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Akif Çağatay Kılıç

türkischer Politikwissenschaftler und Politiker
Çağatay Kılıç

Akif Çağatay Kılıç (* 15. Juni 1976 in Siegen) ist ein türkischer Politiker (AKP).

Leben und politische KarriereBearbeiten

Çağatay Kılıç kam in Deutschland als Sohn eines Arztes zur Welt und lebte bis zu seinem 10. Lebensjahr dort. Er besuchte eine Grundschule in Weidenau.[1] In Istanbul setzte er seine schulische Ausbildung am Işık-Gymnasium und der Deutschen Schule fort. Nach dem Abschluss des Gymnasiums studierte er Politik und Europäische Studien an der staatlichen Universität Hertfordshire nördlich von London und arbeitete danach für die türkische Sabancı Holding in London.

Çağatay Kılıç begann kurz danach auch eine politische Karriere. Er arbeitete als politischer Berater und gehörte bald zum engen Kreis um den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, den er häufig auf Auslandsreisen begleitete.

Als Abgeordneter der AKP gehört er seit 2011 der Großen Nationalversammlung der Türkei an und vertritt den Wahlkreis Samsun. Er sitzt im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Seit 25. Dezember 2013 ist er als Nachfolger von Suat Kılıç Minister für Sport und Jugend in der Türkei, auch in den Kabinetten von Ahmet Davutoğlu.

Çağatay Kılıç stammt aus einer politischen Familie. Sein Onkel war von 2010 bis 2012 Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats der Türkei, sein Großvater war von 1961 bis 1980 Abgeordneter der CHP in der Nationalversammlung.

Çağatay Kılıç ist verheiratet.

KontroverseBearbeiten

Nach einem am 5. September 2016 von Michel Friedman mit Kılıç im Auftrag der Deutschen Welle (DW) geführten Interview beschlagnahmten Mitarbeiter des türkischen Jugend- und Sportministeriums, nach Angaben von DW-Mitarbeitern, das Interviewmaterial unter dem Hinweis, ohne die Herausgabe sei ein Verlassen des Gebäudes nicht möglich. DW-Intendant Peter Limbourg kritisierte dies als „eklatanten Verstoß gegen die Pressefreiheit“. Er erklärte: „Was wir hier erleben, erfüllt den Tatbestand der Nötigung durch die türkische Führung. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts mehr zu tun.“ Es könne nicht sein, dass ein Minister bereitwillig ein Interview gebe und dann dessen Ausstrahlung verhindern wolle, „weil ihm die Fragen nicht gepasst haben.“ Die Deutsche Welle forderte die türkischen Behörden zur sofortigen Herausgabe des Videomaterials auf. Sie prüfe zudem mögliche rechtliche Schritte. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die türkischen Behörden auf, das beschlagnahmte Material unverzüglich herauszugeben. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall sagte: „Das ist der schwerstmögliche Angriff auf die Pressefreiheit, wie wir ihn nur aus Diktaturen kennen.“ Er forderte, das Auswärtige Amt müsse sich einschalten.[2]

Kılıç bestritt, dass das Interview beschlagnahmt worden sei und erklärte, solche Berichte entsprächen nicht der Wahrheit. Man habe lediglich gefordert, das Interview nicht auszustrahlen. Die Deutsche Welle müsse diesem Wunsch nach Autorisierung nachkommen. DW-Sprecher Christoph Jumpelt widersprach Kılıç und erklärte: „Das Team der DW hat das Material keineswegs aus freien Stücken an die Vertreter des türkischen Ministeriums übergeben“. Er sagte: Dies geschah vielmehr unter „unmissverständlichem Druck“ und bezeichnete die Behauptung Kılıçs als „schlichtweg abenteuerlich“. „Wenn das Videomaterial nicht unrechtmäßig konfisziert worden wäre, hätte die DW das Material noch und könnte die Sendung wie geplant ausstrahlen“, teilte Jumpelt mit und erklärte: „Eine Abnahme des Interviews stand vor und während der Aufzeichnung nie zur Debatte. Diese vermeintliche Verpflichtung ist eine freie Erfindung des türkischen Ministers für Jugend und Sport.“[2]

Der Sprecher der deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert, erklärte bezüglich des Vorfalls, die Pressefreiheit sei nicht verhandelbar. Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, sprach in Ankara mit Kılıçs Büroleiter. Dabei habe er deutlich gemacht, dass Pressefreiheit für die deutsche Bundesregierung und die deutschen Medien sehr wichtig sei. Zugleich wünsche sich die Bundesregierung, dass „die Pressefreiheit auch in der Türkei zur Anwendung kommt.“[3]

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  • Biografie als Abgeordneter bei der türkischen Nationalversammlung

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. "Gebürtiger Siegener wurde Minister in der Türkei", Siegener Zeitung vom 4. Januar 2014
  2. a b Eklat: Deutsche Welle widerspricht türkischem Minister. Welt Online, 7. September 2016.
  3. Streit zwischen Deutscher Welle und Türkei – Bundesregierung: "Pressefreiheit ist nicht verhandelbar". Deutschlandfunk, 7. September 2016.