Alexander Conze

deutscher Klassischer Archäologe

Alexander Christian Leopold Conze (* 10. Dezember 1831 in Hannover; † 19. Juli 1914 in Berlin-Grunewald)[1] war ein deutscher Archäologe und Hochschullehrer. Berühmt wurde er als Direktor der Antikensammlung Berlin.

Conze in den 1870er Jahren

LebenBearbeiten

Ein kunstverständiger Verwandter (Romberg) hatte in Conze beizeiten das Interesse an Kunstwerken im Allgemeinen und die Neigung an Klassischer Altertumswissenschaft geweckt.[2] Conze studierte ab 1851 an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft, wandte sich aber unter dem Einfluss Friedrich Wieselers der Klassischen Philologie zu.[2] 1852 wurde er im Corps Brunsviga Göttingen recipiert. Er zeichnete sich auf allen drei Chargen aus.[3] Als Inaktiver wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Als einflussreiche Lehrer bezeichnete Conze selbst Eduard Gerhard, August Boeckh, Ernst Curtius, Wilhelm Heinrich Waagen, Karl Haupt, Karl Bötticher, Adolf Trendelenburg, Karl Ferdinand Ranke, Carl Ritter und Karl Richard Lepsius. An der Berliner Kunstakademie hörte er zusätzlich Vorlesungen bei Hubert Stier über Archäologie und Architektur. Er beteiligte sich an anatomischen Übungen unter Leitung von Emil du Bois-Reymond.[2]

Mit einer Dissertation über bildliche Darstellungen der Seele bei Eduard Gerhard wurde er 1855 in Berlin zum Dr. phil. promoviert.[4] Im Sommer desselben Jahres leitete er den ordentlichen Kösener Congress (oKC) des Kösener Senioren-Convents-Verbandes. Von Berlin aus übersiedelte Conze nach London, um die Altertumsschätze des dortigen Museums „sich zu eigen“ zu machen. Damit bereitete er sich auch auf seine weiteren Ziele, die Erforschung von Fundstätten in Griechenland und den thrakischen Inseln vor.[2] Bei dieser ersten Forschungsreise begleitete ihn der Straßburger Archäologe Adolf Michaelis. Im Ergebnis veröffentlichten sie den Bericht Eine Reise auf die Inseln des thrakischen Meeres in den Schriften des Instituts für Archäologische Korrespondenz.[2] 1861 erfolgte seine Habilitation in Göttingen. 1863 erhielt Conze als Göttinger Privatdozent einen Ruf an die Friedrichs-Universität Halle. Im Jahr 1869 ging er als Ordinarius für Archäologie an die Universität Wien, an der er bis 1877 die neugeschaffene Lehrkanzel leitete.

 
Conze auf Samothraki

Conze organisierte von Wien aus die Ausgrabungen in Samothraki (1873, 1875).[5] Er begründete in Wien auch die Schriftenreihe Epigraphisch-archäologische Mitteilungen als literarische Sammelstelle für archäologische Studien aus Österreich.[5]

1877 erhielt Conze einen Ruf als Direktor des Skulpturenmuseums in Berlin, aus dem später die Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst wurde. In dieser Eigenschaft konnte sich Conze der Erforschung der antiken Stadt Pergamon mit dem Pergamonaltar ganz zuwenden. Es gelang ihm, den preußischen Staat mit Unterstützung bekannter Forscher und des Kronprinzen zur Ausrüstung von Expeditionen zu bewegen. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten standen also organisatorische Aufgaben in Berlin und vor Ort, um unmittelbar auf die Grabungen Einfluss zu nehmen.[5] Darüber hinaus leitete er ab 1887 das Generalsekretariat des Deutschen Archäologischen Instituts.[2] Mit dem Ingenieur Carl Humann begann Conze 1878 mit der Ausgrabung Pergamons im Nordwesten Kleinasiens (bis 1894), die später von Wilhelm Dörpfeld und Theodor Wiegand sowie 1957–1968 von Erich Boehringer fortgesetzt wurde.

Conze ist der Vater der Frauenrechtlerin Elsbeth Krukenberg-Conze und des Reichsgerichtsrats Hans Conze. Damit ist er Großvater des Sozialhistorikers Werner Conze[6] und der Großvater des SS-Brigadeführers und Generalmajors der Waffen-SS Gustav Krukenberg.

