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Felsen-Straußgras

Art der Gattung Straußgräser (Agrostis)
(Weitergeleitet von Agrostis rupestris)
Felsen-Straußgras
Felsen-Straußgras (Agrostis rupestris) (links, 2a-c)

Felsen-Straußgras (Agrostis rupestris) (links, 2a-c)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Straußgräser (Agrostis)
Art: Felsen-Straußgras
Wissenschaftlicher Name
Agrostis rupestris
All.

Das Felsen-Straußgras[1] (Agrostis rupestris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Straußgräser in der Familie der Süßgräser (Poaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht vom Südwesten bis in den Osten Europas und nach Nordafrika. Es kommt nur in Höhen über 1400 Metern vor.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Das Felsen-Straußgras ist ein ausdauernder Hemikryptophyt und wächst in kleinen, dichten Horsten. Es bildet keine oder nur sehr kurze unterirdische Ausläufer mit wenigen Schuppen. Die zahlreichen Erneuerungssprosse wachsen innerhalb der untersten Blattscheiden in die Höhe. Die Halme sind 5 bis 20, manchmal bis 30 Zentimeter lang, zwei- bis dreiknotig und unbehaart. Die Blattscheiden sind glatt und unbehaart. Die unteren Blattscheiden sind graubraun bis rotbraun und glänzend. Das Blatthäutchen ist ein 1 bis 1,5 Millimeter langer, häutiger Saum. Die Blattspreiten sind glatt, 3 bis 6 Zentimeter lang, zusammengerollt und borstenförmig mit einem Durchmesser von etwa 0,5 Millimetern.[2]

Als Blütenstand wird eine 2 bis 4 Zentimeter lange, 1 bis 2 Zentimeter breite, vor der Blüte zusammengezogene, zur Blütezeit und danach ausgebreitete Rispe gebildet. Die Seitenäste gehen zu zweit oder dritt von der Hauptachse ab, sie sind bis zu 2 Zentimeter lang[3], geschlängelt, glatt und unbehaart oder im oberen Teil durch einige Stachelhaare rau. Die Ährchen stehen einzeln, sie sind einblütig, braunviolett, selten grünlich gelb oder strohfarben und 2,2 bis 2,5 (bis 3) Millimeter lang. Fruchtbare Ährchen haben einen keulenförmigen, 1,5 bis 3,5 Millimeter langen Stiel. Das Blütchen fällt in der Reifezeit aus den Hüllspelzen, die an der Rispe zurückbleiben. Obere und untere Hüllspelze sind beinahe gleich, wobei die untere etwas länger als die obere ist. Sie sind einnervig, etwa so lang wie das Ährchen, lanzettlich, zugespitzt, häutig, glatt und kahl, jedoch vor allem im oberen Teil auch rau. Der Kallus des Blütchens ist unbehaart oder zeigt nur wenige, etwa 0,1 Millimeter lange Haare. Die Deckspelze ist fünfnervig, länglich eiförmig, 1,8 bis 2 Millimeter lang und am oberen Ende gezähnelt. Der untere Teil ist häutig, der obere zarthäutig, glatt und unbehaart, nur die Nerven sind rau. Sie ist am Rücken im untersten Drittel begrannt. Die Granne ist etwa 3 Millimeter lang und gekniet und im unteren Teil gedreht. Die Vorspelze hat höchstens ein Fünftel der Länge der Deckspelze. Die zwei Schwellkörper sind häutig. Die drei Staubbeutel sind 0,8 bis 1 Millimeter lang. Als Früchte werden etwa 1,5 Millimeter lange Karyopse gebildet. Die Art blüht von Juli bis August.[2][4]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[2]

Verbreitung und StandortansprücheBearbeiten

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Südwest-, Mittel- und Osteuropa und im Norden von Afrika.[4] Man findet es in Portugal, Spanien, Frankreich mit Korsika, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei, Italien, Kroatien, Serbien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien und der Ukraine, in Asien in Transkaukasien[5], in Afrika in Marokko.[6] In Österreich ist es in allen Bundesländern mit Ausnahme Wiens und des Burgenlands vertreten.[7] In Deutschland kommt es in den Alpen zwischen 1600 und 3000 Metern vor und im Bayerischen Wald auf dem Großen Arber.[2]

Des Felsen-Straußgras wächst in Höhen über 1400 Metern[3] auf Magerrasen und Schafweiden, an Wildheuplätzen, auf steinigen Graten und Abhängen, in Felsspalten, auf Moränenschutt und im Zwergstrauchgestrüpp auf mehr oder weniger frischen, nährstoff- und basenarmen, humosen, mehr oder weniger sauren, flachgründigen und steinigen Lehm- und Tonböden mit nur kurzer Schneebedeckung. Auf Kalk findet man die Art nur auf einer tiefen Humusschicht.[2] Sie ist eine Charakterart der Ordnung Caricetalia curvulae, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Nardion oder Rhododendro-Vaccinion vor.[8] In den Allgäuer Alpen steigt sie von 1500 Metern bis zu 2200 Metern Meereshöhe auf.[9]

SystematikBearbeiten

Das Felsen-Straußgras (Agrostis rupestris) ist eine Art aus der Gattung der Straußgräser, die der Familie der Süßgräser (Poaceae), Unterfamilie Pooideae, Tribus Poeae und Untertribus Agrostidinae zugeordnet ist.[10] Es wurde 1785 von Carlo Allioni in Flora Pedemontana erstbeschrieben.[11][12] Synonyme der Art sind unter anderen Agrestis rupestris (All.) Bubani, Agrostis canina var. schultesii (Kunth) K. Richt., Agrostis montis-aurei Delarbre ex Poir., Agrostis perrieri Rouy, Agrostis schultesii Kunth, Agrostis setacea Vill., Avena rupestris J.F.Gmel., Trichodium alpinum Schrad. und Trichodium neglectum Schult.[13]

Es ähnelt dem ebenfalls in den Alpen vorkommenden Alpen-Straußgras (Agrostis alpina), von dem es sich durch die glatten Rispenäste unterscheidet.[3]

Man kann bei Agrostis rupestris zwei Unterarten unterscheiden[5]:

  • Agrostis rupestris subsp. pyrenaica (Pourr.) Dostál: Sie kommt in den Pyrenäen vor.[5]
  • Agrostis rupestris subsp. rupestris: Sie kommt von Europa bis Aserbaidschan und in Marokko vor.[5]

NamenserklärungBearbeiten

Der Gattungsname Agrostis stammt aus dem Lateinischen, agrostis bezeichnete lästiges Unkraut, das auf den Feldern wächst.[14] Das Artepitheton rupestris leitet sich vom lateinischen rupes für „steile Felswand“ ab und verweist damit auf den Standort auf Felsböden.[15]

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 62, 63.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler, Mark Bachofer: Unsere Gräser. Über 400 Farbzeichnungen. Aktualisierte 12. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12573-1, S. 102.
  • Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 1186.
  • Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 46, 547 (Nachdruck von 1996).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutscher Name nach Conert: Pareys Gräserbuch, S. 62.
  2. a b c d e Conert: Pareys Gräserbuch, S. 62.
  3. a b c Aichele, Schwegler: Unsere Gräser, S. 102.
  4. a b W. D. Clayton, M. Vorontsova, K. T. Harman, H. Williamson: Agrostis rupestris. In: GrassBase - The Online World Grass Flora. Royal Botanic Gardens, abgerufen am 2. Februar 2014 (englisch).
  5. a b c d Rafaël Govaerts (Hrsg.): Agrostis - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 31. Oktober 2016.
  6. Benito Valdés, Hildemar Scholz: Agrostis rupestris. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, abgerufen am 2. Februar 2014 (englisch).
  7. Fischer et al.: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 1187.
  8. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 253.
  9. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 159.
  10. Agrostis rupestris im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  11. Agrostis rupestris. In: The International Plant Name Index. Abgerufen am 2. Februar 2014 (englisch).
  12. Carlo Allioni: Flora Pedemontana sive Enumeratio Methodica Stirpium Indigenarum Pedemontii. Tomus secundus, 1785, S. 237 (online).
  13. Agrostis rupestris. In: The Plant List. Abgerufen am 2. Februar 2013.
  14. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 46.
  15. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 547.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Felsen-Straußgras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien