Hauptmenü öffnen

Alan Hollinghurst

britischer Schriftsteller
Alan Hollinghurst 2011

Alan James Hollinghurst (* 26. Mai 1954 in Stroud, Gloucestershire, England) ist ein britischer Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Hollinghurst wurde als einziges Kind des Bankiers James Hollinghurst, der in der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg gedient hatte, und seiner Frau Elizabeth geboren. Er studierte englische Sprache am Magdalen College in Oxford. Hier machte er 1979 seinen Abschluss mit einer wissenschaftlichen Arbeit zu den Schriftstellern Ronald Firbank, E. M. Forster und L. P. Hartley.[1] Anschließend unterrichtete er in Oxford am Magdalen College, am Somerville College und dem Corpus Christi College, ehe er ab 1981 Dozent am University College London wurde. Zwischen 1982 und 1995 schrieb er Kritiken für die Literaturzeitschrift The Times Literary Supplement.[2] Hollinghurst lebt heute im Londoner Stadtteil Hampstead.

WerkBearbeiten

Nachdem Hollinghurst ab Mitte der 1970er-Jahre wenige Gedichte sowie 1983 die Kurzgeschichte A Thieving Boy veröffentlicht hatte, machte ihn 1988 sein Roman The Swimming-Pool Library bekannt. Im Zentrum des Romanes stehen der 25-jährige William, ein junger und gutaussehender Homosexueller aus reicher Familie, der von dem betagten Lord Nantwich die Aufgabe erhält, seine Memoiren zu schreiben. Lord Nantwichs Lebensgeschichte ist in den britischen Kolonien und im London der Kriegszeit angesiedelt, es wird auch die Kriminalisierung von Homosexualität bis in die 1960er-Jahre thematisiert.[3] Hollingurst erhielt mehrere Preise für diesen Roman und wurde für die neu erscheinende, unapologetisch wirkende Weise gelobt, mit der er schwules Leben thematisierte.[4]

Seitdem veröffentlicht er etwa alle sechs Jahre einen Roman, wobei sein Schreibpensum nach eigenen Angaben in der Regel zwischen 300 und 400 Wörtern pro Tag liegt.[5]

In seinem generationenübergreifenden Sittenbild-Roman Die Sparsholt-Affäre geht es um den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität in England seit den 1940er Jahren. Der namensgebende Protagonist ist ein athletischer Ruderer an der Oxford University, selber heterosexuell aber nicht beinhart, hat einen offen schwul lebenden Sohn. Der historisch real passierte Skandal Sparsholt-Affäre, der einen Parlaments-Abgeordneten und eine Gefängnisverurteilung umfasste, wird gerade nicht beschrieben, sondern muss vom Leser durch Indizien zusammengeklaubt werden. Die FAZ-Rezensentin spricht dennoch von "bestens unterhalten".[6][7]

AuszeichnungenBearbeiten

Als Student an der Oxford University erhielt Hollinghurst 1974 den Newdigate Prize, einen Preis für das beste Gedicht eines Oxford-Studenten. 1989 erhielt er für The Swimming-Pool Library den Somerset Maugham Award, den Gay and Lesbian Book Award und den Lambda Literary Award, 1995 erneut den Lambda Literary Award für The Folding Star und 2004 den Booker Prize für seinen Roman The Line of Beauty. 2015 wurde letzterer Roman von der BBC-Auswahl der besten 20 Romane von 2000 bis 2014 zu einem der bislang bedeutendsten Werke dieses Jahrhunderts gewählt. 2011 erhielt Hollinghurst von der LGTB-Literaturorganisation Publishing Triangle den Bill Whitehead Award für sein Lebenswerk.

WerkeBearbeiten

  • Confidential Chats With Boys. Sycamore Press, Oxford 1982. (einige Gedichte im Band)
  • The Swimming-Pool Library. Chatto & Windus, London 1988, ISBN 0-7011-3282-5.
  • The Folding Star. Chatto & Windus, London 1994, ISBN 0-7011-5913-8.
  • The Spell. Chatto & Windus, London 1998, ISBN 0-7011-6519-7.
    • deutsche Ausgabe: Die Verzauberten. Übersetzt von Eike Schönfeld. Blessing Verlag, München 1999, ISBN 3-89667-086-7.
  • The Line of Beauty. Picador, London 2004, ISBN 0-330-48320-X.
    • deutsche Ausgabe: Die Schönheitslinie. Übersetzt von Thomas Stegers. Blessing Verlag, München 2005, ISBN 3-89667-282-7.
  • The Stranger’s Child. Picador, London 2011, ISBN 978-0-330-48324-7.
    • deutsche Ausgabe: Des Fremden Kind. Übersetzt von Thomas Stegers. Blessing Verlag, München 2012, ISBN 978-3-89667-468-5.
  • The Sparsholt Affair. Picador, London 2017
    • deutsche Ausgabe: Die Sparsholt-Affäre. Aus dem Englischen von Thomas Stegers, Blessing Verlag, München 2019, 544 Seiten, ISBN 978-3-89667-626-9.

WeblinksBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. The Hollinghurst line. 14. Mai 2005, abgerufen am 20. Juni 2019 (englisch).
  2. Alan Hollinghurst - Literature. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  3. John Lanchester: Catch 28. In: London Review of Books. 3. März 1988, ISSN 0260-9592, S. 11–12 (lrb.co.uk [abgerufen am 20. Juni 2019]).
  4. Emily Bearn: Most of all, I like bad behaviour. 25. Oktober 2004, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 20. Juni 2019]).
  5. Emily Bearn: Most of all, I like bad behaviour. 25. Oktober 2004, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 20. Juni 2019]).
  6. Evi Simeoni: Roman von Alan Hollinghurst : Klingt etwas nach Ironie der Verzweiflung, Rezension in der FAZ vom 31. Mai 2019, abgerufen 1. Juni 2019
  7. Maike Albath: Alan Hollinghurst: „Die Sparsholt-Affäre“ Von der Kraft der Sexualität, Rezension im Deutschlandfunk Kultur vom vom 25. März 2019, abgerufen 1. Juni 2019