św. Trójcy), erbaut 1818–24, evangelisch-lutherische Kirche bis 1927, heute kulturell genutzt
  • „Haus zum Stern“ am Altstadtmarkt, barockes Bürgerhaus des 15. Jahrhunderts, eines der besterhaltenen Gebäude dieser Epoche mit filigraner Fassadengestaltung.
  • Stadttheater (Teatr im. Wilama Horzycy), erbaut 1903–1904 von dem Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer
  • Befestigungsringe im Stadtvorfeld von 1824 und 1910 mit 12 Forts
  • Sanktuarium der Jungfrau Maria Stern der Neuevangelisierung und des Hl. Johannes Paul II.

MuseenBearbeiten

  • Stadtmuseum im Altstadtrathaus Muzeum Okręgowe – Ratusz Staromiejski, Adresse: Rynek Staromiejski 1
    Zum Stadtmuseum gehören folgende Sehenswürdigkeiten in der Stadt:
    • Ruine der Burg des Deutschen Ordens (Ruiny Zamku Krzyżackiego) in der Przedzamcze-Straße
    • Kopernikus-Haus Dom Kopernika in der Kopernika-Straße 15/17
    • Esken-Palais Czerwony Spichrz, war Sitz der angesehenen Thorner Bürgerfamilie
      Die Familie wurde von Erasm Esken, der im 15. Jahrhundert aus Friesland nach Thorn gekommen war, gegründet. Seit den 1990er Jahren ist es Museum für Stadtgeschichte.
  • Völkerkunde-Museum Muzeum Etnograficzne mit einem Artillerie-Zeughaus von 1824 am Rande der Altstadt in einer Parkanlage
    Es ist eine Freiluftsammlung von historischen bäuerlichen Holzgebäuden, überwiegend im 18. und 19. Jh. in Pommern entstanden und nun hier aufgestellt. Adresse: Wały, gen. Sikorskiego-Straße 19
  • Universitätsmuseum für Naturkunde in der Gagarina-Straße 9, präsentiert Ausstellungen zu den Themenbereichen:
    • Fauna- und Florasammlungen mit Exponaten aus aller Welt
    • Erdgeschichte
    • Zoologie mit Tierexponaten, unter anderem eine Überseefischzucht von Buntbarschen
  • Freilichtmuseum der Panzerfortifikation Festung Thorn
  • Pfefferkuchen-Museum (Muzeum Toruńskiego Piernika).

Baudenkmale außerhalb der AltstadtBearbeiten

  • Burg Dibau (Zamek Dybów), auf dem linken Weichselufer 250 m westlich der Piłsudski-Brücke. Erbaut wurde die 40 mal 50 m große Anlage 1424–1428 unter Władysław II. Jagiełło als polnische Grenzfestung in gut einem Kilometer Abstand schräg gegenüber der 800 m flussaufwärts gelegenen Ordensburg.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mittelalterliche Altstadt von Toruń – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anton Friedrich Büsching: Auszug aus einer Erdbeschreibung. Erster Theil, welcher Europa und den nordlichen Theil von Asia enthält. Hamburg 1771, S. 162–166.
  2. Zur Neustadt Julius Emil Wernicke (Hrsg.): Karl Gotthelf Praetorius: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Stadt Thorn. Band 1. Thorn 1832 S. 345ff.
  3. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 81–82
  4. Historische Ansichtskarte des Brückentores, abgerufen am 26. Oktober 2015.

Koordinaten: 53° 2′ N, 18° 37′ O