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Die Adrian Darya 1 (früher Grace 1) ist ein 1997 gebauter Mineralöltanker aus der Gruppe der Very Large Crude Carrier.

Adrian Darya 1 p1
Schiffsdaten
Flagge IranIran Iran
andere Schiffsnamen

Grace 1 (2013–2019)
Meridian Lion (2011–2013)
Overseas Meridian (2006–2011)
Meridian Lion (1997–2006)[1]

Schiffstyp Very Large Crude Carrier
Rufzeichen EPLQ7
Heimathafen Qeschm
Bauwerft Hyundai Heavy Industries
Baunummer 947
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
330,26 m (Lüa)
314,00 m (Lpp)
Breite 58,00 m
Seitenhöhe 31,00 m
Tiefgang max. 20,62 m
Vermessung 156.880 BRZ / 107.698 NRZ
 
Besatzung 28
Maschinenanlage
Maschine 1 × MAN-Dieselmotor
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
24.485 kW (33.290 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
15 kn (28 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 300.579 tdw
Tankkapazität 331.536 m³
Sonstiges
Klassifizierungen Lloyd’s Register
Registrier-
nummern
IMO 9116412

GeschichteBearbeiten

Das Schiff wurde unter der Baunummer 947 auf der Werft von Hyundai Heavy Industries in Ulsan, Südkorea, gebaut. Die Kiellegung fand am 27. Juli 1996 statt, der Stapellauf am 28. Februar 1997. Die Fertigstellung des Schiffes erfolgte am 31. März 1997.[2][3] Der Doppelhüllentanker wurde nach seiner Fertigstellung als Meridian Lion für die Second Union Tanker Corporation unter der Flagge der Marshallinseln in Fahrt gesetzt[2], ab November 1998 durch OSG Ship Management bereedert und 1999 auf die Meridian Tanker Corporation, eine Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Overseas Shipholding Group (OSG) übertragen. Die Overseas Shipholding Group erwarb im April 2003 das komplette Eigentum an den zuvor jeweils zu 50 % im Joint Venture mit einer großen Ölgesellschaft gehaltenen Tankern Meridian Lion und Equatorial Lion. Im Juni 2003 veräußerte die OSG beide Schiffe für jeweils 60,5 Millionen US-Dollar an die Salamon AG in Dortmund und charterte die Meridian Lion über acht Jahre für eine Tagescharterrate von 26.930 US-Dollar zurück.[4] Das Schiff wurde 2003 auf die SAG Unternehmensbeteiligungsgesellschaft MT "Meridian Lion" mbH & Co Tankschiff KG eingetragen, die Bereederung übernahm Columbia Shipmanagement. 2006 wurde der Tanker in Overseas Meridian umbenannt.[5]

Am Morgen des 20. Dezember 2007 kollidierte die Overseas Meridian in der südlichen Einfahrt zum Sueskanal mit dem Suezmax-Tanker Isi Olive. Beide Schiffe liefen auf Grund, woraufhin der Verkehr auf dem Kanal für sechs Stunden gestoppt werden musste.[5]

2013 wurde das Schiff als Grace 1 unter die Flagge Panamas gebracht. Der Flaggenstaat entzog dem Schiff am 29. Mai 2019 das Recht, die panamaische Flagge zu führen, da es Hinweise gebe, dass das Schiff mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden könne.[6][7] Schon im März 2019 hatte Reuters die erhaltenen Ladungspapiere mit den Bewegungen des Schiffes verglichen. Obschon die Papiere eine Beladung des Schiffes im Dezember 2018 in Irak auswiesen, konnte Reuters keine Hinweise auf eine Anwesenheit des Schiffes in Basra feststellen, vielmehr war das AIS-Tracking des Schiffes zwischen dem 30. November und dem 14. Dezember 2018 deaktiviert. Die nächste gesicherte Aufzeichnung der Grace 1 erfolgte nahe dem iranischen Hafen von Bandar Assaluyeh in vollbeladenem Zustand.[8]

Das Schiff gehört dem Unternehmen Grace Tankers Ltd mit Sitz in Singapur.[9] Es wurde im August 2019 umbenannt und unter die Flagge des Irans gebracht. Neuer Name des Schiffes wurde Adrian Darya 1.[10] Bereedert wird es von dem in Panama ansässigen Unternehmen Ocean Mark Shipping.

Aufbringen 2019Bearbeiten

Am 4. Juli 2019 enterte eine Kommandoeinheit von 30 Soldaten der britischen Royal Marines in Zusammenarbeit mit Einheiten der Polizei und des Zolls aus Gibraltar das Schiff vor Gibraltar.[11] Die Besatzung wurde britischerseits verdächtigt, die mit einem EU-Embargo belegte syrische Raffinerie Banias Refinery Company mit dem mit offensichtlich iranischem Öl[12] voll beladenem Schiff zu beliefern, was aufgrund einer Änderung der Rechtslage einen Tag davor seitens Gibraltars verboten worden war.[13] Zudem soll eine entsprechende Bitte der USA vorgelegen haben.[14] Das Schiff wurde beschlagnahmt. Der Kapitän und der erste Offizier, beide indische Staatsbürger, wurden verhaftet.[15] Der Ministerpräsident Gibraltars, Fabian Picardo, informierte die Präsidenten der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates über die Aktion, die nach Darstellung Gibraltars dem Schutz eines EU-Embargos diene, das Syrien seit 2011 den Export von Erdöl verbietet.[13][16][17][18][19] Rohöllieferungen nach Syrien fallen hingegen nicht unter das Embargo.[20]

An Bord befanden sich 28 Besatzungsmitglieder aus Indien, Pakistan und der Ukraine.[11] Bei den im Juli 2019 üblichen Weltmarktpreisen im Bereich von etwa 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel OPEC-Rohöl[21] hatte die Ladung einen Wert von über 120 Millionen US-Dollar.

