Hauptmenü öffnen

Altes Schloss Bayreuth

unregelmäßige Anlage um einen geschlossenen Binnen- und einen zur Maximilianstraße hin offenen Ehrenhof, Gründung des 14./15. Jahrhunderts
Altes Schloss mit Ehrenhof: links das Denkmal für Maximilian II., rechts der Durchgang zum inneren Hof und zur Schlosskirche (2013)

Das Alte Schloss in Bayreuth wurde 1455 erbaut und war von 1603 bis 1753,[1] vor dem Umzug ins Neue Schloss Mitte des 18. Jahrhunderts, Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Heute ist das Gebäude an der Maximilianstraße Teil der Historischen Innenstadt Bayreuths und dient seit 1953 als Sitz des Finanzamts.[2] Das Gebäude ist nicht zu verwechseln mit dem Alten Schloss in der Bayreuther Eremitage.

GeschichteBearbeiten

 
Altes Schloss mit dem Markgrafenbrunnen im Ehrenhof, frühes 18. Jahrhundert
 
West- und Nordflügel um 1910
 
Äußerer Hof (Ehrenhof) mit Maximiliansdenkmal am einstigen Standort des Markgrafenbrunnens, dahinter der Durchgang zum inneren Hof, um 1910

Bereits im 13. Jahrhundert oder früher soll sich an der Stelle ein Amtssitz befunden haben. Vermutlich entstand das Anwesen aber erst, nachdem bereits ein Marktplatz und Bürgerhäuser vorhanden waren.[3] Von dort leiteten die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach (mit der Residenz Plassenburg) bei einem Besuch in der Stadt ihre Geschäfte. Das fortifikatorisch an günstiger Stelle gelegene Bauwerk könnte aber auch bereits für die Gründung bzw. Verlegung der Siedlung eine Rolle gespielt haben. Noch im 17. Jahrhundert sprachen zeitgenössische Quellen von der „Burg“ Bayreuth.[4]

Markgraf Christian (1603–1655) verlegte zu Beginn seiner Regierungszeit seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth in das Schloss. Nach einem Stadtbrand 1621 konnte die Herrschaft mehrere anliegende Häuser aufkaufen. Hofbaumeister Michel Mebart führte nach 1600 den Marstallbau und die erdgeschossigen Anlagen des Kurfürstenbaus sowie des Ost- und Nordflügels um den alten Ehrenhof (heutiger innerer Hof) aus. Elias Gedeler leitete später die Arbeiten, während derer die Flügel um den Innenhof zur Dreigeschossigkeit erhöht wurden. Ab 1691 erfolgte die Vereinheitlichung sämtlicher Hoffassaden durch Vorblenden von Arkaden- und Pilastergliederung nach dem Entwurf von Charles Philippe Dieussart, vollendet von Leonhard Dientzenhofer. Ende des 17. Jahrhunderts bestand das Bauwerk in einer Vierflügelanlage, die den heutigen inneren Hof umschloss. Von diesen Bauteilen steht nur noch der achteckige Turm, der ab 1565 von Caspar Vischer errichtet wurde.[5]

Markgraf Christian Ernst (1644–1712, Markgraf ab 1655) ließ den Baumeister Leonhard Dientzenhofer die Gebäude um den Schlosshof erweitern,[6] insbesondere um einen weiteren Nord- und einen Westflügel.[7] Die sechs Bürgerhäuser in der vorderen Reihe wurden seit dem Stadtbrand von 1621 nach und nach von den Markgrafen aufgekauft und abgebrochen, wodurch der Ehrenhof zum Markt hin geöffnet wurde.[8]

Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert eine Folge dieser Baumaßnahme, die einheitliche Fassadenform in den Farben weiß, rot und ockergelb.[1] Im großen Saal ließ Christian Ernst eine Theaterbühne einbauen, wo deutsche und italienische Opern sowie Komödien von Molière aufgeführt wurden.[9] Ab 1668 ließ er im alten Ostflügel eine Kapelle errichten. Die beiden zur Stadt hin gelegenen Flügel (Südflügel und südlicher Ostflügel) wurden unter Christian Ernsts Nachfolger Georg Wilhelm durch Paul Decker angebaut.[10]

1697 bis 1702 wurde das Alte Schloss im italienischen Stil umgebaut. In den Jahren 1699 bis 1705 schuf der Hofbildhauer Elias Räntz den Markgrafenbrunnen, mit dem sich Christian Ernst ein Denkmal für seine Beteiligung an der Befreiung Wiens von der Belagerung durch die Türken setzen ließ. Der Brunnen stand bis 1748 im äußeren Hof (Ehrenhof) des Alten Schlosses und wurde in jenem Jahr an die Reitbahn, einen freien Platz westlich des Hofgartens vor den Toren der Stadt, versetzt.[8]

Ein Brand zerstörte im Januar 1753 die Residenz,[1] woraufhin im Auftrag von Friedrich III. (Markgraf 1735–1763) und dessen Frau Wilhelmine das Neue Schloss mit angeschlossenem Hofgarten in der Ludwigstraße erbaut wurde.[2] Mit dem Wiederaufbau entstand im Osten in unmittelbarer Nachbarschaft die Schlosskirche Bayreuth dort, wo sich zuvor schon die Schlosskapelle befunden hatte. An der Stelle befindet sich auch die markgräfliche Grablege.

