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Airbus Helicopters H145M

Hubschraubertyp

Der Airbus Helicopters H145M ist ein Hubschrauber des europäischen Herstellers Airbus Helicopters (früher Eurocopter). Es handelt sich um die militärische Version des Airbus Helicopters H145.

Airbus Helicopters H145M
Airbus Helicopters H145M
Typ: Militärischer Mehrzweckhubschrauber
Hersteller:

Airbus Helicopters

Stückzahl: 18[1] (Stand: Juni 2017)

GeschichteBearbeiten

Die militärische Version ist gegenüber dem zivilen Modell nur wenig verändert und muss daher nicht komplett neu zugelassen werden. Da der H145M auch nach zivilen Vorschriften gewartet und instand gehalten werden kann, verringern sich der Aufwand und die Kosten der Wartung. Dies war auch ein Grund, warum sich EADS/Eurocopter an der Ausschreibung für einen leichten Mehrzweckhubschrauber der United States Army (englisch Light Utility Helicopter (LUH)) bewarb. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung UH-145.

EADS bereitete den damals noch unter der Bezeichnung EC 645 bekannten Hubschrauber als Armed Scout 645[2] – zurzeit als Armed Aerial Scout 72X bezeichnet – im Jahr 2009 für den Wettbewerb um den nächsten leichten bewaffneten Aufklärungshubschrauber (engl.: Armed Reconnaissance Helicopter (ARH)) der US-Streitkräfte vor. Der Hubschrauber erhielt seitliche Waffenträger, Systempartner Lockheed-Martin bietet ein nachtsichtfähiges Zielortungs- und Kennzeichnungsystem M-TADS/PVNS, das Video- und Kommunikationssystem VUIT-2 als auch Hellfire-Raketen zur Integration an. Außerdem können auch Revolverkanonen angebracht werden. Der Armed Scout 645 erhielt unter der „Hubschraubernase“ ein optisches FLIR-Sichtsystem. Nachteinsätze können ebenso geflogen werden, da der EC 145/BK 117C-2 auch für Einsatz mit Nachtsichtgeräten zugelassen ist.

Am 11. Juli 2013 unterzeichneten das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und Eurocopter einen Vertrag über die Beschaffung von 15 leichten Hubschraubern des Typs EC645 T2 für das Kommando Spezialkräfte (KSK). Am 8. Mai 2015 wurde der mittlerweile unter der Bezeichnung H145M geführte Hubschrauber durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) zugelassen.[3] Nach umfangreichen Boden- und Flugtests beim Hersteller Airbus Helicopters in Donauwörth sowie bei der Wehrtechnischen Dienststelle 61 (WTD 61) in Manching, bei denen u. a. die Notwasserungsanlage, die Rettungswinde, die Abseilvorrichtungen, das Kamerasystem sowie die elektronische Selbstschutzanlage geprüft wurden, folgte die militärische Musterzulassung durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) am 29. Oktober 2015.[3] Am 8. Dezember 2015 fand die Übergabe der ersten beiden Maschinen von Airbus Helicopters an das Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) in Laupheim statt.[4] Der Beschaffungsvertrag zwischen BMVg und Airbus Helicopters sieht vor, dass das Firmenpersonal nach Sicherstellung des Erstbetriebes schrittweise durch das luftfahrzeugtechnische Personal des HSG 64 ersetzt wird.[3]

Das Gesamtvolumen der Beschaffung beläuft sich auf 194 Millionen Euro und stellt neben den Hubschraubern auch die entsprechende Ausrüstung für die Anforderungen des KSK bereit.[5] Bis Juni 2017 wurden die restlichen der insgesamt 15 Maschinen in Dienst gestellt.[4]

