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Altenhaßlau (Linsengericht)

Ortsteil von Linsengericht

Geographische LageBearbeiten

Altenhaßlau liegt 145 m über NN, 1 km südlich von Gelnhausen am Haßelbach. Hauptverkehrsader durch den Ort ist die Landesstraße 2306.

GeschichteBearbeiten

1240 wurde der Ort als Hasela erstmals erwähnt. Damals vermachen Dietrich von Bardenhausen und seine Frau dem Kloster Meerholz ihre Güter in Altenhaßlau.

Das Dorf war seit dem Mittelalter über Jahrhunderte hinweg Sitz des Gerichts Altenhaßlau, aus dem sich das Amt Altenhaßlau entwickelte, das zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau und letztendlich zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch Amt und Dorf Altenhaßlau. Das führte unter anderem dazu, dass das Dorf seine Mittelpunktfunktion zunehmend an die benachbarte Stadt Gelnhausen verlor, die seit 1746 ebenfalls insgesamt zur Landgrafschaft gehörte. 1821 kam das Dorf, nunmehr im „Kurfürstentum Hessen“ genannten Hessen-Kassel gelegen, bei einer dort durchgeführten grundlegenden Verwaltungsreform zu dem neu gebildeten Landkreis Gelnhausen. Mit der hessischen Kreisgebietsreform ging dieser Landkreis dann am 1. Juli 1974 im Main-Kinzig-Kreis auf.

Am 1. September 1970 wurde Altenhaßlau mit drei weiteren Orten zur Gemeinde Linsengericht zusammengeschlossen.[2]

 
Rathaus
 
Ehemalige lutherische Reinhardskirche

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Altenhaßlau unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]

  • Hasela (1240)
  • Haselaha (1296)
  • Aldenhasela (1354)

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[4]

  • 1587: 27 Schützen, 7 Spießer, 2 Hellebarder, 1 Zimmermann = 37 Familien
  • 1632: 30 Dienstpflichtige
  • 1753: 71 christliche, 12 Jüdische Haushalte mit 240 Personen
  • 1812: 87 Feuerstellen, 460 Seelen
Altenhaßlau: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2010
Jahr  Einwohner
1812
  
460
1834
  
568
1840
  
548
1846
  
611
1852
  
588
1858
  
528
1864
  
558
1871
  
579
1875
  
617
1885
  
711
1895
  
670
1905
  
875
1910
  
906
1925
  
987
1939
  
1.156
1946
  
1.712
1950
  
1.890
1956
  
2.223
1961
  
2.679
1967
  
2.769
1970
  
2.856
1981
  
3.300
2010
  
3.932
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; 2010[1]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: 637 evangelische (= 89,59 %), 44 katholische (= 6,19 %), 30 jüdische (= 4,22 %) Einwohner
• 1961: 1853 evangelische (= 69,17 %), 782 katholische (= 29,19 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung: In goldenem Schild ein gotisches Rotes A.[5]

Das Recht zur Führung eines Wappens wurde der Gemeinde Altenhaßlau am 30. Januar 1951 durch das Hessische Innenministerium verliehen.

Frühere Darstellungen zeigten ein Schild mit einem Sparren und einem Schildhaupt, die zusammen den Buchstaben A ergaben. Später wurden beide gekürzt und zu einem gotischen A, dem Anfangsbuchstaben des Ortes vereint. Die Farben Rot und Gold gehen auf die Grafschaft Hanau zurück.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

1965 wurde eine Partnerschaft mit dem Ort St. Etienne du Bois in Frankreich eingegangen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KulturdenkmälerBearbeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Linsengericht-Altenhaßlau

BauwerkeBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftsstrukturBearbeiten

Die Landwirtschaft verlor mit der Zeit immer mehr an Bedeutung und wurde als wichtigster Arbeitgeber von der Industrie abgelöst.

BildungBearbeiten

1977 wurde ein Kindergarten gebaut und die Martinsschule im Jahre 1980. Seit 1973 gibt es in Altenhaßlau eine Sonderschule des Kreises.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Richard Bayha (* 15. März 1929 in Altenhaßlau; † 3. November 1993 in Bonn), deutscher Politiker (CDU)
  • Johannes Hassenpflug (* 9. August 1755 in Dorheim; † 9. Juli 1834 in Kassel), hessen-kasselischer Verwaltungsbeamter, Vorsteher des Amtes Altenhaßlau
  • Marie Hassenpflug (* 27. Dezember 1788 in Altenhaßlau; † 21. November 1856 in Kassel), deutsche Märchenerzählerin, wohnte bis 1789 mit ihren Eltern und Geschwistern im Amtshaus Altenhaßlau
  • Fredéric Armand Strubberg (* 18. März 1806 in Kassel; † 3. April 1889 in Altenhaßlau) war ein deutscher Amerikareisender und Schriftsteller
  • Carl Friedrich Buderus von Carlshausen (* 22. Februar 1759 in Büdingen; † 5. August 1819 in Hanau) war der Gutsherr des Ritterguts Carlshausen in Altenhaßlau und Finanzbeamter des Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, des späteren Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel.

LiteraturBearbeiten

  • Ludwig Bickell: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band 1: Alhard von Drach: Kreis Gelnhausen. Marburg 1901, S. 116–119.
  • Walter Engel: Die urkundlichen Ersterwähnungen der Linsengerichter Ortsteile in einer kurzen Zusammenfassung – Altenhaßlau – Eidengesäß – Geislitz mit Hof Eich, Großenhausen mit Waldrode – Lützelhausen. In: Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte 30 (2005), S. 4–5. ISSN 0940-4198
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 206–207.
  • Literatur über Altenhaßlau in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altenhaßlau (Linsengericht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Einwohnerzahlen Im Internetauftritt der Gemeinde Linsengericht, abgerufen im April 2016.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362.
  3. LAGIS, Historische Namensformen
  4. a b c LAGIS, Statistik
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Altenhaßlau im Landkreis Gelnhausen, Reg.-Bezirk Wiesbaden vom 30. Januar 1951. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1951 Nr. 7, S. 73, Punkt 124 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,9 MB]).