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Al-Zein (Großfamilie)

Arabisch-kurdische Großfamilie

Der Al-Zein-Clan (auch El-Zein, Al-Zayn)[1] ist eine aus Südostanatolien stammende, über den Libanon nach Europa gezogene Großfamilie der Mhallami.[2] Einige der Mitglieder in Deutschland sind als Intensivtäter durch organisierte Kriminalität bzw. Bandenkriminalität auffällig geworden.[3]

Mehrfach vorbestraft oder verurteilt sind einige Familienmitglieder vor allem wegen Drogen- und illegalen Medikamentenhandels, wegen schwerer Gewalt- bzw. Körperverletzungsdelikte, gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr, Betrugsdelikten, wegen Raubs bzw. Ladendiebstahls und Hausfriedensbruchs, wegen Leistungsmissbrauchs, illegalen Waffenbesitzes und Tötungsdelikten.[4] In Interviews geben Mitglieder auch das Betreiben von Schutzgelderpressung und Geldwäsche zu.[5][6][7]

TäterBearbeiten

Mahmoud Al-ZeinBearbeiten

Mahmoud (Mohaiddine) Al-Zein reiste 1982 als Asylbewerber mit libanesischem Pass nach Deutschland ein. Nachdem sein Asylantrag im Jahr 1986 abgelehnt wurde, war er als Staatenloser in Deutschland nicht mehr abschiebbar, da seine Staatszugehörigkeit aufgrund nicht mehr vorhandener Ausweisdokumente nicht zugeordnet werden konnte.[8] Mahmoud Al-Zein war bereits 1998 wegen Drogenhandels, Körperverletzung und räuberischen Diebstahls vorbestraft und wurde erneut 2003 als Drogenhändler verurteilt. Bereits zu dieser Zeit bezeichneten ihn Medienberichte als Clanchef. 2003 wurde Mahmoud Al-Zein zu einer Staatsaffäre zwischen dem damaligen türkischen Innenminister Aksu und dem damaligen deutschen Innenminister Otto Schily, da die türkische Seite eine Abschiebung seiner Person in die Türkei verweigerte.[9] Mahmoud Al-Zein ist 2005 erneut wegen Drogenhandels verurteilt worden und wurde mit einer Haftstrafe zu vier Jahren und drei Monaten bestraft.[10]

Mordauftrag von Zaki Al-ZeinBearbeiten

Im Dezember 2017 wurde Zaki Al-Zain wegen versuchter Anstiftung zum Mord und der Beihilfe beim KaDeWe-Raub, in die seine Söhne Jehad Al-Zein und Hamza Al-Zein involviert waren, zu sechs Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Beide Söhne wurden ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.[11][12][13]

GewaltopferBearbeiten

Mord an Iptehal Al-ZainBearbeiten

Am 1. September 2008 wurde die damals 20-jährige Iptehal Al-Zain an einer Autobahnraststätte tot aufgefunden. Im Januar 2010 wurde ihr zum Tatzeitpunkt 20-jähriger Cousin Ezzedin Al-Zain vom Landgericht Hagen wegen Beteiligung am Mord aus niedrigen Beweggründen zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der ebenfalls am Mord beteiligte Onkel des Opfers hat sich der Strafverfolgung durch Ausreise zwischenzeitlich entzogen. Nach dem Urteil des Gerichts hat den Mord ein Familienrat beschlossen (Ehrenmord), das den Lebensstil der Frau nicht akzeptierte, da sie vor der Tat in einem Frauenhaus lebte.[14][15] Im September 2012 wurde der tatverdächtige Onkel Hussain Al-Zein in Finnland festgenommen, nach Überführung nach Deutschland am 15. Juli 2013 wegen gemeinschaftlichen Mordes schuldig gesprochen und mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe belegt. Iptehals Bruder Hüsein Al-Zein wurde im selben Verfahren wegen Mordbeteiligung zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.[16][17][18]

Mahmoud Omeirat CharrBearbeiten

In der Nacht zum 2. September 2015 wurde Manuel Charr in einem Döner-Imbiss in Essen angeschossen und schwer verletzt. Am 14. September stellte sich der bis dahin per Öffentlichkeitsfahndung gesuchte Youssef Hassan, geborener Al Zein, mit einem Tateingeständnis bei der Polizei.[19] Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt.[20]

