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Alceste (Gluck)

Oper von Christoph Willibald Gluck
Operndaten (italienische Fassung)
Titel: Alceste
Originalsprache: Italienisch
Musik: Christoph Willibald Gluck
Libretto: Ranieri de’ Calzabigi
Literarische Vorlage: Euripides Alkestis (nur Kern der Handlung)
Uraufführung: 26. Dezember 1767
Ort der Uraufführung: Wien
Spieldauer: ca. 2 ½ Stunden
Personen
  • Admeto, König von Pherai in Thessalien (Tenor)
  • Alceste, dessen Gattin (Sopran)
  • Eumelo und Aspasia, deren Kinder (Soprane)
  • Evandro, Vertrauter Admetos (Tenor)
  • Ismene, Vertraute Alcestes (Sopran)
  • Ein Ausrufer (Bass)
  • Ein Priester Apollos (Tenor)
  • Apollo (Tenor)
  • Orakel (Bass)
  • Ein Gott der Unterwelt (Bass)
  • Höflinge, Bürger, Hofdamen Alcestes, Priester Apollos, Götter der Unterwelt (Chor)
  • Volk von Pherai, Götter der Unterwelt, Hofdamen Alcestes (Pantomime)
  • Priester Apollos, Hofdamen Alcestes, Höflinge, Hofdamen Alcestes, Volk (Ballett)
Operndaten (französische Fassung)
Titel: Alceste
Originalsprache: Französisch
Musik: Christoph Willibald Gluck
Libretto: François-Louis Gand Le Bland Du Roullet, Umdichtung nach dem Text von Ranieri de’ Calzabigi
Literarische Vorlage: Alkestis des Euripides
Uraufführung: 23. April 1776
Ort der Uraufführung: Paris
Spieldauer: ca. 2 ¼ Stunden
Personen
  • Admète, König von Thessalien (Haute-Contre)
  • Alceste, dessen Gattin (Sopran)
  • Zwei Kinder der beiden (stumme Rollen)
  • Oberpriester Apollos (Bass)
  • Évandre, Volksführer aus Pherai (Haute-Contre)
  • Ein Waffenherold (Bass)
  • Hercule (Bass)
  • Apollon (Bass)
  • Das Orakel (Bass)
  • Ein Gott der Unterwelt (Bass)
  • Vier Chorführer (Sopran, Alt, Tenor, Bass)
  • Volk, Götter der Unterwelt (Chor)
  • Frauen im Gefolge Alcestes, Palastaufseher, Gefolge des Hercule (Statisterie)
  • Priester, Priesterinnen, Volk (Pantomime und Ballett)

Alceste ist der Name einer Oper in drei Akten. Komponiert wurde sie von Christoph Willibald Gluck auf ein Libretto von Ranieri de’ Calzabigi. Im Jahre 1767 wurde sie als „tragedia“ in italienischer Sprache in Wien uraufgeführt. Später bearbeitete Gluck sein Werk neu für die Pariser Oper, woraus eine Version in französischer Sprache resultierte, die dort 1776 ihre Uraufführung erlebte. Die Pariser Fassung unterscheidet sich also nicht nur textlich von der in Wien gespielten italienischen Fassung, sondern bildet auch eine umfassende musikalische Neubearbeitung des Werkes.

Inhaltsverzeichnis

Handlung (Paris 1776)Bearbeiten

Die Oper handelt von der klassischen Sage um Alkestis (italienisch und französisch Alceste). Der thessalische König Admète liegt im Sterben, die Götter aber versprechen, sein Leben zu schonen, wenn sich an seiner statt jemand anderes opfert. Königin Alceste willigt ein. Sie stirbt trotz der flehentlichen Bitte des Admète, lieber ihn zu nehmen. Hercule jedoch gelobt, beide zu retten. Er steigt in die Unterwelt und befreit Alceste; gleichzeitig beschützt er Admète, so dass am Ende beide glücklich weiterleben können.

Erster AktBearbeiten

Ein Herold verkündet dem vor dem Königspalast harrenden Volke, dass für den sterbenden Admète keine Hilfe mehr zu erhoffen sei. Im Verein mit der Königin Alceste und ihren beiden Söhnen fleht das Volk die Götter um Erbarmen an.

Verwandlung: Im Apollotempel beten und opfern die Königin und das Volk. Das Orakel verkündet: „Le Roi doit mourir aujourd’hui, / si quelqu’autre au trépas ne se livre pour lui.“ (Bühnenübersetzung: „Dem Styx ist Admetos geweiht, / wenn ein andrer für ihn nicht zum Opfer sich beut.“) Alceste ist bereit, sich für den Gatten zu opfern. Der Oberpriester verkündet ihr, dass die Götter das Opfer annehmen.