VariantenBearbeiten

UH-145 / UH-72Bearbeiten

Hauptartikel: Airbus Helicopters UH-72

 
UH-72A Lakota der United States Army

Der europäische Verteidigungs- und Rüstungshersteller EADS rüstet die Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit dem EC 145 aus, welcher die Bezeichnung UH-145 erhalten hat. Im Jahr 2006 hat der UH-145 die Ausschreibung der United States Army für einen neuen leichten Mehrzweckhubschrauber gewonnen, der den UH-1H Huey (Bell 205) ablösen sollte. Die EADS-Tochtergesellschaft Eurocopter richtete daraufhin in ihrem amerikanischen Werk in Columbus, Mississippi, eine neue Fertigungs- und Montagelinie ein für die UH-72A Lakota (offizielle Bezeichnung der US-Army) ein.[6] Der UH-72 wird vornehmlich für Luftrettungs- und Katastropheneinsätze sowie für andere hoheitliche Aufgaben unter anderem bei den fliegenden Verbänden der US-Nationalgarde und des US-Heeres eingesetzt. Anfänglich wurden 322 Exemplare bestellt,[7] die unter der Führung von American Eurocopter in Zusammenarbeit mit Sikorsky gebaut werden. Die ersten drei Maschinen des Programms wurden in Deutschland hergestellt und in den Vereinigten Staaten montiert, bis die Produktionslinie im August 2007 voll ausgebaut war.

Als H-72A werden fünf für die United States Navy bestimmte Trainingshubschrauber dieses Typs bezeichnet. Sie werden auf der United States Naval Test Pilot School auf der Patuxent River Naval Air Station Maryland stationiert und sollen für die Ausbildung von Testpiloten eingesetzt werden. Der erste Hubschrauber wurde am 12. November 2009 ausgeliefert.[8]

H145MBearbeiten

 
H145M

Der Mehrzweckhubschrauber wird in erster Linie eingesetzt, um Spezialkräfte an ihren Einsatzort zu bringen. Der H145M (ehemals EC645 T2 LUH) verfügt über einen Ausleger mit Fenestron-Heckrotor, ein digitales Cockpit mit voller Nachtsichttauglichkeit und einen Autopiloten. Im Manöver profitieren die Spezialkräfte von einer geräumigen Kabine mit zwei großen seitlichen Schiebetüren sowie einer Hecktür. Neben den beiden Piloten finden bis zu neun weitere Personen in der Zelle Platz, darunter ein Tactical Operator, der für die Bedienung der militärischen Zusatzausstattung und der Bewaffnung zuständig ist. Zum Ausrüstungspaket gehören auch Abseilvorrichtungen und Außenlasthaken. Die weitere Ausrüstung umfasst Bordbewaffnung und ein elektro-optisches System zur Aufklärung. Ein Selbstschutzsystem sowie Panzerungen dienen dem zusätzlichen Schutz der Besatzung. Die Maschine kann in einem Airbus A400M strategisch verlegt und unmittelbar nach der Entladung aus dem Transportflugzeug benutzt werden.[9] Erprobungen hierzu fanden im September 2015 an einem sogenannten Cargo Hold Trainer beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf statt.[10] Die Bundeswehr schaffte bis Juni 2017 15 Exemplare an.[4]

NutzerBearbeiten

Diese Übersicht enthält neben der H145M auch die bei Streitkräften in Dienst stehenden unbewaffneten H145.

Albanien  Albanien
Luftwaffe: 2 H145
Deutschland  Deutschland
Luftwaffe: 15 H145M LUH SOF[4]
Heer: 7 H145 LUH SAR (bestellt 2018)[11]
Ecuador  Ecuador
Luftwaffe: 6 H145M (bestellt 2019)[12]
Luxemburg  Luxemburg
Police Grand-Ducale: 2 H145M (bestellt 2018, Betrieb durch die Polizei, auch für militärische Aufgaben eingesetzt)[13]
Serbien  Serbien[14]
Luftwaffe: 6 H145M (bestellt, Auslieferung 2018 bis 2019)
Ministerium für Innere Angelegenheiten: 3 H145M bestellt (Auslieferung 2018 bis 2019)
Thailand  Thailand
Heer: 6 H145 VIP
Marine: 5 H145M[15]
Ungarn  Ungarn
Luftwaffe: 20 H145M (Auslieferung seit 2019)[16]
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
Royal Air Force: 3 H145 (Juno HT.1)