Weitere StraftatenBearbeiten

KaDeWe-ÜberfallBearbeiten

Am 20. Dezember 2014 überfielen fünf Personen, darunter Khalil Al-Zein, Jehad Al-Zein, Hamza Al-Zein sowie Hussein Miri das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Dabei richteten sie mit Hiebwaffen erheblichen Sachschaden an und begingen mit dem Versprühen von Reizgas Körperverletzung, da dies Atemwegsbeschwerden bei den anwesenden Kunden verursachte. Ihre Beute war Schmuck im Wert von 817.260 Euro. Nach einer öffentlichen Fahndung konnten drei der fünf Täter gefasst und verurteilt werden. Im Mai 2016 wurde Jehad Al-Zein zu 6 Jahren und 8 Monaten Haft und Hamza Al-Zein im Oktober desselben Jahres zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt.[21][22][23][11][13]

ParalleljustizBearbeiten

In einer RBB-Reportage aus dem Jahr 2018 über kriminelle arabische Clans[24] bestätigte Jamal El-Zein als Friedensrichter der Familie eine Paralleljustiz, ebenso bereits erfolgte Urteile nach Tötungsdelikten.[25]

Familien-Union 2011Bearbeiten

Im Februar 2011 stellte das Familienmitglied Zadine El-Zein zusammen mit einem Angehörigen des Miri-Clans in einem Interview mit dem Tagesspiegel eine Familien-Union vor, die geschätzte 70 % der Mitglieder beider Familien erreiche. Die Familien-Union habe zum Ziel, vor allem junge Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass der Bildungsweg aussichtsreicher sei als eine kriminelle Laufbahn. So wollte die Familien-Union eigene Freizeiteinrichtungen in den Berliner Ortsteilen Neukölln, Wedding und Spandau eröffnen. Zugleich betonte die Union im Interview eine Kooperationsbereitschaft mit der Polizei. Unter den Mitgliedern befinden sich auch Angehörige weiterer arabischer Großfamilien, wie dem des Remmo-Clans.[26]

Ende 2018 hat die Stadt Essen die Kooperation mit dem Verein aufgrund nicht erfüllter Hoffnungen eingestellt.[27] Ebenfalls hat die Arbeiterwohlfahrt im Jugendbereich die Partnerschaft mit der Familien-Union "Wegen Unvereinbarkeit der Ziele" abgebrochen.[27] Mitglieder der Familienunion bekamen 2019 von der Essener Polizei eine Gefährderansprache, nachdem der berliner Migrationsforscher Ralph Ghadban mit der Veröffentlichung des Buches Arabische Clans – die unterschätzte Gefahr von Mitgliedern verschiedener Clans bedroht wurde.[28] Im Mai 2019 trat der Vorsitzende der Familien-Union zurück.[29]

Razzia 2016Bearbeiten

Am 12. April 2016 wurden bei einer Razzia 16 Wohnungen, Lokale und Gewerbebetriebe der Familie in den Berliner Ortsteilen Lankwitz, Hermsdorf und Gropiusstadt durchsucht. Für den Einsatz wurden 200 Polizeibeamte eingesetzt, davon 60 Beamte des SEKs. Es wurden acht Haftbefehle vollstreckt sowie ein Porsche, Schmuck, Bargeld und eine scharfe Schusswaffe konfisziert.[7][30]

