Air Vietnam

ehemalige staatliche Fluggesellschaft Südvietnams

Air Vietnam (vietnamesisch Hãng Hàng không Việt Nam) war die staatliche Fluggesellschaft Südvietnams mit Sitz in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt), die von 1951 bis 1975 bestand.

Air Vietnam
Boeing 707-300, im Jahr 1974
IATA-Code: VN
ICAO-Code: VN
Rufzeichen: AIR VIETNAM
Gründung: 1951
Betrieb eingestellt: 1975
Sitz: Saigon, Südvietnam
Heimatflughafen: Flughafen Tan-Son-Nhat
Flottenstärke: 18 (Februar 1975)
Ziele: national und international
Air Vietnam hat den Betrieb 1975 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.

GeschichteBearbeiten

Die Fluggesellschaft wurde noch in der Kaiserzeit unter Bảo Đại im Jahr 1951 gegründet, um Flugrouten von Air France in Südostasien zu übernehmen. Nachdem Frankreich im Indochinakrieg unterlag und sich als ehemalige Kolonialmacht immer mehr aus der Region zurückzog, wurde Air Vietnam die offizielle Airline des neu gegründeten südvietnamesischen Staates. Auch während des Vietnamkrieges transportierte Air Vietnam Millionen von Passagieren, bis sie schließlich am 30. April 1975 aufgelöst wurde, nachdem Südvietnam von nordvietnamesischen Kräften besiegt wurde.[1]

FlotteBearbeiten

Flotte bei BetriebseinstellungBearbeiten

Im Frühjahr 1975 bestand die Flotte der Air Vietnam aus 18 Flugzeugen.[2]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Sitzplätze
Boeing 707-300 1
Boeing 727-200 1
Cessna U206C 1
Douglas DC-3 7
Douglas DC-4 5
Sud Aviation Caravelle 6R 1 geleast von FEAT
Vickers Viscount 832 2 geleast von FEAT
Gesamt 18 -

Zuvor eingesetzte FlugzeugeBearbeiten

ZwischenfälleBearbeiten

Von der Gründung 1952 zur Betriebseinstellung 1975 kam es bei Air Vietnam zu 16 Totalschäden von Flugzeugen. Bei 12 davon kamen 425 Menschen ums Leben.[3] Vollständige Liste:

