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Albtal-Verkehrs-Gesellschaft

Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg
Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH
AVG Logo.png
Basisinformationen
Unternehmenssitz Karlsruhe
Webpräsenz www.avg.info
Bezugsjahr 2016
Eigentümer Stadt Karlsruhe
Rechtsform GmbH
Gründung 1957
Geschäftsführung
  • Alexander Pischon (kaufmännischer Geschäftsführer)
  • Ascan Egerer (technischer Geschäftsführer)
Verkehrsverbund Karlsruher Verkehrsverbund und benachbarte Verbünde
Mitarbeiter 833[1]
Umsatz 237,8 Mio. EUR[1]dep1
Linien
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stadtbahn 12
Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 7 Dieselloks[1]
Triebwagen 1 Esslinger Triebwagen (nicht einsatzfähig)[1]
Straßenbahnwagen 2 GT8-70C,
6+33 NET 2012
Stadtbahnwagen 7 GT6-80C,
29 GT8-80C,
22 GT8-100C/2S
86 GT8-100D/2S-M
42 ET 2010
Omnibusse 25 Standardbusse
4 Gelenkbusse
2 Reisebusse
1 Kleinbus[1]
Sonstige Fahrzeuge 9 Reisezugwagen,
32 Güterwagen[1]
Statistik
Fahrgäste 74,9 Mio.[1]
Fahrleistung Bahn 19,5 Mio. Wg-km[1]
Bus 2,2 Gm
Länge Liniennetz
Stadtbahnlinien 561.3[1]dep1
Buslinien 252.0[1]dep1
Betriebseinrichtungen
Länge Gleisanlagen 309,9 km, davon 170,4 km gepachtet und 23,0 km BOStrab[1]dep1

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG) ist ein Verkehrsunternehmen, das Schienen- und Omnibusverkehr betreibt. Sie gehört zu 100 Prozent der Stadt Karlsruhe und betreibt den Stadtbahn- und einen Teil des Omnibusverkehrs in der Region Karlsruhe und über deren Grenzen hinaus sowie Güterverkehr auf der Schiene. Ferner unterhält sie einen Teil der von ihr befahrenen Eisenbahnstrecken.

Die AVG ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

UnternehmensentwicklungBearbeiten

Die AVG wurde 1957 als Betreibergesellschaft für die Albtalbahn und die Bahnstrecke Busenbach–Ittersbach gegründet. Seit 1957 betreibt sie diese Eisenbahnstrecke, baute sie zwischen 1957 und 1966 von Schmalspur auf eine elektrische Normalspurstrecke aus und verknüpfte sie mit dem Karlsruher Straßenbahnnetz. Seit 1975 konnte sie durch den Neubau von Eisenbahnstrecken, die Nutzung vorhandener Eisenbahnstrecken der DB sowie die Übernahme bestehender Eisenbahnstrecken ihre Aktivitäten weiter ausdehnen und ein Stadtbahnsystem in der Region Karlsruhe aufbauen. Die AVG erbringt in diesem Zusammenhang auch Straßenbahnleistungen in Karlsruhe und Heilbronn. Durch die kontinuierliche Erweiterung des Streckennetzes und Verdichtung der Fahrpläne stiegen auch die Fahrgastzahlen an: von ca. 6 Millionen Fahrgästen im Jahr 1960 über 8,1 Millionen (1985), 19 Millionen (1990), 32,8 Millionen (1996), 70 Millionen (2009) auf 74,9 Millionen im Jahr 2016.[1]

Von Anfang an bestand eine enge Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), die sich in einer gemeinsamen Verwaltung, der Nutzung gemeinsamer Werkstätten und einem gemeinsamen Fahrzeugpool ausdrückt. Seit den 1980er Jahren hat sich folgende Arbeitsteilung zwischen beiden Verkehrsunternehmen herausgebildet: während die VBK für den Betrieb der innerstädtischen Straßenbahn- und Busverbindungen in Karlsruhe zuständig ist, betreibt die AVG als Eisenbahnunternehmen den regionalen Schienenverkehr. Im Zuge der Ausdehnung des Streckennetzes ergaben sich darüber hinaus Kooperationen mit der Deutschen Bahn sowie den Stadtwerken Heilbronn.

Um Streckenausbau und Betrieb der Stadtbahnverbindungen möglichst reibungsfrei zu gestalten, versucht die AVG, die von ihr bedienten Strecken zu übernehmen oder langfristig von der Deutschen Bahn zu pachten. So konnte sie 1986 die Betriebsführung auf der Hardtbahn von der Deutschen Bundesbahn übernehmen und die Strecke 2001 erwerben. 1994 erwarb sie die Katzbachbahn und Kraichtalbahn von der SWEG. Langfristig pachten konnte sie die Kraichgaubahn im Jahr 1996, die Enztalbahn und die Murgtalbahn im Jahr 2000. Ferner übernahm die AVG die drei nicht elektrifizierten Stichstrecken Maulbronn Stadt–Maulbronn West (1999), Wintersdorf (Baden)–Rastatt und Hinterweidenthal–Bundenthal-Rumbach (2007). Insgesamt betreibt die AVG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen eigene und gepachtete Strecken mit einer Länge von 284,6 Kilometer. Im Auftrag des Landkreises Calw soll die AVG auch die Betriebsführung auf der Hermann-Hesse-Bahn Calw–Weil der Stadt übernehmen.