Am 15. August 2019 wurde bekannt, dass das Schiff wieder freigegeben werden soll,[22] nachdem der Iran versichert hatte, dass die Ladung an Bord des Schiffes nicht für Syrien bestimmt wäre. Die USA versuchten, zu intervenieren, um die Freigabe zu verhindern. Dazu wurde sogar die Beschlagnahmung des Schiffes durch ein US-amerikanisches Bundesgericht in Washington verfügt.[23] Die wurde von den Behörden in Gibraltar mit Verweis auf EU-Recht abgelehnt.[10]

Am 18. August 2019 um 23.49 Uhr Ortszeit[24] nahm das Schiff, von einer neuen Besatzung geführt[25], langsame Fahrt Richtung Griechenland auf, das dem Tanker jedoch jede Unterstützung verweigerte. Am 26. August meldete IRIB, dass die Ladung an einen nicht genannten Käufer verkauft worden sei. Das Schiff befand sich zu der Zeit südlich Griechenlands.[26]

Am 4. September 2019 bestätigte das amerikanische Aussenministerium, dass dem Kapitän der Adrian Darya 1 mehrere Millionen Dollar angeboten worden waren. Im Gegenzug sollte er den Tanker in die Gewässer eines Landes steuern, in dem festgesetzt werden könnte.[27]

Technische DatenBearbeiten

Das Schiff wird von einem Siebenzylinder-Dieselmotor des Typs 7S80MC mit 24.485 kW Leistung angetrieben. Der Motor des Herstellers MAN B&W wurde von Hyundai Heavy Industries in Lizenz gebaut. Er wirkt auf einen Propeller.[3]

Das Schiff verfügt über 15 Ladungstanks. Die Kapazität der Tanks beträgt 331.536 m³.[3] Das entspricht 2,084 Millionen Barrel oder etwa dem täglichen deutschen Rohölverbrauch.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 9116412 Grace 1. MaritimeConnector.com, abgerufen am 19. Juli 2019.
  2. a b Meridian Lion. Auke Visser’s International Super Tankers, abgerufen am 19. Juli 2019.
  3. a b c Meridian Lion. Ship-DB, abgerufen am 19. Juli 2019.
  4. Overseas Shipholding Group reports record first half results, 7. August 2003 (englisch)
  5. a b Eintrag bei http://www.cargo-vessels-international.at
  6. The Vessel “Grace 1” Does Not Belong To The Panamanian Registry. Mitteilung. Autoridad Marítima de Panamá (AMP), 4. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  7. Grace 1 no longer Panama-registered. Insurance Marine News, 8. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  8. Exclusive: How Iran fuel oil exports beat U.S. sanctions in tanker... Reuters, 20. März 2019, abgerufen am 12. Juli 2019.
  9. Aritz Parra, Jon Gambrell: Gibraltar detains Syria-bound supertanker with Iranian oil. Associated Press, 4. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  10. a b Gibraltar widersetzt sich den USA. Spiegel-Online, 18. August 2019, abgerufen am 18. August 2019.
  11. a b Detention of supertanker Grace 1. International Harbour Masters Association, 10. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  12. Teheran reagiert aufgebracht auf das Festhalten eines Erdöltankers, der mutmasslich Syrien angesteuert hat auf NZZ am 4. Juli 2019 - Die Proteste aus dem Iran machten die Argumentation, wonach das Erdöl nicht aus dem Iran stammte, unglaubwürdig.
  13. a b Rechtliche Basis: Grace 1 steuerte "falschen" Adressaten in Syrien an - Iran - derStandard.at › International. In: derstandard.at. Abgerufen am 22. Juli 2019.
  14. Iran droht, britischen Tanker zu kapern. Welt, 5. Juli 2019, abgerufen am 12. Juli 2019.
  15. Kapitän und Offizier vor Gibraltar festgenommen. In: Tagesschau.de. 11. Juli 2019, abgerufen am 11. Juli 2019.
  16. Oil tanker bound for Syria detained in Gibraltar. BBC News, 4. Juli 2019, abgerufen am 11. Juli 2019.
  17. CSOA First Response Report: Gibraltar Seizes Supertanker. CSO Alliance, 4. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  18. First Response Report: Gibraltar Detains Supertanker. (PDF, 219 kB) CSO Alliance, 4. Juli 2019, abgerufen am 19. Juli 2019.
  19. Aktueller Stand der Sanktionen gegen Syrien. Abgerufen am 21. August 2019 (deutsch).
  20. Aktueller Stand der Sanktionen gegen Syrien. Abgerufen am 29. August 2019 (deutsch).
  21. https://www.oilprice.com
  22. Iranischer Tanker „Grace 1“ kann auslaufen. Spiegel-Online, 15. August 2019, abgerufen am 15. August 2019.
  23. US-Gericht ordnet Beschlagnahmung von Tanker vor Gibraltar an. Spiegel-Online, 17. August 2019, abgerufen am 18. August 2019.
  24. Vessel details for: GRACE 1 (Crude Oil Tanker) - IMO 9116412, MMSI 355271000, Call Sign 3EYE2 Registered in Panama | AIS Marine Traffic. Abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  25. Gibraltar lehnt Beschlagnahmung von „Grace 1“ ab. tagesschau.de, 18. August 2019, abgerufen am 18. August 2019.
  26. Iran says it has sold oil from tanker released by Gibraltar. Reuters, 26. August 2019, abgerufen am 26. August 2019 (englisch).
  27. USA wollten iranischen Tankerkapitän bestechen