Alte Schanz (Heidenrod)

Burg in Hessen, Deutschland

Die Alte Schanz ist eine abgegangene Ringwallanlage südlich von Heidenrod-Zorn im Taunus in Hessen. Die Anlage wurde bis heute nicht tiefergehend erforscht.

Alte Schanz
Westlicher Bereich der Anlage mit Wall und Graben

Westlicher Bereich der Anlage mit Wall und Graben

Alternativname(n): Alteschanz, Zorner Schanze
Entstehungszeit: vermutlich Frühmittelalter
Burgentyp: Höhenburg, Motte
Erhaltungszustand: Burgstall, Bodendenkmal
Ständische Stellung: wahrscheinlich Fluchtburg
Ort: Heidenrod-Zorn
Geographische Lage 50° 9′ 13,4″ N, 7° 54′ 56,1″ OKoordinaten: 50° 9′ 13,4″ N, 7° 54′ 56,1″ O
Höhe: 465 m ü. NN
Alte Schanz (Hessen)
Alte Schanz

Lage und BeschreibungBearbeiten

Die Alte Schanz befindet sich ca. 600 m südlich von Zorn in einem Waldstück im Bereich einer Schonung namens Struthheck. Sie grenzt hier an ein Grabhügelfeld an, welches knapp 40 Gräber aufweist. In der topographischen Karte 5813 Nastätten ist sie fälschlicherweise als Grabhügel eingetragen. Es handelt sich bei der Schanze um das nördlichste der hier eingetragenen Gräber.

Die Anlage an sich hat einen Durchmesser von 18 m, bei kreisrunder Form. Der Wall überragt die vorhandene Grabensohle um 1,5 m bis 3,0 m. Der Graben an sich weist ca. 7,0 m Breite auf. Der Boden innerhalb des Walls ist etwa 0,3 m zum natürlichen Boden erhöht. Der Wall ist gegenüber dem Innenboden um 0,2 m bis 1,3 m erhöht.

 
Die Alte Schanz nach Cohausen

Zu vermuten ist, dass eine Brücke als Zugang angelegt war. Unwahrscheinlich ist, dass eine Mauerwerksumwallung bestand. Vielmehr ist von einer Holzumwehrung auszugehen.[1]

Im Zuge der Erschließung mit dem Rundwanderweg Zorner Runde wurde im Norden ein hölzerner Zugangssteg über den Graben angelegt.

In Richtung Zorn liegend fand Karl August von Cohausen in der Nähe der Alte Schanz Eisenschlackehalden. Nordwestlich der Anlage findet sich ein mehrere Hektar großes Abbaugebiet für Lehm und Ton.

Geschichtliche EinordnungBearbeiten

Erkundungen wurden an der Alten Schanz bis dato nicht durchgeführt, weswegen die Datierung der Anlage nur unter theoretischen Aspekten durchgeführt werden kann.

Fritz-Rudolf Herrmann ordnet die Schanze in ihrer Entstehung der Neuzeit zu.[2] Zudem existiert die Theorie, dass die Anlage im Zusammenhang mit dem preußisch-österreichischen Krieg und der Schlacht bei Zorn steht. Aufgrund des Alters der in der Schanze wachsenden Bäume (etwa 1812), wie auch der Anlagenform an sich (kein bodenebener Zugang und keine Möglichkeit für vorgespannte Geschütze zu manövrieren), ist der Zusammenhang mit der Schlacht um Zorn äußerst unwahrscheinlich.

Karl August von Cohausen vergleicht die Alte Schanz mit dem Drusenküppel, einer früh- bis hochmittelalterlichen Turmhügelburg (Motte) bei Obernhain.[3] Diese Interpretation erscheint wahrscheinlicher. Der Bauweise nach ist die Alte Schanz eine früh- bis hochmittelalterliche Turmburg. Diese Bauweise entstand am Ende des Frühmittelalters. Unter der Herrschaft von König Heinrichs I. von Sachsen wurden zum Schutz der Bevölkerung vor den das Reich bedrohenden Ungarn zahlreiche Turmburgen in unzugänglichen Wald- und Sumpfgebieten errichtet. Auf einen solchen Ursprung deutet auch die Gemarkungsbezeichnung Struthheck hin. Struth kann von dem althochdeutschen Wort Struot abgeleitet werden, was ein Sumpfgebiet bezeichnet. Auch der frühere Bezirksarchäologen Dr. Pachali ordnete die Alte Schanz dieser Zeit zu. Aktuelle Forschungen des Geographischen Instituts der Universität Mainz offenbarten in und im Umfeld der Anlage Holzkohlestücke aus dem 10. Jahrhundert.

Die in der örtlichen Bevölkerung verbreitete Vorstellung von der Alten Schanz ist die, dass es sich bei der Anlage um ein Königsgrab handelt. Dies ist aber dem Erscheinungsbild nach eine Fehldeutung, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Grab beim Bau der Anlage integriert wurde.[4]

DenkmalschutzBearbeiten

Der Bereich der Wallanlage wie auch des Gräberfeldes ist ein Bodendenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

QuellenBearbeiten

  • Topographische Karte 5813 Nastätten, herausgegeben vom hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation
  • Karl August von Cohausen Landwehren und alte Schanzen des Regierungsbezirks Wiesbaden in Nassauische Annalen 15 (1879)
  • Fritz-Rudolf Herrmann, Albrecht Jockenhövel: Die Vorgeschichte Hessens. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0458-6

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alte Schanz auf Burg Direkt
  2. Fritz-Rudolf Herrmann, Albrecht Jockenhövel: Die Vorgeschichte Hessens. S. 404.
  3. Landwehren und alte Schanzen des Regierungsbezirks Wiesbaden in Nassauische Annalen 15 (1879) S. 362 ff
  4. Homepage des Heimatvereins Heidenrod