Zweiter AktBearbeiten

Das Volk umringt jubelnd den genesenden König. Als er fragt, wer sich für ihn geopfert habe, rät man ihm, sich des Lebens zu freuen, ohne danach zu fragen. Doch bemerkt er, dass Alceste von einem geheimen Kummer bedrückt ist. Auf sein Drängen gesteht sie ihm ihr Geheimnis. Doch ohne sie will auch er nicht leben, er will versuchen, das Entsetzliche zu verhindern.

Dritter AktBearbeiten

Vor dem Palast trauert das Volk über das Schicksal des Königshauses. Da kehrt Herakles nach langer Wanderschaft bei seinem Freunde Admet ein. Als man ihm das Los Alcestens berichtet, beschließt er, den Göttern zum Trotz ihnen die Königin zu entreißen.

Verwandlung: Vor den Pforten der Unterwelt ist Alceste bereit, sich zu opfern. Die Todesgötter weisen sie zurück bis nach Sonnenuntergang. Admetos tritt hinzu und ist entschlossen, mit seiner Gattin zu sterben. Während die beiden Gatten sich noch von ihren Entschlüssen abzubringen suchen, naht bei hereinbrechender Dunkelheit Thanatos und lässt Alceste entführen. Den nachstürzenden Admet hält Herakles zurück, der nun selber in die Unterwelt eindringt und in wildem Kampfe den Todesgöttern ihr Opfer entreißt. Apollo vereint aufs neue Alceste und Admetos, die von dem jubelnden Volk umringt werden.

InstrumentierungBearbeiten

  • Italienische Fassung: 2 Flöten, Chalumeau, 2 Oboen, 2 Englisch Hörner, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Streicher, Basso continuo.
  • Französische Fassung: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, Streicher, Basso continuo; Bühnenmusik: Trompete.

AusgabenBearbeiten

Italienische Fassung

  • Erstausgabe: Alceste. Tragedia. Trattnern, Wien 1769.
  • Neuausgabe: Alceste (Wiener Fassung von 1767). Tragedia per musica in drei Akten (= Gluck: Sämtliche Werke. Abteilung 1, Band 3, hrsg. von Gerhard Croll). Bärenreiter, Kassel 1988.

Französische Fassung

  • Erstausgabe: Alceste. Tragédie opera en trois actes. Bureau d’abonnement musical, Paris um 1777, der Partitur (Digitalisat bei Gallica).
  • Neuausgabe: Alceste (Pariser Fassung 1776). Musikdrama in 3 Akten (= Gluck: Sämtliche Werke. Abteilung 1, Band 7, hrsg. von Rudolf Gerber). Bärenreiter, Kassel 1957.

Einspielungen (Auswahl)Bearbeiten

Italienische Fassung (Wien 1767)

  • 1957: The Geraint Jones Orchestra & Singers unter der Leitung von Geraint Jones. Admeto: Raoul Jobin; Alceste: Kirsten Flagstad; Eumelo: Joan Clark; Aspasia: Rosemary Thayer; Evandro: Alexander Young; Ismene: Marion Lowe; Ausrufer: James Atkins; Oberpriester Apollos: Thomas Hemsley; Apollo: Thomas Hemsley; das Orakel: James Atkins. Decca 436 234-2 (3 CDs, 170'28).
  • 1998: Chor & Orchester des Drottningholm Theaters unter der Leitung von Arnold Östman. Admeto: Justin Lavender; Alceste: Teresa Ringholz; Eumelo: Adam Giertz; Aspasia: Emelie Clausen; Evandro: Jonas Dergerfeldt; Ismene: Miriam Treichl; Ausrufer: Matthias Nilsson; Oberpriester Apollos: Lars Martinsson; Apollo: Lars Martinsson; Orakel: Johan Lilja. Naxos (3 CDs, 146'55).

Französische Fassung (Paris 1776)

  • 1999: English Baroque Soloists und Monteverdi Choir unter der Leitung von John Eliot Gardiner. Admète: Paul Groves; Alceste: Anne Sofie von Otter; Oberpriester Apollos: Dietrich Henschel; Évandre: Yann Beuron; Waffenherold: Ludovic Tézier; Hercule: Dietrich Henschel; Chorführer: Katharina Fuge, Joanne Lunn; Apollon: Ludovic Tézier; Orakel: Nicholas Testé; ein Gott der Unterwelt: Nicholas Testé; Philips 470 293-2 (2 CDs, live London, 134'35); Arthaus/Naxos 100160 (DVD, live Paris).

Inszenierungen (Auswahl)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Gerber: Vorwort. In: Christoph Willibald Gluck: Alkestis. Pariser Fassung („Alceste“). Partitur. Bärenreiter, Kassel 1971.
  • Sabine Henze-Döhring: Alceste (1767) / Alceste (1776). In: Carl Dahlhaus et al. (Hrsg.): Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2. Piper, München 1987, S. 442–448.
  • Leo Melitz: Führer durch die Opern. Globus-Verlag, Berlin 1914, S. 30.
  • Horst Seeger: Opernlexikon. Heinrichshofens-Verlag, Wilhelmshaven 1979, ISBN 3-7959-0271-1, S. 22.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Alceste (Gluck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien