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Albert Oeckl

deutscher PR- und Kommunikationswissenschaftler

Albert Oeckl (* 27. Dezember 1909 in Nürnberg; † 23. April 2001 in Heidelberg) war ein deutscher PR- und Kommunikationswissenschaftler. Er war Mitbegründer und später Ehrenpräsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und außerplanmäßiger Professor an der internationalen Universität Roms. Das von ihm 1950 begründete, jährlich erscheinende Taschenbuch des Öffentlichen Lebens, trägt seinen Namen: Der Oeckl.

LebenBearbeiten

Der Erfinder der ÖffentlichkeitsarbeitBearbeiten

Als in der deutschen Kultur Reklame noch als verächtlich galt, erfand Albert Oeckl das neue Feld der Öffentlichkeitsarbeit. Zur Zeit des Wirtschaftswunders begründete er 1950 einen trockenen, breiten Unterbau der Öffentlichkeitsarbeit mit dem jährlich erscheinenden Taschenbuch des Öffentlichen Lebens, das schließlich seinen Namen trug: Der Oeckl.[1]

Albert Oeckl legte das Abitur am Humanistischen Gymnasium in Amberg als Klassenbester ab. Er studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in München und Berlin, und schloss sein Studium 1934 mit der Promotion (Titel der Dissertation: Die deutsche Angestelltenschaft und ihre Wohnverhältnisse) ab. Während seines Studiums wurde er Mitglied des AGV München.[2] Studium der Rechts- und Volkswirtschaft, 1934 Promotion in München zum Dr. oec. publ.

Nach der Referendarzeit wurde die Industrie seine berufliche Heimat, von 1936 bis 1945 in der Direktions- und Presseabteilung der IG Farben Industrie in Berlin mit zweijähriger Unterbrechung (1939–1941) im Kriegsdienst. Ab 1950 ging er als Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHT) und wechselte von dort aus 1959 wieder zurück in die Industrie, nunmehr als Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF) (bis 1974).

Danach war er als freier Public-Relations-Berater, Leiter von Managementseminaren und als Kommunikationswissenschaftler tätig. Albert Oeckl hatte verschiedene Lehraufträge inne, u. a. an der Universität Heidelberg, später an der Universität Augsburg (1960–1969), außerdem von 1974 bis 1978 eine außerplanmäßige Professur an der Internationalen Universität Rom für Sozialpsychologie und Public Relations. Er galt als einer der Experten seines Fachs und war Herausgeber von vielen wissenschaftlichen Büchern, Wissenschaftsreihen und Fachzeitschriften.

Verschiedene verbandspolitische Tätigkeiten kennzeichneten seinen Lebensweg: 1958 war er Mitbegründer der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), von 1961 bis 1967 deren Präsident und seit 1986 deren Ehrenpräsident; auf internationaler Ebene war er bei der Confédération Européenne des Relations Publiques (CERP) und in der International Public Relations Association (IPRA) tätig.

Aber seine eigentliche Lebensaufgabe fand er – so erzählte er es selbst – 1949 beim Frühstück, als er eine Telefonnummer suchte und sie beim besten Willen nicht finden konnte.[3] Das war die Geburtsstunde des Taschenbuch des Öffentlichen Lebens (TBÖ), ein umfangreiches Nachschlagewerk aller wichtiger Verbände, Organisationen und Behörden aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur mit sämtlichen Kommunikationsdaten und maßgeblichen Kontaktpersonen in Deutschland. Es erschien 1950 zum ersten Mal erschien. Der Oeckl ist ein großes Adressenverzeichnis in 15 Abteilungen von A = Bund bis P = Kunst und Kultur untergliedert. In seinem Register finden sich 19.000 Ansprechpartner sowie 12.000 Institutionen und Verbände. Im deutschen Journalismus wie im Geschäftsleben und in der Politik ist Der Oeckl unentbehrlich.

Albert Oeckl war ein Pionier der Öffentlichkeitsarbeit. Er zimmerte das ganze neue Feld der Öffentlichkeitsarbeit, begründete es als Lehrfach, schon ab 1960 hielt er die einschlägigen Vorlesungen an den Universitäten Heidelberg, Augsburg und der Freien Internationalen Universität in Rom. Er entwickelte, was man heute leicht Philosophie nennt. Der Kern bestand in dem insistierend bei jeder Gelegenheit verdeutlichten Unterschied zwischen Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Zahlreiche Schulungskurse, Konferenzen waren erforderlich und ein Strom von Unterrichtsmaterialien.[4]

Selbst der Begriff Öffentlichkeitsarbeit, der alle diese Tätigkeiten zusammenhielt, stammte von ihm. Er erfand ihn, weil seinen Chefs im DIHT der Ausdruck PR nicht gefiel. Er entwickelte passende Plätze innerhalb der Universitätsstrukturen für sich und lehrte Kommunikationswissenschaft, Sozialpsychologie und Öffentlichkeitsarbeit, aber die Abkürzung PR für das gesamte Feld wurde von ihm nicht aufgegeben.[5]

1975 wurde Oeckl das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. 1985 benannte die DPRG einen Preis für Nachwuchskräfte nach ihm.

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Oeckl trat 1933 der NSDAP bei und wurde wenig später Mitarbeiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Bei dessen Münchner Landesstelle stand er vom 9. Januar 1934 bis zum 30. September 1935 als Referent unter Vertrag. Ab 1936 arbeitete Oeckl für die I.G. Farben in Berlin[6], zuerst in der Pressestelle, ab 1938 in der Direktionsabteilung. Bei der I.G. Farben brachte es Oeckl bis zum stellvertretenden Leiter der Direktionsabteilung. Er organisierte Werkbesuche, gab Geschäftsberichte heraus, betreute unter anderem Gäste des Konzerns während der Olympischen Spiele 1936 und überwachte die Arbeit der Personen- und Organisationskartei. Das so erworbene Know-how konnte er ab 1950 bei der Herausgabe seines oben erwähnten Adressenkompendiums umsetzen. Im Krieg war Oeckl bei den Brandenburgern, einer Einheit des Geheimdienstes. Sofern Oeckl sich in Berlin aufhielt und dienstfrei hatte, arbeitete er weiter für die I.G. Farben. Ausländische Gäste der I.G. Farben wurden von Oeckl nicht nur „betreut“, sondern auch „abgeschöpft“; seine Berichte sorgten mit dafür, dass man in Berlin immer außerordentlich gut über diejenigen Länder informiert war, in denen man geschäftliche Interessen verfolgte. Im Sommer 1941 wechselte er zum Reichsamt für Wirtschaftsausbau. 1944 war Oeckl Funktionär im KZ Vaivara; unter dem 17. Januar 1944 berichtet er Über den Stand bisheriger Auf- und Ausbauarbeiten der Baltischen Öl GmbH (Baltöl) an den Nazi-Ökonom und Europa-Großraum-Strategen Gustav Schlotterer, Ministerialdirektor, und arbeitete so an den Nationalsozialistischen Europaplänen mit.[7] Oeckl besaß allerdings nie einen nationalsozialistischen Grad und auch keine Weisungsbefugnisse, deshalb wurde er von den Alliierten nach dem Krieg auch als Mitläufer eingestuft.[8]

Wichtige PublikationenBearbeiten

  • 1950: Begründung des Taschenbuches des Öffentlichen Lebens (TBÖ)
  • 1964: Handbuch der Public Relations. Theorie und Praxis der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und der Welt. München: Süddeutscher Verlag.
  • 1976: PR-Praxis. Der Schlüssel zur Öffentlichkeitsarbeit. Düsseldorf/Wien: Econ.
  • 1981: Public Relations Politik. Düsseldorf: Econ.
  • 1988: Glaubwürdigkeit contra Angst – Kursbestimmung der Öffentlichkeitsarbeit. In: Schulze-Fürstenow, Günther (Hrsg.) (1988): PR-Perspektiven. Beiträge zum Selbst-verständnis gesellschaftsorientierter Öffentlichkeitsarbeit. Neuwied: Luchterhand, S. 13–26.
  • 1993: Anfänge der Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit. In: Fischer, Heinz D./Ulrike Wahl (Hrsg.) (1993), S. 33–45.[9]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. E. Noelle-Neumann: Tue Gutes und rede darüber. In: Die Welt. 28. April 2001, abgerufen am 2. Januar 2018.
  2. Verband Alter SVer (VASV): Anschriftenbuch und Vademecum. Ludwigshafen am Rhein 1959, S. 92.
  3. E. Noelle-Neumann: Tue Gutes und rede darüber. In: Die Welt. 28. April 2001, abgerufen am 2. Januar 2018.
  4. E. Noelle-Neumann: Tue Gutes und rede darüber. In: Die Welt. 28. April 2001, abgerufen am 2. Januar 2018.
  5. E. Noelle-Neumann: Tue Gutes und rede darüber. In: Die Welt. 28. April 2001, abgerufen am 2. Januar 2018.
  6. Arnd Krüger: Die Olympischen Spiele von 1936 und die Weltmeinung. Bartels & Wernitz, Berlin 1973, ISBN 3-87039-925-2.
  7. Christian Mattke: Albert Oeckl–sein Leben und Wirken für die deutsche Öffentlichkeitsarbeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14989-9, doi:10.1007/978-3-531-90199-2_3. Der Dienstrang Schlotterers deutet darauf hin, dass Oeckl dort ebenfalls hochrangig tätig war.
  8. Verena Kämpgen: Germany PR Country Landscape 2007. Global Alliance for Public Relations and Communication Management, Lugano 2007 (squarespace.com [PDF]). On May 1, 1933, he joined the NSDAP (Hitler’s ruling national socialist party until 1945); however, he never held a ranking office in the party, nor did he have any national socialist grade. After the war, in 1947, an allied committee classified Oeckl as a Mitläufer (nominal member), a designation given to former members of the Nazi party who were considered not to pose a threat to the emerging democratic, capitalist society.
  9. Gitta Baumann, Tobias Liebert, Katja Rösener: Albert Oeckl. PR-Museum, 2012 (pr-museum.de [PDF]). Albert Oeckl (Memento des Originals vom 3. Januar 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pr-museum.de