FilmeBearbeiten

  • Die Clans – Arabische Großfamilien in Deutschland. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2018, 27:55 Min., Buch und Regie: Olaf Sundermeyer, Moderation: Astrid Frohloff, Produktion: rbb, Reihe: kontraste, Erstsendung: 2. August 2018 bei rbb-Fernsehen, Film-Transkript von rbb, online-Video, aufrufbar bis zum 14. August 2019.
  • Arabische Clans in Berlin. Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 53:20 Min., Buch und Regie: Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer, Moderation: Maria Gresz, Produktion: Spiegel TV, Reihe: Magazin, Internetpublikation: 11. Dezember 2016, Inhaltsangabe und online-Video von Spiegel TV.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. So herrschen Clans in Deutschland. In: Spiegel Online. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  2. So herrschen Clans in Deutschland. In: Spiegel Online. Abgerufen am 17. Februar 2019.
  3. Thomas Kieschnick: KaDeWe-Raub eines arabischen Clans: „Bitte, bitte macht ihn tot.“ In: Die Welt, 15. Dezember 2016.
  4. Video: Innenansichten einer arabischen Großfamilie. (Memento des Originals vom 21. September 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spiegel.tv In: Spiegel TV, 17. September 2018, 27:33 Min.
  5. Video: Arabische Clans in Berlin. In: Spiegel TV, 11. Dezember 2016.
  6. Horst Kuhnes: Organisierte Kriminalität: Italienische Mafia nur auf Platz 6. In: Westdeutsche Zeitung. 21. August 2007, abgerufen am 18. September 2018.
  7. a b Michael Behrendt: Razzia gegen arabische Clans: „Jetzt kam die große Überraschung.“ In: Die Welt, 12. April 2016.
  8. Jens Anker: Berlin: Banden verursachten 187 Millionen Mark Schaden. In: Der Tagesspiegel, 11. September 1998.
  9. Michael Müller: Das ist der Berliner Bandenchef Mahmoud Al-Zein. In: Berlin Journal, 14. April 2016.
  10. Christoph Wöhrle: Gangster-Report. Ehrenwerte Familien: Sie beherrschen ganze Straßenzüge. Libanesische Clans in Deutschland. In: Focus, 24. April 2017, Nr. 16.
  11. a b Ulf Morling: Haft für Clan-Chef wegen KaDeWe-Überfall. Der Familienpatriarch schweigt, als sein Urteil fällt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: rbb24.de. 18. Dezember 2017, archiviert vom Original am 5. Oktober 2018; abgerufen am 22. September 2018.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rbb24.de
  12. Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: Mohamad Tekin alias Ku’damm Momo soll eine Führungskraft in der Familie El-zein sein.aber im Wesentlichen wird er nicht unter dem Deckmantel Tekin genannt. Auf sein Konto sprechen viele Straftaten unter anderem Vergewaltigung Raub und ErpressungMachenschaften einer Großfamilie: „Papa, wir haben das KaDeWe gemacht!“ In: SpOn, 11. Dezember 2016.
  13. a b Anne Losensky: Angeklagte gestehen KaDeWe-Überfall. KaDeWe-Räuber wohnen noch bei Mutti in Neukölln. In: B.Z., 12. Oktober 2016.
  14. Polizei verfolgt Spur nach Marburg. Rastplatz-Tote sah Entführung ihres Ex-Freundes. In: Westfalenpost, 4. September 2008.
  15. Brigitta Biehl: Ehrenmord an Iptehal Al-Zein: Gericht spricht Urteil. In: cileli.de, 16. Juli 2013.
  16. Ines Holthaus (Administratorin): Weitere Urteile in „Ehren“-Mordprozessen verkündet. Terre des Femmes, 2013, abgerufen am 29. September 2018.
  17. Ehrenmord im Jahr 2008: Ibtihal Al Z. In: ehrenmord.de. Abgerufen am 29. September 2018.
  18. Brigitta Biehl: Gerichtsbeobachtungen von peri e. V. zum Ehrenmord-Prozess im Fall Iptehal Z. 10. Bericht / Iptehal. In: peri – Verein für Menschenrechte und Integration e. V. 15. Juli 2013, abgerufen am 29. September 2018.
  19. lnw: Essen. Nach Schüssen auf Profiboxer: Polizei fahndet mit Foto nach Täter. In: Rheinische Post, 4. September 2015.
  20. dpa: Fünf Jahre Haft für Attentat auf Profiboxer Manuel Charr. In: Frankfurter Neue Presse, 21. März 2016.
  21. Ulf Morling: Angeklagter legt Geständnis im KaDeWe-Prozess ab. (Memento vom 27. Januar 2016 im Webarchiv archive.today). In: rbb, 2. Dezember 2015.
  22. Thomas Kieschnick: KaDeWe-Raub eines arabischen Clans: „Bitte, bitte macht ihn tot.“ In: Die Welt, 15. Dezember 2016.
  23. Karin Hendrich und Anne Losensky: KaDeWe-Raub: Haupttäter wandert für 6 Jahre, 8 Monate in den Knast. In: B.Z., 25. Mai 2016.
  24. Arabische Großfamilien in Deutschland. In: rbb, kontraste. 2. August 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018 (mit Film-Manuskript).
  25. akw/kel: Clan-Friedensrichter behauptet: Selbst Morde „klären wir innerhalb von zwei Wochen“. In: Focus Online, mit Video, 1:35 Min., 10. August 2018, aufgerufen am 5. Oktober 2018.
  26. Claudia Keller: Die Clanchefs bitten zum Tee. In: Der Tagesspiegel, 26. Februar 2011.
  27. a b Gerd Niewerth: Stadt Essen stoppt Kooperation mit arabischer Familien-Union. 13. Mai 2019, abgerufen am 10. Juli 2019 (deutsch).
  28. Reiner Burger, Düsseldorf: Arabische Clans in NRW: Familienbande gegen den Staat. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. Juli 2019]).
  29. Gerd Niewerth: Vorsitzender der umstrittenen Familien-Union tritt zurück. 6. Juni 2019, abgerufen am 10. Juli 2019 (deutsch).
  30. Axel Lier, Katharina Metag, Maren Wittge, Matthias Lukaschewitsch, Peter Rossberg, Victor Reichardt: Das Protokoll der Razzia bei Großfamilie Al-Z. In: B.Z., 13. April 2016.