Wie andere Unternehmen dieser Branche kämpft auch die AVG mit der Schwierigkeit, Triebfahrzeugführer zu gewinnen. Der Personalengpass besteht seit 2009 und konnte trotz ständiger Neueinstellungen und Unterstützung durch Zeitarbeiter bis 2018 nicht behoben werden.

Seit Juni 2019 besteht laut eigenen Angaben wieder ein ausgeglichener Personalstand beim Fahrpersonal.

Im März 2019 unterzeichnete die AVG federführend eine Vereinbarung mehrerer Verkehrsunternehmen, welche die Neuentwicklung eines TramTrain-Fahrzeuges vorsieht. Das Projekt "VDV TramTrain" wird von insgesamt fünf Unternehmen unterstützt. Partner sind unter anderem die Saarbahn GmbH und der Verkehrsverbund Mittelsachsen stellvertretend für die Regiobahn Chemnitz. Die ersten neu entwickelten Fahrzeuge sollen ab 2025 im Einsatz sein.[2]

Karlsruher ModellBearbeiten

 
Streckennetz der AVG im Jahr 2011

Die AVG ist vor allem bekannt geworden durch die modellhafte Einführung eines Zweisystem-Stadtbahnverkehrs als bundesweit erstes Unternehmen („Karlsruher Modell“). Die Züge fahren als S- oder Regionalbahnen von entfernten Orten nach Karlsruhe, wo sie die Innenstadt als Straßenbahn durchqueren, um anschließend wieder als S- oder Regionalbahn das Umland zu bedienen. Dabei erfolgte erstmals der Systemwechsel von einer Eisenbahn zu einer Straßenbahn im gleichen Fahrzeug, das für beide Systeme ausgerüstet werden musste. Die Fahrgäste ersparen sich so das Umsteigen zwischen Zug und Straßenbahn.

1992 wurde eine Straßenbahnstrecke aus der Stadt Karlsruhe heraus unter Nutzung der bestehenden Eisenbahninfrastruktur in das Umland nach Bretten verlängert. Die Stadtbahnfahrzeuge vom Typ GT8-100C/2S, GT8-100D/2S-M und ET 2010 fahren dabei mit zwei Stromsystemen: im Karlsruher Straßenbahnnetz mit 750 Volt Gleichspannung und nach dem Übergang auf elektrifizierte Eisenbahnstrecken mit 15 kV, 16,7 Hertz Wechselspannung. Neben den unterschiedlichen Stromsystemen sind auch Unterschiede bei der Sicherheitstechnik, Spurkränzen, Funk etc. zu berücksichtigen.

Heute ist das so genannte Karlsruher Modell (im Ausland auch Tram-Train genannt) wegen des enormen Fahrgastzuwachses Vorbild für viele andere Städte im In- und Ausland, die ein Stadtbahnsystem auf Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken planen oder bereits umgesetzt haben (z. B. Saarbrücken und Kassel).

LinienBearbeiten

StadtbahnbetriebBearbeiten

Die AVG betreibt mit der Stadtbahn Karlsruhe folgende Linien nach dem Karlsruher Modell:

Linie Linienweg
S 1 HochstettenEggenstein-LeopoldshafenKarlsruheEttlingenBusenbachBad Herrenalb
S 11 Hochstetten – Eggenstein-Leopoldshafen – Karlsruhe – Ettlingen – Busenbach – ReichenbachLangensteinbachIttersbach
S 31 OdenheimBruchsal – Karlsruhe-Durlach Bahnhof – Karlsruhe Hauptbahnhof
S 32 Menzingen (Baden) – Bruchsal – Karlsruhe-Durlach Bahnhof – Karlsruhe Hauptbahnhof
S 4 Karlsruhe Albtalbahnhof – Karlsruhe Bahnhofsvorplatz – Karlsruhe-Durlach Bahnhof – Bretten – Eppingen – Heilbronn – ÖhringenÖhringen-Cappel
S 41 Heilbronn Hauptbahnhof/Willy-Brandt-Platz – Heilbronn Technisches Schulzentrum – NeckarsulmBad FriedrichshallMosbach-NeckarelzMosbach Bahnhof
S 42 Heilbronn Hauptbahnhof/Willy-Brandt-Platz – Heilbronn Technisches Schulzentrum – Neckarsulm – Bad Friedrichshall – Bad RappenauSinsheim Hauptbahnhof
S 5 PforzheimRemchingenPfinztal – Karlsruhe – Wörth Badepark
S 51 GermersheimSondernheimBellheimRülzheimRheinzabernJockgrimWörth am Rhein – Karlsruhe West – Karlsruhe Albtalbahnhof
S 52 Germersheim – Sondernheim – Bellheim – Rülzheim – Rheinzabern – Jockgrim – Wörth am Rhein – Karlsruhe Entenfang – Karlsruhe Europaplatz – Karlsruhe Albtalbahnhof
S 6 PforzheimNeuenbürgBad Wildbad
S 7 Karlsruhe Tullastraße – Karlsruhe Bahnhofsvorplatz – Durmersheim – Rastatt – Baden-Baden – Achern
S 71 Karlsruhe Hbf – Ettlingen West – Rastatt – Baden-BadenAchern
S 8 Karlsruhe Tullastraße – Karlsruhe Bahnhofsvorplatz – Durmersheim – Rastatt – GaggenauGernsbach – Forbach (Schwarzwald) – Baiersbronn – Freudenstadt – Eutingen im Gäu (– Herrenberg)
S 81 Karlsruhe Hbf – Ettlingen West – RastattForbach (Schwarzwald)BaiersbronnFreudenstadt
S 9 Bruchsal – Heidelsheim – Gondelsheim – Bretten

