Alfred-Bauer-Preis

Filmpreis

Der Alfred-Bauer-Preis ist die Zusatzbezeichnung des Silbernen Bären. Der Filmpreis wird seit 1987 auf der Berlinale vergeben. Er wurde nach dem ersten Leiter des Festivals Alfred Bauer benannt.

Nach Bauers Tod 1986 wurde von den Filmfestspielen der Alfred-Bauer-Preis gestiftet, der seit 1987 während der Berlinale für einen Erstlingsfilm, später für einen Spielfilm im Wettbewerbsprogramm vergeben wird, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet.

Ende Januar 2020 entschloss sich die Berlinale-Führung kurz vor Beginn des neuen Festivals, die Vergabe des nach Alfred Bauer benannten Preises auszusetzen. Die problematische Rolle Bauers im Nationalsozialismus sei der derzeitigen Berlinale-Leitung bis dahin unbekannt gewesen.[1] Katja Nicodemus hatte in der Wochenzeitung Die Zeit, anknüpfend an Forschungen des Hobby-Filmwissenschaftlers Ulrich Hähnel, u. a. mit Materialien aus dem Berliner Landesarchiv nachgewiesen, dass Bauer eine wesentlich aktivere Rolle in der NS-Propagandabürokratie innehatte als es die offiziellen Verlautbarungen der Berlinale vermuten ließen. Letztere haben sich vor allem auf Bauers Selbstdarstellungen gestützt. Die Zeit seiner Mitgliedschaft in NSDAP und SA habe er aber falsch dargestellt, und Mitgliedschaften in weiteren NS-Organisationen sowie seine Tätigkeit als Referent in der 20-köpfige Reichsfilmintendanz habe er verschwiegen.[2][3]

Der Filmhistoriker Armin Jäger äußerte in einem Interview mit der Zeitung Die Welt, dass für ihn die wesentlichen Tatsachen bereits früher bekannt gewesen seien. Er bezeichnete Bauer als einen opportunistischen Bürokraten, der aber keine entscheidende Figur und sicher nicht Herr über Leben und Tod gewesen sei. „Nach meinem Eindruck war er eher eine Art Koordinator und Protokollant von Produktionsabläufen, aber niemand, der selbstständige Entscheidungen getroffen hat.“ Die Umbenennung des nach Bauer benannten Preises hielt aber auch Jäger für gerechtfertigt.[4]

In der Reihe Blick in die Archive der Deutschen Kinemathek war für den 24. Februar 2020 die Präsentation einer Publikation von Rolf Aurich über Alfred Bauer und seine Rolle bei den Berliner Filmfestspielen geplant, die sich auch relativ ausführlich mit dessen NS-Vergangenheit beschäftigen sollte. Nicodemus, der das Buchmanuskript vorlag, hatte in der Zeit bereits vorab die wiederum selektive Auswertung der Quellen und die ungeprüfte Übernahme von Selbstdarstellungen Bauers kritisiert.[2] Daraufhin sagte die Kinemathek die Präsentation ab, und die Veröffentlichung des Heftes wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, um zunächst die Quellen „für eine vertiefte Bewertung“ neu heranziehen zu können.[5]

Im Februar 2020 beauftragte die Berlinale-Führung das Institut für Zeitgeschichte in München mit der Erforschung von Alfred Bauers Position im NS-Machtapparat. Die Ergebnisse der Untersuchung werden im Sommer 2020 erwartet.[6]

PreisträgerBearbeiten

 
Die Regisseurin Nora Fingscheidt mit dem Silbernen Bären für den 2019 ausgezeichneten Wettbewerbsbeitrag Systemsprenger

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Filmfestspiele Preis ausgesetzt… In: zeit.de, 29. Januar 2020 (abgerufen am 30. Januar 2020).
  2. a b Katja Nicodemus: „Ein eifriger SA-Mann“ – Alfred Bauer war der erste Direktor der Berlinale … In: zeit.de, 29. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020, - Heft 6/2020, S. 49 f.
  3. Katja Nicodemus im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske: Berlinale-Direktor Alfred Bauer „Ein eifriger SA-Mann“. Internetseite des Deutschlandfunks vom 29. Januar 2020, abgerufen am 5. Februar 2020
  4. Hanns-Georg Rodek Mit der Gründung der Bundesrepublik kommen eigentlich alle Nazis zurück. In: Die Welt vom 1. Februar 2020
  5. Pressemitteilung der Kinemathek vom 29. Januar 2020.
  6. Berlinale beauftragt Gutachten zu Alfred Bauer. Süddeutsche Zeitung, 18. Februar 2020, abgerufen am 18. Februar 2020.