Technische DatenBearbeiten

Kenngröße EC 645[17]
Triebwerke 2 × Turboméca Arriel 2E mit je 771 Wellen-PS (575 kW) inkl. volldigitaler FADEC-Triebwerkssteuerung
Flugleistungen Höchstgeschwindigkeit 268 km/h*
Reisegeschwindigkeit 241 km/h*
max. Reichweite 663 km ohne Reserve*
Verbrauch 244 kg/h im Reiseflug*

258 kg/h bei max. Leistung*

Schwebeflug 3400 m
Dienstgipfelhöhe 5500 m
Steigrate 8,4 m/s
Gewichte max. Abfluggewicht 3585 kg
Leergewicht 1792 kg
Nutzlast 1793 kg
Abmessungen: Länge über alles 13,63 m
Länge der Zelle 11,69 m
Kufenbreite 2,4 m
Höhe über alles 4 m
Hauptrotordurchmesser 11,00 m
Heckrotordurchmesser 1,96 m
Kabine (L × B × H) 3,12 × 1,70 × 1,27 m
sonstige Daten Schallpegel 85 dB[18]
Passagiere bis zu 11 Personen (inkl. Besatzung)
Tankinhalt 879 l

 * bei 3000 kg Abfluggewicht

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. H145M Media Backgrounder. Airbus.com, abgerufen am 15. Februar 2018 (englisch).
  2. Webseite Armed Scout 645 (englisch). EADS North America, archiviert vom Original am 25. September 2013; abgerufen am 21. September 2013.
  3. a b c Europäische Sicherheit & Technik 12/2015. S. 76 f.
  4. a b c d Thomas Wiegold: Mal ein erfolgreiches Rüstungsprojekt: Alle H145M-Hubschrauber bei der Truppe angekommen. augengeradeaus.net, 26. Juni 2017, abgerufen am 26. Juni 2017.
  5. 15 neue Hubschrauber für Eliteverband KSK. bundeswehr-journal.de. Abgerufen am 21. September 2013.
  6. Christina Gotzhein / Melanie Wolf: Eurocopter und Kawasaki Heavy Industries unterzeichnen neuen Kooperationsvertrag. (Nicht mehr online verfügbar.) EADS, 20. Juli 2010, ehemals im Original; abgerufen am 8. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.eads.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. EADS.com Pressemitteilung (Memento vom 25. Juni 2007 im Webarchiv archive.today) vom 9. November 2006
  8. FliegerRevue Januar 2010, S. 8. EADS liefert erste H-72A an U.S. Navy
  9. Strategie & Technik: 15 ab Ende 15: KSK erhält EC645 T2
  10. Lindhorst, Burghard: Mit zwei Hubschraubermustern auf weltweite Einsätze eingestellt. In: Hardthöhenkurier 1/2017. S. 56–59.
  11. Spate of H145M deliveries near for Airbus Helicopters. Flightglobal, 4. November 2019, abgerufen am 4. November 2019.
  12. Ecuador orders six H145M helos. Janes, 2. Dezember 2019, abgerufen am 2. Dezember 2019.
  13. Luxembourg Defence orders two H145Ms. Abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  14. Igor Bozinovski: Serbia buys nine H145M helicopters from Airbus. Jane’s 360, 4. Januar 2017, archiviert vom Original am 21. Juni 2017; abgerufen am 26. Juni 2017 (englisch).
  15. Thailändische Marine übernimmt ihre ersten H145M. Flug Revue, 29. April 2016, abgerufen am 2. Januar 2017.
  16. Hungary receives first two H145M helicopters. Janes, 21. November 2019, abgerufen am 23. November 2019.
  17. EC 645 T2. (PDF; 2,8 MB) www.eurocopter.com, 21. September 2013, archiviert vom Original am 25. September 2013; abgerufen am 26. Juni 2017 (englisch).
  18. Bundeswehr - Der H145M, der neue Luftwaffenhubschrauber... | Facebook. In: www.facebook.com. Abgerufen am 29. Mai 2016.