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Doppelseite des Buchs De Aetna von 1495
Titelblatt einer Aldine mit dem Verlagssignet

Aldinen nennt man die Bücher, die von der Druckerdynastie Manutius zwischen 1494 und 1598 in Venedig herausgebracht wurden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Aldus Manutius gründete 1494 in Venedig die Druckerei Aldina. Markenzeichen der Druckerei waren das lateinische Motto festina lente – zu übersetzen mit Eile mit Weile – und das Signet Anker und Delfin. Der Anker galt als Symbol der Verlässlichkeit und Solidität, der Delfin als Symbol für Schnelligkeit.

Manutius führte für seine Bücher das Oktavformat ein, während die Manuskripte und die Inkunabeln das (größere) Quart- oder Folioformat hatten. Die hölzernen Einlagen in den Buchdeckeln ersetzte er durch Pappe, so dass die Bücher leichter von Gewicht und einfacher zu handhaben waren.

Das neue Format erforderte neue Drucktypen. Die für die Aldinen benutzte Kursivschrift orientiert sich an der Kalligraphie der Zeit. Die für die Ausgabe griechischer Texte entworfene Schrift bestand wegen der großen Anzahl von Varianten und Ligaturen aus dreihundert Typen, wurde aber nach der Fertigstellung der von Francesco Griffo entworfenen Aristoteles-Ausgabe nicht mehr verwendet, sondern durch eine für den Setzer weniger aufwendige ersetzt.

Die Druckerzeugnisse mit diesem Markenzeichen wurden bald in ganz Europa unter dem Namen Aldinen bekannt und erfreuten sich sowohl unter Druckerkollegen wegen ihrer technischen Qualität und der Schönheit der Gestaltung als auch unter den Gelehrten wegen der genauen Textedition und der gemäßigten Preise eines hervorragenden Rufs. Die Preise trugen zum großen wirtschaftlichen Erfolg der Aldinen bei.

In gewisser Weise sind die Aldinen Vorläufer der Taschenbücher. Obwohl Manutius ein Druckprivileg der Republik Venedig besaß, wurden seine Druckerzeugnisse schnell nachgeahmt, und zwar über den Nachdruck der Texte hinaus auch das Format, die Drucktypen und das Verlagssignet.

Die Aldinen sind begehrte Sammlerstücke und erreichen bei Auktionen hohe Preise.

AldineneinbändeBearbeiten

Aldineneinbände nennt man die venezianischen Einbände aus Leder, in die die Aldinen gebunden wurden. Es sind Ledereinbände, die mit goldenen Ornamenten verziert sind. Es gibt keine Hinweise, dass die Aldinen in der Druckerei Manutius gebunden wurden.

SammlungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Martin Davies: Aldus Manutius. Printer and publisher of renaissance Venice. Arizona center for medieval and renaissance studies, Tempe, Ariz. 1999, ISBN 0-86698-256-6.
  • Harry G. Fletcher (Hrsg.): In praise of Aldus Manutius. A quincentenary exhibition. University of Washington Press, Seattle, Wash. 1995, ISBN 0-295-97465-6.
  • Harry G. Fletcher (Hrsg.): New Aldine studies. Documentary essays on the life and work of Aldus Manutius. Rosenthal Books, San Francisco 1988, ISBN 0-9600094-1-8.
  • Martin Lowry: The world of Aldus Manutius. Business and scholarship in renaissance Venice. Blackwell, Oxford 1979, ISBN 0-631-19520-3.
  • Julius Schück: Aldus Manutius und seine Zeitgenossen in Italien und Deutschland. Sändig, Walluf 1973, ISBN 3-500-28930-4 (Reprint der Ausg. Berlin 1862).
  • Marharyta A. Šamraj: Aldines in libraries of Ukraine. Catalogue. New corrected and completed edition by Michał Spandowski. Project Coordinator Janusz A. Rieger. Wydawnictwo DiG, Warsaw 2012, ISBN 978-83-7181-724-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aldine Collection. (Nicht mehr online verfügbar.) In: rylibweb.man.ac.uk. John Rylands University Library of Manchester, März 2004, archiviert vom Original am 29. September 2006; abgerufen am 17. Februar 2015.
  2. Aldine Checklist. Lib.byu.edu. Abgerufen am 15. September 2010.
  3. Staatsbibliothek zu Berlin. (Nicht mehr online verfügbar.) In: staatsbibliothek-berlin.de. Archiviert vom Original am 26. September 2007; abgerufen am 20. Februar 2019.