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Agrellit

Sehr seltenes Natrium-Calcium-Kettensilikat NaCa2[F|Si4O10]

Das Mineral Agrellit ist ein sehr selten vorkommendes Kettensilikat aus der Mineralklasse der „Silicate und Germanate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NaCa2[F|Si4O10][1] und entwickelt meist langprismatische Kristalle bis etwa 10 cm Länge, aber auch tafelige Mineral-Aggregate von grauweißer bis grünlicher Farbe.

Agrellit
Museo di mineralogia, pietre fluorescenti, agrellite 3.JPG
Fluoreszierender Agrellit, ausgestellt im Museo di Storia Naturale (Naturhistorisches Museum) in Florenz
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1973-032

Chemische Formel NaCa2[F|Si4O10][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DH.75 (8. Auflage: VIII/H.15)
70.01.01.04
Ähnliche Minerale Zinnwaldit
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal 1[2]
Raumgruppe P1[1]
Gitterparameter a = 7,76 Å; b = 18,95 Å; c = 6,99 Å
α = 89,9°; β = 116,6°; γ = 94,3°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5
Dichte (g/cm3) 2,9
Spaltbarkeit gut
Bruch; Tenazität uneben
Farbe grauweiß bis grünlich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, matt bis perlmuttartig auf den Spaltflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,567
nβ = 1,579
nγ = 1,581[3]
Doppelbrechung δ = 0,014[3]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 47°
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale violette Fluoreszenz

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Erstmals gefunden wurde Agrellit 1973 im Kipawa-Komplex von Témiscamingue in Kanada und beschrieben 1976 durch J. Gittins, M.G. Brown und B.D. Sturman, die das Mineral nach dem englischen Mineralogen Dr. Stuart Olof Agrell (1913–1996) benannten.

KlassifikationBearbeiten

In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehört der Agrellit noch zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Glagolevit und Mountainit eine eigene Gruppe bildete.

Seit der Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage ist das Mineral jedoch neu einsortiert in die Unterabteilung der „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.DH.75 bildet.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Agrellit ebenfalls in die Abteilung der Kettensilicate, dort allerdings in die Unterabteilung „mit Säulen- oder Röhren-Strukturen mit säulenartigen Silikateinheiten“, wo er zusammen mit Litidionit, Fenaksit und Manaksit die unbenannte Gruppe 70.1.1 bildet.

KristallstrukturBearbeiten

Agrellit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 mit den Gitterparametern a = 7,76 Å; b = 18,95 Å; c = 6,99 Å; α = 89,9°; β = 116,6° und γ = 94,3° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

EigenschaftenBearbeiten

Agrellit zeigt unter langwelligem UV-Licht eine hellviolette und unter kurzwelligem UV-Licht eine dunkelviolette Fluoreszenz.

Bildung und FundorteBearbeiten

Agrellit bildet sich metamorph in alkalischen Gneisen.

Neben seiner Typlokalität Kipawa-Komplex in Kanada konnte das Mineral weltweit noch an rund 10 Fundorten (Stand: 2010) nachgewiesen werden, so unter anderem im Murun-Massiv des Aldanhochlandes (Ostsibirien) und in den Chibinen auf der Halbinsel Kola in Russland; am Darai-Pioz Gletscher im Alai-Gebirge von Tadschikistan sowie im Wausau Plateau und in den Plutonen bei Stettin (Wisconsin) in den USA.[3]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Agrellite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 645.
  2. Webmineral – Agrellite (englisch)
  3. a b c Agrellite bei mindat.org (engl.)