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Altenstadt (Hessen)

hessische Gemeinde im Wetteraukreis

GeografieBearbeiten

Altenstadt liegt naturräumlich in der Heldenbergener Wetterau.

NachbargemeindenBearbeiten

Altenstadt grenzt im Norden an die Stadt Florstadt und Gemeinde Glauburg, im Osten an die Stadt Büdingen, im Südosten an die Gemeinde Limeshain (alle vier im Wetteraukreis), im Südwesten an die Stadt Nidderau (Main-Kinzig-Kreis), sowie im Westen an die Stadt Niddatal (Wetteraukreis).

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde gehören seit der Gebietsreform in Hessen die Ortsteile Altenstadt, Heegheim, Höchst an der Nidder, Lindheim, Enzheim, Oberau, Rodenbach und Waldsiedlung. Außerdem gehören zur Gemeinde Altenstadt noch das etwas außerhalb liegende Kloster Engelthal und Oppelshausen, das aus einigen Häusern und einem großen Golfplatz besteht.

GeschichteBearbeiten

Das römische MilitärlagerBearbeiten

Seit der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts war Altenstadt Garnisonsort eines unbekannten Numerus (siehe Hauptartikel: Kastell Altenstadt). Er war zuerst in einem knapp einem Hektar großen Kastell stationiert. Es war rechteckig und hatte eine Umwehrung aus Holz und Erde und war von einem Graben umgeben. Ein Tor und ein Eckturm sind bekannt. Von den Innenbauten kennt man Spuren verschiedener Gebäude. Wohl um 135 n. Chr. wird dann ein neues Kastell errichtet. Es hatte wohl mehr als 1 ha Größe und eine Umwehrung aus Rasensoden. Die Nordhälfte des Kastells war etwas nach Westen versetzt. Die Anlage besaß vier Tore, Ecktürme und war umgeben von einem Graben. An Innenbauten sind ein unterkellerter Vorratsbau und Reste der Principia, des Kommandantenhauses und einer Mannschaftsbaracke bekannt.

Um das Jahr 150 ist ein 1,5 Hektar großes (132 m × 114 m) Steinkastell von rechteckigem Grundriss mit vier Toren, Ecktürmen und zahlreiche Zwischentürmen errichtet worden. Zwei Gräben umgaben das Kastell. Von der Innenbebauung kennt man ein Wasserbecken und Reste der Principia, des mutmaßlichen Kommandantenhauses, von Mannschaftsbaracken und weiteren Gebäuden. Vor der Stationierung des Numerus befanden sich an gleicher Stelle zwei kleine Kastelle. Sie besaßen eine Umwehrung aus Holz und Erde sowie einem Graben. Das Lagerdorf erstreckte sich nach allen Seiten.

Die römischen Militäranlagen in Altenstadt hatten offensichtlich die Aufgabe, einen wahrscheinlich schon vorrömischen Weg zu sperren, der an der Nidder entlang in den Vogelsberg und weiter nach Fulda führte, sowie den nur 5 km entfernten Glauberg zu überwachen, der in vorrömischer Zeit der Sitz eines Keltenfürsten gewesen war und auf dem nach dem Rückzug der Kelten die Germanen siedelten. Die Römer duldeten aber weder Kelten noch Germanen auf irgendwelchen Höhensiedlungen in oder am Rande ihres Herrschaftsbereiches. Heute ist das Kastellareal fast restlos überbaut. Die Geschichte der Fortifikation ist ziemlich kompliziert, da sie sich im Laufe der Jahre von einer kleinen Schanze zu einem Numeruskastell (Numerus = Einheit von etwa 150 Mann) entwickelte. Das Kastell wurde zweimal zerstört: in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts und beim großen Alamanneneinfall um 233 n. Chr. Ein Inschriftenstein aus dem Jahr 242 n. Chr., der bereits 1603 aus einem Brunnen geborgen wurde, lässt vermuten, dass das Kastell bis zum Ende des Limes im Jahre 260 n. Chr. besetzt gewesen war.

Ortsgeschichte seit dem MittelalterBearbeiten

Urkundlich wurde Altenstadt erstmals im Juni 767 im Lorscher Codex als Aldenstat, Altunstaten und Aldunstater marca erwähnt.[2] Altenstadt gilt damit als die älteste Gemeinde Oberhessens.

Sie gehörte im Heiligen Römischen Reich zum Freigericht Kaichen, das im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Burggrafschaft Friedberg kam. Mit dieser fiel es 1806 an Hessen-Darmstadt.

Im Ortsteil Lindheim gab es 24 Hexenprozesse von 1598 bis 1664. Die meisten Opfer der Hexenverfolgung starben 1663 und 1664.[3]

Am 1. August 1972 erfolgten die Auflösung des Landkreises Büdingen, die Gemeinde Altenstadt kam so in den neuen Wetteraukreis.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Höchst a. d. Nidder und Oberau eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Heegheim und Lindheim hinzu. Rodenbach folgte am 1. August 1972. kraft Landesgesetz.[4][5]

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[6] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[7][8]

Aufsehen erregte im September 2019 die Wahl von Stefan Jagsch (NPD) zum Ortsvorsteher von Altenstadt-Waldsiedlung durch Stimmen der SPD, CDU und FDP.[9] Vorausgegangen war dem, dass der bisherige Ortsvorsteher Klaus Dietrich (FDP) aus Verärgerung über die fehlende Unterstützung des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung von Altenstadt zurückgetreten war[10] und sich kein anderer Kandidat fand.