Conze starb 1914 in seiner Grunewalder Villa in der Wangenheimstraße 17 und wurde auf dem Friedhof Grunewald beigesetzt.[1]

Mitgliedschaften (Auswahl)Bearbeiten

ErinnerungBearbeiten

Im Jahr 1877 gab die deutsche Münzanstalt eine Medaille für Alexander Conze heraus. Sie war anlässlich seines Wechsels von Wien nach Berlin von Freunden und Schülern in Auftrag gegeben und vom Wiener Medailleur Josef Tautenhayn gestaltet worden.[7] Das Porträtrelief Alexander Conzes schuf Adolf Brütt 1905 in einer Marmorversion für den Sitzungssaal des Deutschen Archäologischen Institutes und in einer kleineren Bronzeversion als Gegenstück zu dem Porträt des gleichzeitig pensionierten Eugen Petersen. Dieses Relief wurde auch kommerziell als Plakette vertrieben. 1912 entwarf Fritz Klimsch eine Bronzebüste, die bis vor einigen Jahren unter dem Altar neben Humann stand.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres. Rümpler, Hannover 1860, (Digitalisat).
  • als Herausgeber: Melische Thongefäße. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1862, (online).
  • Reise auf der Insel Lesbos. Rümpler, Hannover 1865, (Digitalisat).
  • Die Familie des Augustus. Ein Relief in S. Vitale zu Ravenna. Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1867, (Digitalisat).
  • Ueber die Bedeutung der classischen Archaeologie. Eine Antrittsvorlesung, gehalten an der Universität zu Wien am 15. April 1869. Gerold, Wien 1869.
  • Beiträge zur Geschichte der griechischen Plastik. Mit XI Tafeln, meistens nach Abgüssen des archäologischen Museums der kgl. Universität Halle – Wittenberg gezeichnet und lithographiert von Hermann Schenck. Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1869, (Digitalisat).
  • als Herausgeber: Vorlegeblätter für archäologische Uebungen. Serie 1–6, 1869–1874.
  • Zur Geschichte der Anfänge griechischen Kunst. 1870–1873;
    • (Teil 1): In: Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. Bd. 64, 1870, ISSN 1012-487X, S. 505–534;
    • (Teil 2): In: Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. Bd. 73, 1873, S. 221–250.
  • als Herausgeber: Römische Bildwerke einheimischen Fundorts in Österreich. 3 Hefte. Gerold in Commission, Wien 1872–1877, (Digitalisat der drei Hefte);
    • Heft 1: Drei Sarkophage aus Salona. 1872;
    • Heft 2: Sculpturen in Pettau und St. Martin am Pacher. 1875;
    • Heft 3: Sculpturen in Cilli, Pettau und Seckau. 1877.
  • Heroen- und Götter-Gestalten der griechischen Kunst. 2 Lieferungen = 2 Abtheilungen. Waldheim, Wien 1874–1875.
  • mit Alois Hauser und George Niemann: Archaeologische Untersuchungen. 2 Bände. Gerold, Wien 1875–1880.[5]
  • Theseus und Minotaurus (= Programm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin. 38, ZDB-ID 520559-1). Archäologische Gesellschaft u. a., Berlin 1878, (online).

In seiner Eigenschaft als Direktor der Antikensammlung Berlin hatte er wichtigen Anteil an der Durchführung der pergamenischen Expeditionen zur Wiedergewinnung des großen Altarfrieses und beteiligte sich an den darüber erschienenen Berichten (Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon. Vorläufiger Bericht. Berlin 1880 u. 1882; Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg), Attische Grabreliefs.[5].

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Wikisource: Alexander Conze – Quellen und Volltexte
Commons: Alexander Conze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b StA Grunewald, Sterbeurkunde Nr. 29/1914
  2. a b c d e f Zum 50-jährigen Doktorjubiläum von Alexander Conze, in: Vossische Zeitung, 11. August 1905.
  3. Kösener Korpslisten 1910, 94/266
  4. Dissertation: De Psyches imaginibus quibusdam.
  5. a b c d e (oben links): Fortsetzung zur Biografie von Alexander Conze, in: Vossische Zeitung, 11. August 1905.
  6. Vgl. den Werner Conze als Gedenkartikel gewidmeten Aufsatz: Bernhard vom Brocke: „Von des attischen Reiches Herrlichkeit“ oder die „Modernisierung“ der Antike im Zeitalter des Nationalstaats. Mit einem Exkurs über die Zerschlagung der Wilamowitz-Schule durch den Nationalsozialismus. Historische Zeitschrift, Bd. 243, 1986, S. 101–136, hier S. 101.
  7. Stefan Krmnicek, Marius Gaidys: Gelehrtenbilder. Altertumswissenschaftler auf Medaillen des 19. Jahrhunderts. Begleitband zur online-Ausstellung im Digitalen Münzkabinett des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Tübingen (= Von Krösus bis zu König Wilhelm. Neue Serie, Band 3). Universitätsbibliothek Tübingen, Tübingen 2020, S. 52–55 (online).
VorgängerAmtNachfolger
./.Vorsitzender des oKC
1855
Peter Hanstein