  • Am 16. August 1954 wichen die Piloten einer Bristol 170 Mk.21E der Air Vietnam (Luftfahrzeugkennzeichen F-VNAI) auf ihrem Flug von Hanoi nach Saigon auf Grund von Triebwerksproblemen für eine Notlandung zum Flughafen Pakse (Laos) aus. Im Anflug stürzte die Maschine in einen Nebenfluss des Mekong. Auf dem Flug wurden Familienangehörige von Truppen aus dem Bereich des Roten Flusses im Norden Vietnams evakuiert; das Flugzeug war überladen. Von den 55 Insassen wurden 47 getötet, 46 Passagiere und ein Steward. Dies war der schwerste Unfall einer Bristol 170.[4][5]
  • Am 2. April 1969 wurde eine geparkte Douglas DC-6B der Air Vietnam (XV-NUC) auf dem damaligen Flugplatz von Huế, Südvietnam, zerstört. Personen kamen dabei offenbar nicht zu Schaden.[9]
  • Am 20. September 1969 befand sich eine Douglas DC-4 der Air Vietnam (XV-NUG) auf einem Linienflug von Pleiku im Anflug auf den Flughafen Da Nang. Sie wurde von oben von einer McDonnell F-4 Phantom II der United States Air Force gerammt, die von einem Kampfeinsatz zurückkam. Die Linienmaschine stürzte in ein Feld. Von den 75 Insassen wurden 74 getötet, alle 5 Besatzungsmitglieder und 69 der 70 Passagiere, sowie 2 Bauern, die in einem Feld arbeiteten.[11]
  • Am 22. Dezember 1969 kam es in einer Douglas DC-6B der Air Vietnam (B-2005) im Anflug auf den damaligen Flugplatz von Nha Trang (Südvietnam) zu einer Explosion in der vor der linken Tragfläche gelegenen Toilette. Dadurch fiel das Hydrauliksystem aus, was zu einer Landung ohne Landeklappen mit hoher Geschwindigkeit führte. Nach dem Aufsetzen sprang das Flugzeug wieder hoch, überrollte nach dem zweiten Aufsetzen das Landebahnende und rammte einen Betonpfeiler sowie Unterkünfte. Die von einer taiwanischen Fluggesellschaft gemietete Maschine fing Feuer und brannte aus. Von den 77 Insassen kamen 10 Passagiere ums Leben, außerdem wurden 24 Menschen am Boden getötet.[12]
  • Am 24. September 1972 stürzte eine Douglas DC-4/C-54D-1-DC der Air Vietnam (XV-NUH) bei Ben Cat (Südvietnam) in sumpfiges Gelände. Die aus Vientiane (Laos) kommende Maschine befand sich im Anflug auf den Flughafen Saigon, als sie 37 Kilometer vor dem Ziel verunglückte. Von den 13 Insassen kamen 10 ums Leben, vier Besatzungsmitglieder und sechs Passagiere.[16]
  • Am 19. März 1973 stürzte eine aus Saigon kommende Douglas DC-4 der Air Vietnam (XV-NUI) im Anflug auf den Flughafen Buon Ma Thuot 6,5 Kilometer südlich davon ab. Ursache war eine Explosion im Frachtraum in der Nähe des Hauptholms. Alle 58 Insassen, 5 Besatzungsmitglieder und 53 Passagiere kamen ums Leben.[17]
  • Am 20. Februar 1974 wurde eine Douglas DC-4/C-54A-5-DO der Air Vietnam (XV-NUM) auf einem Flug vom Flugplatz Quy Nhơn zum Flughafen Da Nang entführt. Der Entführer forderte, nach Dong Hoi im damaligen Nordvietnam geflogen zu werden. Die Piloten landeten jedoch in Huế, Südvietnam. Als der Entführer die Täuschung bemerkte, zündete er eine Sprengladung, wodurch insgesamt 3 Menschen getötet und ein 2 × 3 großes Loch in den Rumpf gerissen wurde. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt.[19]
  • Am 15. September 1974 wurde eine Boeing 727-121C der Air Vietnam (XV-NJC) auf dem Flug von Da Nang nach Saigon entführt. Im Anflug auf die als Ausweichflugplatz vorgesehene Phan Rang Air Base kam es im Endanflug zum Kontrollverlust und Absturz. Alle 75 Insassen kamen ums Leben (siehe auch Air-Vietnam-Flug 706).[20]
  • Am 12. März 1975 stürzte eine Douglas DC-4/C-54D-5-DC der Air Vietnam (XV-NUJ) 25 Kilometer südwestlich von Pleiku (Südvietnam) ab. Die Maschine war auf einem internationalen Linienflug von Vientiane (Laos) nach Saigon. Alle 26 Insassen, sechs Besatzungsmitglieder und 20 Passagiere, kamen ums Leben. Aufgrund der Kämpfe im Absturzgebiet konnte das Wrack nicht untersucht werden.[21]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Air Vietnam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.timetableimages.com/ttimages/vn1.htm
  2. JP airline-fleets 75
  3. Daten über die Fluggesellschaft Air Vietnam im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Januar 2023.
  4. Air-Britain Archive: Casualty compendium part 60 (englisch), März 1996, S. 96/31.
  5. Unfallbericht Bristol 170 F-VNAI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. August 2019.
  6. Flugunfalldaten und -bericht DC-4 XV-NUA im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.
  7. Flugunfalldaten und -bericht DC-3 XV-NID im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2023.
  8. Flugunfalldaten und -bericht DC-3 XV-NIC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2023.
  9. Flugunfalldaten und -bericht DC-6 XV-NUC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.
  10. Flugunfalldaten und -bericht DC-4 F-BELL im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. August 2022.
  11. Unfallbericht DC-4 XV-NUG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. August 2019.
  12. Flugunfalldaten und -bericht DC-6 B-2005 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.
  13. Flugunfalldaten und -bericht DC-3 B-305 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2023.
  14. Flugunfalldaten und -bericht C-46 B-1543 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. Januar 2023.
  15. Flugunfalldaten und -bericht DC-3 B-304 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2023.
  16. Flugunfalldaten und -bericht DC-4 XV-NUH im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.
  17. Unfallbericht DC-4 XV-NUI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. August 2019.
  18. Flugunfalldaten und -bericht DC-3 XV-NIE im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2023.
  19. Flugunfalldaten und -bericht DC-4 XV-NUM im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.
  20. Unfallbericht B-727-100 XV-NJC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. März 2019.
  21. Flugunfalldaten und -bericht DC-4 XV-NUJ im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2021.