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
      
Insgesamt 37 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 27,3 10 33,8 13 40,7 15 40,8 15
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,5 9 32,8 12 35,9 13 37,9 14
FWG Freie Wählergemeinschaft Altenstadt 16,3 6 10,2 4 11,3 4 15,7 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 14,0 5 17,4 6 7,1 3 5,6 2
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 10,0 4 1,2 0 0,8 0
FDP Freie Demokratische Partei 7,0 3 4,6 2 4,1 2
Gesamt 100 37 100 37 100 37 100 37
Wahlbeteiligung 49,7 % 41,8 % 51,8 % 47,6 %
 
Rathaus
 
Das Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“

BürgermeisterBearbeiten

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Jahr Kandidaten Partei Ergebnis
in %
1994 Gerhard Lipp SPD 58,2
Werner Zientz CDU 15,7
Werner Neumann Grüne 9,3
Albert Dieter Hoff 6,7
Renate Künstler-Hardtmann 0,5
Udo Ehrenhardt 9,6
Wahlbeteiligung: 55,5 %
2000 Norbert Syguda SPD 59,5
Maria Baumberger CDU 40,5
Wahlbeteiligung: 48,7 %
2006 Norbert Syguda SPD 64,3
Hartmut Kinzer CDU 32,1
Dirk Waldschmidt NPD 3,6
Wahlbeteiligung: 52,0 %
2012 Norbert Syguda SPD 74,0
Sabine Lipp CDU 23,4
Daniel Knebel NPD 2,6
Wahlbeteiligung: 47,85 %

Bei der letzten Wahl am 1. April 2012 gewann der amtierende Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) mit 74,0 % gegen Sabine Lipp (CDU), welche 23,4 % erreichte, und gegen Daniel Knebel (NPD), der 2,6 % erreichte. Es ist die dritte Amtszeit von Norbert Syguda. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,85 %.

Erster Bürgermeister nach dem Krieg war Fritz Kreß (1896–1960), der von 1945 bis 1960 Bürgermeister war.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber ein rotbewehrter schwarzer Adler, die Brust belegt mit einem goldenen A.“[11]
Wappenbegründung: Das Altstaetter Ambtssiegel des 18. Jahrhunderts zeigt den einköpfigen Reichsadler, der in Verbindung mit dem Buchstaben A auch auf mehreren Grenzsteinen des 18. Jahrhunderts erscheint und (mit Herzschild) auch das Schild des seit 1667 bezeugten domanialen Gasthauses „Zum schwarzen Adler“ schmückt, da der Ort bis 1806 zum Freigericht Kaichen und mit ihm zur Reichsburg Friedberg gehörte. Um das Altenstädter Ortswappen von den zahlreichen anderen oberhessischen Adlerwappen zu unterscheiden, vereinigt das am 30. Oktober 1952 amtlich verliehene[12] Wappen den einköpfigen Adler des Siegels mit dem Gemerke der Grenzsteine.

PartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Der Bahnhof in Altenstadt

StraßeBearbeiten

Altenstadt liegt an der Bundesstraße 521 von Büdingen nach Frankfurt am Main. Über das Autobahnnetz ist die Gemeinde erreichbar über die A 45 (GießenHanau), Anschlussstelle Altenstadt.

BahnBearbeiten

Altenstadt ist täglich erreichbar mit dem Zug über die Niddertalbahn (StockheimBad Vilbel–Frankfurt am Main).

Die Stationen sind:

  • Altenstadt (Hess), Bahnhof
  • Altenstadt-Lindheim, Haltepunkt
  • Altenstadt-Höchst, Haltepunkt

ÖPNVBearbeiten

Außerdem verkehren Buslinien unter anderem nach Hanau, Friedberg und Büdingen.

Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen GmbH im Rahmen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes sicher.

RadfernwegeBearbeiten

  • Der Vulkanradweg beginnt in Höchst und führt über Altenstadt, Lindheim und Enzheim weiter über die ehemalige Bahnstrecke von Stockheim nach Lauterbach (Hessen). Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.

BildungBearbeiten

  • Gesamtschule Limesschule Altenstadt
  • verschiedene Grundschulen

Freizeit- und SportanlagenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit der Gemeinde verbundenBearbeiten

  • Boris Meinzer (* 3. Oktober 1973 in Karlsruhe) ist ein deutscher Comedian, lebt in Altenstadt-Oberau

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wilhelm Niemeyer: Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen. Elwert, Marburg 1968 (= Schriften des Hessischen Landesamtes für Geschichtliche Landeskunde. Bd. 30). S. 115.
  3. Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung von Lindheim. (PDF; 121 KB), abgerufen am 9. Mai 2016.
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352 f.
  6. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  9. Lotte Laloire, Hans-Gerd Öfinger: Wozu Alternativlosigkeit führt. In: Neues Deutschland. 8. September 2019, abgerufen am 9. September 2019.
  10. [1]
  11. Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 68.
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Altenstadt im Landkreis Büdingen, Reg.-Bezirk Darmstadt vom 30. Oktober 1952. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1952 Nr. 46, S. 847, Punkt 1146 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,3 MB]).