Der alte Nordflügel, zwischen 1594 und 1599 von Jakob Frauler ausgebaut und einheitlich mit Renaissancegiebeln versehen, und das von Elias Räntz und Paul Decker geschaffene zweigeschossige Prunkportal wurden nach dem Brand nicht wiederhergestellt. Heute befinden sich dort das Gontard-Haus und das Palais d’Adhémar,[5] beide Gebäude wurden zwischen 1759 und 1761 von Carl von Gontard errichtet.

 
Das Alte Schloss als Brandruine 1946

Der Wiederaufbau zog sich bis in die 1860er Jahre hin.[10] Das Alte Schloss diente in der Folge verschiedenen Behörden wie dem Hauptzollamt, der Kanzleibibliothek, der Gendarmerie, dem Messungsamt, sowie dem Straßen- und Flussbauamt als Sitz. Nach dem Verkauf des Fürstentums Bayreuth an das Königreich Bayern im Jahr 1810 beherbergte der Südflügel an der Ecke zum Schloßberglein das Königliche Landgericht mit dem Schwurgericht und der Staatsanwaltschaft.[11] In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Gebäude vorübergehend Dienststellen der NSDAP-Ortsgruppe untergebracht. Bei einem Luftangriff am 11. April 1945 geriet der Mittelbau des Alten Schlosses in Brand, wobei dessen Dachstuhl und das oberste Stockwerk ausbrannten. Beim Einrücken der amerikanischen Soldaten am 14. April verbrannte die SS im Messungsamt belastende Dokumente.[12] Das Feuer giff auf das gesamte Gebäude und die westlich angrenzenden Häuser über.[13] Der West- und der Nordflügel des Alten Schlosses wurden bis auf die Außenmauern vernichtet, der zwischen den Höfen liegende Flügel wurde stark zerstört.[14]

Von 1950 bis 1954 wurde der Wiederaufbau durchgeführt, das Richtfest wurde im Oktober 1952 gefeiert.[15] Der westliche Teil konnte 1953 (Bezug durch das örtliche Finanzamt), der östliche ein Jahr darauf fertiggestellt werden. Die Räumlichkeiten im zweiten Stock wurden durch das Landbauamt (bis November 1974) und das Rechnungsprüfungsamt (bis September 1975) genutzt. Seit Oktober 1975 hat im Schloss nur noch das Finanzamt seinen Sitz.[2]

SchlossturmBearbeiten

 
Der Fahrweg des Schlossturms verläuft spiralförmig um die Wendeltreppe in dessen Kern

Am achteckigen Schlossturm ist einzigartig, dass sich um den Wendelaufgang für Fußgänger im Turmkern eine stufenlose Straße für den Lastenverkehr windet. Sein Hauptzweck war nämlich, als hohe Geschützplattform für die Verteidigung von Stadt und Schloss zu dienen.[5]

1960 wurde der Schlossturm zum Glockenturm der Schlosskirche. Das auf der Spitze des Turms angebrachte goldene Kreuz stammt aus dem Jahr 1964. Der katholische Stadtpfarrer ließ es eigenmächtig, unter Umgehung des Stadtrats und gegen dessen Einwände, Ende Mai jenes Jahres anbringen.[16]

VeranstaltungenBearbeiten

In den Sommermonaten wird der Ehrenhof als Veranstaltungsort für Freiluftveranstaltungen genutzt,[17] ab Oktober bis Weihnachten steht dort die gastronomische Lokalität „Bayreuther Winterdorf“.[18]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altes Schloss Bayreuth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Bayreuth - Altes Schloss. www.markgrafenkultur.de, 2018, abgerufen am 28. März 2018.
  2. a b c Finanzamt Bayreuth: Geschichte. www.finanzamt.bayern.de, 9. Juni 2017, abgerufen am 28. März 2018.
  3. Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 30.
  4. Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten. 1. Auflage. Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-0809-8, S. 28.
  5. a b c Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 97.
  6. Bernd Mayer: Geheimnisvolles Bayreuth. 1. Auflage. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1297-4, S. 4.
  7. Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 31.
  8. a b Der Markgrafenbrunnen am Neuen Schloss bei markgrafenkultur.de, abgerufen am 6. Juli 2019
  9. Eva-Maria Bast, Heike Thissen: Bayreuther Geheimnisse. 1. Auflage. Bast Medien Service, Überlingen 2014, ISBN 978-3-9816796-1-8, S. 151.
  10. a b Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 98.
  11. Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth. 1. Auflage. Ellwanger, Bayreuth 2001, ISBN 3-925361-39-1, S. 19 f.
  12. Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 212 f.
  13. Bernd Mayer: Bayreuth April 1945. 1. Auflage. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2004, ISBN 3-8313-1463-2, S. 40.
  14. Kurt Herterich: Im Herzen von Bayreuth. Ellwanger, Bayreuth 2005, ISBN 978-3-925361-51-7, S. 48.
  15. Bernd Mayer: Bayreuth im zwanzigsten Jahrhundert, S. 96.
  16. Eva-Maria Bast, Heike Thissen: Bayreuther Geheimnisse, S. 21 ff.
  17. Auf ein Neues: Klassische Musik umsonst und draußen. www.bayreuth.de, 23. Juni 2016, abgerufen am 28. März 2018.
  18. Willkomen im Bayreuther Winterdorf. www.bayreuther-winterdorf.de, 2018, abgerufen am 28. März 2018.

Koordinaten: 49° 56′ 39,3″ N, 11° 34′ 35,7″ O