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Alain Berset

Schweizer Politiker (SP)
Alain Berset (2012)

Alain Berset (* 9. April 1972 in Freiburg; heimatberechtigt in Misery-Courtion) ist im Amtsjahr 2018 Bundespräsident der Schweiz (SP). Er steht seit 2012 dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) vor. 2017 war er Vizepräsident des Bundesrats.

Inhaltsverzeichnis

Leben, Ausbildung, BerufstätigkeitBearbeiten

Berset verbrachte seine Jugend im Belfaux in Kanton Freiburg.[1]

Er entspringt einer Familie von Laufsportlern. Seine Mutter wurde im Jahre 1987 Vize-Schweizermeisterin im Marathonlauf, sein Vater erreichte 55 Minuten im Murtenlauf, ein Onkel (Jean-Pierre, 5000 m) und ein Cousin (Nicolas, 1500 m) waren Läufer auf internationalem Niveau.[2] Mit 17 Jahren wurde er Westschweizer Junioren-Meister im 800-Meter-Lauf.[3] Zusammen mit Verwandten erzielte er zahlreiche noch heute bestehende Club-Rekorde für seinen Verein, den CA Belfaux.[4]

Er besuchte die Mittelschule in Freiburg und studierte an der Universität Neuenburg, wo er sein Studium 1996 mit einem Lizentiat in Politikwissenschaft (Lic. ès sc. pol.) respektive 2005 mit einem Doktorat in Wirtschaftswissenschaften abschloss.

Von 1996 bis 2000 war er Assistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Neuenburg und danach bis 2001 Gastforscher am HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg. Ab 2006 war er als selbständiger Strategie- und Kommunikationsberater tätig.

Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.[5]

PolitikBearbeiten

Alain Berset entstammt einer SP-Familie. Bereits sein Grossvater und auch seine Mutter amtierten auf Kantonsebene für die sozialdemokratische Partei. Sie gehörten beide dem Freiburger Kantonsparlament, dem Grossen Rat, an.[1] Von 2000 bis 2004 war Alain Berset Mitglied des Verfassungsrats des Kantons Freiburg, wo er die SP-Fraktion präsidierte. Von 2001 bis 2003 vertrat er die SP im Generalrat in Belfaux. Zudem war er politischer Berater des Neuenburger Volkswirtschaftsdirektors Bernard Soguel.[6]

Bei den Wahlen 2003 wurde Berset als Vertreter des Kantons Freiburg als jüngstes Mitglied der Kleinen Kammer in den Ständerat gewählt.[7] Er setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den bisherigen Standesvertreter, Jean-Claude Cornu (FDP), durch. Im Dezember 2005 wurde er Vizepräsident der sozialdemokratischen Fraktion der Bundesversammlung. Bei den Wahlen 2007 verfehlte er im ersten Wahlgang das absolute Mehr. Da seine Konkurrenten (darunter erneut Cornu) aber darauf verzichteten, im zweiten Wahlgang anzutreten, wurde Berset in stiller Wahl für vier weitere Jahre bestätigt.[8] 2008/2009 war er Ständeratspräsident.[5] Bei den eidgenössischen Wahlen 2011 wurde er im ersten Wahlgang als Ständerat wieder gewählt.[9]

Bei den Bundesratswahlen im Dezember 2011 wurde er als einer der beiden offiziellen SP-Kandidaten als Nachfolger der zurücktretenden Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im zweiten Wahlgang mit 126 Stimmen, bei einem absoluten Mehr von 123 Stimmen, als 115. Bundesrat der Schweiz gewählt.[10] Er trat sein Amt am 1. Januar 2012 als Vorsteher des Departements des Innern EDI an, während sein Vorgänger Didier Burkhalter im EDI Nachfolger Calmy-Reys im Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurde.[11] Bei den Bundesratswahlen im Dezember 2015 wurde er mit 210 Stimmen wiedergewählt. Am 6. Dezember 2017 wurde Berset mit 190 von 210 gültigen Stimmen zum Bundespräsidenten für das Amtsjahr 2018 gewählt.

 
Alain Berset am 1. August 2018 als Bundespräsident bei seiner Ansprache auf dem Rütli

Auslandbesuche als Bundespräsident 2018Bearbeiten

Datum Ort Hauptgrund
8. und 9. Januar Wien (Osterreich  Österreich) Treffen mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz, sowie Treffen mit IAEO-Generaldirektor Yukiya Amano, OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger und Harlem Désir, OSZE-Beauftragter für Medienfreiheit.
4. bis 7. Februar Dhaka und Cox’s Bazar (Bangladesch  Bangladesch) Treffen mit Präsident Abdul Hamid und Premierministerin Hasina Wajed sowie Besuch des Lagers Kutupalong für Flüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar, die der Volksgruppe der Rohingya angehören.
8. bis 10. Februar Seoul und Pyeongchang (Korea Sud  Südkorea) Treffen mit Präsident Moon Jae-in und Besuch der Eröffnungsfeier und von Wettkämpfen der Olympischen Winterspiele 2018
5. März Vaduz (Liechtenstein  Liechtenstein) Treffen mit Erbprinz Alois von Liechtenstein und Regierungschef Adrian Hasler
12. bis 14. April Tokio (Japan  Japan) Treffen mit Präsident Shinzō Abe sowie Gesundheitsminister Katsunobu Katō und Teilnahme an einem internationalen Gipfel zur Patientensicherheit
11. Mai Cannes (Frankreich  Frankreich) Besuch der Internationalen Filmfestspiele von Cannes
13. und 14. Mai Riga (Lettland  Lettland) Treffen mit Präsident Raimonds Vējonis und Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit Lettlands
16. und 17. Juni Rostow am Don (Russland  Russland) Besuch des WM-Gruppenspiels zwischen der Schweiz und Brasilien
25. Juni Luxemburg (Luxemburg  Luxemburg) Treffen mit Premierminister Xavier Bettel und dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Mars Di Bartolomeo sowie Höflichkeitsbesuch bei Grossherzog Henri
9. und 10. Juli Nairobi und Kakuma (Kenia  Kenia) Treffen mit Präsident Uhuru Kenyatta und Besuch des Flüchtlingslagers Kakuma
26. bis 28. August Beirut (Libanon  Libanon) Treffen mit Präsident Michel Aoun, Ministerpräsident Saad Hariri und Parlamentspräsident Nabih Berri
2. und 3. September Lindau (Deutschland  Deutschland) Teilnahme am Treffen der Gesundheitsminister deutschsprachiger Staaten
12. September Paris (Frankreich  Frankreich) Treffen mit Präsident Emmanuel Macron
24. bis 27. September New York City und Philadelphia (Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten) Teilnahme an der UNO-Generalversammlung und Rede an der University of Pennsylvania
11. und 12. Oktober Jerewan (Armenien  Armenien) Teilnahme am Frankophonie-Gipfel
18. und 19. Oktober Brüssel (Belgien  Belgien) Teilnahme am ASEM-Gipfel

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Der rosarote Mittelstreckenläufer. Der Freiburger Alain Berset wird neuer Ständeratspräsident. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. Dezember 2008, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  2. Alain Berset: «Une très belle école de vie». In: Le Matin. 12. August 2017, abgerufen am 29. August 2018.
  3. Zwei Männer sind favorisiert. In: St. Galler Tagblatt. 8. September 2011, abgerufen am 29. August 2018.
  4. Records du club. In: Club athlétique de Belfaux. 2018, abgerufen am 29. August 2018.
  5. a b Bundesrat Alain Berset. Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern EDI. Abgerufen am 29. Januar 2017.
  6. Polittalent vs. pragmatischer Romand. In: Tages-Anzeiger. 25. November 2011, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  7. Alain Berset: Vielleicht diesmal ganz vorne. In: SR DRS. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
  8. Kanton Freiburg. Ständerat. 2 Sitze (2007). Bundesamt für Statistik, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  9. Kanton Freiburg. Ständerat. 2 Sitze (2011). Bundesamt für Statistik, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  10. Gesamterneuerungswahl des Bundesrates vom 14. Dezember 2011. Die Bundesversammlung – Das Schweizer Parlament, archiviert vom Original am 3. Dezember 2011; abgerufen am 14. Dezember 2011.
  11. Burkhalter wird Aussen-, Berset Innenminister. In: Tages-Anzeiger. 16. Dezember 2011. Abgerufen am 16. Dezember 2011.
VorgängerinAmtNachfolger
Micheline Calmy-ReyMitglied im Schweizer Bundesrat
seit 2012