Der Betrieb der Stadtbahnlinie S 2 wird im Auftrag der AVG durch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe durchgeführt. Die AVG ist Eigentümer der Abschnitte Rheinstrandsiedlung – Rheinstetten und Sinsheimer Straße – Stutensee.

Die Linie S 5 wird ab dem Fahrplanwechsel zum 9. Juni 2019 nur noch bis Pforzheim Hbf betrieben. Die Linie S 9 nur noch mit einzelnen Fahrten morgens und nachts zwischen Bretten und Bruchsal. Der Abschnitt Bretten – Mühlacker entfällt. Diese Abschnitte waren Teil der Ausschreibung der Stuttgarter Netze Los 1.[3]

EisenbahnbetriebBearbeiten

Neben dem Karlsruher Stadtbahnnetz betreibt die AVG die Infrastruktur der 15 Kilometer langen pfälzischen Wieslauterbahn von Hinterweidenthal Ost nach Bundenthal-Rumbach. Dort führt DB Regio den Saisonverkehr mit Dieseltriebwagen der Baureihe 642 durch.

Im Schienen-Güterverkehr steht die Bedienung der eigenen Strecken (Albtalbahn, Murgtalbahn, Kraichtalbahn, Kraichgaubahn) sowie verschiedener Gleisanschlüsse im Raum Karlsruhe im Vordergrund, ferner betreibt die AVG Müllzüge zwischen Bruchsal und Mannheim. Im Jahr 2009 wurden 410.000 Tonnen Fracht befördert.

OmnibusbetriebBearbeiten

Die AVG betreibt weiterhin mehrere Überlandbuslinien im Albtal, Pfinztal, Ettlingen, Kraichgau und Hardt in der Region Karlsruhe:

Linie Linienweg Bemerkung
103 MalschVölkersbach
104 WaldprechtsweierMalsch – Ettlingen Stadtbahnhof
105 Ettlingen Erbprinz/SchlossEttlingen West AVG fährt im Auftrag der NVW
107 Bahnhof Karlsruhe-DurlachEttlingen Stadtbahnhof
110 WaldprechtsweierEttlingen Erbprinz
112 Ettlingen Stadt – Friedhof – Ettlingen Stadt Linie wird von der Firma NVW gefahren
114 MarxzellPfaffenrot – Marxzell – BurbachSchielbergMarxzell
115 BusenbachReichenbachEtzenrot
117 GrünwettersbachBusenbach
118 GrünwettersbachLangensteinbach
124 Graben-NeudorfHochstetten
132 ÖstringenUbstadtBruchsal gemeinsam mit SWEG
134 ÖstringenElsenzEppingen
135 NeuenbürgOberöwisheim
136 MünzesheimOberacker
137 Bahnbrücken BahnhofBahnbrücken Ort
138 MenzingenLandshausen
135 LandshausenUnteröwisheim
151 BerghausenWöschbach
152 KleinsteinbachMutschelbachLangensteinbach
153 LangensteinbachAuerbach
159 WössingenBerghausen
192 PhilippsburgHochstetten
193 Rheinsheim – Philippsburg – Kirrlach
195 BlankenlochLeopoldshafen
198 DettenheimGraben-Neudorf

GalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Bindewald: Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Weltweit vorbildliches Nahverkehrssystem. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2007, ISBN 978-3-89735-475-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l Unterwegs mehr erleben: Geschäftsbericht 2016. (PDF; 10,2 MiB) (Nicht mehr online verfügbar.) Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, archiviert vom Original am 18. August 2017; abgerufen am 17. August 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.avg.info
  2. Fünf Verkehrsunternehmen wollen gemeinsam TramTrains bestellen. Abgerufen am 17. März 2019.
  3. Verträge für Stuttgarter Netze unterzeichnet. Abgerufen am 22. Juni 2019.