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Alpen-Mutterwurz

Art der Gattung Mutterwurz (Ligusticum)
Alpen-Mutterwurz
Alpen-Mutterwurz (Mutellina adonidifolia)

Alpen-Mutterwurz (Mutellina adonidifolia)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Mutellina
Art: Alpen-Mutterwurz
Wissenschaftlicher Name
Mutellina adonidifolia
(J.Gay) Gutermann

Die Alpen-Mutterwurz (Mutellina adonidifolia (J.Gay) Gutermann, Syn.: Ligusticum mutellina (L.) Crantz), auch Adonisblättrige Mutterwurz genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Nach molekulargenetisch gestützten Daten durch Valiejo-Roman et al. 2006 ist die Gattung Mutellina von der Gattung Ligusticum sowie Pachypleurum zu trennen.[1]

Die Alpen-Mutterwurz kommt als einst bekannte Arzneipflanze (Volksmedizin) oft in Alpensagen und Almsegensprüchen vor. Auch besitzt die aromatisch duftende Pflanze viele Volksnamen: viele Muttern, Madaun (vgl. Madautal in Lechtaler Alpen), Matau (Bregenzerwald), Mutteli, Mutterkraut, Gamskraut, Bärenfenchel u. a.

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration aus Atlas der Alpenflora
 
Nahaufnahme eines doppeldoldige Blütenstands
 
Doppeldoldige Blütenstand

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Alpen-Mutterwurz wächst als mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 20, selten bis 50 cm. Der Stengelgrund besitzt einen typischen dichten Faserschopf. Der aufrechte Stengel selbst ist unten rund und oben oft zunehmend kantig. Die Laubblätter sind im Umriss dreieckig und doppelt bis dreifach gefiedert. Sie sind überwiegend grundständig; aber auch der Stengel besitzt meist 1-2 kleinere Laubblätter. Die Pflanze wurzelt bis über einen Meter tief.[2] Die Pflanzenteile duften aromatisch, dieser Duft bleibt selbst noch im Heu enthalten.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit reicht von Juni und August. Der doppeldoldige Blütenstand besitzt im Gegensatz zur Zwerg-Mutterwurz (Pachypleurum mutellinoides) keine (oder 1-2 hinfällige und ganzrandige) Hüllblätter und ist 7- bis 15-strahlig. Die jeweils etwa 3 mm großen fünfblättrigen Blütenkronen sind selten weiß, in der Regel jedoch purpurfarben bis rosafarben/rot. Die stets gerippte Frucht ist etwa 5 mm lang und etwas 3,5 mm dick.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[2]

VorkommenBearbeiten

Das Verbreitungsgebiet von Mutellina adonidifolia umfasst die Alpen sowie die Gebirge Süd- und Mitteleuropas. Es gibt Fundortangaben für Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Italien, Österreich, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien und die Ukraine.[3]

In den Allgäuer Alpen steigt die Alpen-Mutterwurz in Bayern an der Großen Steinscharte bis in eine Höhenlage von 2250 Meter auf.[4]

Die Alpen-Mutterwurz gedeiht meist auf frischen Böden in fetten Weiderasen, Karfluren, Hochstaudenfluren, basenreichen Silikatfelsen und in Schneetälchen in Höhenlagen von 1100 bis 3000 Metern. In Mitteleuropa kommt sie vor allem in Pflanzengesellschaften der Klasse Salicetea herbaceae vor, aber auch in feuchten Nardeten oder in Gesellschaften der Verbände Caricion ferrugineae, Caricion davallianae oder im Adenostylion.[2]

Verwendung in der KücheBearbeiten

Die Verwendung ist ähnlich frischer Petersilie. Außerdem wird sie zum Würzen von Käse genutzt. Der Extrakt der Wurzel ist fester Bestandteil von zahlreichen Kräuterlikören und -schnäpsen. Auch die als „Bärwurz“ bekannte Spirituose aus dem Bayerischen Wald verdankt bei einigen Herstellern ihr charakteristisches Aroma der Alpen-Mutterwurz und nicht der Bärwurz (Meum athamanticum), wie oft fälschlich behauptet wird.

FutterpflanzeBearbeiten

Die Alpen-Mutterwurz gehört zu den besten Futterpflanzen der Alpen. In jungem Zustand ist sie reich an Roheiweiß und Fetten. Für das Vieh ist es eine gute Nahrungs- und Heilpflanze. Sie fördert die Milchleistung und -güte und wirkt im Darm erwärmend, hilft bei Koliken und schützt vor Erkältungen.

VolksmedizinBearbeiten

Die intensiv aromatische Wurzel wurde in der Volksmedizin früher bei Blähungen, Verstopfungen, Leber-, Nieren- und Blasenleiden sowie bei zahlreichen Frauenerkrankungen verwendet. Der Absud des Krautes galt als magenstärkend. Den ätherischen Ölen der Pflanze wurde eine appetitanregende Wirkung zugeschrieben.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. C. M. Valiejo-Roman, V. S. Shneyer, T. H. Samigullin, E. I. Terentieva, M. G. Pimenov: An attempt to clarify taxonomic relationships in “Verwandtschaftskreis der Gattung Ligusticum” (Umbelliferae-Apioideae) by molecular analysis. In: Plant Systematics and Evolution. Band 257, Nr. 1–2, 2006, S. 25–43, doi:10.1007/s00606-005-0383-8.
  2. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 717.
  3. Ligusticum mutellina im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Mai 2018.
  4. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 281.
  5. Aichele D., Schwegler H.-W. Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Band 3, S. 223, Franckh Kosmos Vlg, Stuttgart, 1995 ISBN 3-440-06193-0

WeblinksBearbeiten

  Commons: Alpen-Mutterwurz (Mutellina adonidifolia) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien