Alman (Slang)

Beschreibung für Menschen, die nach den deutschen Klischees leben

Alman (türkisch AlmanDeutscher“, Betonung: Álman) ist in manchen Ländern eine neutrale Bezeichnung für Deutsche, welche jedoch in deutschsprachigen Ländern als ethnophaulistischer Slangbegriff das „Bild des selbstzufriedenen, spießigen weißen Deutschen“ zeichnet. Der Slangbegriff wird dort mehrheitlich von Menschen mit Migrationshintergrund verwendet, um sich über klischeehaft „deutsches Verhalten“ oder einzelne Deutsche lustig zu machen.[1][2] und wird auch gezielt als Schimpfwort verwendet.[3] Ob es sich um eine rassistische Bezeichnung handelt, ist umstritten.[4][1][3] Ähnliche Ethnophaulismen für Deutsche sind Kartoffel und Kraut.

Bedeutung, Verbreitung und Sprachgebrauch

Der dem Türkischen entlehnte Ausdruck wird in der Ursprungssprache neutral für Deutsche verwendet. Auch im nordafrikanischen Bereich, von Marokko, Algerien südwärts bis etwa zur Elfenbeinküste ist er gebräuchlich. Im Deutschen kann das Wort Alman aber auch ein Schimpfwort oder Spott gegen einen ethnisch „Deutschen“ oder eine Person, die die Klischees erfüllt, sein. Durch die Abgrenzung zu den so Bezeichneten entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe und Stärkung der eigenen Identität.[1]

In der NZZ kritisiert Marc Felix Serrao Bezeichnungen wie Alman als „Schmähbegriffe“, die in abwertender Absicht auch von Journalisten gebraucht würden, die sich sonst gegen Diskriminierung einsetzten.[5] Die Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly sieht einen klaren Unterschied zwischen Alman und klassischen rassistischen Begriffen wie Neger, die in Zusammenhang mit historischer rassistischer Diskriminierung stünden.[6] Aus Sicht von Mohamed Amjahid ist Alman ein „humorvoll gemeinter, lässiger Begriff“, aber nicht rassistisch.[7] Der Journalist Johannes Voigt sieht im Begriff Alman eine Gegenbewegung zu den Begriffen und Klischees über Ausländer und Minderheiten darstellt, die sich teilweise im deutschen Sprachgebrauch wiederfinden. Oft handele es sich bei der Verwendung des Begriffs jedoch nur um Satire, (Selbst-)Ironie, schwarzen Humor und Sarkasmus ohne einen beleidigenden Charakter.[1] Eine Civey-Umfrage von 2020 ergab, dass 17 % der Befragten den Begriff (eher) als beleidigend, 52 % ihn als (eher) nicht beleidigend empfanden.[8]

Zu den Klischees gehören unter anderem ein Kleingeist und Ignoranz im Denken, „deutsches“ Aussehen, deutsche Kultur und Brauchtum, die deutsche Sprache, deutsche Namen, der deutsche Humor an sich, deutsche Kleidungs-, Ess- und Trinkgewohnheiten, deutsches Verhalten und Spießbürgerlichkeit und die deutsche Lebens- und Arbeitsmoral. Ein Alman fällt im Alltag besonders durch sein schlichtes und unauffälliges Auftreten, seine penetrante Ordentlichkeit und seinen Pseudointellekt auf.[5][9]

Als Almancı werden in der Türkei abwertend Türkeistämmige in Deutschland bezeichnet.

Verwendung in der Populärkultur

Der Deutschlandfunk sieht die Selbstironie über deutsche Klischees als eine Weiterentwicklung des deutschen Humors, die sich vor allem durch die vielen Memes mit Situationskomik in der Netzkultur auszeichnet und durch Social-Media-Plattformen wie Instagram und YouTube verbreitet wird.[10] Besonders bekannt ist dabei der Instagram-Account Alman Memes, der 2017 gestartet ist, dann gelöscht wurde und seit April 2019 unter dem Namen Alman Memes 2.0 fortgesetzt wird. Der Account hat über 600.000 Follower (Mai 2021) und wird von Sina Scherzant und Marius Notter betrieben.[11] Sie wählten den Namen Alman Memes, da sie fürchteten, dass Begriffe mit ähnlichen Bedeutungen wie „Kartoffel Memes“ oder „Deutschland Memes“ von Interessengruppen hätten instrumentalisiert werden können.[12] Mit dem Kanal persiflieren sie „typisch deutsches“ Verhalten und wollen laut eigener Aussage ein Spiegel für die Gesellschaft sein.[13] Auch auf Twitter wird der Begriff häufig in Diskussionen verwendet, um zum Beispiel auf deutsche Spießbürgerlichkeit hinzuweisen.[2]

Der Rapper Felix Krull veröffentlichte ein Album mit dem Namen Alman Tape, das sich den deutschen Klischees widmet.[14] Auch der von Funk unterstützte Webvideoproduzent und ehemaliges Y-Titty-Mitglied Phil Laude parodiert in seinen Videos öfter den Alman. Sein Musikvideo über den Alman wurde mehr als 7 Millionen Mal aufgerufen (Stand: 2021).[15][10][11]

Verschiedene Artikel der taz-Kolumne Habibitus von Hengameh Yaghoobifarah verwenden den Begriff in polemischer Weise,[16][17] auch der Zeit-Kolumnist Tillmann Prüfer setzt sich mit dem Begriff auseinander: Eine seiner Töchter nutze Alman als „Lieblingsschimpfwort“ – auch ihrem Vater gegenüber. Zur Zeit der Kolumne gäbe es auf TikTok ein beliebtes Hashtag „#AlmanDad“, mit dem Videoproduzenten sich über ihre Eltern amüsieren. Dabei ermöglichten nach Ansicht des Autors erst die „spießigen“ Verhaltensweisen der Eltern, sich als sog. creator zu verwirklichen.[3]

Literatur

  • Amina Aziz (Hg.): Encyclopaedia Almanica. Mit Beiträgen von Ferraeterin, Hrmpfm, Ayesha Khan, Bahar Sheikh, Hengameh Yaghoobifarah und Zugezogenovic, Münster: Edition assemblage, ISBN 978-3-96042-073-6

Einzelnachweise

  1. a b c d Johann Voigt: Das Wort „Alman“ ist nicht deutschenfeindlich. In: Jetzt.de. 27. März 2018, abgerufen am 21. April 2019.
  2. a b Thomas Kolkmann: Was ist ein Alman? Bedeutung und Herkunft des Begriffs auf Twitter & Co. In: Giga.de. 25. Juli 2018, abgerufen am 12. August 2019.
  3. a b c Tillmann Prüfer: : "Du bist voll der Alman!" In: Die Zeit-Magazin. 8. Juni 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.
  4. Marc Felix Serrao: «Kartoffeln», «Almans»: Rassismus – nein danke! Es sei denn, es geht gegen Deutsche | NZZ. 19. Juli 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 12. August 2019]).
  5. a b Marc Felix Serrao: «Kartoffeln», «Almans»: Rassismus – nein danke! Es sei denn, es geht gegen Deutsche | NZZ. 19. Juli 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 12. August 2019]).
  6. Matthias Schwarzer: Enissa Amani kontert den WDR: Eine Lehrstunde für Almans. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 10. Februar 2021, abgerufen am 9. August 2021.
  7. Maria Segat: Mohamed Amjahids "Der weiße Fleck": Wie man Rassismus verlernt. In: nordbayern.de. 21. März 2021, abgerufen am 12. August 2021.
  8. Jetzt abstimmen! Abgerufen am 18. Juli 2021.
  9. Marlen Hobrack: „Alman“-Beleidigungen: Ist es Rassismus, Deutsche als Kartoffeln zu bezeichnen? 24. Juli 2018 (welt.de [abgerufen am 12. August 2019]).
  10. a b Alman-Memes auf Instagram – Deutschen Humor weiterentwickeln. Abgerufen am 12. August 2019 (deutsch).
  11. a b Bayerischer Rundfunk Conny Neumeyer: Interview mit den Machern von Alman Memes 2.0: Was Alman Memes mit Loriot und Harald Schmidt zu tun haben. 11. Juli 2019 (br.de [abgerufen am 12. August 2019]).
  12. TRU DOKU: Alman Memes: Das sind die Gesichter hinter dem Account. 10. Dezember 2019, abgerufen am 24. März 2020.
  13. TRU DOKU: Alman Memes: Das sind die Gesichter hinter dem Account | TRU DOKU. TRU DOKU, abgerufen am 24. März 2020.
  14. Enya Elstner: Felix Krull – Alman Tape // Review. In: JUICE Magazin. 25. August 2017, abgerufen am 12. August 2019 (deutsch).
  15. Phil Laude – Alman (Official Music Video). Abgerufen am 12. August 2019.
  16. Hengameh Yaghoobifarah: Alman-Memes im Netz: Leider eher peinlich. In: Die Tageszeitung: taz. 12. Februar 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. Januar 2021]).
  17. Hengameh Yaghoobifarah: Knuddeln in der Pandemie: Hugbefehl. In: Die Tageszeitung: taz. 3. Dezember 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. Januar 2021]).