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Altstädter Rathaus (Dresden)

Historische Sitz des Dresdner Rats am Altmarkt in Dresden
Rathaus am Dresdner Altmarkt, 1910.
Entwurf zur Fassade des Altstädter Rathauses von Johann Christoph Knöffel

Das Altstädter Rathaus war der historische Sitz des Dresdner Rats am Altmarkt. Namentlich hob sich das in der Inneren Altstadt gelegene Rathaus von jenem auf der anderen Elbseite, dem Neustädter Rathaus ab, das auch nach der Eingemeindung Altendresdens eine städtische Nutzung erfuhr. Seit der Errichtung des Neuen Rathauses (1905–1910) wurde das Altstädter Rathaus auch als „Altes Rathaus“ bezeichnet.

GeschichteBearbeiten

 
Altstädter Rathaus, Fassadendetails

Das älteste bekannte Rathaus Dresdens stand an der Nordwestecke des Altmarkts. Nachdem das Gebäude 1707 abgebrochen werden musste, erwarb der Rat 1709 mit Zustimmung des Kurfürsten Friedrich August I. an der Westseite des Marktes das gräflich Taubische Haus an der Ecke Scheffelgasse (ehemals Große Webergasse). Wegen Baufälligkeit des Gebäudes wurde 1740 ein Neubau notwendig, der an gleicher Stelle erfolgen sollte. Johann Christoph Knöffel lieferte den Entwurf, der 1741 bis 1745 vom Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre ausgeführt wurde.

Nachdem die Verwaltungsstellen der Stadt Dresden in das Neue Rathaus umgezogen waren, nutzte ab dem 1. Oktober 1910 die erst 1906 gegründete Städtische Straßenbahn zu Dresden (bzw. ihre Nachfolgeunternehmen) das Gebäude: Alle bis dahin dezentral untergebrachten Verwaltungsstellen fanden hier ihren Platz.[1] Die Nutzung endete mit der Zerstörung Dresdens in den Angriffen des 13.–15. Februar 1945.

 
Blick von der Kreuzkirche zur westlichen Altmarktseite (1950): Die Loren der Trümmerbahn zeigen auf die Ruine eines dreiachsigen Gebäudes. Links davon stand das Alte Rathaus, das hier bereits weitgehend abgetragen ist.
 
An den Nachfolgebauten der 1950er Jahre ist in etwa der Standort des Altstädter Rathauses durch das Dachtürmchen markiert. Auch das Haus Altmarkt auf der gegenüberliegenden Seite nimmt teilweise die Formensprache des Rathauses auf.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, so dass die Rekonstruktion laut einer 1946 erfolgten Schätzung 1,3 Millionen RM gekostet hätte. Kurt W. Leucht äußerte in einer Besprechung vom 3. November 1948 im Landesamt für Denkmalpflege, dass er aufgrund der Beschädigung eine Rekonstruktion für unmöglich halte. Einer beabsichtigten Bergung der historisch wertvollen Balkongitter im Februar 1949 kamen Diebe zuvor.[2] Die Ruine wurde schließlich „Opfer der Altmarktenttrümmerung nach 1949“.[3]

ArchitekturBearbeiten

Die Fassade des Neubaus war dreizehn Achsen lang und durch zwei dreifenstrige Vorlagen gegliedert. Die ersten beiden Obergeschosse erhoben sich über einem putzgequaderten Sockelgeschoss (Nutung) und waren durch Lisenen zusammengefasst, das darauf befindliche dritte Obergeschoss – ein Halbgeschoss, dessen Fenster Stichbogenabschlüsse aufwiesen – war durch ein breites Gurtgesims von den beiden unteren Geschossen getrennt.

Besonders die dekorativen Schmuckstücke wie Balkone und Trophäenschmuck der Risalite erschienen laut Fritz Löffler als „charakteristisch für Knöffel“.[4]

Besonders betont wurden die beiden seitlichen dreifenstrigen Risalite. Über den Rundbogenfenstern des ersten Geschosses befanden sich Kartuschen, in denen in goldenen Lettern „Soli Deo Gloria“ (Allein zur Ehre Gottes) bzw. „Salus publica suprema Lex“ (Das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz) zu lesen war. Sie waren mit dekorativem Schmuck und Medaillons des Kurfürsten Friedrich August I. und seiner Gemahlin Maria Josepha von Johann Benjamin Thomae geschmückt. Vor den Fenstern des ersten Geschosses der Risalite befanden sich vorkragende Balkone mit vergoldeten schmiedeeisernen Gitterwerken. Des Weiteren waren die Risalite in der Dachzone mit Kartuschen, Trophäenschmuck und königlichem Wappen geschmückt, die auf einem breiten Sockel in der Dachzone aufgesetzt waren. Auf dem Dach befand sich ein zierlicher Dachreiter mit Uhr.[5]

Kunstgeschichtliche BedeutungBearbeiten

Laut Fritz Löffler zählte „Knöffels Fassade zum Rathaus […] zu seinen besten Werken“.[4] Laut der Liste „Kunsthistorisch wertvoller Gebäude in der Stadt Dresden – Befund nach dem Terrorangriff vom 13. Februar 1945, aufgestellt von der Städtischen Bauverwaltung – Baurat Rühle“ wurde der Profanbau als „Altes Rathaus am Altmarkt“[6] bezeichnet und als ein im städtischen Besitz befindliches Baudenkmal aufgeführt.

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3, S. 122, 202, 245, 280, 281, 285, 302, 303, 346, 350, 376, 378, 380, 403.
  • Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden. Verluste historischer Bausubstanz nach 1945. 2. ergänzte Auflage. Forum Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-86151-047-2, S. 49 f., 60, 235, 237, 243, 61.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altstädter Rathaus am Altmarkt, Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dresdner Verkehrsbetriebe (Hrsg.): Von Kutschern und Kondukteuren – Die 135jährige Geschichte der Straßenbahn in Dresden., Junius, Dresden 2007, ISBN 978-3-88506-018-5, S. 64.
  2. Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden. Verluste historischer Bausubstanz nach 1945. 2. ergänzte Auflage. Forum Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-86151-047-2, S. 60.
  3. Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden. Verluste historischer Bausubstanz nach 1945. 2. ergänzte Auflage. Forum Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-86151-047-2, S. 49.
  4. a b Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3, S. 281.
  5. vgl. Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3, S. 281, 302 Objektnummer 376 (Das Rathaus mit Altmarkt).
  6. Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden. Verluste historischer Bausubstanz nach 1945. 2. ergänzte Auflage. Forum Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-86151-047-2, S. 235.

Koordinaten: 51° 2′ 59″ N, 13° 44′ 12″ O