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Albert von Le Coq

deutscher Archäologe und Zentralasien-Forscher
Albert von Le Coq

August Albert von Le Coq (auch: Albrecht von Le Coq, * 8. September 1860 in Berlin; † 21. April 1930 ebenda) war ein deutscher Archäologe und Zentralasien-Forscher.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Albert von Le Coq, Sohn des Kaufmanns August von Le Coq (1827–1894), hatte ein Vermögen in Form von Brauereien und Weinkellern geerbt. Nach Besuch des Gymnasiums folgte eine Ausbildung zum Überseekaufmann mit Aufenthalten in London und den USA (1881–1887), wo er auch ein Medizinerdiplom erwarb. Nach seiner Heimkehr trat er als Teilhaber in die väterliche Sämerei-Großhandlung ein.

Er ging 1900 „in Ruhestand“ und begann seine wissenschaftliche Ausbildung als Volontär unter Adolf Bastian am Museum für Völkerkunde in Berlin. Zugleich studierte er Arabisch, Türkisch und Persisch. Seit 1902 in der indischen Abteilung begann er eine Edition manichäischer Texte. Dabei halfen auch die Kenntnisse, die er als Teilnehmer der fünften Expedition Felix von Luschans nach Zincirli, zeitgenössisch Sendschirli, erworben hatte.

Le Coq wurde Assistent des Direktors der indischen Abteilung des Museums, Albert Grünwedel und plante mit diesem Expeditionen nach Zentralasien, insbesondere zu Orten an der Seidenstraße. Als Grünwedel vor Aufbruch der zweiten Turfanexpedition 1904 erkrankte, übernahm Le Coq als Ersatzmann die Leitung. Le Coq nahm an der dritten Expedition 1906 teil, geleitet von Grünwedel. Le Coq sollte 1913–1914 auch die vierte dieser Expeditionen leiten.

Bei seinen Forschungsreisen stieß man auf ein verzweigtes Netzwerk buddhistischer und manichäischer Höhlentempel in Xinjiang. Viele der Manuskripte in den Höhlen wurden während der Ausgrabungen zerstört. Einige Gemälde in den Höhlen ließen Le Coq spekulieren, es könnte sich um eine arische (indo-europäische) Kultur handeln, die mit den Franken verwandt sei. Er beschrieb auch einige der Tarim-Mumien.

Mit Hilfe seines Assistenten Theodor Bartus meißelte und sägte Le Coq über 360 kg Fresken, Statuen und andere Kunstwerke ab und transportierte sie in 305 Kisten nach Berlin. Le Coq rechtfertigte diese „Ausleihungen“ mit den Wirren in Turkestan, das seit den späten 1870ern praktisch regierungsfreier Raum war, zur Zeit der Expeditionen.

Einen Ehrendoktor verlieh ihm die Universität in Kiel 1909. Einen Professorentitel erhielt er 1912. 1914 zum Direktorialassistenten und zugleich stellvertretenden Direktor bestellt, brachte er die meisten seiner Funde aus Bezeklik (柏孜克里), Túmùshūkè und Yarkhoto (雅爾湖故城), im Museum für indische Kunst bzw. Völkerkundemuseum an der Prinz-Albrecht-Straße unter, wo ein großer Teil durch amerikanische Bombardements im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde.[1] Ein Teil der Kunstwerke, die sich nicht in gemauerten Installationen befanden, war ausgelagert worden und konnten nach dem Krieg zurückgeführt werden. Sie befinden sich heute im Museum für Asiatische Kunst der staatlichen Museen zu Berlin. Wie auch Grünwedel verbiß er sich in späterer Zeit immer mehr in die Idee, dass die zentralasiatische Kultur von den Hellenen abstamme, was Aurel Stein zu scharfer Kritik anregte.

Seit 1923 war Le Coq Direktor des Völkerkundemuseum. Le Coqs Grab befindet sich auf dem Berliner Friedhof Dahlem.

WerkeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Die kleine Enzyklopädie. Band 2, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, S. 29.
  • Peter Hopkirk: Foreign Devils on the Silk Road. The Search for the Lost Cities and Treasures of Chinese Central Asia. The University of Massachusetts Press, Amherst 1980, ISBN 0-87023-435-8.
  • Volker Moeller: Le Coq, Albert von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 36 f. (Digitalisat).
  • Heinrich G. Franz: Kunst und Kultur entlang der Seidenstraße. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1986, ISBN 3-201-01306-4.
  • Marianne Yaldız: Archäologie und Kunstgeschichte Chinesisch-Zentralasiens (Xinjiang). Brill, Leiden 1987, ISBN 90-04-07877-0.
  • Bruno J. Richtsfeld (Hrsg.): Der Briefwechsel Lucian Scherman–Albert von Le Coq und die Gründe für das Scheitern einer Serindien-Abteilung am Völkerkundemuseum München. Die Serindien-Sammlung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München II; in: Münchner Beiträge zur Völkerkunde. Jahrbuch des Staatlichen Museums für Völkerkunde München. Band 14. 2010/11. S. 129–193.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Albert von Le Coq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Staatliche Museen zu Berlin; Dokumentation der Verluste; bes. Band III: Museum für Indische Kunst, Berlin 2002